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Die „Albertina Modern“ entsteht


Fotos: Wagner

Die „Albertina Modern“ entsteht
ALTES HAUS
FÜR NEUE KUNST

Pressebegehung der Baustelle Künstlerhaus am 18. September 2019

Von Renate Wagner

Wenn ein Museumsdirektor an die Kunst der Moderne glaubt. Wenn ein Museumsdirektor das Glück hat, diese reichlich geschenkt zu bekommen. Wenn ein Museumsdirektor in seinem eigenen Haus keinen Quadratmeter Platz mehr finden kann, den er nicht längst schon genützt hat: Dann muss er ein neues, ein zusätzliches Haus finden.

Museum für die Moderne gesucht

Klaus Albrecht Schröder weicht, wie man weiß, Problemen nicht aus, er geht sie frontal an. Schon bevor er die Albertina übernahm, sorgte er für Um- und Ausbauten, die ihm zahlreiche verschiedene Ausstellungsflächen verschafft haben – mehr, als das Haus je hatte. Aber nun kann in das Palais des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen nichts mehr hineingepresst werden. Und Schröder, der nichts davon hält, moderne Kunst zu kaufen, weil er sie sich ohnedies nicht leisten kann, sondern sehr froh ist, wenn man ihm moderne Kunst schenkt (und das in möglichst großem Ausmaß), hat die Sammlung der Familie Essl bekommen, zusätzlich die Bestände des deutschen Galeristen und Sammlers Rafael Jablonka. Und Schröder ist der Mann, sich für das, was er „Albertina modern“ nennt, etwas auszudenken. Ein Haus, das von seinem „alten“ auf kurzem Fußweg zu erreichen ist. Ein Haus, groß genug für seine Bedürfnisse. Wenn es auch noch eine Geschichte hat…

Es gibt noch Mäzene

Kurz, Schröder fand das Künstlerhaus, aber zuvor fand er einen Mäzen, was es heutzutage kaum mehr gibt. Der Tiroler Unternehmer Hans Peter Haselsteiner ist eine schillernde Figur in Österreichs Szene, er hat – sagen wir es ehrlich, wenn auch etwas flapsig – Gustav Kuhn Erl geschenkt, und nun schenkt er Klaus Albrecht Schröder das Künstlerhaus, das er erworben hat. Eine kaiserliche Geste, denn schließlich war es ursprünglich Kaiser Franz Joseph, der das von Anton Weber erbaute Haus 1865 den Künstlern Wiens geschenkt hat…

Ein Unglückshaus ist es geworden, spätestens, als Gustav Klimt und seine Secessionisten auszogen und unter dem „Krauthappl“ der Secession die Moderne deklarierten, was das Künstlerhaus automatisch zum Hort der Alten und Altmodischen machte. Im Lauf der Jahre wusste die Stadt Wien mit dem Künstlerhaus – an sich ein prachtvoller Historismus-Bau – nichts anzufangen, man „drehte“ die Fassade mehrfach, man plante immer wieder (eine Spezialität der Wiener Stadtregierung), das Haus einfach abzureißen. Durch welche Glücksfälle auch immer – das ist nicht gelungen. Wenn das Künstlerhaus heute eine Baustelle ist, dann nur, um es in altem Glanz wieder auferstehen zu lassen…

Die vernünftigste Lösung, das Künstlerhaus dem genau vis a vis gelegenen Wien Museum (einst das Historische Museum der Stadt Wien) zu übergeben, dessen permanente historische Schausammlung besser hier hinein gepasst hätte als irgendetwas sonst, war der Stadt zu teuer. Man suchte Mieter, baute einen Theater-Annex dazu, gab dem Kino Raum, aber die das Haus betreibende Gesellschaft konnte auch nach dem Verkauf ihrer sämtlichen Besitztümer nicht überleben.

Haselsteiner kaufte, gründete die Künstlerhaus Besitz – und Betriebsgesellschaft, ließ sich von Schröder bei einem Abendessen seine Vision verkünden, nickte zu einer Kostenüberlegung von 25 Millionen, ist jetzt auch bereit, 50 Millionen für den Umbau zu zahlen, der das Haus nicht nur im alten Glanz für die neue Kunst erstrahlen lassen soll, sondern auch alle nötigen Vorschriften der heutigen Bauordnung erfüllt (barrierefrei, zusätzliche Treppen, Sicherheitsauflagen u.a.). Die Albertina wird mietfrei einziehen, wobei Haselsteiner auch noch alle Betriebskosten übernimmt. Man hat die Säle im Erdgeschoß und Untergeschoß für Ausstellungen zur Verfügung (über 2500 Quadratmeter), während sich die noch existierende Künstlerhausgesellschaft den ersten Stock (mit 900 Quadratmetern) vorbehalten hat.

Der momentane Zustand des Hauses, wo man ohne die Kosten zu scheuen etwa die Fußböden in altem Glanz (mit italienischen Fachleuten) wieder herstellen lässt, lässt einen Eröffnungstermin im März nächsten Jahres kaum realistisch erscheinen, aber wie man Schröder kennt… An der ersten Ausstellung wird schon gearbeitet, sie wird „The Beginning“ heißen und sich ausschließlich österreichischer Kunst der Nachkriegszeit widmen: „Sie werden mich nicht für einen Nationalisten halten, aber wenn wir uns nicht um die österreichische Kunst kümmern, wer soll es dann tun?“ Kunst in Wien 1945 bis 1980 gibt einen historischen Rückblick auf brisante Zeiten.

Die zweite Ausstellung widmet sich internationaler moderner Kunst, die dritte wird „The Eighties“ behandeln. Drei Ausstellungen pro Jahr soll es geben, man überlegt noch, den ehemaligen Theaterraum, der heute leer steht, für eine Permanenz-Präsentation zu nützen, um das Haus nie sperren zu müssen…

So steht Klaus Albrecht Schröder, statt – wie er dachte – in Pension zu gehen, vor einer neuen Aufgabe, die er parallel mit der Führung der Albertina betreibt und die Wien ein neues Museum der Moderne im alten, traditionsreichen Künstlerhaus bescheren wird, dessen Unglückssträhne damit hoffentlich an ein Ende gelangt ist.

 

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