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DIE DONNERSTAG-PRESSE (17. OKTOBER 2019)

Für Sie in den Zeitungen gefunden: Die DONNERSTAG – PRESSE – 17.OKTOBER 2019

Wien/ Staatsoper
Staatsoper: Regiewechsel vor Uraufführung
Britin Polly Graham soll Olga Neuwirths „Orlando“ inszenieren.
Wiener Zeitung

Autobiographie: Brigitte Fassbaender hat ihre Erinnerungen veröffentlicht
Münchner Abendzeitung

Lübeck
Theater Lübeck: Milhauds „Christophe Colomb“ im Assoziations- und Tongewitter
Neue Musikzeitung /nmz.de

Plattenkritik: Oper: Ein Gluck für unsere Tage
https://www.diepresse.com/5706767/oper-ein-gluck-fur-unsere-tage

Temesvar
„Die Oper ist ein lebendiges Wesen“
ADZ-Gespräch mit dem Intendanten der Rumänischen Nationaloper Temeswar, Cristian Rudic
https://adz.ro/artikel/artikel/die-oper-ist-ein-lebendiges-wesen

Berlin
Nocturnal orgies versus controlled reason: The Bassarids at Komische Oper
bachtrack

London
Donizetti’s Don Pasquale packs a psychological punch at the ROH
http://www.operatoday.com/content/2019/10/donizettis_don_.php

Don Pasquale review at Royal Opera House, London – “Bryn Terfel stars in a smart, stylish production’
https://www.thestage.co.uk/reviews/2019/don-pasquale-bryn-terfel-review

Don Pasquale review: Peretyatko sparkles while Terfel enjoys his rogue’s role
https://www.standard.co.uk/go/london/arts/don-pasquale-review

Less than the sum of its parts: Zauberland at the Linbury
bachrack

Zauberland review – after horrors, a feeling of ’so what‘ remains
The Guardian

Chicago
A lazy “Luisa Miller’at Lyric Opera of Chicago
https://hpherald.com/2019/10/16/a-lazy-luisa-millerat-lyric-opera-of-chicago/

Toronto
BWW Review: RUSALKA is a Shining Example of a Dark Fairy-Tale Opera Done Right
https://www.broadwayworld.com/toronto/article/BWW-Review-RUSALKA

Feuilleton
Q & A: French Contralto Delphine Galou On Her Love Of Singing Baroque
https://operawire.com/q-a-french-contralto-delphine-galou-on-her-love

Christian Gerhaher to explore the world in Mahler’s songs
https://theclassicalreview.com/2019/10/christian-gerhaher-to-explore

Literatur

Griffen/ Kärnten
Medientermin mit Handke nach Eklat abgesagt

Ein für Mittwoch angesetzter Medientermin mit Literaturnobelpreisträger Peter Handke in dessen Heimatgemeinde Griffen ist nach einem Eklat am Dienstagabend abgesagt worden. Handke hatte ein Interview abgebrochen und scharfe Kritik an den Medien geübt.
https://kaernten.orf.at/stories/3017432/

Stellt mir nicht solche Fragen“: Peter Handke kritisiert Medien
Nobelpreisträger wurde auf die Kritik an seiner Serbien-Position angesprochen und reagierte empört. Heutiger Termin abgesagt.
Kurier

Der Fall Relotius: Aufdeckung journalistischer Systemfehler
Das System Relotius steht im Mittelpunkt des Buches von Juan Moreno, der die Affäre aufdeckte.
Wiener Zeitung

Ausstellungen/ Kunst

Ich vermisste das Leben, spürte nur Panik
Auferstanden: Helge Achenbach
Die Welt.de
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Unter’m Strich

Brexit-Verhandlungen: Bis an die Grenze
Die DUP ist das größte Hindernis für einen Kompromiss im Brexit-Streit. Die Unionisten aus Nordirland sehen die Einheit mit Großbritannien gefährdet.
Wiener Zeitung

Wien
Rapid-Präsident: Tojner unterstützt Grüneis mit fünf Millionen
Wenn Robert Grüneis Rapid-Präsident wird, fließen vom Investor bis zu acht Millionen für das geplante Trainingszentrum
Kurier

Österreich
Verteidigt SPÖ-„Luxus“: Kern postet Bild von Che Guevara mit Rolex
https://www.krone.at/2024691

INFOS DES TAGES (DONNERSTAG, 17. OKTOBER 2019)

INFOS DES TAGES (DONNERSTAG, 17. OKTOBER 2019)

WIENER STAATSOPER: Cinderella – Wiener Fassung für Kinder

Wiederaufnahme an der Wiener Staatsoper – ab sofort auch auf DVD erhältlich

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Schlusspplaus. Foto: Wiener Staatsoper

Die Wiener Staatsoper nimmt am Samstag, 19. Oktober 2019 (15.00 Uhr) Alma Deutschers Cinderella – Wiener Fassung für Kinder in der KINDEROPER | AGRANA STUDIOBÜHNE | WALFISCHGASSE wieder auf. Die Produktion in einer Inszenierung von Birgit Kajtna feierte im Jänner 2018 ihre Staatsopernpremiere. Zu erleben sind bei der Wiederaufnahme der Kinderoper – die Reprisen gestalten alternierende Besetzungen – u. a. Bryony Dwyer als Cinderella, Carlos Osuna als Prinz, Bongiwe Nakani als Emeline, Regine Hangler als Griselda, Margaret Plummer als Zibaldona, KS Ildikó Raimondi als Stiefmutter, Dan Paul Dumitrescu als König und Igor Onishchenko als Minister. Witolf Werner dirigiert das Bühnenorchester der Wiener Staatsoper.

Komponistin Alma Deutscher wird bei der Wiederaufnahme am 19. Oktober Solovioline und Klavier spielen sowie bei den Vorstellungen am 23. und 27. Oktober als Soloviolinistin mitwirken.

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Die Staatsopernproduktion von Cinderella – Wiener Fassung für Kinder ist ab sofort auf DVD u. a. im  e-shop der Wiener Staatsoper und im Arcadia Opera Shop erhältlich (erschienen bei belvedere, Live-Aufnahme der Staatsopern-Erstaufführung am 28. Jänner 2018).

Cinderella – Wiener Fassung für Kinder

Wiederaufnahme: 19. Oktober 2019 (15.00 Uhr)
Reprisen: 22.*, 23.*, 26. (15.00 Uhr), 27. (15.00 Uhr) Oktober;
14.*, 16. (15.00 Uhr), 18.*, 19.*, 22.* November 2019

* Vorstellungen für Schulklassen (10.30 Uhr), Kontakt: jugend@wiener-staatsoper.at

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IN ZWEI WOCHEN STARTET DIE 32. AUSGABE VON „WIEN-MODERN“)

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In knapp zwei Wochen startet die 32. Ausgabe von Wien Modern und präsentiert vom 28.10. bis 30.11.2019 unter dem Titel «Wachstum» 100 Veranstaltungen an 25 Spielstätten in 12 Wiener Gemeindebezirken. Auf dem Programm stehen 109 Ur- und Erstaufführungen.

