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IN MEMORIAM-GEBURTSTAGE IM JULI 2019

IN MEMORIAM-Geburtstage IM JULI 2019

Berücksichtigt wurden runde und halbrunde Geburtstage

1.7. Henryk KUSTOSIK: 100. Geburtstag

Er kam ohne eine eigentliche Ausbildung 1949 an das Opernhaus von Poznan. Dort wurde er in kleineren Aufgaben eingesetzt, bildete sich bei Kazimierz Czarnecki weiter aus und besuchte eine Musikschule. Seit 1950 war er Schüler der Pädagogin Halina Dudicz-Latoszewska. Sein eigentliches Debüt fand in Poznan 1951 in der Rolle des Kirkor in der Oper »Goplana« von W. Zelenski statt. In den folgenden Jahren sang er dann dort u.a. den Canio im »Bajazzo«, den Radames in »Aida«, den Steuermann in »Der fliegende Holländer«, den Pedro in »Tiefland« von E. d’Albert, den Jontek in »Halka«, den Kalaf in »Turandot« von Puccini, den Idamor im »Paria« von Moniuszko, den Doman in »Baltische Legende« von F. Nowowiejski und den Krupa in der zeitgenössischen Oper »Krútnava« von Eugen Suchon. Eine seiner größten Kreationen war die Titelrolle in »Manru« von Paderewski (Poznan 1961). 1962 hatte er am Opernhaus von Wroclaw (Breslau) seine Erfolge als Radames und als Jontek, im April 1959 gastierte er an der Berliner Staatsoper als Radames. Sein letzter Auftritt fand im Oktober 1963 bei einem Gastspiel des Ensembles des Opernhauses von Bytom (Beuthen) in Krakau statt. Er musste dann, auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt, diese aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Aus seinem Repertoire für die Bühne sind noch der Otello von Verdi, der Manrico im »Troubadour«, der Turiddu in »Cavalleria rusticana« und der Cavaradossi in »Tosca« nachzutragen. Er starb 1985 in Poznan. Ein Bruder des Sängers hatte unter dem Namen Franciszek Arno (1913-69) ebenfalls eine große Karriere als Heldentenor.

Von der Stimme von Henryk Kustosik existieren Mitschnitte von Vorstellungen im Opernhaus von Poznan.

 

1.7. Wilhelmine GROBECKER-PROKSCH: 200. Geburtstag

 Sie kam bereits im Alter von nur elf Jahren auf das Berliner Konservatorium und debütierte 1837, erst 17 Jahre alt, an der Hofoper von Dresden als Rosina im »Barbier von Sevilla«. Dabei konnte sie sofort das Publikum begeistern; sie hatte anschließend einen noch größeren Erfolg, als sie die Adalgisa in Bellinis »Norma« in deutscher wie in italienischer Sprache zum Vortrag brachte. 1839 heiratete sie den Dresdner Hofschauspieler Hellwig, der aber bereits wenige Jahre später starb. 1843 gastierte sie am Königstädtischen Theater Berlin und wurde für dieses Haus engagiert. Sie trat hier in Lustspielen, Possen und Vaudevilles auf, hatte aber ihre größten Erfolge als Opernsängerin (Gräfin in »Figaros Hochzeit«, Marie in der »Regimentstochter« von Donizetti). 1844 heiratete sie den Schauspieler und Komiker Philipp Grobecker (1815-83, der später in zweiter Ehe die Operettendiva Anna Grobecker-Mejo heiratete, sich aber wieder von ihr trennte). Im Frühjahr 1847 erkrankte die Künstlerin schwer und starb im folgenden Jahr an einem Blutsturz in Berlin. Neben ihrem großen musikalischen Talent rühmen zeitgenössische Kritiken ihre ungewöhnliche Schönheit und ihr gewandtes Bühnenspiel.

 

2.7. Hélène FORTIN: 60. Geburtstag

 Biographie der kanadischen Sopranistin auf Französisch: https://fr.wikipedia.org/wiki/H%C3%A9l%C3%A8ne_Fortin

 

3.7. Bianca SCACCIATI: 125. Geburtstag

 Ausgebildet durch Ernesto Bruschino in Mailand. Sie debütierte 1917 am Teatro della Pergola in Florenz als Marguerite im »Faust« von Gounod. Bald galt sie als eine der bedeutendsten dramatischen Sopranistinnen für den Bereich der italienischen Oper. 1920 sang sie am Teatro Comunale Bologna die Maddalena in Giordanos »Andrea Chénier«, am Teatro San Carlo Neapel die Titelrolle in »Manon Lescaut« von Puccini, am Teatro Adriano in Rom die Margherita in »Mefistofele« von Boito, 1928 auch am Teatro Costanzi Rom in der Uraufführung der Oper »Dafni« von Giuseppe Mulè. 1921 hörte man sie am Teatro Carcano Mailand wie am Teatro Regio Parma als Desdemona in Verdis »Otello«, 1922 am Teatro Carlo Felice Geua wieder als Margherita in »Mefistofele«. Sie sang in Genua und Neapel, in Verona und Bari und hatte in den Jahren 1926-34 große Erfolge an der Mailänder Scala. Dort trug sie als Antrittsrolle 1926 die Elisabetta im »Don Carlos« vor. und sang u.a. 1927 die Desdemona, 1928 die Leonore in »La forza del destino«. Sie trat auch bei den Festspielen von Verona (1920, 1930-31) und Florenz in Erscheinung. 1926 kreierte sie an der Oper von Rom in der Premiere von Puccinis »Turandot« die Titelrolle. Die gleiche Partie sang sie in der Premiere der Oper an der Londoner Covent Garden Oper 1927, wo sie in der Saison 1926-27 die Margherita wie die Elena in »Mefistofele« als Doppelrolle übernahm. 1928 am Teatro Colón Buenos Aires zu Gast, 1932 an der Oper von Rom als Lady Macbeth in Verdis »Macbeth«. Auch an der Grand Opéra Paris und an der Oper von Kairo gastweise aufgetreten. Einer ihrer letzten Auftritte war in der Spielzeit 1942-43 am Teatro Grande Brescia als Tosca. Ihre Karriere kam in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg endgültig zum Abschluss. Sie starb 1948 in Brescia.  – Dramatische Sopranstimme von üppiger Tonfülle und großer Steigerungsfähigkeit.

Ihre Stimme ist durch Columbia-Platten erhalten (die frühesten von 1926 noch in akustischer Aufnahmetechnik, aus späterer Zeit die vollständigen Opern »Tosca«, »Der Troubadour«).

 

4.7. Louis-Luc LOISEAU DE PERSUIS: 300. Geburtstag

 Biographie des französischen Komponisten auf Englisch:

https://en.wikipedia.org/wiki/Louis-Luc_Loiseau_de_Persuis

 

5.7. Tom KRAUSE: 85. Geburtstag

 Sein Vater war Direktor einer Versicherungsgesellschaft. Während er in Helsinki Medizin studierte, spielte er Piano und Gitarre in einer Jazzband. 1956 begann er das Gesangstudium, das er teils in Hamburg, teils an der Wiener Musikakademie betrieb. Seine Lehrer waren die Pädagogen Margot Skoda, Sergio Nazor und Rudolf Bautz. 1957 debütierte er als Liedersänger (unter dem Namen Thomas Krause) in Helsinki. Bühnendebüt in der Spielzeit 1958-59 an der Städtischen Oper (Deutsches Opernhaus) Berlin als Escamillo in »Carmen«. Bald begann er eine große Karriere mit Gastspielen an der Mailänder Scala (1965 als Heerrufer im »Lohengrin« und 1978 mit dem Bariton-Solo im Deutschen Requiem von J. Brahms, zuvor bereits 1963 bei einem Gastspiel der Hamburger Staatsoper in »The Flood« und »Oedipus Rex« von Strawinsky), bei der English National Opera London, am Théâtre de la Monnaie Brüssel, in Toulouse und Bordeaux, an der Oper von Rom, am Teatro Colón Buenos Aires, an der Grand Opéra bzw. der Opéra Bastille Paris (1973 und 1992 Graf sowie 1973-74 und 1979 Figaro in »Le nozze di Figaro«, 1974 und 1976 Amfortas sowie 1999 und 2001 Titurel im »Parsifal«, 1974-76 und 1979-80 Guglielmo in »Così fan tutte«, 1974 Orest in »Elektra« von R. Strauss, 1975, 1978 und 1980 vier Dämonen sowie 2000 Crespel und Luther in »Hoffmanns Erzählungen«, 1976 Valentin im »Faust« von Gounod, 1977 und 1980 Marcello in »La Bohème«, 1977 Dandini in »La Cenerentola«, 1978 Sharpless in »Madame Butterfly«, 1992 Frère Bernard in »Saint Francois d‘Assise« von Messiaen, 1993 Tomski in »Pique Dame« von Tschaikowsky, 1996 Dikoj in »Katja Kabanowa« von Janácek), an der Nationaloper Helsinki, in Köln, Hannover, München, Berlin und später an der Chicago Opera. An der Wiener Staatsoper debütierte er bereits 1961 als Kruschina in Smetanas »Die verkaufte Braut«, in den Jahren 1970-83 gastierte er hier in insgesamt 28 Vorstellungen als Don Giovanni, als Posa in Verdis »Don Carlos«, als Don Pizarro im »Fidelio«, als Graf in »Le nozze di Figaro«, als Escamillo und als Amfortas. 1962-75 gehörte er dem Ensemble der Hamburger Staatsoper an. Bei den Bayreuther Festspielen sang er 1962 den Heerrufer, 1963 in London das Bariton-Solo im War Requiem von Benjamin Britten unter der Leitung des Komponisten. Bei den Festspielen von Glyndebourne hörte man ihn 1963 als Grafen im »Capriccio« von Richard Strauss. Bei den Festspielen von Salzburg trat er 1968-70 als Don Giovanni (wobei er 1968 kurzfristig für den erkrankten Nicolai Ghiaurov einsprang), 1969-70 und 1982-83 als Minister im »Fidelio«, 1969-70 als Guglielmo, 1972-76 und 1979-80 als Graf in »Le nozze di Figaro«, 1974 als Sprecher in der »Zauberflöte«, 1992 und 1998 als Frère Bernard auf; 1969 sang er dort den Kreon in einer konzertanten Aufführung von Strawinskys »Oedipus Rex«, 1970, 1973 und 1982 gab er bei den gleichen Festspielen große Liederabende; 1991 wirkte er hier in einem Kirchenkonzert und am 15.8.1992 in der Uraufführung der Oper »Mozart in New York« von Helmut Eder in der Rolle des Lorenzo da Ponte mit. In Hamburg wirkte er in den Uraufführungen der Opern »Der goldene Bock« von E. Krenek (16.6.1964 als Jason), »Der Zerrissene« von G. von Einem (17.9.1964), »Die Heimsuchung« (»The Visitation«) von Gunther Schuller (11.10.1966) und »Hamlet« von Humphrey Searle (5.3.1968 in der Titelrolle) mit. 1967 folgte er einem Ruf an die Metropolitan Oper New York. Hier sang er als Debütrolle den Grafen Almaviva in »Le nozze di Figaro« und trat dort während sechs Spielzeiten (bis 1973) in insgesamt 48 Vorstellungen als Escamillo, als Malatesta im »Don Pasquale« und als Guglielmo auf. Am Grand Théâtre Genf gastierte er 1982 als Amfortas, 1983 als Golaud in »Pelléas et Mélisande« und 1985 als Nick Shadow in »The Rake’s Progress« von Strawinsky sowie 1983 und 1986 mit Liederabenden; 1985 hörte man ihn bei den Festspielen von Savonlinna in der Bass-Partie des Königs Philipp in Verdis »Don Carlos«, in Houston/Texas als Mephisto im »Faust« von Gounod. 1989 gastierte er am Gran Teatre del Liceu in Barcelona und 1991 an der Oper von Miami als Alfonso in Donizettis »La Favorita«. 1992 zu Gast in Amsterdam, 1996 in Miami als Musikmeister in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss. 1995 nahm er bei den Festspielen von Savonlinna an der Uraufführung der Oper »Der Palast« von Aulis Sallinen teil. 1997 übernahm er bei den Festspielen von Savonlinna die Partie des Sprechers in der »Zauberflöte«. Als weitere Glanzrollen galten der Renato in Verdis »Un ballo in maschera«, der Amonasro in »Aida« und der Germont-père in »La Traviata«. Im Konzertsaal trat er in einem sehr umfangreichen Oratorien- und Liedrepertoire auf. Er starb 2013 in Hamburg.

Warm timbrierte, kraftvolle, durch eine überlegene Ausdruckskunst gekennzeichnete Baritonstimme, von der sehr viele Schallplatten vorhanden sind, u.a. auf den Marken Ariola-Bertelsmann, Decca (Kurwenal in »Tristan und Isolde«, Graf in »Le nozze di Figaro«, Guglielmo in »Così fan tutte«, Don Pizarro im »Fidelio«, »La Bohème«, »Andrea Chénier«, »Don Pasquale«, »Roméo et Juliette« von Gounod, »Turandot« von Puccini, »Bajazzo«, »Salome« und »Elektra« von R. Strauss, »Un ballo in maschera« und »Otello« von Verdi, zum Teil auch in kleineren Rollen; Matthäuspassion von J.S. Bach, C-Dur-Messe von Beethoven), DGG (»Carmen«, Frère Bernard in »Saint François d’Assise« von O. Messiaen), Orfeo (»Alceste« von Gluck), Philips (»Lohengrin«, »Die Fledermaus«), Finlandia (»Kung Karls Jakt« von F. Pacius, Lieder von R. Schumann und M. Mussorgsky, Lieder von Sibelius), CBS (»Oedipus Rex« von Strawinsky), HMV (»Euryanthe« von Weber), RCA-Erato (»Jolanthe« von Tschaikowsky, Oratorium »Christus« von Liszt), Koch Records (»Der Palast« von Aulis Sallinen), Telarc (Mozart-Requiem).

Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://www.tom-krause.com/inhalt.php?id=5585&menu_level=1&id_mnu=5585&id_kunden=540

 

5.7. Oskar CZERWENKA: 95. Geburtstag

Er wollte ursprünglich Maler werden, ließ dann aber seine Stimme ausbilden. Er war Schüler von Otto Iro in Wien. Er debütierte 1947 am Opernhaus von Graz als Eremit im »Freischütz« von Weber. 1951 folgte er einem Ruf an die Wiener Staatsoper (Debüt als Nachtwächter in »Die Meistersinger von Nürnberg«), deren Mitglied er bis 1986 blieb (letzter Auftritt als Osmin in der »Entführung aus dem Serail«). Er trat an der Wiener Staatsoper im Ablauf seiner langen Karriere in 1100 Vorstellungen und 60 Rollen auf und wurde zu deren Ehrenmitglied ernannt. An der Wiener Staatsoper hörte man ihn u.a. als König wie als Ramfis in »Aida«, als Lodovico in Verdis »Otello«, als Mesner in »Tosca«, als Rocco im »Fidelio«, als Timur in Puccinis »Turandot«, als Monterone im »Rigoletto«, als Leporello im »Don Giovanni«, als Marchese di Calatrava wie als Pater Guardian in »La forza del destino«, als Peneios in »Daphne« von R. Strauss, als Daland in »Der fliegende Holländer«, als Madruscht in »Palestrina« von H. Pfitzner, als Jake Wallace in »La Fanciulla del West«, als Colline in »La Bohème«, als Herold in »Alceste« von Gluck, als Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, als Banquo in Verdis »Macbeth«, als Graf Des Grieux in Massenets »Manon«, als Onkel Bonze in »Madame Butterfly«, als van Bett in »Zar und Zimmermann« von Lortzing, als Pope in »Iwan Tarassenko« von Fr. Salmhofer, als Kommerzienrat in »Intermezzo«  von R. Strauss, als Orest in »Elektra« von R. Strauss, als Warlaam im »Boris Godunow«, als Veitinger in »Das Werbekleid« von Fr. Salmhofer, als Odysseus in »Penelope« von R. Liebermann, als Don Pasquale, als Ochs im »Rosenkavalier«, als Einarmiger in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss, als König Marke in »Tristan und Isolde«, als Geronte in Puccinis »Manon Lescaut«, als König Philipp in Verdis »Don Carlos«, als Basilio im »Barbier von Sevilla«, als Stadthauptmann im »Revisor« von W. Egk, als Riedinger in »Mathis der Maler« von Hindemith, als Bote in »Oedipus Rex« von Strawinsky, als Fasolt im »Rheingold«, als Ptolemäus in Händels »Julius Caesar«, als Gremin in »Eugen Onegin«, als Bauer in C. Orffs »Die Kluge«, als Boris in »Katerina Ismailowa« von Schostakowitsch, als Zuniga in »Carmen«, als Morosus in »Die schweigsame Frau« von R. Strauss, als Rodrigo wie als Tierbändiger in »Lulu« von A. Berg, als Waldner in »Arabella« von R. Strauss, als Budivoj in »Dalibor« von Smetana, als Neger in »Angélique« von Ibert, als Dikoj in »Katja Kabanowa« von Janácek, als La Roche in »Capriccio« von R. Strauss und als König Balthasar in »Amahl und die nächtlichen Besucher« von G.C. Menotti. Er trat auch oftmals an der Wiener Volksoper auf, u.a. 1964 als Ramiro in Ravels »Die spanische Stunde«, 1965 als Hanswurst in Haydns »Das brennende Haus«, 1966 ans Anzoleto in Wolf-Ferraris »Il Campiello«, 1970 als Mustafà in Rossinis »Italienerin in Algier«, 1972 als Sulpice in Donizettis »Regimentstochter«. Er erwarb internationales Ansehen vor allem durch seine vortreffliche Gestaltung von Buffo-Rollen, beherrschte aber insgesamt mehr als 75 Opernpartien. Seit 1952 trat er bei den Festspielen von Salzburg auf. Hier sang er den Notar im »Rosenkavalier« (1953), den Kuno im »Freischütz« (1954), den Truffaldin in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss (1954-55), den Bartolo in »Le nozze di Figaro« (1956, 1962) und den Buonafede in J. Haydns »Il mondo della luna« (1959), wirkte in den Uraufführungen der Opern »Der Prozess« von Gottfried von Einem (17.8.1953 als Untersuchungsrichter und als Prügler) und »Irische Legende« von Werner Egk (17.8.1955 als 2. Kaufmann) mit und trat als Konzertsolist in der C-Moll-Messe von Mozart (1952-53), in Haydns »Schöpfung« (1953), in »Judas Makkabaeus« von Händel (1953), im Mozart-Requiem (1954) und in Bruckners »Te Deum« (1956) auf. 1959-60 sang er beim Glyndebourne Festival den Ochs auf Lerchenau. Er gastierte an den Opernhäusern von Köln und Frankfurt a.M., an der Deutschen Oper Berlin, an den Staatsopern von Hamburg, München und Stuttgart, am Teatro San Carlos Lissabon, an den Nationalopern von Prag und Budapest, am Opernhaus Zürich und am Théâtre de la Monnaie in Brüssel (1954). In der Saison 1959-60 debütierte er an der Metropolitan Oper New York als Ochs und hatte dort in der gleichen Spielzeit einen großen Erfolg als Rocco im »Fidelio«, er sang dort jedoch nur insgesamt in 8 Vorstellungen. 1965 sang er in Hamburg in der Uraufführung der Oper »Jacobowsky und der Oberst« von G. Klebe. Zu seinen großen Bühnenrollen gehörte auch der Abul Hassan im »Barbier von Bagdad« von P. Cornelius. Großer Konzert- und Oratorienbassist. In den siebziger Jahren hatte er als Tevje in dem Musical »Anatevka« große Erfolge, ebenso als Liedersänger. Er wirkte in zahlreichen Fernsehsendungen von Opern in Österreich und in Deutschland mit. Er betätigte sich auch als Fernsehmoderator und nach seinem Abschied von der Bühne wieder als Maler. Er veröffentlichte »Lebenszeiten-Ungebetene Briefe« (Wien, 1987). Er starb nach langer, unheilbarer Krankheit 2000 in Vöcklabruck.

Schallplatten: Columbia (»Der Barbier von Bagdad« von Cornelius), MMS (Komtur im »Don Giovanni«), Philips (»Tiefland«, »Salome«, »Figaros Hochzeit«), Legendary Recordings (»Aida«), Teatro Dischi (»Der Barbier von Sevilla«), Decca (»Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss), Preiser (»Winterreise« von Schubert, Balladen von C. Loewe, weitere Lied-Aufnahmen); auch auf EJS und Remington (Verdi-Requiem) zu hören.

 

5.7. Arrigo POLA: 100. Geburtstag

Er war ein Neffe des Baritons Ubaldo Toffanetti, der ein beliebter Darsteller von Charakter- und Comprimariorollen an italienischen Operntheatern war. Schon als Kind trat er singend hervor, studierte später jedoch Trompete, schließlich aber doch Gesang bei der Pädagogin Mercedes Accianti in Modena. Während des Zweiten Weltkrieges war er Soldat, konnte aber in Deutschland als Sänger auftreten, u.a. in Danzig. Seine eigentliche Karriere begann er 1945 am Teatro Sociale von Modena als Cavaradossi in »Tosca« mit Sara Scuderi als Partnerin. Nachdem er einen Concours des italienischen Rundfunks RAI gewonnen hatte, sang er am Teatro Fenice Venedig in »Tosca« als Partner der berühmten Renata Tebaldi, dann auch an der Oper von Rom, am Teatro San Carlo von Neapel, 1949 an der Mailänder Scala (Faust von Gounod) und 1951 als Partner von Maria Callas am Teatro Regio von Parma in Verdis »La Traviata«. 1945/46 Gastspiele an französischen Bühnen, in Brüssel (in »Manon« von Massenet) wie am Gran Teatre del Liceu in Barcelona, 1956 in England. Nachdem der Präsident der Philippinen ihn 1955 zu einer Tournee durch dieses Land einlud, blieb er in den fernöstlichen Ländern und hatte große Erfolge als Opern- wie als Konzerttenor in Tokio und Hongkong. Acht Jahre hindurch wurde er an der Fujiwara Oper von Tokio gefeiert, wo er das ganze klassische italienische und französische Tenorrepertoire sang und Tourneen durch Japan und Korea unternahm. Von seinen Bühnenrollen sind noch zu nennen: der Herzog im »Rigoletto«, der Alfredo in »La Traviata« (Oper von Rom 1948), der Rodolfo in »La Bohème«, der Canio im »Bajazzo« und der Don José in »Carmen«. Er übernahm 1957 die Direktion der Fujiwara Opera Company, die er bis 1965 leitete. 1965 kam er wieder nach Italien zurück und betätigte sich pädagogisch in Cagliari, Verona und Bologna; sein Meisterschüler war der bekannte Tenor Luciano Pavarotti. Zu seinen Schülern gehörten auch der Tenor Vincenzo La Scola und der Bassist Michele Pertusi. Arrigo Pola starb 1999 in Modena.

Lit: Daniele Rubbioli: Arrigo Pola; il Maestro di Pavarotti.

Schallplatten: Remington-Allegro Royale (vollständige »La Traviata«), Cime (Recital); sang auf Nippon-Victor in den vollständigen Opern »La Traviata« und »Tosca« und auf japanischer Columbia italienische und neapolitanische Lieder.

 

6.7. Jean PÉRISSON: 95, Geburtstag

 Biographie des französischen Dirigenten auf Französisch: https://fr.wikipedia.org/wiki/Jean_P%C3%A9risson  

 

6.7. Ernst HAEFLIGER: 100. Geburtstag

Er besuchte das Lehrerseminar in Wettingen und erwarb das Diplom für Schulgesang, ließ aber zugleich seine Stimme in Zürich und durch Fernando Carpi in Genf ausbilden. Nachdem er diese Ausbildung bei Julius Patzak in Wien abgeschlossen hatte, debütierte er 1942 als Konzertsänger. 1943 wurde er an das Stadttheater von Zürich engagiert, dem er bis 1952 angehörte. 1943 erregte er erstes Aufsehen, als er in einigen Städten in der Schweiz die Partie des Evangelisten in der Matthäuspassion von J.S. Bach sang. Während seines Wirkens in Zürich kam es dann zu zahlreichen Konzertverpflichtungen in der Schweiz, in Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, Belgien und Holland. Bei den Salzburger Festspielen sang er am 9.8.1949 in der Uraufführung der Oper »Antigonae« von Carl Orff den Tiresias, 1949 den 1. Geharnischten in der »Zauberflöte«, 1961-62 den Idamante in »Idomeneo« von Mozart und 1962 das Tenorsolo in der 9. Sinfonie von Beethoven. Er sang beim Festival von Aix-en-Provence 1951 den Paolino in Cimarosas »Il matrimonio segreto« und den Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«, beim Glyndebourne Festival 1956 und 1957 den Belmonte, 1956 auch den Tamino in der »Zauberflöte«. Es folgten Gastspiele an der Staatsoper von München, in Lyon und Bordeaux. 1952 wurde er als erster lyrischer Tenor an die Städtische Oper (später Deutsche Oper Berlin) berufen, wo er bis 1974 wirkte. Gleichzeitig setzte er seine internationale Karriere als Konzert- wie als Operntenor fort. Er gastierte in Prag (1948), in Vancouver (1959), an der Oper von Rom (1957 als Belmonte), beim Maggio Musicale von Florenz (1955 als Ferrando in »Così fan tutte« mit dem Ensemble der Städtischen Oper Berlin), am Théâtre de la Monnaie Brüssel (1963) und unternahm Tourneen in Japan (1966 mit der Deutschen Oper Berlin) und Australien (1969). In London trat er oft als Konzert- und Oratoriensänger auf. 1959-67 gehörte er (neben seinem Engagement in Berlin) auch dem Ensemble der Hamburger Staatsoper an. Große Erfolge brachten ihm seine Nordamerika-Tourneen. 1966 gastierte er an der Oper von Chicago als Tamino. Er kreierte mehrere Werke von Frank Martin (»Le Vin herbé«, Zürich 1942; »Golgotha«, Genf 1949; »In terra pax«, Radio Genf 1945). Er wirkte in den Uraufführungen der Opern »Zwischenfälle bei einer Notlandung« von Boris Blacher (Staatsoper Hamburg, 4.2.1966) und »200 000 Taler« vom gleichen Komponisten (Deutsche Oper Berlin, 25.9.1969) mit, auch in den Schweizer Erstaufführungen von »Death in Venice« von B. Britten (Stadttheater Bern, Spielzeit 1977-78 als Aschenbach), »The Prodigal Son«, gleichfalls von B. Britten (Bern, 1983-84 als Templer und als Abbot) sowie »Ijob« von W. Hiller (Bern, 1983-84 in der Titelrolle). Ernst Haefliger konnte sich mit großer Gestaltungskraft, einer besonderen Klarheit der Diktion und einem feinen Stilgefühl in einem umfassenden Bühnen- wie Konzertrepertoire auszeichnen, wobei er seine bedeutendsten Leistungen im Mozart-Gesang, als Oratorien- und als Liedersänger aufzuweisen hatte. In seinem Opernrepertoire fanden sich als weitere Partien der Don Ottavio im »Don Giovanni«, der Jaquino im »Fidelio«, der Flamand im »Capriccio« von R. Strauss, der Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla«, die Titelpartie in »Le Comte Ory« von Rossini, der Fenton im »Falstaff« von Verdi und der Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut«. Seit 1971 wirkte er auf pädagogischem Gebiet als Professor an der Musikhochschule von München. Er veröffentlichte ein bedeutendes gesangpädagogisches Werk unter dem Titel »Die Singstimme« (1984). Am 10.11.1996 sang Ernst Haefliger in der Eröffnungsvorstellung des Prinzregententheaters in München den Hirten in »Tristan und Isolde«. Er starb 2007 in Davos. –  Sein Sohn Andreas Haefliger (* 1964) entfaltete eine erfolgreiche Karriere als Pianist. Er begleitete u.a. seinen Vater, als dieser 1995 nochmals einen Liederabend im New Yorker Metropolitan Museum gab.

Schallplatten: Philips (Matthäuspassion von J.S. Bach, Missa solemnis von Beethoven), Decca (»Oedipus Rex« von Strawinksy), Harmonia mundi (»Pelléas et Mélisande«), Discocorp (9. Sinfonie von Beethoven), TIS (gleichfalls 9. Sinfonie), MMS, Händel Society, Concert Hall (Johannespassion und Magnificat von J.S. Bach), Christschall, Jecklin/Fono (Lieder von Othmar Schoeck, 1942 aufgenommen), Jecklin Disco (Lieder von Othmar Schoeck), vor allem aber DGG (»Die Entführung aus dem Serail« als Belmonte, »Don Giovanni« als Don Ottavio, »Fidelio«, »Die Zauberflöte« als Tamino, Steuermann in »Der fliegende Holländer«, »Oedipus Rex«, Matthäuspassion von J.S. Bach, »Messias« und Brockes-Passion von Händel, »Die Israeliten in der Wüste« von Carl Philipp Emanuel Bach). Unter dem Etikett von Claves erschienen Mozart-Arien, die beiden Liederzyklen »Die schöne Müllerin« und »Winterreise« und Weihnachtslieder.