Das Thema Wachstum steht im Mittelpunkt des diesjährigen Festivals, und das hat einen ganz einfachen Grund: Musik als Kunst der Gegenwart horcht auf den Herzschlag unserer Zeit. Schneller, höher, stärker ist die herrschende Devise in aller Welt; für die Ohren tun sich allerdings ganz andere Richtungen auf: unendliche Längen und winzige Augenblicke, dramatische Steigerungen, abstrakte Flächen, steter Wandel und ein Verschwinden ins Nichts.

Bei der 32. Edition von Wien Modern gibt es vielfältige Formen des Maximalismus und Minimalismus zu entdecken: Die klangliche Beschreibung eines Vulkanausbruchs ist im Eröffnungskonzert mit dem RSO Wien unter Leitung der neuen Chefdirigentin Marin Alsop zu hören. Das dienstälteste Ensemble die reihe nimmt Abschied und neue Ensembles wie Schallfeld, Black Page Orchestra und Platypus kommen hinzu. Wichtige Stationen auf dieser „Gipfeltour“ sind außerdem die Werkzyklen Poética del espacio und Erinnerungsspuren von Alberto Posadas, sew me into a shroud of leaves von Michael Hersch – eine musikalische Grenzerfahrung von Sonnenaufgang bis nach Sonnenuntergang, die weltumspannende Sinfonie X von Dieter Schnebel beim Claudio Abbado Konzert, das monumentale Chorwerk Demons + Angels von Lera Auerbach, der „unspielbare“ Klaviervariationenzyklus The People United von Frederic Rzewski  an einem gemeinsamen Abend mit Ingrid Schmoliner, sowie das Abschlusskonzert mit Peter Ablinger, Mark Andre und Peter Eötvös.

Weitere Highlights wie Bernhard Langs Der Reigen, choreografisch-musikalische Produktionen im Tanzquartier Wien, Kunsthistorischen Museum, Studio Molière und Reaktor u.a. mit Doris Uhlich, DD Dorvillier und Rose Breuss, die Reihe Minimal Night Music auf den Spuren der Reduktion, die Verleihung des Erste Bank Kompositionspreis an Mirela Ivi?evi?,  ungewöhnliche Spielorte wie die Brigittenauer Brücke (Modified Grounds), die Seestadt Aspern und das Sonnwendviertel (Salon Souterrain) oder die Ringstraßenbahn (Circle Line Project) und für das junge Publikum die Möglichkeit, das Gras wachsen zu hören (Dschungel Wien) versprechen einen spannenden Herbst.

Wir freuen uns auf vielfältige Begegnungen mit Ihnen bei Wien Modern 32!

Das Programm ist online unter www.wienmodern.at.
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WIEN/ AKADEMIETHEATER: HEUTE PREMIERE MEISTER UND MARGARITA 


Tim Werths, Philipp Hauss. Copyright: Barbara Zeininger

Meister und Margarita

Das estnische Regie-Duo, bis vor kurzem noch als Theater NO99 international bekannt, inszeniert Bulgakows fantastischen Jahrhundertroman, in dem der Teufel Moskau besucht. Auch Margarita gehört bald zu seinem Gefolge, die Geliebte des „Meisters“, der in einem Sanatorium am Misserfolg seines großen Romans über Pontius Pilatus verzweifelt.

Regie-Duo: Die bildende Künstlerin Ene­-Liis Semper und der Regisseur Tiit Ojasoo leiten gemeinsam seit 2004 das Theater NO99 in Tallinn, Estland.

Wegen Premieren-Kollision erscheint die Kritik von Renate Wagner nach der Vorstellung am 23. Oktober 2019.


Norman Hacker, Felix Kammerer. Copyright: Barbara Zeininger


Johannes Zirner, Mehmet Atesci, Hanna Binder. Copyright: Barbara Zeininger
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VERNISSAGE IN DER GALERIE DES ONLINE-MERKER

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Die Magdeburgische Philharmonie unter GMD Anna Skryleva gewinnt Sonderpreis »Innovatives Orchester« der Deutschen Orchesterstiftung

Die Magdeburgische Philharmonie hat für sein von Komponistinnen geprägtes Programm den Sonderpreis beim Wettbewerb »Innovatives Orchester 2019« gewonnen.

Einmal jährlich vergibt die Deutsche Orchester-Stiftung den Preis »Innovatives Orchester«. Erstmals hatte sich auch – auf Anregung von GMD Anna Skryleva – das Theater Magdeburg mit dem Programm der Magdeburgischen Philharmonie beworben und wurde nun als eines von sieben nominierten deutschen Orchestern, ausgezeichnet. Beworben hatten sich 31 Orchester. Das Repertoire von Orchesterkonzerten weltweit wird durch einen überschaubaren Kanon von Werken bestimmt. Die Magdeburgische Philharmonie hingegen blickt noch einmal auf die vergangenen Jahrhunderte und die Gegenwart und wählt gezielt Werke von Komponistinnen aus.

In fünf von zehn Sinfoniekonzerten der Magdeburgischen Philharmonie in der Spielzeit 2019/2020 finden sich allein sieben Komponistinnen mit ihren Werken. »Die Idee, das gängige Repertoire mit erstklassigen Kompositionen von Komponistinnen zu erweitern, eröffnet uns die Möglichkeit, die Musikgeschichte neu zu erleben und die Gegenwart mit verändertem Blick zu sehen. Diesen konsequenten Ansatz hält die Jury für einen wichtigen programmatischen Impuls zur Weiterentwicklung des Musiklands Deutschland«, so der Juryvorsitzende Louwrens Langevoort abschließend.

Auch in den kommenden Spielzeiten wird Anna Skryleva den Komponistinnen und ihren Werken den ihnen gebührenden Platz in den Konzertprogramm einräumen und dadurch neue Hörperspektiven ermöglichen!

Gelegenheit Werke von Komponistinnen aus unterschiedlichen Epochen kennen zu lernen, gibt es im Oktober und November. Im 2. Sinfoniekonzert am Do. 24. und Fr. 25. 10. 2019 erklingen Werke von Clara Schumann und im 3. Sinfoniekonzert der Magdeburgischen Philharmonie in Zusammenarbeit mit dem IMPULS-Festival am Do. 14. 11. und am Fr. 15. 11. 2019 ist mit Unsuk Chins Vorspiel zur 5. Szene aus der Oper »Alice in Wonderland« wieder eine Komponistin im Sinfoniekonzert vertreten.
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WIEN/ Theatermuseum: „Rosalia Chladek Reenacted – Part II“ –

Das Theatermuseum Wien präsentierte im Rahmen seiner noch bis 10.02.2020 laufenden Ausstellung „Alles tanzt. Kosmos Wiener Tanzmoderne“ die Wiederaufnahme der bereits Ende März aufgeführten und hier leicht modifizierten Tanz-Performance „Rosalia Chladek Reenacted“, nun „Part II“. Sechs Wiener Tänzerinnen setzten sich in zehn Soli mit Choreografien von Rosalia Chladek, Gertrud Kraus und Hanna Berger, drei Wegbereiterinnen der Wiener Moderne, auseinander. Der Eroica-Saal war bis auf den letzten Stehplatz gefüllt.

Eva-Maria Schaller leitet den Abend ein mit der Premiere ihres Stückes „Aufruf – A study (in dance and politics)“. Diese „Rekonstruktion und Variation“ basiert auf einer während ihrer Haft in Berlin entstandenen und 1944 in der Urania Wien aufgeführten Choreografie von Hanna Berger. Das Aufbegehren eines Proletariers und dessen kämpferischer Aufruf zum Widerstand werden gefasst in unmissverständliche Körpersprache und Mimik. Zur elektronischen Musik von Matthias Kranebitter entsteht ein kraftvolles politisches Stück mit historischen wie aktuellen Bezügen, getanzt im stahlblauen Kostüm, beeinflusst auch von den Bewegungsstudien des Rudolf von Laban.


Katharina Senk in Tanz mit dem Stab. Foto Armin Bardel

Der „Tanz. Mit dem Stab.“ von Katharina Senk orientiert sich in der Einstudierung von Martina Haager an der 1930 im Theater an der Josefstadt uraufgeführten gleichnamigen Choreografie von Rosalia Chladek. Erst später einsetzende Trommel-Rhythmen des Schlagwerkers Harald Demmer begleiten Katharina Senk, die in kräftig roter Latzhose den Stab zum ebenbürtigen Partner erhebt und damit auf aktuelle Tendenzen, Objekten die Rolle performativer Kollaborateure zuzuweisen, referenziert. Dass dieser Stab auch erotische Phantasien induziert, würzt dieses physisch anspruchsvolle Stück, in dem Katharina Senk mit ihrer Flexibilität und Präsenz beeindruckt.


Eva-Maria Kraft in blending: Foto Armin Bardel

„blending“ (zur Sarabande aus der „Suite im alten Stil“) von 1925 nach Rosalia Chladek nennt Eva-Maria Kraft ihre Choreografie, die sie, in gelbem Shirt und blauer Hose, sehr weich beginnt. Auf der Stelle stehend bewegt sie ihren Körper, die Arme und Hände mit fließenden Bewegungen. Die Musik von Rupert Huber, elektronisch verfremdete, kaum kenntliche Originalmusik wird zum Ende hin von klarer strukturierten Klavierklängen überlagert, begleitet den Prozess der physischen Annäherung an das Chladeksche Bewegungsmaterial auf akustischer Ebene. Mit ihrer ungeheuren Zärtlichkeit, die von fast kampfsport-artigen Moves der Arme gebrochen wird, beeindruckt Eva-Maria Kraft. Ihre Sinnlichkeit überstrahlt die formale Ästhetik der Chladek.


Katharina Illnar in Totengeleite. Foto Armin Bardel

Für die verletzte Farah Deen, die im März ihr „Urban Luzifer“ zeigte, sprang Katharina Illnar mit ihrem Reenactment der 1936 entstandenen Choreografie „Totengeleite“ von Rosalia Chladek ein. Im grauen, dem Original nachempfundenen Umhang (Barbara Auersperg) tanzt Katharina Illnar zur Musik von Nikolai K. Medtner (Volker Nemmer am Klavier, Live 2006) eine mit skulpturalen Elementen durchsetzte Klage, die trotz, besser wohl wegen ihrer bewegungstechnischen Askese emotionale Wirkung entfaltet. Diese Bewegungsfolge erhält im zweiten Teil, nun ohne Umhang in grauem Shirt, kurzer grauer Hose und ohne Musik wiederholt, eine überraschend andere Bedeutung. Wie seiner schmückenden Kleider beraubter Formalismus kommt diese Sequenz daher. Im dritten Teil überführt sie das Material ins Jetzt, ins Zeitgenössische. Wunderbar.


Martina Haager im Rhythmen-Zyklus_Foto Armin Bardel

Martina Haager stellt in ihrer Rekonstruktion von Rosalia Chladeks 1930 im Theater an der Josefstadt uraufgeführtem, ursprünglich vierteiligem „Rhythmen-Zyklus“ die Teile „gestampft“, „fließend“ und „gebunden – Tanz mit dem Stab“ vor. Begleitet von der Musik des Percussionisten Mathias Koch (Teil 1 und 3) und des Oboisten Ernest Rombout präsentiert Martina Haager die Ergebnisse ihrer Recherchen (es existiert nur wenig Material zu diesen Stücken) und der darauf aufbauenden choreografischen Umsetzung. Die Professorin an der MUK, u. a. für das Chladek®System, erweist sich als Meisterin ihres Faches. Mit kühler Anmut und schmuckloser Präzision präsentiert sie das reduzierte und abstrahierte Material.

Loulou Omer Portrait: Foto Sivan Shavit

Ganz anderen Charakters ist die Performance der gebürtigen Israelitin Loulou Omer, die gemeinsam mit dem Filmregisseur und Drehbuchautor Goran Rebić eine Gertrud Kraus gewidmete Arbeit inszenierte. Kraus, die 1934 emigrierte und ein Jahr später nach Israel, Tel-Aviv kam, wurde dort zu einer der WegbereiterInnen des, letztlich auch amerikanisch beeinflussten, modernen israelischen Tanzes.

Das Foto einer an die Rückwand projizierten Frau, die von der Seite betrachtet sitzend posiert, initiiert ein assoziatives Spiel mit Stuhl und Tisch, Tanz und Schauspiel, Sprache und Gesang, Text und Musik. Loulou Omer, Pianistin, Komponistin, Dichterin, Tänzerin und Performerin, spricht und singt zu einer selbst eingespielten Eigenkomposition am Klavier eine sehr poetische, vielsprachige Hommage an ihre Mutter, die als Schülerin von Gertrud Kraus „gesegnet“ war. Loulou Omers feinsinnige Strahlkraft verzaubert immer wieder.


Eva-Maria Schaller in Die Unbekannte aus der Seine von Hanna Berger. Foto Armin Bardel

Mit einem zweiten Stück nach Hanna Berger beschließt Eva-Maria Schaller diesen Abend. „Die Unbekannte aus der Seine“, 1942 in der Urania Wien uraufgeführt, bildet die Grundlage für ihre „Re-Imagination“ der drei Teile „In das Wasser gehen“, „Von den Wellen getragen werden“ und „Das Erstarren“, hier einstudiert von Esther Koller. Matthias Kranebitter benutzte für seine Komposition elektronisch bearbeite Zitate aus Claude Debussy’s „Reflêts dans l’eau“. Im ersten Teil rückwärts gespielt, bewegt sich Eva-Maria Schaller in ihrem wasserblauen langen Kleid (Christiane Gruber) langsam, weich und sehr gefühlvoll, ausladend und fließend. Zeitgenössisch anmutend. Nun vorwärts gespielt mündet die Musik ins Dramatische, die Tänzerin sucht, unsicher tastend, steht dann wie ein Kreuz in der plötzlichen Stille. Zum Plätschern der unverfremdeten Klaviermusik lässt sie sich von den Wellen am Boden bewegen, um sich nach einem vorüber gezogenen Sturm langsam aufzurichten. Sie steht vor uns, gerade ins Publikum schauend. Denn jedem Ende wohnt ein Anfang inne … Eva-Maria Schallers direkte und unbedingte Emotionalität geht unter die Haut.