 

7.7. Elena OBRAZTSOVA: 80. Geburtstag

 Sie besuchte das Konservatorium von Leningrad in der Klasse der Pädagogin Antonina Grigorjewna. Noch während ihrer Ausbildung gewann sie 1962 eine Goldmedaille bei den Welt-Jugendfestspielen in Helsinki. 1963 wurde sie vom Konservatorium aus sogleich an das Bolschoi Theater von Moskau verpflichtet. Hier sang sie als Antrittsrolle die Marina im »Boris Godunow«. In den folgenden Jahren hatte sie dort ihre größten Erfolge als Marfa in »Chowanschtschina« von Mussorgsky, als Eboli im »Don Carlos« von Verdi, als Carmen, als Ljubascha in der »Zarenbraut« von Rimsky-Korssakow, als Hélène Besuchowa in »Krieg und Frieden« von Prokofjew, als Polina wie als alte Gräfin in »Pique Dame« von Tschaikowsky, als Amneris in »Aida«, als Kontschakowna in »Fürst Igor« von Borodin, als Dalila in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns und 1965 als Oberon in der Moskauer Premiere der Oper »A Midsummer Night’s Dream« von Benjamin Britten. Viele Gastspiel zusammen mit dem Ensemble des Bolschoi Theaters: 1964 in Mailand (als Gouvernante in »Pique Dame« und als Fürstin Maria in »Krieg und Frieden«), 1967 in Montreal, 1969 in Paris, 1971 in Wien (als Polina, als Hélène Besuchowa und als Marina), 1973 in Mailand (als Marfa und als Prosia in »Semjon Kotko« von Prokofjew), 1975 in New York. 1970 gewann sie den Tschaikowsky-Wettbewerb, im gleichen Jahr den internationalen Wettbewerb für Sänger in Barcelona. 1973 sang sie bei den Festspielen von Wiesbaden. An der Mailänder Scala hatte sie 1976 einen besonderen Erfolg als Charlotte in »Werther« von Massenet. Hier sang sie auch 1978-79 die großen Verdi-Partien der Eboli, der Ulrica in »Un Ballo in maschera« und im Requiem, außerdem gab sie dort ein Gala-Konzert. An der Mailänder Scala sang sie auch 1980 die Iocasta in Strawinskys »Oedipus Rex«, 1981 die Santuzza in »Cavalleria rusticana«, 1982 die Giovanna Seymour in Donizettis »Anna Bolena«, 1996 die Babulenka in Prokofjews »Der Spieler« und 2005 die alte Gräfin in »Pique Dame«. An der Oper von San Francisco 1975 als Azucena im »Troubadour«, 1977 als Principessa di Bouillon in »Adriana Lecouvreur« von Cilea und 1990 als Principessa in »Suor Angelica« von Puccini zu Gast. 1973-74 und 1983 große Erfolge am Gran Teatre del Liceu in Barcelona. 1975-87 gastierte sie in insgesamt 26 Vorstellungen an der Wiener Staatsoper als Carmen, als Amneris, als Santuzza und als Azucena. 1975-81 gab sie mehrfache Gastspiele an der Nationaloper Budapest. 1976-79, 1987, 1990 und 2001-02 Mitglied der Metropolitan Oper New York, wo sie im Oktober 1976 als Antrittsrolle die Amneris sang und in insgesamt 55 Vorstellungen auch als Dalila, als Charlotte, als Carmen, als Adalgisa in »Norma«, als Azucena, als Ulrica, als Babulenka und als Madame Akhrosimova in Prokofjews »Krieg und Frieden« eine glanzvolle Karriere entwickeln konnte. 1978 übernahm sie bei den Festspielen von Salzburg die Partie der Eboli und gab dort 1979 einen Liederabend. 1985 gastierte sie bei den Festspielen in der Arena von Verona, 1987 in Budapest und bei den Festspielen von Wiesbaden, 1989 am Teatro Colón Buenos Aires als Amneris, 1985 beim Festival von Ravenna als Santuzza. An der Covent Garden Oper London hörte man sie 1985 als Azucena. 1996 gastierte sie mit dem Ensemble der Oper von St. Petersburg an der Opéra Bastille Paris als Babulenka. 1998 hinterließ sie bei einem Gastspiel in Venedig als Principessa in Puccinis »Suor Angelica« einen bewegenden Eindruck, ebenso als alte Gräfin in »Pique Dame« und als Babulenka im neu eröffneten Festspielhaus von Baden-Baden. 1999 gastierte sie (zusammen mit dem Bolschoi-Ensemble) im Coliseum Theatre in London als Marina; im gleichen Jahr sang sie an der Oper von St. Petersburg die alte Gräfin in »Pique Dame«. 2000 übernahm sie an der Opéra Bastille Paris die Madame Akhrosimova. Im Laufe ihrer Karriere ist sie auf der Bühne wie auf dem Konzertpodium als Gast in Italien, Frankreich, England, Spanien und Deutschland, in Kanada und Japan und natürlich in den russischen Musikmetropolen aufgetreten. Sie führte auch in Opernaufführungen Regie, u.a. 1986 am Bolschoi Theater Moskau in Massenets »Werther«. Sie wurde 1973 zur Volkskünstlerin der UdSSR ernannt und erhielt 1976 den Staatspreis der Sowjetunion. Sie starb 2015 in Leipzig. Seit 1984 war sie mit dem aus Litauen stammenden Dirigenten Algis Žiūraitis (1928-98) verheiratet. – Ihre üppige, dunkel timbrierte, ausdrucksstarke, bis zu suggestiver Dramatik reichende Stimme wurde durch ein herausragendes Darstellungsvermögen ergänzt. Im Konzertsaal erwies sie sich als hoch begabte Lied-Interpretin, und zwar sowohl für das russische Lied wie für das Liedgut der deutschen Romantik als auch für spanische Kompositionen (Lieder von Manuel de Falla, »Tonadillas« von Granados). Eine der bedeutendsten Altistinnen ihrer Generation.

Schallplatten der staatlichen sowjetrussischen Produktion, darunter die vollständige Oper »Fürst Igor« von Borodin. Sang auf HMV die Azucena im »Troubadour«, auf DGG in »Samson et Dalila« von Saint- Saëns (mit Placido Domingo als Partner), in Massenets »Werther«, in »Aida«, »Rigoletto« und »Luisa Miller« von Verdi, auf CBS in »Adriana Lecouvreur« von Cilea, auf Capriccio in »Herzog Blaubarts Burg« von Béla Bartók.

 

8.7. Vatroslav LISINSKI: 200. Geburtstag

 Er gilt als Mitbegründer der Illyrischen Bewegung, der Rückbesinnung auf kroatisches Kulturerbe. Sie entstand als Antwort auf Repressionen seitens Ungarns. Lisinski komponierte 1846 die erste kroatische Oper Ljubav i zloba (Liebe und Arglist). Die vermutlich bekannteste Oper von Lisinski ist Porin aus dem Jahr 1851. Er komponierte auch weitere zahlreiche Werke für Orchester, Chor und Solisten. Nach seinem Tod 1854 in Zagreb wurde er auf dem Mirogoj-Friedhof in Zagreb beigesetzt.

 

9.7. Eberhard WAECHTER: 90. Geburtstag

Er studierte seit 1947 zuerst Klavierspiel und Musiktheorie an der Wiener Musikhochschule, seit 1950 Gesang bei Elisabeth Rado. 1953 folgte er einem Ruf an die Wiener Staatsoper (Debüt als St. Brioche in »Die lustige Witwe«), an der er bis 1983 blieb (letzter Auftritt als Sprecher in der »Zauberflöte«). Er trat an der Wiener Staatsoper im Ablauf seiner langen Karriere in 1193 Vorstellungen auf und wurde zu deren Ehrenmitglied ernannt. Man sah ihn hier u.a. als Silvio im »Bajazzo«, als Valentin im »Faust« von Gounod, als Tomski in »Pique Dame« von Tschaikowsky, als Dr. Falke wie als Eisenstein in der »Fledermaus«, als Graf von Liebenau im »Waffenschmied« von Lortzing, als Ottokar im »Freischütz«, als Lord Kookburn in »Fra Diavolo« von Auber,  als Wolfram im »Tannhäuser«, als Germont-père in »La Traviata«, als Moralès wie als Escamillo in »Carmen«, als Marcello in »La Bohème«, als Melot in »Tristan und Isolde«, als Lescaut in Puccinis »Manon Lescaut«, als Ping in Puccinis »Turandot«, als Posa in Verdis »Don Carlos«, als Renato in Verdis »Un ballo in maschera«, als Graf in »Figaros Hochzeit«, als Don Giovanni, als Sharpless in »Madame Butterfly«, als Ford in Verdis »Falstaff«, als Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Donner wie als Wotan im »Rheingold«, als Titelheld in Händels »Julius Caesar« wie in Borodins »Fürst Igor«, als Gérard in Giordanos »Andrea Chénier«, als Amfortas im »Parsifal«, als Golaud in »Pelléas et Mélisande«, als Minister im »Fidelio«, als Graf Luna im »Troubadour«, als Nick Shadow in »The Rake’s Progress« von Strawinsky, als Scarpia in »Tosca«, als Heerrufer im »Lohengrin«, als Jochanaan in »Salome« von R. Strauss, als Orest in »Elektra« von R. Strauss, als Figaro im »Barbier von Sevilla«, als Titelheld in »Dantons Tod« von G. von Einem, als Don Alfonso in »Così fan tutte«, als Titelhelden in »Simon Boccanegra« von Verdi, als Mandryka in »Arabella« von R. Strauss, als Wladislaw in »Dalibor« von Smetana, in den Rollen der vier Dämonen in »Hoffmanns Erzählungen«, als Rigoletto, als Morone in »Palestrina« von H. Pfitzner, als Musiklehrer in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss und als König Melchior in »Amahl und die nächtlichen Besucher«  von G.C. Menotti. Am 23.5.1971 sang er an der Staatsoper Wien in der Uraufführung der Oper »Der Besuch der alten Dame« von Gottfried von Einem den Ill, bereits am 17.6.1956 in der Uraufführung von Frank Martins »Der Sturm« den Prospero. Er trat auch oftmals an der Wiener Volksoper auf, u.a. 1965 als Homonay im »Zigeunerbaron«, 1973 als Danilo in »Die lustige Witwe«, 1979 als Bartolo im »Barbier von Sevilla« (während sein Sohn Franz Wächter den Figaro sang) und 1986 den Beppo in »Fra Diavolo« von Auber. Der Künstler hatte dann eine glanzvolle internationale Karriere. Er gastierte an der Scala in Mailand (Debüt 1960 als Graf in »Figaros Hochzeit«, 1962 als Titelheld in Luigi Dallapiccolas »Il Prigioniero«, als Kothner und als Golaud), an der Covent Garden Oper London (1956 auch als Graf, 1959 als Amfortas und als Renato), an den Staatsopern von München und Stuttgart, in Rom, Berlin und Brüssel. Seit 1956 trat er bei den Festspielen von Salzburg in Erscheinung, wo man ihn vor allem als Mozart-Sänger bewunderte (1956 als Arbace in »Idomeneo« und als 2. Priester in der »Zauberflöte«, 1958 als Graf in »Figaros Hochzeit«, 1960 als Sprecher in der »Zauberflöte«, 1960-61 als Don Giovanni, 1961 als Oberpriester in »Idomeneo«, 1964-65 als Orest in »Elektra« von R. Strauss, 1965 als Schtschelkalow in Mussorgskys »Boris Godunow«). Bei den Festspielen von Bayreuth wirkte er 1958-60 und 1966 als Amfortas mit, 1958-59 als Kothner, 1958-60 als Heerrufer, 1962 und 1966 als Kurwenal in »Tristan und Isolde« und 1962, 1964 und 1966 als Wolfram. Gastspiele an der Opernhäusern von Dallas (1960) und San Francisco (1964 als Barak in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss, als Germont-père, als Graf in »Figaros Hochzeit« und als Amfortas). 1960 wurde er an die New Yorker Metropolitan Oper verpflichtet, an der er im Jänner 1961 dreimal den Wolfram sang. In dieser Partie hatte er auch 1959 an der Grand Opéra Paris debütiert; an der Oper von Chicago übernahm er als Antrittsrolle 1960 den Grafen in »Figaros Hochzeit«. Am 18.9.1980 wirkte er am Theater an der Wien in der Uraufführung der Oper »Jesu Hochzeit« von Gottfried von Einem als Josef mit. 1985 nahm er an der Japan-Tournee der Wiener Volksoper teil. Aus seinem umfangreichen Repertoire für die Bühne sind ergänzend der Eugen Onegin von Tschaikowsky und der Wozzeck von A. Berg zu nennen. Seit etwa 1973 verlegte er sich auf den Vortrag von Buffo-Rollen wie dem Dulcamara in »L’Elisir d’amore« (1973 Theater an der Wien) und dem Gianni Schicchi in Puccinis gleichnamiger Oper. 1979 trat er nochmals bei den Salzburger Festspielen – diesmal als Schauspieler – auf: er spielte in »Das weite Land« von Arthur Schnitzler den Doktor von Aigner. 1987 wurde er Direktor der Wiener Volksoper, 1991 übernahm er dann die Direktion der Wiener Staatsoper. Er brach 1992 plötzlich während eines Spaziergangs mit seiner Gattin im Wiener Wald tot zusammen. – Dunkel glänzende, ausdrucksvolle Baritonstimme, sowohl auf der Bühne als auch im Konzertsaal in einem umfassenden Repertoire erfolgreich.

Schallplatten der Marken DGG (»Tristan und Isolde«, »Der Freischütz«, Wolfram im »Tannhäuser«, Wien 1963), Decca (»Salome«, »Arabella«, »Das Rheingold«, »Die Fledermaus«, »Wozzeck« und »Lulu« von A. Berg), Columbia (»Figaros Hochzeit«, »Don Giovanni«, »Die Fledermaus«, »Der Rosenkavalier«, »Capriccio« von R. Strauss), Philips (»Don Giovanni«, »Tannhäuser«, »Tiefland«), Ariola-Eurodisc (»Cavalleria rusticana«), Italia (»Il Prigioniero« von Dallapiccola), Sony (»Die Csardasfürstin« von E. Kálmán), Amadeo-Polygram (»Der Besuch der alten Dame«) und RCA (»Die Fledermaus«). Auf Replica singt er den Heerrufer im »Lohengrin« (Bayreuth, 1958), weiter Opernmitschnitte auf Melodram (»Parsifal« und »Lohengrin«, Bayreuth 1958 bzw. 1960), Movimento Musica (»Fidelio«, »Die Zauberflöte« und aus Salzburg als Titelheld im »Don Giovanni«, 1960 und in »Idomeneo«, 1961), Morgan (»Don Carlos«).

 

10.7. Jonny BLANC: 80. Geburtstag


Als Danilo

 Er erhielt seine Ausbildung an der Königlichen Musikakademie von Stockholm; seine hauptsächliche Lehrerin war hier Käthe Sundström; weitere Studien bei Clemens Kaiser-Breme in Essen. Debüt als Bariton 1962 am Stora Theater Göteborg; er sang 1963-65, immer noch im Baritonfach, am Odeontheater in Stockholm. 1967 erneutes Debüt, jetzt als Tenor, an der Königlichen Oper Stockholm in der Rolle des Dimitrij in Mussorgskys »Boris Godunow«. Seither große Karriere an der Stockholmer Oper. Zahlreiche Gastspiele an den Opernhäusern von Malmö und Oslo, dann auch an der Oper von Frankfurt a.M., an der Oper von Kopenhagen, bei der Scottish Opera Glasgow (1976-77 als Danilo in Lehárs »Die lustige Witwe«), in Miami, Helsinki und Lissabon. Seit 1966 eine der Hauptkräfte des Ensembles der Drottningholmer Festspiele, wo er 1973-74 in der Wiederaufführung der vergessenen Oper »Gustaf Adolf och Ebba Brahe« von G.J. Vogler mitwirkte. Er gastierte mit dem Drottningholm Theater bei den Festspielen in Hannover-Herrenhausen. 1971 sang er in Oslo in der Uraufführung der Oper »Anne Pedersdotter« von Braein, am 18.1.1973 an der Stockholmer Oper in der von J.L. Werles »Tintomara«. Beim Edinburgh Festival trat er 1974 bei einem Gastspiel der Königlichen Oper Stockholm als Stewa in Janáceks »Jenufa« auf. In seinem umfangreichen Bühnenrepertoire fanden sich sowohl lyrische als auch heldische Tenorpartien, von denen noch der Nerone in Monteverdis »L’Incoronazione di Poppea«, der Riccardo in Verdis »Maskenball«, der Cavaradossi in »Tosca«, der Don José in »Carmen«, der Florestan in »Fidelio«, der Siegmund in der »Walküre«, der Hermann in »Pique Dame« von Tschaikowsky und der Eisenstein in der »Fledermaus« genannt seien. Erfolgreicher Konzert- und Oratoriensänger. Er starb im Dezember 2011.