Die künstlerische Gesamtleitung oblag Professorin Dr. Andrea Amort, die als wissenschaftliche Leiterin des Tanzarchives des MUK mit ihren Forschungsarbeiten zur Erschließung des Nachlasses von Rosalia Chladek und als Kuratorin der Ausstellung „Alles tanzt. Kosmos Wiener Tanzmoderne“ ganz wesentlichen Anteil am Erfolg dieser ein zweites Mal präsentierten, erweiterten „Reenactments“ hat. Alle sechs Tänzerinnen/Performerinnen zeigen Tanzkunst auf hohem Niveau. Ihre individuellen Prägungen färben die Auseinandersetzungen mit den choreografischen Ausgangsmaterialien, die mit ihrem geradlinigen Formalismus, ihrer klaren Ästhetik, ihrer abstrakten Reduziertheit, ihrer Experimentierfreude und insbesondere durch das Chladek®System bis in die heutige, „postmoderne“ choreografische Praxis wirken.

Rando Hannemann

„Rosalia Chladek Reenacted – Part II“, aufgeführt am 11., 12. und 13. Oktober 2019 im Eroica-Saal des Theatermuseums Wien.

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EINIGE KÜNSTLERNACHRICHTEN: (Balmer & Dixon/ Zürich)

Ausgewählte Nachrichten für November 2019 (in alphabetischer Reihenfolge):

Cornel FREY singt am 2. November erneut Mime in der Wiederaufnahme von Wagners RHEINGOLD am Opernhaus Düsseldorf sowie am 15. November in Wagners SIEGFRIED am Theater Duisburg. Am 4. November ist er darüber hinaus Jon Whitcroft in John Reynolds GEISTERRITTER und am 22. November interpretiert er nochmals die Rollen Dr. Mathe, Die Teekanne, Der Frosch in Ravels L’ENFANT ET LES SORTILÈGES am Opernhaus Düsseldorf.

Dimitry IVASHCHENKO feiert Premiere als Konchack in Borodins FÜRST IGOR in einer neuen Produktion von Barrie Kosky am 28. November an der Opéra National de Paris Bastille. Am Pult steht Philippe Jordan. Es folgen Vorstellungen im Dezember 2019.

Torben JÜRGENS singt Alidoro in Rossinis LA CENERENTOLA in der Wiederaufnahme der Deutschen Oper am Rhein Duisburg am 2. November. Am 12. November ist er ebendort in Wagners RHEINGOLD als Donner zu hören.

Johannes KAMMLER
interpretiert am 9. November die Lieder von F. Goldmann: LAGEBERICHT und  H.W. Henze: DREI LIEDER ÜBER DEN SCHNEE mit der Karajan-Akademie im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie.

Michael KUPFER-RADECKY ist wieder Don Pizarro in Beethovens FIDELIO am 2. November an der Bayerischen Staatsoper. Stefan Soltesz dirigiert das Bayerische Staatsorchester. Am 15. und 30. November ist er als Peter Besenbinder in Humperdincks HÄNSEL UND GRETEL im Opernhaus Hannover zu erleben. Das Niedersächsische Staatsorchester dirigiert Cameron Bruns/Eduardo Strausser. In der LYRISCHEN SYMPHONIE op. 18 von Alexander Zemlinsky singt er am 24. und 25. November ebendort die Baritonpartie unter der musikalischen Leitung von Jordan de Souza.

Rolf ROMEI wird die Rolle der Meerhexe in der Schauspieloper ANDERSENS ERZÄHLUNGEN des Komponisten Jherek Bischoff am 8./10./17./20./23./26. November am Theater Basel singen.

Bo SKOVHUS
singt die Titelpartie in Aribert Reimanns LEAR in der Regie von Calixto Bieito in der Premiere am 21. November sowie in den Folgevorstellugen am 24./26./30. November an der Opéra National de Paris Garnier. Die musikalische Leitung hat Fabio Luisi.

Kristina STANEK verkörpert am 3. und 30. November Rosina in Rossinis Il BARBIERE DI SEVIGLIA in der Inszenierung von Kirill Serebrennikov am Theater Basel.

Matthew SWENSEN gastiert als Ferrando in Mozarts COSÎ FAN TUTTE mit der Classical Opera London & The Mozartists am 6. November in der Cadogan Hall London, am 8. November in der Birmingham Town Hall und am 10. November im Teatro di Syracusa, Sicily. Am Pult steht Ian Page.
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Theater Regensburg lädt ein: Tanz-Uraufführung »Juke Box Heroes« von Georg Reischl, 1.11.2019, Velodrom

Theater Regensburg lädt ein: PREMIERE »Juke Box Heroes« Tanzabend von Georg Reischl. Uraufführung am 1. November 2019 im Velodrom, Regensburg

Spielzeiteröffnung im Tanz! Der neue Regensburger Tanzchef Georg Reischl stellt sich mit einem kontrastreichen zweiteiligen Abend vor. Im Mittelpunkt seiner Kreation werden Stimmen stehen, die im wahrsten Sinne des Wortes  bewegen. Stimmen, die sich eindeutigen Geschlechterzuordnungen widersetzen  und berühren.

Im ersten Teil erklingen Arien, interpretiert von einem Countertenor. Hier werden die klassischen Rollenmodelle von Männern und Frauen befragt. Zu Pop und elektronischer Musik rücken im zweiten Teil des Abends  Individualität und Gruppendynamik ins Zentrum.
Das Stück gleicht einem Archiv von Arien und Songs: einer Juke Box der Heroes.
Mit einem verspielt körperlichen Zugang übersetzt Reischl gemeinsam mit den TänzerInnen die unterschiedlichen Stimmen in Musik.
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DIE MITTWOCH-PRESSE (16. OKTOBER 2019)

Für Sie in den Zeitungen gefunden: Die MITTWOCH – PRESSE – 16.OKTOBER 2019

Wiener Staatsoper
Christian Thielemann sei Dank!….
In ungeahnt süßem Ton weinen die Celli, in selten gehörter Vollendung posaunen die Mittelstimmen, und die Bässe brummen, als würde sich das „Rheingold“ mit voller Wucht über dem Graben ergießen. Selbst teils falsch intonierende Holzbläser und ein zu Beginn inhomogenes Geiger-Ensemble tun der Freude keinen Abbruch. Bereits während der beiden Pausen bricht das Publikum in Jubelstürme aus. Thielemann begeistert die Massen wie im Augenblick nur noch sein russisch-griechisches Pendant aus Perm – der als Scharlatan verrufene Teodor Currentzis! Eine Eine Brise Moschus da, ein wenig bitter-süße Edelschokolade dort und ein kräftiger Schuss Opium hinten dran, hätten vermutlich selbige Wirkung, die jedoch nicht allen wohl bekommt.
Jürgen Pathy berichtet aus der Wiener Staatsoper
Klassik begeistert

Unermüdlicher Frauenheld. Brigitte Fassbaender über Plácido Domingo: „Vor seinen Avancen war keine sicher“
In ihren soeben erschienenen Erinnerungen „Komm‘ aus dem Staunen nicht heraus“ berichtet die Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender über Proben mit Plácido Domingo im Nationaltheater. Dort stand sie mit ihm 1978 in Jules Massenets „Werther“ auf der Bühne. Der Kollege habe sie zwar nicht im engeren Sinn belästigt, ihr aber doch recht aufdringlich nachgestellt.
Münchner Abendzeitung

Goldener Rathausmann für Jonas Kaufmann
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20191015_OTS0111/goldener

Jonas Kaufmann singt in Wien bald wieder Oper
Salzburger Nachrichten

ORF III, Bernhard Fleischer Moving Images, ZDF/ARTE und Sony Classical präsentieren Musikfilm „Jonas Kaufmann: Mein Wien“
TV-Premiere am 15. Dezember, 20.15 Uhr, ORF III
https://deref-gmx.net/mail/client/H_3W-_hWlXQ/dereferrer

München/ Gärtnerplatztheater
Händels Messias als Nummernrevue in München…
Ich habe schon lange ein Problem mit einer bestimmten Art von Regietheater. Vor allem, wenn energisch gekürzt, umformuliert, dazugeschrieben wird. Da kann ich auch mal renitent werden wie ein Hardcore-Wagnerianer.
„Besonders aber lasst genug geschehn!
Man kommt zu schaun, man will am liebsten sehn.
Wird vieles vor den Augen abgesponnen,
So dass die Menge staunend gaffen kann,
Da habt Ihr in der Breite gleich gewonnen,
Ihr seid ein vielgeliebter Mann.
Die Masse könnt Ihr nur durch Masse zwingen,
Ein jeder sucht sich endlich selbst was aus.
Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen;
Und jeder geht zufrieden aus dem Haus.
Gebt Ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken!“
Goethe, Faust, Vorspiel auf dem Theater
Gabriele Lange berichtet aus dem Staatstheater am Gärtnerplatz in München.
https://klassik-begeistert.de/georg-friedrich-haendel-der-messias

Wien/Staatsoper
Herausragend dirigierte Madama Butterfly hebt einem Wiener Repertoireabend die Flügel
bachtrack

Berlin
„Giovanni, eine Passion“ in Berlin Zwischen Totenfeier und Karnevalstaumel
DeutschlandfunkKultur

„The Bassarids“: Kampf zweier Alphamänner

Berliner Morgenpost

Luzern
Oper in Gummistiefeln auf Schlauchbooten
Ungewöhnlich ist die Inszenierung der Oper «Lieder von Krieg und Liebe» von Claudio Monteverdi im Luzerner Theater.
https://seniorweb.ch/2019/10/15/oper-in-gummistiefel-auf-schlauchbooten/

Gelungene Premiere im Luzerner Theater: Krieg und Liebe so aktuell wie damals
https://www.zentralplus.ch/krieg-und-liebe-so-aktuell-wie-damals-1632927/

Bern
Berner Operndirektor Xavier Zuber nimmt nach zehn Jahren den Hut
https://www.suedostschweiz.ch/kultur-musik/2019-10-15/berner-operndirektor

St. Gallen
Wie lernt man als Sängerin Tschechisch für Opern wie die St.Galler «Rusalka»?
Tagblatt

Zürich
So kommt der Terrorismus ins Märchen
sueddeutsche Zeitung

Down with bourgeoise indifference: a new ballet in Zurich
bachtrack

Englische Links

Berlin
Staatsoper Berlin 2019-20 Review: Kát’a Kabanová
https://operawire.com/staatsoper-berlin-2019-20-review-kata-kabanova/

London
Don Pasquale review – Bryn Terfel softens Donizetti’s hard edges
The Guardian

Bryn Terfel is a delight in Don Pasquale at the Royal Opera House
https://www.ft.com/content/ceab6b92-ef39-11e9-ad1e-4367d8281195

Don Pasquale falls flat in Michieletto’s cruel comedy at Covent Garden
bachtrack

Verdi Requiem, LPO, Gardner, RFH review – beyond the big noise
https://theartsdesk.com/classical-music/verdi-requiem-lpo

Glyndebourne
Sun, sex and suspicious potions: L’elisir d’amore on the Glyndbourne Tour
bachtrack

New York
Metropolitan Opera 2019-20 Review: Madama Butterfly
https://operawire.com/metropolitan-opera-2019-20-review-madama-butterfly/

Los Angeles
Review: Renée Fleming brings radiant star power to a flickering “Light in the Piazza’
https://www.latimes.com/entertainment-arts/story/2019-10-14/la-opera

San Francisco
SF Opera’s New Figaro Sets the Mind Soaring
https://www.sfcv.org/reviews/none/sf-operas-new-figaro-sets-the-mind-soaring

Ballett

Zürich
Ballett: „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ in Zürich
Schwaebische.de

Literatur

Zwei Ohrfeigen für die Nobelpreis-Jury
Der Deutsche Buchpreis ging mit Saša Stanišić an einen dezidierten Handke-Kritiker – und der Booker-Preis mit Margaret Atwood und Bernardine Evaristo gleich an zwei Frauen. Wollte da jemand dem Nobelpreiskomitee etwas ausrichten?
Die Presse

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Unter’m Strich

Österreich
Nun also wieder ein Defizit
Das freie Spiel der Kräfte im Parlament hatte teure Folgen. Geht es trotzdem weiter, bis zur Bildung einer neuen Regierung?
Die Presse

 
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INFOS DES TAGES (MITTWOCH, 16. OKTOBER 2019)

INFOS DES TAGES (MITTWOCH, 16. OKTOBER 2019)

OPER GRAZ: „Die Fledermaus“ im Landeanflug!