Schallplatten auf HMV und auf Gramofon ab Electra. Auf MRF Mitschnitt einer Aufführung von Voglers »Gustaf Adolf och Ebba Brahe« aus Drottningholm von 1973.

 

10.7. Ian WALLACE: 100. Geburtstag

 Er war nach Abschluss seines Jurastudiums in London Schüler von Norman Allin und Dino Borgioli. 1946 debütierte er am Cambridge Theater London als Schaunard in Puccinis »La Bohème«. Er war in den folgenden Jahren bei verschiedenen englischen Operngesellschaften tätig und wurde vor allem in den Buffo-Partien seines Stimmfachs bekannt. 1946-49 Mitglied der New London Opera Company; er sang dann lange bei der Sadler’s Wells Opera London, u.a. 1960 sehr erfolgreich den Don Magnifico in »La Cenerentola« von Rossini. Beim Edinburgh Festival übernahm er 1948 den Masetto im »Don Giovanni«, 1949 den Samuel in Verdis »Un ballo in maschera«, 1950 den Bartolo in »Le nozze di Figaro«, 1953 den Don Magnifico, 1954 den Gouverneur in »Le Comte Ory« von Rossini, 1955 den Bartolo im »Barbier von Sevilla« und den Fra Melitone in »La forza del destino« und 1960 den Ser Matteo Del Sarto in Busonis »Arlecchino«. Bei den Festspielen von Glyndebourne wirkte er 1952-53 und 1959-60 als Don Magnifico, 1954-55 und 1961 als Bartolo im »Barbier von Sevilla«, 1954 als Ser Matteo Del Sarto, 1955 als Gouverneur in »Le Comte Ory«, 1955-56 als Bartolo in »Le nozze di Figaro« und 1968 als Dulcamara in »L’Elisir d‘amore« mit. Der Künstler trat auch zusammen mit der English Opera Group und der London Opera Society und bei der Scottish Opera Glasgow auf. Hier trat er 1951 als Mefistofele in der gleichnamigen Oper von A. Boito, 1965 als Leporello im »Don Giovanni«, 1966 als Pistola in Verdis »Falstaff« und als Colas in Mozarts »Bastien und Bastienne«, 1968 als Herr Schlendrian in einer szenischen Aufführung von J. S. Bachs »Kaffee-Kantate« und  als Mr. Somers in »Gentleman’s Island« von Joseph Horovitz, 1968-69 als Herzog von Plaza-Toros in »The Gondoliers«  von Gilbert & Sullivan, 1969-70 als Don Magnifico, 1974-75 als Bartolo im »Barbier von Sevilla« sowie 1976 als Erzähler und als Wirt in »Die drei Pintos« von C.M. von Weber/G. Mahler auf. 1950 sang er am Fortune Theatre London in der englischen Premiere von Milhauds »Le pauvre matelot«. 1950 gastierte er am Teatro Regio von Parma und am Teatro Fenice Venedig. Weitere Gastspiele in Berlin (1954), in Rom (1955) und bei den Festspielen von Bregenz (1964 als Don Magnifico, 1965 als

Bartolo im »Barbier von Sevilla«). Seit 1966 trat er in England in zahlreichen Radio- und Fernsehsendungen auf, zum Teil auch als Moderator und Diskussionsteilnehmer. Er wirkte auch in Tonfilmen mit. Er veröffentlichte unter dem Titel »Promise Me You’ll Sing Mud« (London, 1975) eine Selbstbiographie. Er starb 2009 in London.

Schallplatten: HMV (integrale Opern »Arlecchino« von Busoni, »Le nozze di Figaro«, »La Cenerentola« und »Le Comte Ory« von Rossini aus Glyndebourne), L’Oiseau Lyre (»Sosarme« von Händel).

 

10.7. Amalie MATERNA: 175. Geburtstag

Ihr Vater, der Schullehrer war, starb früh. Sie wurde durch ihren älteren Bruder, der ebenfalls Lehrer in dem Dorf St. Peter in der Steiermark war, erzogen und wuchs in ärmlichen Verhältnissen heran. Sie erhielt ersten Gesangunterricht in Graz. 1865 debütierte sie als Soubrette am Thalia-Theater in Graz in der Operette »Leichte Kavallerie« von Franz von Suppé. Bald darauf heiratete sie den Volksschauspieler und Operettensänger  Karl Friedrich († 1892); sie führte seitdem auch den Namen Amalie Friedrich-Materna. Sie trat weiter in Operettenrollen auf und wechselte an das Wiener Carl-Theater, an das man sie und ihren Gatten verpflichtet hatte. Nachdem man ihre Eignung für das dramatische Sopranfach erkannt hatte, nahm sie nach kurzem Studium bei dem Hofkapellmeister Proch ein Engagement an der Wiener Hofoper an, wo sie 1869 als Donna Elvira im »Don Giovanni« debütierte. Sie wurde in Wien die Nachfolgerin der großen Louise Dustmann und blieb bis zu ihrem Abschied von der Bühne 1894 die gefeierte erste dramatische Sopranistin dieses großen Opernhauses. Sie sang hier im Laufe ihres Engagements u.a. auch die Leonore im »Fidelio«, die Valentine in den »Hugenotten« von Meyerbeer, die 2. Dame in der »Zauberflöte«, die Selica in der »Afrikanerin« von Meyerbeer, die Amelia in Verdis »Simon Boccanegra«, die Venus wie die Elisabeth im »Tannhäuser«, die Ortrud im »Lohengrin«, die Titelrolle in »Judith« von Franz Doppler, die Eglantine in »Euryanthe« von C.M. von Weber, die Königin der Erdgeister in »Hans Heiling« von Marschner, die Rachel in der »Jüdin« von Halévy, den Adriano im »Rienzi« von Wagner, die Helene in »Der häusliche Krieg« von Fr. Schubert, die Zayda in »Dom Sebastian« von Donizetti, die Zimonia in »25 Mädchen« von Fr. v. Suppé, die Gertrud im »Hamlet« von A. Thomas, die Margarethe in »Genovea« von R. Schumann, die Amneris wie die Titelheldin in »Aida«, die Alice in »Robert der Teufel« von Meyerbeer, die Amalie in Aubers »Die Ballnacht«, die Brünnhilde im Nibelungenring, die Titelheldin in Glucks »Armida«, die Donna Anna im »Don Giovanni«, die Elektra im »Idomeneo« von Mozart, den Sesto in Mozarts »La clemenza di Tito«, die Titelheldin in Cherubinis »Medea«, die Isolde in »Tristan und Isolde«, die Titelheldinnen in den Gluck-Opern »Iphigenie auf Tauris« und »Alceste« und die Hermosa in Gounods »Der Tribut von Zamora«. Sie wandte sich bald dem Wagner-Gesang zu. Richard Wagner, der sie in Wien kennenlernte, schätzte ihre Interpretation seiner Partien besonders hoch ein und bestimmte sie für die Rolle der Brünnhilde in den ersten Aufführungen des Nibelungenrings bei den Bayreuther Festspielen von 1876. Sie sang diese Partie in der »Walküre« (14.8.1876), im »Siegfried« (16.8.1876) und in der »Götterdämmerung« (17.8.1876), wobei die beiden letztgenannten Opern zugleich ihre Uraufführung erlebten. 1877 trat sie in der Londoner Albert Hall in glanzvollen Wagner-Konzerten auf. Sie sang 1881 in den Aufführungen des Nibelungenrings am Berliner Victoria-Theater unter Angelo Neumann ebenfalls die Brünnhilde. Am 26.7.1882 kreierte sie in Bayreuth die Kundry in der Uraufführung des »Parsifal«, die sie dann in Bayreuth auch 1883-84, 1886, 1888-89 und 1891 vortrug. 1885 trat sie an der Metropolitan Oper New York auf (Debüt als Elisabeth im »Tannhäuser«). Sie sang dort in insgesamt 37 Vorstellungen auch die Valentine, die Rachel und die Brünnhilde in der »Walküre«. Sie trat als Gast an den großen Opernhäusern in Österreich und Deutschland auf, u.a. in Frankfurt a.M., in Dresden und Berlin. 1881-83 nahm sie an der Europa-Tournee mit Angelo Neumanns reisendem Wagner-Theater teil, 1887 an einer Tournee durch Spanien und Portugal. Sie absolvierte Gastspiele in Rotterdam (1886), Paris (1889 und 1894), Budapest, Brünn (Brno) und am Deutschen Theater Prag (1875). 1894 unternahm sie mit der Damrosch Opera Company eine Nordamerika-Tournee, bei der sie ihre großen Wagner-Partien zum Vortrag brachte. Sie verabschiedete sich am 30.12.1894 als Brünnhilde in der »Götterdämmerung« von ihrem Wiener Publikum, das sie ungewöhnlich verehrte. Am 10.3.1875 hatte sie an der Wiener Hofoper die Titelheldin in der Uraufführung der »Königin von Saba« von Goldmark kreiert; am 19.11.1886 wirkte sie dort in einer weiteren Opern-Uraufführung eines Werks dieses Meisters, »Merlin«, in der Partie der Viviane mit. Zu ihren weiteren Bühnenpartien zählte auch die die Fidès in Meyerbeers »Der Prophet«. Nach Beendigung ihrer Karriere arbeitete sie zuerst in Graz, dann in Wien auf pädagogischem Gebiet, geriet jedoch zeitweilig in große wirtschaftliche Not. 1913 trat sie nochmals, jetzt fast 70 Jahre alt, in Wien in einem Konzert zum 100. Geburtstag von Richard Wagner auf und sang den Monolog der Kundry. Sie starb 1918 in Wien. Sie fand ihre letzte Ruhestätte in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof. –  Ihre voluminöse, in ihrer dramatischen Kraft nahezu unerschöpfliche Stimme galt als Vorbild für eine ganze Generation von Sängerinnen. Sie war eine der größten Wagner-Sängerinnen ihrer Generation. Vier Wochen vor seinem Tod schrieb Richard Wagner aus Venedig an sie: »Haben Sie Dank für ihre große und grandiose Natur, die wie ein erfülltes Bedürfnis in mein Leben getreten ist, – Gott, wenn ich der letzten Kundry-Abende gedenke: Adieu: Liebe, Gute, Beste« – Auch ihre Nichte Hedwig Materna (* 4.8.1867 Graz, † 1939 München) hatte eine erfolgreiche Sängerkarriere.

 

11.7. Hermann PREY: 90. Geburtstag

Er erhielt seine Gesangsausbildung an der Berliner Musikhochschule durch Jaro Prohaska, Günther Baum und Harry Gottschalk. 1951 gab er seinen ersten Liederabend. Er gewann 1952 einen Gesangwettbewerb des Hessischen Rundfunks in Frankfurt a.M. Er debütierte 1952 bei einem Gastspiel des Staatstheaters Wiesbaden in Bad Salzschlirf als Moruccio in »Tiefland« von d’Albert. Er war 1953-58 an der Staatsoper Hamburg, 1958-60 an der Städtischen Oper Berlin, seit 1960 bis zu seinem Tod an der Bayerischen Staatsoper München engagiert. 1956 unternahm der Künstler eine sehr erfolgreiche Nordamerika-Tournee, bei der man ihn vor allem als Lied-Interpreten bewunderte. Bereits 1957 debütierte er an der Wiener Staatsoper als Figaro im »Barbier von Sevilla« und sang hier bis 1994 in insgesamt 79 Vorstellungen außerdem noch den Wolfram im »Tannhäuser«, den Kapellmeister Storch im »Intermezzo« von R. Strauss, sowohl den Grafen als auch den Figaro in »Le nozze di  Figaro«, den Olivier im »Capriccio« von R. Strauss, den Guglielmo in »Così fan tutte«, den Beckmesser in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Don Giovanni, den Sprecher in der »Zauberflöte« und den Eisenstein in der »Fledermaus«. Seit 1959 Jahr für Jahr bedeutende Erfolge bei den Salzburger Festspielen; er sang dort 1959 den Barbier in »Die schweigsame Frau« von R. Strauss, 1960-65 und 1972-77 den Guglielmo, 1967-68, 1970 und 1974 den Papageno, 1968 den Figaro im »Barbier von Sevilla«, 1971 den Grafen in »Le nozze di Figaro«; er trat in Salzburg auch als Solist in Konzerten (1960 und 1975 in Mahlers 8. Sinfonie sowie 1965 in Haydns »Die Schöpfung«), vor allem aber fast alljährlich als Liedersänger (1961-68, 1970-79, 1981-82, 1984-85, 1987-88, 1991, 1993, 1995-97) in Erscheinung. Bei den Bayreuther Festspielen hörte man ihn 1965-67 als Wolfram, dort wiederum 1981-84 und 1986 mit sensationellem Erfolg als Beckmesser aufgetreten. Er gastierte in Kopenhagen, Amsterdam und Brüssel. 1960 folgte er einem Ruf an die Metropolitan Oper New York (Antrittsrolle: Wolfram). Dort trat er in zwölf Spielzeiten in insgesamt 65 Vorstellungen auch als Graf in »Le nozze di Figaro«, als Papageno, als Figaro im »Barbier von Sevilla«, als Musiklehrer in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, als Eisenstein und als Beckmesser auf. 1960 Gastspiel an der Oper von Dallas, 1961 an der Oper von Philadelphia (als Wolfram), 1961 in Den Haag (als Graf in »Le nozze di Figaro«), 1963 an der San Francisco Opera (als Olivier, als Guglielmo und als Figaro im »Barbier von Sevilla«, 1982 noch einmal als Figaro in »Le nozze di Figaro«) sowie beim Maggio Musicale von Florenz (1963 als Wolfram), 1971 in Chicago. An der Mailänder Scala sang er 1969 und 1976 die Titelrolle im »Barbier von Sevilla«, 1974 den Grafen in »Le nozze di Figaro«, 1976 den Guglielmo, 1986 den Papageno und 1990 den Beckmesser; er gab an der Scala 1972, 1974, 1978, 1985-86, 1988, 1990 und 1996 erfolgreiche Liederabenden. Er sang mit dem Ensemble der Münchner Oper 1965 beim Edinburgh Festival in der englischen Erstaufführung der Richard Strauss-Oper »Intermezzo«. Seit 1973 war er auch fast alljährlich an der Covent Garden Oper London zu hören. Weitere Gastspiele am Teatro Colón Buenos Aires, bei den Festspielen von Aix-en-Provence (1962 als Don Giovanni), Wiesbaden, Köln, Florenz (1986 als Beckmesser) und Bregenz (Konzert 1976 sowie 1978, 1980 und 1983 Liederabende), in Frankfurt a.M., Stuttgart, Boston, Houston (Texas) und an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg. Er sang am 17.10.1955 in Hamburg in der Uraufführung von E. Kreneks Oper »Pallas Athene weint«, am 22.5.1960, ebenfalls an der Hamburger Staatsoper, in der von H.W. Henzes »Prinz von Homburg«. 1961 gastierte er als Konzertsolist in Tokio, 1962 in Den Haag, Stockholm und Oslo, 1977 in Prag. 1981 trat er in einem Liederabend an der Grand Opéra Paris auf. Seit 1982 Professor an der Musikhochschule Hamburg. Er starb ganz plötzlich im Juli 1998 in Krailling (Oberbayern) an einem Herzinfarkt, nachdem er noch wenige Tage vorher in München ein Konzert gegeben hatte. Seine warme, ausdrucksschöne Baritonstimme erregte auf der Bühne vornehmlich in lyrischen Partien, im Konzertsaal in der überlegenen, tief musikalischen Interpretation des Oratoriums wie namentlich des Liedes Bewunderung. – Sein Sohn Florian Prey (* 1960) schlug auch die Sängerlaufbahn ein und debütierte 1986 an der Wiener Kammeroper.