Copyright: Oper Graz

In der „Königin der Operette“ scheint ​am Anfang alles noch harmlos und vor allem urkomisch zu sein: Die beiden Freunde Gabriel von Eisenstein und Dr. Falke besuchen einen Maskenball – der eine als Schmetterling, der andere als Fledermaus. Doch dann entgleitet die Ausgelassenheit, und auf der Strecke bleibt ein zutiefst verletzter Falke, der auf Rache sinnt. So lässt er den Herrn von Eisenstein, dessen Gemahlin Rosalinde und das Stubenmädel Adele, das von einer Karriere am Theater träumt, schließlich auch den Gefängnisdirektor Frank in andere Identitäten schlüpfen und auf einer exquisiten Party des Prinzen Orlofsky aufeinandertreffen. Erotische Begehrlichkeiten, makabre Späße und Alkohol, sehr viel Alkohol führen zu einer kollektiven Verbrüderung. Doch in welchem Ausmaß diesem „Duidu“ und diesem „Lalala“ wirklich zu trauen ist, spürt Maximilian von Mayenburg nach.
Der junge Regisseur, der an der Oper Graz mit einer turbulent-witzigen Inszenierung von Mozarts „Hochzeit des Figaro“ das Publikum begeistert hat, schärft in seiner Neuinszenierung der „Fledermaus“ (und dank einer für Graz erstellten Textfassung) die Beweggründe für den von Dr. Falke ersonnenen Racheplan: „Die gemeinsame Vergangenheit zwischen Falke und Eisenstein ist der Ausgangspunkt. Und ich hatte schon immer beim Lesen das Gefühl, dass uns Eisenstein, wenn er die Geschichte im zweiten Akt der Festgemeinschaft erzählt, nicht die volle Wahrheit sagt.“ Erleben Sie unter anderen Elissa Huber, Alexander Geller, Sieglinder Feldhofer, Ivan Oreščanin und Adi Hirschal (als Frosch)!

„Die Fledermaus“
Premiere am 19. Okt 2019, 19.30 Uhr
„Die Königin der Operette“ von Joahnn Strauß
Informationen & Tickets

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Opern- und Konzertdirektor Xavier Zuber wird im Sommer 2021 sein Engagement bei Konzert Theater Bern beenden

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Xavier Zuber. Foto: Frank Schinski

Xavier Zuber, seit der Spielzeit 2011.12 Opern- und Konzertdirektor bei Konzert Theater Bern, wird nach zehn Jahren auf Ende der Spielzeit 2020.21 zurücktreten. «Zehn Jahre sind eine stolze Zeit und es ist ein guter Moment, mich neuen Aufgaben zu widmen», sagt der Spartenleiter. Er habe in all den Jahren grossen Rückhalt des Hauses für seine Arbeit erfahren und freue sich nun auf die letzten beiden Spielzeiten in Bern.

Zu den Glanzpunkten von Xavier Zubers bisherigen acht Jahren bei Konzert Theater Bern zählen unter anderen die Inszenierung von Fidelio, die Uraufführungen der Oper Alzheim und der Jugendoper Humanoid, die Aufführung der Britten-Oper Peter Grimes in der Grossen Halle der Reitschule, die Wagner-Inszenierungen wie Tannhäuser oder Tristan und Isolde sowie der Mozart-Da-Ponte-Zyklus.

Der gebürtige Basler schaffte es, die Opern- und Konzertsparte international zu vernetzen sowie junge Talente zu fördern und grosse Stars an das Haus zu holen. Er kreierte neue Formate wie die Sitzkissenkonzerte für Kinder oder den Schweizerhof-Brunch. Auch zum Gelingen der Fusion zwischen dem Berner Symphonieorchester und Konzert Theater Bern trug Xavier Zuber massgeblich bei. In seine Zeit fielen die Konzerttourneen des Berner Symphonieorchesters durch China und England sowie zahlreiche CDEinspielungen.

Konzert Theater Bern dankt Xavier Zuber für seine bisherige Arbeit und wünscht ihm zwei wunderbare letzte Spielzeiten. Das Vierspartenhaus wird derzeit interimistisch von der gesamten Geschäftsleitung unter dem Vorsitz des kaufmännischen Direktors Anton Stocker geführt. Der designierte Intendant Florian Scholz, aktuell noch am Theater Klagenfurt engagiert,
Medienmitteilung

übernimmt die künstlerische Gesamtleitung auf die Spielzeit 2021.22 hin. Die Aufgaben für die Nachfolgeregelung von Xavier Zuber wurden in Angriff genommen. Die Nachfolge wird zu gegebener Zeit kommuniziert.

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Blindenmarkter Herbsttage feiern Musik-Multi Kurt Dlouhy – Sänger, Instrumentalisten, Chöre und Kabarettisten als Gratulanten.


Prof. Kurt Dlouhy. Foto: Roland Schuller

30 Jahre Herbsttage Blindenmarkt – 70 Jahre Kurt Dlouhy! Unter diesem Motto initiierten Gründer-Intendant Michael Garschall und die große Familie des Geburtstagskindes ein Fest für Dlouhy, das alle Freunde des Meisters der Vielfalt am Sonntag in die Blindenmarkter Ybbsfeldhalle lockte. Die Gratulanten freilich waren nicht nur die Besucher, sondern vor allem die Künstler auf der Bühne. Viele, möglicherweise die meisten von ihnen, haben Dlouhy ihre Karriere zu verdanken. Professor Kurt Dlouhy ist seit 30 Jahren Dirigent und Chorleiter in Blindenmarkt. Das Besondere: Dlouhy ist für jede musikalische Stilrichtung aufgeschlossen. Dies beweist alleine die Tatsache, dass er nach einleitenden Worten seines Intendanten unter den Klängen seines Lieblingsmarsches „einrückte“: des als CD-Zuspielung ertönenden Wagramer Grenadiermarsches.

Jenen Musikfreunden, die Dlouhy nur aus Blindenmarkt kennen, dürfen erzählen: Neben den in seinem Geburtsort Blindenmarkt alljährlich im Oktober stattfindenden Operetten-Produktionen, denen er absoluten Glanz der Melodien durch perfekte Arbeit mit Sängern und Instrumentalisten verleiht, unterrichtet Dlouhy an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz, ist Gründer und Leiter zahlreicher Chöre; er arbeitet außer in seiner Heimatgemeinde für das Landestheater Linz, die Oper Klosterneuburg, weiters als Juror bei internationalen Kompositions- und Chorwettbewerben. Als oö. Landes-Chorleiter ist er für etwa 400 Chöre des Bundeslandes mitverantwortlich. Ähnliche Aufgaben erfüllt er für die Blasmusik. Sein Vorteil: Er spielt zahlreiche Instrumente. Dass er das Singen als höchste Instanz für ein gesundes, glückliches Leben anpreist, ist eine Art Credo für alle Musikfreunde.

Das bereits erwähnte Fest fand genau eine Woche vor dem „echten“ Siebziger am 23. Oktober statt. Ein von Michael Garschall locker geführtes Gespräch brachte Historisches, wobei auf der Video-Wand gezeigte Fotos aus alten Tagen halfen. Später sollten dann der absolute Publikumsliebling Willi Narowetz als Schöberl und sein cleverer Kabarettisten-Partner Robert Kolar als Berger in einer Doppelconference historischer Prägung den Lebenslauf ironisch ergänzen. Beide sind in ihrem Sketch Mitglieder einer Jury, die die „Goldene Fermate“ an Dlouhy verleihen soll.

Was die Chöre betrifft, waren der Reihe nach der Kirchenchor St. Stephan Wels, das Ensemble XYZ, der Männergesangsverein Ybbs, das Ensemble Musica Cappricciosa und das Quartett Noricum zu hören – durchwegs Gruppen, die Dlouhy gegründet und geleitet hat oder es noch tut. Viele Texte waren dem Ereignis angepasst, wobei etwa der „Kleine grüne Kaktus“ auch als Präsent sichtbar dabei war.

Willi Narowetz präsentierte als Podesta Nasoni aus Karl Millöckers Meisteroperette „Gasparone“ mit dem Lied „Das waren Zeiten“ verbale Köstlichkeiten. Und die heiß geliebte Gabi Schuchter stand ihm keineswegs nach. Zuerst spielte sie gemeinsam mit Narowetz-Tochter Sigrid ein nostalgisches Operetten-Medley für zwei Violoncelli (!), dann meinte sie als seit kurzer Zeit zweifache Oma: „Das gibt’s nur nur einmal, das kommt nicht wieder“ und apostrophierte damit ihre musikalische Freundschaft zu Dlouhy. Ein wenig direkter hatte schon vorher Gernot Kranner, legendärer Professor Ambrosius aus dem „Tanz der Vampire“, argumentiert: „Gäb’s einen Nobelpreis für Musik, der Kurt, der hätt‘ den – und alle Blindenmarkter rufen laut, man hört’s von Ybbs bis Amstetten.“

Neben allen freundschaftlichen, ironischen und bewundernden verbalen Erfindungen gab es auch einen mehr als rührenden Moment musikalischer Erinnerung: Monika Riedler, vor einigen Jahren Star der Blindenmarkter Herbsttage, veredelte, begleitet vom vielseitig anpassungsfährigen und sängerfreundlichen Bernd Leichtfried, das „Vilja-Lied“ aus Franz Lehárs Operette „Die lustige Witwe“. Und beim Refrain durften alle mitsingen: Riedler und Leichtfried gebührt ein nachträgliches Sonderlob.

Dieser Bericht kann aufgrund seiner Vielfalt keinen Anspruch auf Vollständigkeit beanspruchen: Zu schnell zogen zahlreiche Künstler am Publikum vorbei. Eines aber bleibt in Erinnerung: der sympathische Auftritt der anwesenden Familie des Jubilars, darunter vier entzückende Enkelkinder. Man hatte den Eindruck: Keines der Familienmitglieder hat sich bislang dem musikalischen Vorbild des Familien-Oberhauptes entzogen. Dazu kam noch ein intellektuell-philosophischer und gleichzeitig ironischer Auftritt des Dlouhy-Freundes Sepp Froschauer samt einem Hauch von geheimnisvollen Anspielungen um Hoffnung auf eine gemütliche Zukunft.

Zuletzt feierten alle Mitwirkenden mit dem enthusiastisch gerührten Publikum Kurt Dlouhy als jenen Meister der musikalischen Vielseitigkeit, der sich schon nach drei Stunden ans Pult des Kammerorchesters Ybbsfeld begab, um die bislang vom Publikum mit frenetischem Applaus belohnte Marcus-Ganser-Inszenierung von Johann Strauss‘ „Fledermaus“ zu dirigieren, die unter seiner Leitung auch am 23. Oktober, also dem echten „Siebziger“, erklingen wird.

Ingo Rickl

Kurt Dlouhy wurde im Rahmen des feierlichen Vormittags  zum Ehrenmitglied des Vereines der Freunde der Herbsttage Blindenmarkt gewählt, als dessen Präsidentin nach Ehrenpräsidentin Kammersängerin Adele Haas Frau Kommerzialrätin Hilde Umdasch mit großem, vielseitigen Einsatz tätig ist.

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17. TAGE DER OFFENEN ATELIERS NIEDERÖSTERREICH

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Es ist wieder soweit! Im Rahmen der 17. „NÖ Tage der Offenen Ateliers“ – Österreichs größter Schau Bildender Kunst und Kunsthandwerk – am 19. & 20. Oktober öffnen über 1.000 KünstlerInnen und KunsthandwerkerInnen ihre Ateliers, Galerien, Studios und Werkstätten für Interessierte. An über 640 Standorten kann man den Kreativen über die Schulter blicken, sich inspirieren lassen, hinter die Kulissen schauen, mit den Kunstschaffenden ins Gespräch kommen, den Schaffensprozess verfolgen und natürlich auch Kunstwerke erwerben. Und viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer locken zusätzlich mit Happenings wie Konzerten, Lesungen und lukullischen Schmankerln.

ATELIER-TOUR!

Am Sonntag, 20. Oktober lädt Mag. Carl Aigner (Museum Niederösterreich), zu einer geführten Atelier-Tour durch das Weinviertel. Besuchen Sie mit ihm Künstlerinnen und Künstler und erleben Sie einen sehr persönlichen und individuellen Zugang zu Wunderkammern der Kunst in Niederösterreich.

Film: https://youtu.be/gEU6nplwaZ8

Informationen zu den teilnehmenden KünstlerInnen: https://www.kulturvernetzung.at/de/orte-und-menschen/#tdoa (Suche nach Regionen möglich!)
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KÖLN: Jacques Offenbach: Barkouf ou un chien au pouvoir, Oper Köln, Premiere 12.10.2019

Deutsche Erstaufführung anlässlich des 200. Geburtstages von Jacques Offenbach
Koproduktion mit der Opéra national du Rhin Strasbourg (Premiere 07.12.2018)

Liberté! Egalité! Leckerli!

Erfreulicherweise bringt das Offenbachjahr nicht nur Begegnungen mit dem Kernrepertoire des Komponisten sondern auch mit Trouvaillen wie «Les Fées du Rhin» (Opéra de Tours und Theater Orchester Biel Solothurn), «Le Roi Carotte» (Staatsoper Hannover und Volksoper Wien) oder jetzt an der Oper Köln mit «Barkouf ou un chien au pouvoir».


Bjarni Thor Kristinsson, Chor der Oper Köln; © Paul Leclaire.

„Barkouf“ wurde nach seiner Uraufführung noch acht Mal gespielt und verschwand dann in den Archiven. Für lange Zeit, bis dem Musikwissenschaftler Jean-Christophe Keck in Zusammenarbeit mit dem Verlag Boosey & Hawkes (Rechtsnachfolger des Verlags Bote & Bock, der schon früh die Rechte an Offenbachs Werken jenseits des Rheins erwarb) die kritische Edition gelang. Die Erstaufführung in neuerer Zeit fand an der koproduzierenden Opéra national du Rhin Strasbourg statt und nun ist das Werk an der Oper Köln zu erleben.