Viele Schallplattenaufnahmen auf Columbia (»Der Barbier von Bagdad« von Cornelius, »Die Kluge« von Orff, »Ariadne auf Naxos«, »Carmen«, »Le nozze di Figaro«, »Der Barbier von Sevilla«, »Zar und Zimmermann«, Lieder-Zyklen wie Schuberts »Winterreise«), DGG (»Oberon«, »Palestrina« von Pfitzner, »Ariadne auf Naxos«, 8. Sinfonie von G. Mahler), Decca (»Die Zauberflöte«), Philips, Eurodisc (»Carmina Burana«, Matthäuspassion), Orfeo (»Lazarus« von Schubert, »La Traviata«, »Das Liebesverbot« von Richard Wagner), RCA (»Die tote Stadt« von Korngold), CBS (»Schwanda der Dudelsackpfeifer« von Weinberger), HMV-Electrola (»Boccaccio« von F. von Suppé), Dino-Records (Matthäuspassion), Sony (Ein deutsches Requiem von J. Brahms), Melodram (»Intermezzo« von R. Strauss), Capriccio (»Das Nachtlager von Granada« von C. Kreutzer, »Der Trompeter von Säckingen« von V. Nessler). Hinzu tritt eine Fülle von Liedaufnahmen auf verschiedenen Marken, u.a. auf Capriccio (Lieder und Balladen von Carl Loewe) und Denon (»Winterreise« von Schubert, Lieder von R. Schumann, auch Solo in der 8. Sinfonie von G. Mahler); Castle-Video (Matthäuspassion), RCAAriola-Video (Carmina Burana). Frühe Aufnahmen auf Imperial.

Weitere Informationen auf der ihm gewidmeten Homepage: http://www.hermannprey.de/

 

11.7. Liliane BERTON: 95. Geburtstag

Zunächst studierte sie am Konservatorium von Lille, dann am Conservatoire National in Paris. 1950 kam es zu ihrem Bühnendebüt an der Oper von Marseille als Blondchen in Mozarts »Entführung aus dem Serail«. 1952 kam sie an die Pariser Grand Opéra (Antrittsrolle: Siebel im »Faust« von Gounod). Im gleichen Jahr 1952 wirkte sie an der Opéra-Comique Paris in der Uraufführung der Oper »Dolorès« von Lévy mit. Ihre Karriere entwickelte sich sehr schnell. Sie trat an den beiden großen Opernhäusern der französischen Metropole Paris auf und galt bald als eine der bedeutendsten lyrischen Koloratursopranistinnen, die Frankreich innerhalb ihrer Generation aufzuweisen hatte. Gastspiele in Lyon, Marseille, Lille und auch an ausländischen Bühnen brachten ihr immer neue Erfolge ein. 1961 gab sie Gastspiele in Nordafrika. 1963 sang sie bei den Festspielen von Glyndebourne die Susanna in »Le nozze di Figaro«, 1965 am Teatro Colón Buenos Aires und 1970 am Teatro San Carlos Lissabon in »Dialogues des Carmélites« von Fr. Poulenc, 1967 an der Oper von Monte Carlo in »The Telephone« von Gian Carlo Menotti. Sie trat auch gastweise an den Opernhäusern von Toulouse und Bordeaux, in Rio de Janeiro und London, in Holland und in der Schweiz auf. In ihrem Repertoire standen an erster Stelle Rollen wie der Cherubino in »Figaros Hochzeit«, die Rosina im »Barbier von Sevilla«, die Titelheldin in »Les Noces de Jeannette« von Massé, die Eurydice in »Orfeo ed Euridice« von Gluck und die Marguerite im »Faust« von Gounod. 1957 sang sie an der Grand Opéra in der Erstaufführung der Oper »Dialogues des Carmélites« von Poulenc die Partie der Constance, 1957 wie 1968 die Sophie im »Rosenkavalier«. Auch als Konzertsängerin schätzte man sie allgemein. Sie wirkte später als Pädagogin am Conservatoire National de Paris. Sie starb 2009 in Paris.

Die Künstlerin hat auf der Schallplatte eine Reihe vollständiger Opern gesungen: auf Pathé (»Der Barbier von Sevilla«, »Werther« von Massenet, Eurydice in »Orfeo ed Euridice« von Gluck, »Les Noces de Jeannette« von Massé), auf HMV (»Faust«, »Dialogues des Carmélites« von Poulenc), EMI (Hélène in »Une Education manquée« von Chabrier), auf Philips, auf Concert Hall und auf Pleïade. Sehr viele Operettenquerschnitte auf Decca-Oméga (u.a. auch die Opern »Si j’étais Roi« von Adam und »Les Dragons de Villars« von Maillart).

 

12.7. Brünnhild FRIEDLAND: 95. Geburtstag

Sie war an der Dresdner Musikakademie Schülerin von Eduard Plate und von J.H. Eduard. 1947 Debüt an der Volksoper Dresden als Leonore im »Troubadour«; 1948-50 in Görlitz, 1950-69 an der Staatsoper Dresden verpflichtet. Hier hatte sie eine große Karriere und sang u.a. die Agathe im »Freischütz«, die Elisabeth im »Tannhäuser«, die Elsa im »Lohengrin«, die Desdemona im »Otello«, die Isolde in »Tristan und Isolde« und die Marschallin im »Rosenkavalier«. 1951 und 1953 wirkte sie bei den Festspielen von Bayreuth als Gerhilde in der »Walküre« mit, wie sie denn überhaupt als begabte Wagner-Interpretin galt. Nach einem kurzen Aufenthalt in Westdeutschland kam sie 1970 wieder in die DDR zurück, wo sie noch Gastspiele (Leipzig, Dresden) gab. Später lebte sie wieder in Westdeutschland. Sie starb 1986 in Hamburg.

Einige Aufnahmen bei Eterna (Querschnitt durch Verdis »Otello«), Columbia (3. Akt »Walküre« aus Bayreuth, 1951).

 

13.7. Christa-Maria ZIESE: 95. Geburtstag

 Ihre Lehrer waren die Pädagogen Gottlieb Zeithammer und Josef-Maria Hausschild in Leipzig. Sie gewann den Bach-Gesangwettbewerb in Dresden und den internationalen Concours von Prag (1949). Bühnendebüt 1947 an der Oper von Leipzig als Hänsel in »Hänsel und Gretel«. Sie war dann bis 1951 und wiederum 1954-77 hoch geschätztes Mitglied dieses Opernhauses, gastierte aber gleichzeitig an den Staatsopern von Dresden und Berlin und an der Komischen Oper Berlin. 1952-54 war sie am Nationaltheater von Weimar engagiert Erfolgreiche Gastspiele am Moskauer Bolschoi Theater, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, an den Opernhäusern von Hamburg, Hannover, Zürich, Brno (Brünn) und Nizza. Ihre groß dimensionierte, von besonderer Ausdruckskraft getragene Sopranstimme erreichte ihre besten Leistungen im hochdramatischen Repertoire (Leonore im »Fidelio«, Santuzza in »Cavalleria rusticana«, Salome, Aida, Tosca, Carmen, Turandot von Puccini, Senta in »Der fliegende Holländer«, Isolde in »Tristan und Isolde«, Venus im »Tannhäuser«). Auch im Konzertsaal hatte die Künstlerin große Erfolge. Sie starb 2012 in Meiningen. Sie war verheiratet mit dem Bass-Bariton Rainer Lüdeke (1927-2005), der ebenfalls am Opernhaus von Leipzig wirkte.

Schallplatten: Eterna.

 

13.7. Carlo BERGONZI: 95. Geburtstag

 Studium bei Maestro Grandini und am Konservatorium von Parma. Während seines Studiums wurde er wegen antifaschistischer Tätigkeit verhaftet. Im Zweiten Weltkrieg wurde er zur italienischen Armee eingezogen und kam 1943 in ein deutsches Internierungslager. Er konnte erst nach Kriegsende seine Ausbildung beenden. Er war u.a. auch Schüler des Pädagogen Francesco Carrino in Triest. Debüt im Baritonfach 1947 in Catania als Schaunard in Puccinis »La Bohème«. 1948 begann er seine eigentliche Karriere am Stadttheater von Lecce als Titelheld in Rossinis »Barbier von Sevilla«. Er sang drei Jahre lang im Bariton-Fach, wurde dann Tenor und debütierte als solcher 1951 am Teatro Petruzzelli in Bari als Titelheld in »Andrea Chénier« von Giordano. 1951 sang er die Tenor-Partien in einem Zyklus von Verdi-Opern, die der italienische Rundfunk anlässlich der Verdi-Gedenkfeiern sendete. Dann Gastspiele in Neapel, Brescia und Rom, schließlich seit 1953 große Erfolge an der Mailänder Scala, wo er am 25.3.1953 in der Uraufführung der Oper »Masaniello« von Jacopo Napoli (in der Titelrolle) debütierte. Er kam an der Mailänder Scala zu einer sehr erfolgreichen Karriere und sang dort 1955 und 1965 den Alvaro in »La forza del destino«, 1956 den Gabriele Adorno in »Simon Boccanegra«, 1963, 1965 und 1976 den Radames in »Aida«, 1963-64 und 1967 das Tenor-Solo im Verdi-Requiem, 1964 den Faust in A. Boitos »Mefistofele« und den Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, 1964 und 1967 den Manrico im »Troubadour«, 1966 den Nemorino in »L’Elisir d‘amore« und 1968 den Riccardo in Verdis »Un ballo in maschera« sowie 1983 und 1993 sehr erfolgreiche Liederabende. Weitere Gastspiele am Teatro Colón von Buenos Aires und an der Hamburger Staatsoper. Er bereiste Spanien, Portugal, England, Frankreich und Südamerika. 1953 sang er am Stoll Theatre London den Alvaro, seit 1962 regelmäßig an der Covent Garden Oper London zu hören (Antrittsrolle: gleichfalls Alvaro). Er trat an der Londoner Covent Garden Oper auch als Manrico, als Riccardo, als Radames, als Rodolfo in »Luisa Miller« von Verdi, als Cavaradossi in »Tosca«, als Nemorino und als Edgardo auf. Sein US-Debüt fand an der Oper von Chicago 1955 statt, als er an einem Abend den Luigi in Puccinis »Il Tabarro« und den Turiddu in »Cavalleria rusticana« sang. 1956 wurde er an die Metropolitan Oper New York berufen (Antrittsrolle: Radames). Hier wurde er bis 1988 in insgesamt 324 Aufführungen in 22 Rollen gefeiert: dem Manrico, dem Cavaradossi, dem Rodolfo in »La Bohème«, dem Don José in »Carmen«, dem Alvaro, dem Andrea Chénier, dem Edgardo, dem Pinkerton in »Madame Butterfly«, dem Des Grieux in Puccinis »Manon Lescaut«, dem Canio im »Bajazzo«, dem Gabriele Adorno, dem Riccardo, dem Ernani, dem Herzog im »Rigoletto«, dem Nemorino, dem Enzo in »La Gioconda«, dem Pollione in Bellinis »Norma«, dem Alfredo in »La Traviata«, dem Turiddu und dem Rodolfo in Verdis »Luisa Miller«. Ostern 1964 sang er dort im Verdi-Requiem zum Gedächtnis des amerikanischen Präsidenten Kennedy. 1959 erschien er in der Premiere von Verdis »Macbeth« als Macduff. 1981 feierte man seine 25jährige Zugehörigkeit zur Metropolitan Oper mit einer Gala-Soirée. 1996 trat er letztmalig in einem Gala-Konzert für James Levine an der Metropolitan Oper auf. 1958-78 wirkte er bei den Festspielen von Verona mit und trat 1990 nochmals dort auf. An der Wiener Staatsoper, an der er 1959 als Radames debütierte, sang er bis 1988 in insgesamt 38 Vorstellungen außerdem noch den Andrea Chénier, den Canio, den Rodolfo in »La Bohème«, den Turiddu, den Alvaro, den Riccardo, den Pinkerton, den Cavaradossi, den Manrico und den Edgardo. 1970 übernahm er bei den Festspielen von Salzburg das Tenor-Solo im Verdi-Requiem. 1985 sang er in der New Yorker Carnegie Hall den Oronte in einer konzertanten Aufführung von Verdis »I Lombardi«. Noch 1999 gab er am Teatro Verdi in Carrara ein Konzert. 2000 sang er in der Carnegie Hall in New York, inzwischen 75 Jahre alt, die Titelrolle in einer konzertanten Aufführung von Verdis »Otello«, musste die Aufführung aber im 2. Akt abbrechen. Im Juli 2000 gab er in Wien, im September in Zürich einen Liederabend. Er starb 2014 in Mailand.

Seine klangschöne Stimme und sein nuancenreicher musikalischer Vortrag wurden vor allem im Verdi-Repertoire geschätzt. Nach Beendigung seiner Karriere eröffnete er ein Hotel und ein Restaurant in Busseto, dem Geburtsort von Giuseppe Verdi, betätigte sich dort aber auch als Gesangspädagoge.

Lit: R. Celletti: Le grandi Voci (Rom, 1964).

Zahlreiche Schallplattenaufnahmen auf Cetra (»Pagliacci«, »Simon Boccanegra«), Decca (»Aida«, »Don Carlos« von Verdi, »La Traviata«, »Adriana Lecouvreur« von Cilea), DGG (»Il trovatore«, »Cavalleria rusticana«, »Rigoletto«), RCA (»Luisa Miller«, »Edgar« von Puccini, »Un ballo in maschera«, »Ernani«, »Macbeth«, »Lucia di Lammermoor«, »La Traviata«), Morgan (»I due Foscari« von Verdi), EJS (»Giovanna d’Arco« von Verdi), Philips (»Attila« und »I Masnadieri« von Verdi), Orfeo (»Oberto« von Verdi), Harmonia mundi, CBS (»Edgar« von Puccini), Melodram (»Werther« von Massenet), JPC (»Lucia di Lammermoor«), Capriccio (Belcanto-Kanzonen), Relief/Helikon (Aufnahme eines Lieder- und Arienabends vom 30.9.1991 im Opernhaus von Zürich), Myto (Alvaro in »La forza del destino«), Gala (Enzo in Ausschnitten aus »La Gioconda«, Metropolitan Oper New York 1979); Hardy-Video (»Aida«, Verona 1966). Im Christophorus-Verlag erschienen Alben mit Barock-Arien und neapolitanischen Liedern.