„Barkoufs“ Verschwinden hat seinen Grund hauptsächlich in den Entwicklungen der französischen Opernlandschaft Mitte des 19. Jahrhunderts und einer gegen Offenbach gerichteten PresseKampagne, den Produktionsbedingungen der Uraufführung und – im positiven Sinn – in der Qualität des Werks.
Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Opéra comique ihre Leichtigkeit und das Heitere zu verlieren, immer stärker die Grand opéra zu imitieren während dem die Vaudevilles deutlich an Umfang abnahmen. Hervé und Offenbach sprangen mit der Operette in die Lücke, um das Bedürfnis des Publikums nach einfachen, fröhlichen, satirisch-parodistischen Werken zu füllen. Offenbach stellte gegenüber den Behörden wie auch in der Ausschreibung seines Einakter-Wettbewerbs klar, dass er die Opéra comique als Opéra bouffe wieder an die Ursprünge, die Opéra comique des 18. Jahrhundert angleichen wolle. 1860 war Offenbach, der in Frankreich naturalisierte Deutsche jüdischen Glaubens, am Ziel seiner Träume angekommen: die Opéra hatte bei ihm das romantische Ballett „Le Papillon bestellt und Alfred Beaumont, frisch bestallter Direktor der Opéra comique bestellte, wahrscheinlich zur glanzvollen Eröffnung seiner Intendanz, „Barkouf ou un chien au pouvoir“. Beaumont glaubte mit dem Dream-Team aus Star-Komponist und Star-Librettist, Eugène Scribe, nichts falsch zu machen. Als Barkouf nach viereinhalb Monaten Proben zur Uraufführung kam, startete rasch eine konzertierte Presse-Kampagne gegen Offenbach, die ihm klarmachen wollte, dass sein Platz sein Theater, das Théâtre des Bouffes-Parisiens sei, und nicht die ehrwürdige Opéra comique. Konservatismus, Neid und Groll waren geweckt. Offenbach liess im Rahmen der Auseinandersetzung verlauten, „Barkouf“ sei als Opéra bouffe (Gattungsbezeichnung von der Zensur erzwungen) tatsächlich am falschen Platz, denn die aktuelle Opéra comique habe mit ihren Ursprüngen nichts mehr gemein. „Barkouf“ während der Proben unter keinem guten Stern, den die Sänger und Musiker wandten sich rasch gegen das Werk und dann hatte auch die Zensur noch Einwände. Immerhin konnten die Einwände der Zensur durch verschiedene Entschärfungen und die Herabstufung von der Opéra comique zur Opéra bouffe rasch gelöst werden. Die sich auch in Krankheiten äussernde Opposition des Sängerpersonals blieb aber bis zur Absetzung des Werkes bestehen. Offenbach konnte mit „Barkouf“ beim Publikum einen Achtungserfolg erringen. Das dürfte auch damit zu tun haben, dass die Musik kaum je die Erwartungen erfüllt, die man mit Offenbach verknüpft, und so modern ist, dass sie den strengen Kriterien der zeitgenössischen Verfechtern der Opéra comique nicht Genüge tut. Es wurden weder ein Libretto noch ein Klavierauszug der Oper gedruckt.


Susanne Elmark, Patrick Kabongo, Chor der Oper Köln; © Paul Leclaire.

Fernab von Frankreich, in Lahore hat der Grossmogul, um sein Volk, das sich angewöhnte die Vizekönige jeweils früher oder später aus dem Fenster zu stürzen, zu bestrafen, den Hund Barkouf als Vizekönig eingesetzt. Der Grosswesir Bababeck, der sich selbst Hoffnungen auf den Posten gemacht hatte, ist verständlicherweise wenig begeistert. Barkouf lässt nur das Blumenmädchen Maïma, seine frühere Besitzerin an sich heran, und so wird diese faktisch zur Regentin. Bababeck gelingt es nicht sich Maïma gefügig zu machen und so übersetzt sie, mittlerweile Sekretärin des Vizekönigs, dessen Äusserungen ganz frei. Die Steuern werden halbiert, die zum Tode Verurteilten, so auch Xaïloum, der Geliebte ihrer Freundin und Orangeverkäufern Balkis, begnadigt. Weise und umsichtig verhindert Maïma einen Anschlag von Bababeck und dessen Kumpanen auf Barkoufs Leben. Als sich der Grosswesir daraufhin mit den Tartaren verbündet und das Königreich bedroht, zieht Barkouf in den Kampf und fällt ehrenvoll.

Mariame Clément (Inszenierung) lässt den ersten Akt in einer Art Repräsentationsraum spielen, die beiden folgenden Akte dann in einem Aktenkeller (Bühne und Kostüme: Julia Hansen): der Geheimdienst und seine Aktenproduktion als Charakteristikum jeder gepflegten Diktatur. Clément gelingt ein locker-leichte Umsetzung, der Humor, sei es der unter Aktentürmen stolpernde Hausmeister zwischen erstem und zweitem Akt (Choreografie Mathieu Guilhaumon)oder die mit Masken „aktualisierten“ Verschwörer, wirkt nie aufgesetzt oder übertrieben. Das Gürzenich-Orchester Köln unter Leitung Stefan Soltesz spielt den unerwartet wenig operettenhaften, oft hochmodernen Offenbach hervorragend, so dass es die reine Freude ist mit dem Orchester die unbekannten Seiten des Komponisten zu entdecken. Der von Rustam Samedov vorbereitete Chor der Oper Köln ist mit grosser Spielfreude am Werk. Was die Textverständlichkeit angeht, ist noch Luft nach oben.

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Andrew Penning, Martin Koch, Matthias Klink, Patrick Kabongo, Kathrin Zukowski; ; © Paul Leclaire.

Tenorbuffo Matthias Klink als Bababeck verkörpert den Repräsentanten des korrupten Systems hervorragend. Sein Hauptanliegen ist die Besitzstandswahrung, nebenbei auch noch seine Tochter Périzade, gesungen von Kathrin Zukowski, unter die Haube zu bringen. Martin Koch ist als Eunuch Kaliboul Bababecks dauernder Begleiter. Susanne Elmark verkörpert das Blumenmädchen Maïma und bewältigt die enorme schwierige Partie mit stupender Technik und wunderbarer Höhe perfekt. Judith Thielsen als Orangenhändlerin Balkis steht ihr in Nichts nach. Die lyrischen Tenöre Patrick Kabongo und Sunnyboy Dladla brillieren in den Rollen der Geliebten Saëb und Xaïloum. Bjarni Thor Kristinsson ergänzt das Ensemble als Großmogul. Ein Fest der schönen Stimmen!

Mikroports waren aus der Entfernung des Zuschauerraums nicht wahrzunehmen. Ihre Verwendung ist aber anzunehmen, da die Vorstellung fürs Radio aufgezeichnet wurde.

Eine absolut lohnende Begegnung mit einem unerhörterweise ungehörten Offenbach.

Weitere Aufführungen: 17 Do / Okt 19, Staaten-Haus Saal 2, 19:30 – 22:30; 20 So / Okt 19, Staaten-Haus Saal 2, 16:00 – 19:00 23 Mi / Okt 19, Staaten-Haus Saal 2, 19:30 – 22:30; 27 So / Okt 19, Staaten-Haus Saal 2, 18:00 – 21:00 30 Mi / Okt 19, Staaten-Haus Saal 2, 19:30 – 22:30; 01 Fr / Nov 19, Staaten-Haus Saal 2, 18:00 – 21:00 03 So / Nov 19, Staaten-Haus Saal 2, 16:00 – 19:00.

Radio WDR 3: (Aufnahme vom 12.10.19 aus dem Staatenhaus, Köln): 27 So / Okt 19, 20:04 – 23:00.

Jan Krobot/ Zürich
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