 

14.7. Benito MARESCA: 85. Geburtstag

 Schüler von Marcel Klass in São Paulo. Bühnendebüt 1965 am Opernhaus von São Paulo als Turiddu in »Cavalleria rusticana«. Er gehörte bald zu den bekanntesten brasilianischen Sängern seiner Generation und wurde vor allem an den Opernhäusern von São Paulo und Rio de Janeiro in großen Aufgaben herausgestellt. Gastspiele führten den Künstler an die Staatsopern von München und Stuttgart, an das Teatro San Carlo Neapel, an die Opernhäuser von Frankfurt a.M., Mannheim, Graz und Palermo. Er trat 1975-76 an der Wiener Staatsoper als Turiddu und als Pinkerton in »Madame Butterfly« auf. Er sang das klassische italienische Repertoire für Tenor, vor allem Verdi- und Puccini-Partien, den Pollione in »Norma« von Bellini, den Don José in »Carmen«, den Pery in »Il Guarany« von Carlos Gomes, den Americo in »Lo Schiavo« und den Fernando in »Colombo« vom gleichen brasilianischen Komponisten. Nicht weniger erfolgreich als Konzertsolist. Er starb 2011 in São Paulo.

Aufnahmen auf privaten Marken aus Brasilien.

 

14.7. Piero BELLUGI: 95. Geburtstag

 Er begann seine Ausbildung mit dem Studium der Komposition bei Luigi Dallapiccola und setzte es dann in Amerika am Berkshire Music Center fort. Danach war er von 1958-59 musikalischer Direktor des Oakland Symphony Orchestra, und bis 1961 des Portland Symphony Orchestra. Nach seiner Rückkehr nach Europa dirigierte er zahlreiche große Orchester und viele Opernaufführungen. Seit 1969 war er Erster Dirigent des RAI-Orchesters in Turin. An der Wiener Staatsoper dirigierte er 1981-86 insgesamt 9 Vorstellungen von Bellinis I Capuleti e i Montecchi. Er starb 2012 in Florenz.

Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://www.pierobellugi.com/

 

15.7. Charles ANTHONY: 90. Geburtstag

 Er studierte zuerst an der Loyola University New Orleans bei Dorothy Hulse, dann im Opernstudio der Metropolitan Oper New York. 1952 gewann er den Gesangwettbewerb der New Yorker Metropolitan Oper Auditions of the Air und erhielt ein Stipendium für seine weitere Ausbildung in Italien. Dort Schüler von Riccardo Picozzi und Giuseppe Ruisi. 1954 kam er in die USA zurück. Noch im gleichen Jahre debütierte er an der Metropolitan Oper New York als Gottesnarr im »Boris Godunow«. In den folgenden 55 Jahren war er dort sehr erfolgreich, vor allem in den leichteren lyrischen Partien und als Spieltenor. So sang er an der Metropolitan Oper u.a. den Beppe im »Bajazzo«, den Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla«, den Incroyable in »Andrea Chénier«, die vier Dienerrollen in »Hoffmanns Erzählungen«, den Arturo in »Lucia di Lammermoor«, den Ernesto im »Don Pasquale«, den Edmondo in Puccinis »Manon Lescaut«, den David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Andres im »Wozzeck« von A. Berg, den Jaquino im »Fidelio«, den Don Ottavio im »Don Giovanni«, den Matteo in »Arabella« von R. Strauss, den Nemorino in »L’Elisir d’Amore«, den Ferrando in »Così fan tutte«, den Steuermann in »Der fliegende Holländer« und den Goro in »Madame Butterfly«. In erster Linie übernahm er jedoch an der Metropolitan Oper kleinere und Comprimario-Partien aus allen Bereichen der Opernliteratur; er ist an diesem Haus in 57 Spielzeiten in 111 Rollen in 69 Opern in insgesamt 2928 Vorstellungen aufgetreten; am 28. Jänner 2010 gab er an der New Yorker Metropolitan Oper als Kaiser in Puccinis »Turandot« seine Abschiedsvorstellung. Er trat als Gast an Opernhäusern in Nordamerika (Boston, Dallas, Santa Fé) wie in Europa auf; dazu war er ein gesuchter Konzertsänger. Er starb 2012 in Tampa (Florida).

Schallplatten: RCA (Querschnitt »Don Pasquale« und »Hoffmanns Erzählungen«), Melodram (Beppe im »Bajazzo«), Gala (Bote in »Aida«, Metropolitan Oper New York 1976), Myto (»Roméo et Juliette« von Gounod, Metropolitan Oper 1973).

 

16.7. Ondina OTTA KLASINC: 95. Geburtstag

 Die Künstlerin war in Triest Schülerin von Luigi Toffolo. 1946 debütierte sie am Opernhaus von Ljubljana (Laibach) als Rosina in Rossinis »Barbier von Sevilla«. 1946-51 war sie Mitglied dieses Theaters und gastierte seitdem, vor allem an italienischen Bühnen (so 1955 in Turin), 1956 in London, 1962 am Théâtre de la Monnaie Brüssel. Sie gastierte 1956 am Teatro Verdi Triest, 1957 an der Oper von Monte Carlo. Auch in Frankreich, in Österreich, in Ägypten und in Südamerika trat sie als Bühnen- wie als Konzertsängerin auf. 1958-72 war sie am Opernhaus von Maribor (Marburg a. d. Drau) engagiert. Ihr Bühnenrepertoire hatte seine Höhepunkte in Partien wie der Gilda im »Rigoletto«, der Violetta in »La Traviata«, der Marguerite im »Faust« von Gounod, der Marzelline im »Fidelio«, der Mimi wie der Musetta in Puccinis »La Bohème« und der Rusalka in der Märchenoper gleichen Namens von Dvorák. Sie war später Präsidentin des Komitees eines nach ihr benannten Gesangwettbewerbs. Sie starb 2016 in Maribor.

 

16.7. Zdeněk ŠVEHLA: 95. Geburtstag

 Er begann seine Ausbildung an der Janácek-Akademie in Brno bei Bohumil Sobeský und vollendete sie als Schüler von Apollo Granforte in Mailand und von Carlo Polacco in Venedig. Debüt 1951 am Opernhaus von Olomouc (Olmütz) als Gabriele Adorno in »Simon Boccanegra« von Verdi. Er war dann für viele Jahre eines der prominentesten Mitglieder des Nationaltheaters von Prag. Große Erfolge bei internationalen Gastspielen; so war er zu Gast an der Wiener Staatsoper (1967 als Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut«), am Gran Teatre del Liceu in Barcelona, an der Oper von Brüssel, an den Nationalopern von Bukarest, Belgrad und Zagreb, in Zürich, Bologna und Neapel. Er beherrschte ein weit gespanntes Rollenrepertoire, das Partien in Opern von Verdi, Mozart, Smetana, Janácek, Tschaikowsky, Prokofjew, Puccini, R. Strauss und Moniuszko enthielt. In einer Verfilmung von Dvoráks Oper »Rusalka« stellte er den Prinzen dar. Er starb 2014 in Prag.

Schallplatten: Supraphon (»Dalibor« und »Zwei Witwen« von Smetana, Oratorium »Die heilige Ludmilla« von Dvorák), Decca (»Katja Kabanowa«, »Die Sache Makropoulos«, »Aus einem Totenhaus«, alle von Janácek).

 

16.7. Horst WOLF: 125. Geburtstag

Er war der Sohn eines Kaufmanns und betrieb zunächst ein Ingenieurstudium, das er an der Technischen Hochschule Danzig 1919 mit dem Endexamen und an der Technischen Hochschule Dresden 1920 mit der Promotion zum Dr. Ing. abschloss. Nachdem er einige Zeit hindurch als Ingenieur bei einer Dresdner Eisenbetonfirma gearbeitet hatte, ließ er seine Stimme seit 1920 bei August Iffert in Dresden ausbilden. Er begann seine Bühnenkarriere 1924 am Landestheater von Altenburg in Thüringen und sang dann 1924-25 am Stadttheater von Stralsund, 1925-26 am Landestheater von Rudolstadt. Er unternahm weitere Studien bei Robert Burg in Dresden, war danach 1929-30 in Dessau, 1931-33 am Stadttheater von Rostock und seit 1933 bis 1957 wieder am Landestheater von Dessau engagiert. Er wurde zum Ehrenmitglied des Hauses ernannt, an dem er über 25 Jahre lang als Sänger aufgetreten war, und wo er seit 1945 auch Regie führte (u.a. in den Opern »Rigoletto«, »Madame Butterfly«, »La Bohème«, »Jenufa«, »Fra Diavolo« und in mehreren Lortzing- Opern). Gastspiele führten ihn an große Theater im deutschen Sprachraum, so 1936 an die Staatsoper Wien (als Canio im »Bajazzo«, als Don José in »Carmen«, als Tannhäuser und als Pedro in »Tiefland« von E. d’Albert). In Dessau sang er 1955 in der deutschen Erstaufführung der Oper »Bank-Bán« von F. Erkel die Titelrolle. Weitere Partien aus seinem heldischen Repertoire waren der Siegmund wie der Siegfried im Nibelungenring, der Tristan, der Lohengrin, der Rienzi von R. Wagner, der Parsifal, der Ägisth in »Elektra« von R. Strauss, der Florestan im »Fidelio«, der Otello von Verdi und der Alvaro in Verdis »La forza del destino«. Nachdem seine Gattin bei einem Brandunglück auf tragische Weise ums Leben gekommen war, lebte er ganz zurückgezogen in Dessau, wo er 1980 starb.

 

17.7. Lilian BENNINGSEN: 95. Geburtstag


Lilian Benningsen mit Claire Watson in Cosi fan tutte

 Sie erhielt ihre Ausbildung in Wien durch die bekannten Pädagoginnen Anna Bahr-Mildenburg und Elisabeth Rado. 1947 gewann sie den ersten Preis im Gesangwettbewerb der Wiener Gesellschaft der Musikfreunde. Darauf kam es 1948 zu ihrem Bühnendebüt am Landestheater von Salzburg als Bostana im »Barbier von Bagdad« von P. Cornelius. Es schlossen sich Engagements am Stadttheater von Göttingen und an der Oper von Köln (1950-52) an. 1951 gastierte sie an der Staatsoper von München als Eboli in Verdis »Don Carlos«. Der Erfolg war so groß, dass sie an diese Bühne verpflichtet wurde, deren Mitglied sie für lange Jahre blieb. Neben Partien wie der Fricka im Ring-Zyklus, der Carmen, der Amneris in »Aida« waren weitere Höhepunkte in ihrem umfangreichen Bühnenrepertoire der Octavian im »Rosenkavalier«, die Dorabella in »Così fan tutte« und die Marzelline in »Figaros Hochzeit«. Sie gastierte an der Wiener Staatsoper (1956 als Amneris, 1956-61 als Octavian und 1973 als alte Buryja in Janáceks »Jenufa«) und bei den Festspielen von Salzburg (1947 in Haydns Harmoniemesse, 1955 in einem Mozart-Konzert, am 17.8.1955 in der Uraufführung der »Irischen Legende« von W. Egk als 2. Eule und 1965 in »La Betulia liberata« von Mozart), in London, Lissabon und beim Festival von Athen. An der Covent Garden Oper London sang sie 1953 in der englischen Erstaufführung der Richard Strauss-Oper »Die Liebe der Danaë«. 1953 gastierte sie am Stadttheater (Opernhaus) von Zürich in der Schweizer Erstaufführung der Oper »Die Liebe der Danaë« von Richard Strauss als Alkmene, 1954 in »Salome« vom gleichen Komponisten, 1955 als Amneris. Bei den Schwetzinger Festspielen von 1961 wirkte sie in der Uraufführung der Oper »Elegie für junge Liebende« von H.W. Henze mit, 1969 an der Münchner Oper in der von »Aucassin und Nicolette« von G. Bialas, zuvor bereits 1960 in »Seraphine oder die stumme Apothekerin« von Heinrich Sutermeister. Gleichzeitig hatte sie eine bedeutende Karriere als Konzert- und Liedersängerin. Sie starb 2014 in München. – Sie war verheiratet mit dem Opernsänger Hans Reischl.

Schallplatten: DGG (»Figaros Hochzeit«, »Tentation de Saint Antoine« von Egk), Decca, Eurodisc (Magdalene in »Die Meistersinger von Nürnberg« unter Keilberth), RAI-Electrola (»Die Walküre«, Rom 1953). Auf EJS ist sie in den vollständigen Opern »Ariadne auf Naxos« und »Die tote Stadt« von Korngold zu hören.

 

18.7. Eva ILLES: 90. Geburtstag

 Die aus Ungarn stammende Sängerin erhielt dort ihre Ausbildung und begann auch ihre Karriere in Ungarn. 1967 kam sie nach Westdeutschland und wurde für zwei Jahre (1967-69) an das Stadttheater von Regensburg engagiert. Sie ging dann an das Stadttheater von Freiburg i.Br. (1969-71) und war 1971-75 Mitglied des Opernhauses von Zürich. 1974-81 war sie gleichzeitig Mitglied des Staatstheaters Hannover und sang dann noch während der Spielzeit 1981-82 am Opernhaus von Frankfurt a.M. Während der siebziger Jahre bestanden Gastspielverträge mit dem Opernhaus von Nürnberg, für die Jahre 1973-75 auch mit den Staatsopern von Hamburg und Stuttgart. Sie gab Gastspiele u.a. an der Wiener Staatsoper (1971 als Ariadne auf Naxos in der Oper gleichen Namens von R. Strauss), an der Griechischen Nationaloper Athen (als Senta in »Der fliegende Holländer«), an der Covent Garden Oper London (1972 als Senta) und am Gran Teatre del Liceu in Barcelona (1979). Sie trat vor allem in jugendlich-dramatischen Sopranpartien auf, darunter als Elsa im »Lohengrin«, als Elisabeth wie als Venus (zum Teil als Doppelrolle in der gleichen Vorstellung) im »Tannhäuser«, als Amelia in Verdis »Simon Boccanegra«, als Leonore im »Troubadour«, als Elena in »I Vespri Siciliani« von Verdi, als Maddalena in »Andreas Chénier« von Giordano und als Turandot von Puccini. Sie starb 2010 in Wien. Sie war verheiratet mit dem ungarischen Bassisten István Trefas, der längere Zeit am Stadttheater von Bremen und dann am Staatstheater von Braunschweig engagiert war.

Schallplatten: Sonopress (Querschnitte »Aida« und »Der Troubadour«), ZYX-Records.

 

19.7. Amedeo ZAMBON: 85. Geburtstag

 Er sang bereits als Knabe in einem Kirchenchor seines Heimatortes Fontana Villorba (nördlich von Venedig) und begann mit 17 Jahren sein Gesangstudium, das er u.a. bei Marcello del Monaco, einem Bruder des berühmten Tenors Mario del Monaco, absolvierte. Nachdem er bereits in der Saison 1960-61 am Teatro Fenice Venedig in Puccinis »La Bohème« debütiert hatte, gewann er Gesangwettbewerbe in Busseto und Parma, schließlich 1965 einen Concours, den das Teatro Fenice Venedig ausgeschrieben hatte. 1962 sang er sehr erfolgreich an der Oper von Istanbul, wo er in den folgenden drei Jahren in Partien wie dem Rodolfo in »La Bohème«, dem Cavaradossi in »Tosca«, dem Kalaf in »Turandot«, dem Radames in »Aida«, dem Canio im »Bajazzo« und dem Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut« (in türkischer Sprache) auftrat. 1965 begann er dann eine erfolgreiche Karriere an den großen italienischen Opernhäusern, zuerst am Teatro Massimo Palermo, dann am Teatro San Carlo Neapel und an der Mailänder Scala (1968 Kalaf, 1970 Demodoco und Tiresia in »Ulisse« von Dallapiccola, 1970 Canio, 1971 Andrej Chowanski in »Chowanschtschina« von Mussorgsky, 1978 Pinkerton in »Madame Butterfly«, 1978 Manrico im »Troubadour«). Er sang als Antrittsrolle an der Wiener Staatsoper 1969 den Canio und trat dort bis 1987 in insgesamt 32 Vorstellungen außerdem als Manrico, als Radames, als Turiddu in »Cavalleria rusticana«, als Kalaf, als Cavaradossi, als Dick Johnson in »La Fanciulla del West«, als Andrea Chénier von Giordano und als Otello von Verdi auf. Internationale Gastspielauftritte an der Grand Opéra Paris (1982 als Canio), an den Opern von Monte Carlo, Frankfurt a.M., Hamburg, Stockholm, Lüttich (1981-83) und 1967 bei den Festspielen von Verona. Zur Hundertjahrfeier der Uraufführung von Verdis »Aida« sang er 1970 an der Oper von Kairo den Radames; zum 50. Todestag von Giacomo Puccini trat er in einer Aufführung von dessen Oper »Turandot« in dem Wohnort des Komponisten Torre del Lago als Kalaf auf. 1988 Gastspiel an der Deutschen Oper Berlin als Otello von Verdi. Sein Repertoire umfasste 50 große Partien in italienischen und französischen Opern von den Meistern der klassischen Romantik (Rossini, Bellini, Mercadante, Donizetti) bis hin zu zeitgenössischen Komponisten. Im September 1985 hatte er einen seiner größten Erfolge, als er in Bern die Titelpartie in Verdis »Otello« gestaltete. Er starb 2000 in Treviso. Er war seit 1963 verheiratet mit der Sopranistin Diana Jamieson, die mit ihm zusammen zunächst in Istanbul, dann in Italien, namentlich in Opernpartien Puccinis, Mascagnis und anderer italienischer Meister, auftrat.

Schallplatten: MRF (vollständige Opern »Il Pirata« und »La Straniera« von Bellini, beide mit Montserrat Caballé als Partnerin, 1969 New York; weiter »Siberia« und »La cena delle beffe« von Giordano, Mailand 1977; Duette mit Leyla Gencer).

 

19.7. Amy SHUARD: 95. Geburtstag

 Sie war am Londoner Trinity College Schülerin von Ivor Warren. 1949 debütierte sie am Opernhaus von Johannesburg in Südafrika als Aida. Sie sang an der Oper von Johannesburg 1949 auch die Venus im »Tannhäuser« und die Giulietta in »Hoffmanns Erzählungen«. Noch im gleichen Jahr 1949 wurde sie an die Sadler’s Wells Oper London berufen und sang dort als Antrittsrolle die Marguerite im »Faust« von Gounod. Sie trat 1951 an der Sadler’s Wells Opera in der englischen Erstaufführung der Oper »Katja Kabanowa« von Janácek in der Titelrolle auf. Bis 1955 blieb sie Mitglied dieses Opernhauses. 1954-74 war sie als erste dramatische Sopranistin an der Covent Garden Oper London engagiert. Sie trat 1956 an der Covent Garden Opera in der englischen Erstaufführung der Oper »Jenufa« von Janácek in der Titelrolle auf. In späteren Aufführungen von »Jenufa« an der Covent Garden Oper hörte man sie 1972 und 1974 als Kostelnicka. Sehr große Erfolge erzielte sie auch als Lady Macbeth in Verdis »Macbeth«, als Aida, als Amelia im »Maskenball« von Verdi, als Santuzza in »Cavalleria rusticana«, als Titelheldin in »Elektra« von R. Strauss, als Ortrud im »Lohengrin«, als Tatjana im »Eugen Onegin« und als Magda Sorel in Menottis »The Consul«. 1958 feierte man sie an der Covent Garden Oper als Turandot in Puccinis gleichnamiger Oper, 1964 als Brünnhilde im Ring-Zyklus, 1957 bzw. 1962 in den Premieren von »Les Troyens« von Berlioz und von Schönbergs Monodrama »Erwartung«. An der Wiener Staatsoper gastierte sie 1961-65 in insgesamt 22 Vorstellungen als Turandot, als Aida, als Brünnhilde in der »Walküre«, als Santuzza und als Amelia in Verdis »Maskenball«. Weitere Gastspiele an der Mailänder Scala (1962 und 1964 als Turandot, 1968 als Brünnhilde in der »Walküre«), am Teatro Colón von Buenos Aires, an den Opernhäusern von Brüssel und Lüttich und an der Oper von San Francisco (1963 als Brünnhilde in der »Walküre«, 1966 als Titelheldin in »Elektra« von R. Strauss, 1968-69 als Turandot, 1969 als Brünnhilde in der »Götterdämmerung«). Bei den Festspielen von Bayreuth des Jahres 1968 sang sie die Kundry im »Parsifal«. 1972 gastierte sie am Grand Théâtre Genf als Isolde in »Tristan und Isolde«. 1974 gab sie ihre Karriere auf. Sie starb 1975 in London.

Lit: H. Rosenthal: Amy Shuard (in »Opera«, 1960).

Von ihrer groß dimensionierten dramatischen Sopranstimme ist eine Schallplatte mit Opernarien auf HMV vorhanden. Auf Mondo Musica wurde eine vollständige »Parsifal«-Aufnahme aus dem Teatro Fenice Venedig von 1978 publiziert, in der sie als Partnerin von René Kollo die Kundry singt.

 

19.7. Giorgio ONESTI: 100. Geburtstag

Seine Ausbildung erfolgte durch die Pädagogen V. d’Alessandro und R. Ricci. 1949 debütierte er in Spoleto und trat seitdem an den meisten italienischen Opernhäusern von Bedeutung in Charakter- und Comprimario-Partien auf. So hörte man ihn u.a. an der Oper von Rom, am Teatro San Carlo Neapel, am Teatro Comunale Florenz (1953 als Dr. Bartolo in Paisiellos »Il Barbiere di Siviglia«), am Teatro Massimo Palermo, dazu an vielen kleineren Bühnen. 1952-58 wirkte er bei den Festspielen in den Thermen des Caracalla in Rom als Mesner in »Tosca« und als Alcindoro in »La Bohème« mit. Es kam im Lauf seiner Karriere auch zu Auslandsgastspielen, so an der Niederländischen Oper Amsterdam (1960), bei den Mai-Festspielen von Wiesbaden (1961) und am Opernhaus von Dublin (1962). Er setzte seine Bühnenauftritte bis zu Beginn der achtziger Jahre fort, wobei er vor allem an der Oper von Rom gastierte. Er war später als Pädagoge am Conservatorio Lorenzo Perosi in Campobasso tätig.

Schallplatten: Kleinere Partien in Gesamt-Aufnahmen von Opern bei Philips (»La Bohème«, »Gianni Schicchi« von Puccini), RCA (»La Bohème«), Decca (»La Bohème«).

 

20.7. Jens-Peter OSTENDORF: 70. Geburtstag

Bereits im Alter von 10 Jahren komponierte er; mit 14 Jahren spielte er seine Kompositionen vor; mit 17 führte er seine erste eigene Komposition öffentlich auf. Nach seinem Abitur am Gymnasium für Jungen in Eppendorf, heute Gymnasium Eppendorf, begann er 1964 mit dem Studium der Musiktheorie und Komposition an der Staatlichen Hochschule für Musik in Hamburg bei Ernst Gernot Klußmann und Diether de la Motte. Außerdem wurde er in Schulmusik und Dirigieren bei Wilhelm Brückner-Rüggeberg ausgebildet. Seine Vorbilder waren György Ligeti, Steve Reich und Luigi Nono. 1968 ermöglichte ihm der Bach-Förderpreis, ein Stipendium der Stadt Hamburg, die Mitarbeit im Kompositionsstudio von Stockhausen und die Teilnahme an dessen Kollektivkomposition „Musik für ein Haus“ in Darmstadt. 1969-78 war er Leiter der Abteilung Bühnenmusik am Thalia Theater Hamburg und gründete im selben Jahr die Gruppe „Hinz & Kunzt“, eines insbesondere der Arbeit Hans Werner Henzes verpflichteten Ensembles für szenische Musik. Innerhalb der Gruppe „Hinz & Kunzt“ engagierte sich Ostendorf besonders bei Henzes „Cantiere“ im toskanischen Montepulciano, wo sich später die Musikhochschule Köln einrichtete. 1972 begann er mit dem Studium der experimentellen Musik und nahm das Studium der experimentellen Phonetik an der Universität Hamburg auf. 1973/74 erhielt er ein Villa-Massimo-Stipendium der Deutschen Akademie in Rom. Dort befreundete er sich mit dem französischen Komponisten Gérard Grisey, Mitbegründer der Gruppe „L’Itinéraire”, deren materialorientierte Ästhetik Ostendorf seither teilte. Die römischen Werkstattgespräche animierten Ostendorf zu einer intensiven Beschäftigung mit den physikalischen Voraussetzungen der Klangfarbe. 1976 folgten weitere Einladungen der Villa Massimo und 1977 ein Arbeitsaufenthalt in die Villa Romana nach Florenz. 1979 löste Ostendorf sein Engagement mit dem Thalia Theater Hamburg und war als freischaffender Komponist tätig.

Zunächst reiste er studienhalber in die Sahara und zur Insel Djerba, machte Tonbandaufzeichnungen von Tuaregg-Gesängen und Liedern der Djerba-Juden. Ein Halbjahres-Stipendium in der Cité Internationale des Arts in Paris schloss sich an. 1980 arbeitete Ostendorf am renommierten Pariser IRCAM-Institut (Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique) und erhielt eine Professur für Musiktheorie, Komposition und Analyse an der Universität Bremen. Einer seiner Schüler war Peter Friemer. 1981 und 1983 bereiste er Kuba, um musikalische und musiksoziologische Studien durchzuführen. Dort nahm er teil am Kongress für elektronische und Computermusik und betreute Sendungen des Kubanischen Rundfunks in Havanna. Im Rahmen der Komponistenwettbewerbe der Hamburger Staatsoper wurde am 15. Februar 1982 seiner Oper William Ratcliff nach Heinrich Heine an der Opera Stabile, der experimentellen Bühne der Hamburger Oper, uraufgeführt. Damit fanden Ostendorffs Kompositionen nationale Beachtung, denn die gesamte Tragödie Ratcliffs wurde vom Komponisten als eine Übereinanderschichtung verschiedener Bilder begriffen, ein Zusammenspiel von Schauspiel, Gesang, Pantomime, Hörspiel, Stimmen und dialogischen Selbstgesprächen mit Life-Orchester, Bild- und Bandaufnahmen. Seine zweite Oper, namens Murieta, nach Pablo Nerudas Glanz und Tod Joaquin Murieta, war ein Auftragswerk der Kölner Oper, die dort am 25. Oktober 1984 uraufgeführt wurde. Seine vierte Oper Questi Fantasmi…! wurde am 5. Dezember 1992 vom Stadttheater Koblenz uraufgeführt als Auftragswerk zur 2000 Jahrfeier der Stadt. Diese Uraufführungen machten Ostendorf als Neuerer des Musiktheaters bekannt, so dass 1987 die Stadt Gütersloh ein sechstägiges Ostendorf-Porträt feierte. Dazu komponierte er die Orchesterwerke Mein Wagner (1983) und Psychogramme (1984), die daraufhin im Rahmen der Tage „Neue Musik aus der Bundesrepublik” eine Einladung nach Kiev erhielten und dort zusammen mit seiner Oper William Ratcliff erstaufgeführt wurden. Jens-Peter Ostendorf lebte und arbeitete in Hamburg und Formentera/Spanien. Er schrieb neben Opern für modernes Musiktheater auch Filmmusiken. Mitte der 90er Jahre versiegte sein Schaffen infolge einer unheilbaren Erkrankung. Er starb 2006 in Norderstedt.

 

20.7. Arwed SANDNER: 95. Geburtstag

Er wurde in Berlin ausgebildet und kam ins Opernstudio der Komischen Oper Berlin. An diesem Haus debütierte er 1954 als 2. Geharnischter in der »Zauberflöte«. Er blieb bis 1961 der Komischen Oper Berlin verbunden, wo er Rollen wie den Moruccio in »Tiefland« von d’Albert, den Osmin in der »Entführung aus dem Serail«, den Matteo in »Fra Diavolo« von Auber, den Schnock in »Ein Sommernachtstraum« von B. Britten und den Höllenpförtner in »Die Teufelskäthe« (»Cert a Káca«) von Dvorák übernahm. 1962-68 war er dann Mitglied des Staatstheaters Karlsruhe, anschließend 1968-77 des Opernhauses Zürich und seitdem bis gegen Ende der achtziger Jahre der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg. Er sang vor allem Partien aus dem Charakterfach wie den Bartolo im »Barbier von Sevilla«, den Bijou im »Postillon von Lonjumeau« von Adam, den Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Juan Lopez im »Corregidor« von Hugo Wolf und den Pfarrer im »Besuch der alten Dame« von G. von Einem. Er trat als Gast u.a. am Théâtre de la Monnaie Brüssel (1967) und am Gran Teatre del Liceu in Barcelona (1970 als Klingsor im »Parsifal«) auf. Er starb 1995 bei einem Verkehrsunfall in Hamburg.

Schallplatten: Wergo (»Neues vom Tage« von P. Hindemith), Gala (Major-General und Pirat Mac in der Operette »Die Piraten« von A. Sullivan, 1968).

 

20.7. Henri HAMAL: 275. Geburtstag

 

Biographie des belgischen Komponisten auf Französisch: https://fr.wikipedia.org/wiki/Henri_Hamal

 

21.7. Osbelia HERNÁNDEZ: 90. Geburtstag

 

Biographie der mexikanischen Altistin auf Spanisch: https://www.jornada.com.mx/2014/07/29/cultura/a07n1cul#

 

21.7. Anny FELBERMAYER: 95. Geburtstag

Sie war an der Wiener Musikakademie Schülerin von Josef Witt und Elisabeth Rado. Sie gewann den Ceborati-Preis in Wien sowie Gesangwettbewerbe in Genf und Verviers. 1951 wurde sie an die Wiener Staatsoper berufen (Antrittsrolle: Nannetta in Verdis »Falstaff«), deren Mitglied sie bis 1982 blieb. Allein die Barbarina in »Figaros Hochzeit« sang sie hier in 235 Vorstellungen. Sie trat an diesem Haus in einer Vielzahl von Partien auf, u.a. als Pousette in »Manon« von Massenet, als Echo in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, als Zdenka in »Arabella« von R. Strauss, als Pamina in der »Zauberflöte«, als Christkindchen in »Das Christelflein« von Hans Pfitzner, als Ismene in »Alceste« von Gluck, als Liu in Puccinis »Turandot«, als Kammerfrau in Verdis »Macbeth«, als Marzelline im »Fidelio«, als Gretel in »Hänsel und Gretel«, als Anna in »Intermezzo« von R. Strauss, als Susanna in »Figaros Hochzeit«, als Giannetta in »L’Elisir d‘amore«, als Kordula in »Das Werbekleid« von Fr. Salmhofer, als Zerlina im »Don Giovanni«, als Heilige Margarethe in Honeggers »Johanna auf dem Scheiterhaufen«, als Ighino in »Palestrina« von H. Pfitzner, als Hirt im »Tannhäuser«, als Nanette im »Wildschütz« von Lortzing, als Ortlinde in der »Walküre«, als Kate Pinkerton in »Madame Butterfly« und als Barena in »Jenufa« von Janácek, dazu in zahlreichen kleineren Partien. Insgesamt sang sie an der Wiener Staatsoper in mehr als 930 Vorstellungen. Seit 1952 trat sie auch während einer Reihe von Jahren bei den Festspielen von Salzburg in Erscheinung. Sie sang dort 1952 den 1. Knaben in der »Zauberflöte« und die Xanthe in der Uraufführung der Oper »Die Liebe der Danaë« von R. Strauss (14.8.1952),

1952 und 1956-58 die Barbarina, 1956 eine der Kreterinnen in Mozarts »Idomeneo« und 1957 die Vertraute in »Elektra« von R. Strauss. Sie gastierte u.a. am Théâtre de la Monnaie in Brüssel, am Gran Teatre del Liceu in Barcelona und am Stadttheater von Graz. Schön gebildete, lyrische Sopranstimme. Im Konzertsaal vor allem als Oratoriensängerin von Bedeutung. Sie starb 2014 in Wien.

Schallplatten: Decca (Barbarina in »Figaros Hochzeit«, kleinere Partien in »Rosenkavalier«, »Die Frau ohne Schatten«, »Der Freischütz«), Columbia (Zdenka in »Arabella«, Barbarina in »Figaros Hochzeit«, »Hänsel und Gretel«), Cetra (»Elektra«, Salzburg 1957), schöne Oratorien- und Lied-Aufnahmen auf Amadeo-Vanguard.

 

22.7. Ann HOWARD: 85. Geburtstag

 Eigentlicher Name Ann Pauline Swadling. Nach anfänglicher Ausbildung 1956-62 bei Teplisa Green und bei Rodolphe Lhombino in London debütierte sie 1961 an der Londoner Covent Garden Oper als Kate Pinkerton in »Madame Butterfly«. 1961-63 gehörte sie dem Chor der Covent Garden Oper an. Sie gewann 1962 einen Nachwuchswettbewerb der Covent Garden Oper und damit ein Stipendium für ihre weitere Ausbildung in Paris durch Dominic Modesti. Nach Vollendung dieser Ausbildung hatte sie eine bedeutende Karriere an den führenden englischen Opernbühnen, vor allem 1964-73 an der Sadler’s Wells Opera London. Hier hatte sie als Ortrud im »Lohengrin«, als Fricka im Ring-Zyklus, als Hexe in »Hänsel und Gretel«, als Dalila in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns, als Türkenbaba in Strawinskys »The Rake’s Progress«, als Boulotte in Offenbachs »Barbe-Bleue«, als 1. Norn in der »Götterdämmerung«, als Carmen und als Czipra im »Zigeunerbaron« ihre Erfolge. Die Czipra sang sie auch 1964 bei der Welsh Opera Cardiff. An der Scottish Opera Glasgow sang sie 1966 die Fricka wie die Waltraute in der »Walküre«, 1969 die Cassandre in »Les Troyens« von Berlioz, 1973 die Brangäne in »Tristan und Isolde«, 1984 die Venere in Cavallis »L‘Orione«, 1988 die alte Lady in »Candide« von Bernstein und 1989 die Marcellina in »Le nozze di Figaro«. 1973 sang sie an der Covent Garden Oper die Amneris in »Aida«. Sie konnte auch in Nordamerika eine erfolgreiche Karriere entwickeln. Hier sang sie 1971 an der Oper von New Orleans, 1972 an der City Opera New York, 1974 an der Oper von Santa Fé (Titelrolle in »La Grande Duchesse de Gerolstein« von Offenbach). 1976 hörte man sie an der Fort Worth Opera wie an der Canadian Opera Toronto als Amneris, 1977 an der Oper von Baltimore in der Koloraturrolle der Isabella in Rossinis »L‘Italiana in Algeri«, 1981 an der Fort Worth Opera als Klytämnestra in »Elektra« von R. Strauss. Ihre Karriere wurde durch eine ausgedehnte Gastspieltätigkeit gekennzeichnet. So gastierte sie am Opernhaus von Bordeaux (1978 als Amneris), am Opernhaus von St. Étienne (1982 Titelrolle in »Hérodiade« von Massenet), am Teatro San Carlo Neapel (1979 als Fricka im »Rheingold«), an der Opera North Leeds, bei den Festspielen von Edinburgh, an den Theatern von Nancy, Rouen, Metz und Saarbrücken, in Milwaukee, San Diego und New Orleans und an der Oper von Santiago de Chile (1984 als Dalila). 1985 sang sie an der Oper von Santa Fé in der Uraufführung der Oper »The Tempest« von John Eaton (den Caliban) und in der Offenbach-Operette »Orpheus in der Unterwelt« die Öffentliche Meinung. Seit 1974 trat sie immer wieder an der English National Opera London auf, so auch 1982 in der englischen Erstaufführung von »Le grand Macabre« von Ligeti und 1989 in der Uraufführung der Oper »The Plumber’s Gift« von David Blake. Bereits 1965 sang sie an der Sadler’s Wells Opera in der Uraufführung von »The Mines of Sulphur« von Richard Rodney Bennett die Partie der Leda, 1983 an der Opera North in der der Oper »Rebecca« von Wilfred Josephs. 1994 sang sie an der New Yorker Metropolitan Oper in sechs Vorstellungen die Auntie in Benjamin Brittens »Peter Grimes«. 1996 erschien sie bei der English National Opera als Kathisha in »The Mikado« von Gilbert & Sullivan. 1997 debütierte sie an der Wiener Staatsoper als Auntie, die sie 1999 auch bei der Welsh Opera Cardiff sang. Eine nicht weniger bedeutende Karriere kam im Bereich des Konzert- und des Oratoriengesangs zustande. Sie starb im März 2014.

Schallplatten: EMI-HMV (Hexe in »Hänsel und Gretel«, »Die Walküre«), TER (»Candide« von Bernstein), Collins (»The Doctor of Middfai« von Maxwell Davies), RCA; Walker-Video (»Ruddigore« von Gilbert & Sullivan), Decca-Video (»Peter Grimes«).

 

22.7. Heinz HAGENAU: 90. Geburtstag

 Er erlernte zuerst den Beruf eines Maurers, ließ aber privat seine Stimme durch Irene Schwedthelm und durch Charlotte Feindt in Hamburg ausbilden. 1955 trat er dem Chor des Hamburger Operettentheaters bei. 1956 wurde er als erster seriöser Bass an das Stadttheater von Flensburg engagiert. 1958-61 wirkte er in Lübeck, 1961-63 am Stadttheater Mainz, seit 1963 für mehr als dreißig Jahre bis 1994 erster Bassist am Opernhaus von Frankfurt a.M. Der Künstler, der über 90 Partien seines Stimmfachs beherrschte und vor allem als großer Wagner-Interpret galt, gastierte an den führenden deutschen Opernhäusern, u.a. in München, Hamburg, Stuttgart, Berlin, in Mannheim und an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg. Auslandsgastspiele 1963 am Opernhaus von Graz, 1966 an der Staatsoper Wien (als Rocco im »Fidelio«), 1966 am Opernhaus von Nizza (in Aufführungen des Ring-Zyklus, 1971 als Hunding in der »Walküre«), 1963-65 am Théâtre de la Monnaie Brüssel, 1967 am Teatro Colón Buenos Aires (als Hagen in der »Götterdämmerung«), 1967 in Amsterdam (als Hagen, 1969 als Fafner im Nibelungenring), am Teatro Margherita in Genua (1967 als König Marke in »Tristan und Isolde«, 1967 am Opernhaus von Lyon als Hunding), 1971 am Opernhaus von Toulouse (als Daland in »Der fliegende Holländer«), 1972 am Gran Teatre del  Liceu in Barcelona (als Hagen) sowie in Griechenland und Irland. 1963 unternahm er eine Russland-Tournee. 1963-64 sang er bei den Festspielen von Bayreuth den Nachtwächter in »Die Meistersinger von Nürnberg« und den Titurel im »Parsifal«. In Frankfurt wirkte er u.a. am 16.6.1986 in der Uraufführung der Oper »Stephen Climax« von Hans Zender mit. Aus seinem Repertoire für die Bühne sind ergänzend noch der Komtur im »Don Giovanni«, der Sarastro in der »Zauberflöte«, der Kaspar im »Freischütz«, der Landgraf im »Tannhäuser«, der Hans Sachs in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Sparafucile im »Rigoletto«, der König Philipp in Verdis »Don Carlos«, der Ramfis in »Aida«, der Pimen im »Boris Godunow« und der Ochs im »Rosenkavalier« zu nennen. Er starb im Oktober 2017.

Schallplatten: Eurodisc (Querschnitt »Der Waffenschmied« von Lortzing); dazu singt er auf einer kleinen amerikanischen Marke das Bass-Solo in der 9. Sinfonie von Beethoven. Auch Aufnahmen auf Opera und auf Melodram (Titurel im »Parsifal«, Bayreuth 1964).

 

22.7. Jacqueline BÜGLER: 95. Geburtstag

 Sie trat als Kind im Kinderballett des Mannheimer Nationaltheaters auf, besuchte dann eine Handelsschule und arbeitete als Büroangestellte bei einer Exportfirma. Nebenher begann sie mit der Ausbildung ihrer Stimme. Sie studierte in Coburg bei Nelly Lieberknecht und in Nürnberg bei Oeckler, dann noch in Zürich bei Sylvia Gähwiller und bei Armin Weltner. Sie war zuerst 1945-49 am Landestheater von Coburg, dann 1949-54 am Opernhaus von Nürnberg und 1954-55 am Stadttheater (Opernhaus) von Zürich engagiert. 1961-63 gehörte sie dem Stadttheater von Mainz an und setzte dann noch ihre Karriere in Form von Gastspielen fort. Sie gastierte u.a. an der Wiener Volksoper, an den Staatstheatern von Wiesbaden und Karlsruhe, in St. Gallen, Basel, Bremen und Heidelberg, in Luxemburg, am Théâtre Mogador Paris, an den Stadttheatern von Würzburg und Regensburg und am Opernhaus von Toulouse. Im Mittelpunkt ihres Repertoires für die Bühne standen Operettenpartien wie die Rosalinde in der »Fledermaus«, die Saffi im »Zigeunerbaron«, die Annina in »Eine Nacht in Venedig« von J. Strauß, die Laura in C. Millöckers »Der Bettelstudent«, die Titelrolle in »La belle Hélène« von Offenbach, die Kurfürstin im »Vogelhändler« von Zeller, die Hanna Glawari in »Die lustige Witwe«, die Sonja im »Zarewitsch« von Lehár, die Anna Elisa in »Paganini« und die Lisa im »Land des Lächelns« vom gleichen Komponisten, dazu viele weitere Rollen in Operetten von P. Abraham, P. Burkhard, L. Jessel, E. Kálmán, P. Lincke, O. Nedbal, O. Straus und R. Heuberger. Sie trat jedoch auch in Opernpartien auf (Giulietta in »Hoffmanns Erzählungen«, Musetta in »La Bohème«). Sie lebte später in Geroldswil im Schweizer Kanton Zürich. Sie starb 2009 in Zürich.

 

23.7. Susanne DESSOIR: 150. Geburtstag

Eigentlich Susanne Triepel. Gesangstudium bei Amalie Joachim, Blanche Corelli und Etelka Gerster in Berlin. Sie wurde eine berühmte Konzertsängerin, wobei anfänglich vor allem als Oratoriensolistin, seit 1910 aber nur noch als Lied-Interpretin auftrat. 1899 heiratete sie den Philosophen, Ästhetiker und Psychologen Max Dessoir (1867 bis 1947), der in seiner »Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft« auch wichtige Beiträge zur Musikästhetik veröffentlichte. Bis 1912 hatte die Künstlerin in Deutschland, Österreich und Holland eine große Karriere als Konzertsängerin. Später wirkte sie als Pädagogin in Berlin. Sie gab zusammen mit B. Hinze- Reinhold das sogenannte Dessoir-Album, eine Sammlung von Volks- und Kinderliedern sowie Liedern aus der Zeit vor Schubert, heraus (Berlin, 1912). Sie starb 1953 in Königstein im Taunus.

Interessante Lied-Aufnahmen auf Odeon (Berlin, 1907) und HMV.

 

23.7. Alexei TITOW: 250. Geburtstag 

Der Generalmajor der Gardekavallerie und Sohn des Komponisten Nikolai Titow wirkte in St. Petersburg als erfolgreicher Opernkomponist. Außer etwa zwanzig Opern komponierte er auch Ballette und Melodramen. Er starb 1827 in St. Petersburg. Auch von seinem Bruder Sergej Titow sind mehrere Opern überliefert. Alexei Titow war der Vater der Komponisten Nikolai und Michail Titow.

 

25.7. Vera SCHLOSSER: 90. Geburtstag

 Sie verbrachte in Karlsbad ihre Jugend, erhielt ihren ersten Gesangunterricht, doch wurde ihre Familie dann gegen Ende des Zweiten Weltkriegs nach Regensburg verschlagen. 1947-53 war sie als Choristin und als Elevin am dortigen Stadttheater beschäftigt, wurde aber zunächst nur in kleinen Partien eingesetzt. 1951 sang sie im Chor der Bayreuther Festspiele. Ihren ersten großen Erfolg hatte sie in Regensburg, als sie eine andere Sängerin als Desdemona im »Otello« ersetzte und dabei eine herausragende Leistung zeigte. 1953 wurde sie als lyrischer Sopran an das Staatstheater von Wiesbaden verpflichtet. 1957 kam sie von dort an das Stadttheater (Opernhaus) von Zürich, an dem sie bis 1969 eine erfolgreiche Karriere hatte. 1963 gastierte sie an der Mailänder Scala als Wellgunde und als Gerhilde im Nibelungenring. Auch an den Staatsopern von München, Hamburg und Stuttgart, am Teatro Comunale Bologna und an der Oper von Rom als Gast aufgetreten. 1960 und 1961 gastierte sie am Teatro San Carlos Lissabon als Jenufa von Janácek bzw. als Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«. Sie sang zahlreiche Partien aus dem lyrisch-dramatischen Repertoire. Sie sang am Opernhaus von Zürich 1963 in der Uraufführung der Oper »Die Errettung Thebens« von Rudolf Kelterborn die Braut des Menoikeus, auch in der Schweizer szenischen Erstaufführung der Händel-Oper »Deidamia« die Titelrolle (1958) und in der von Frank Martins »Mystère de la Nativité« die Partien der Eva und der Maria (1961). Zugleich bedeutende Konzertsopranistin. Sie wohnte später in Feldbach im Kanton Zürich. Sie starb 2018 in Rapperswil.

Schallplatten: Auf Decca wirkt sie als eine der Walküren in Wagners »Walküre« mit.

 

25.7. Arjan BLANKEN: 95. Geburtstag

Biographie des niederländischen Tenors auf Englisch:

http://www.bach-cantatas.com/Bio/Blanken-Arjan.htm

 

25.7. Krešimir BARANOVIC: 125. Geburtstag

 Biographie des kroatischen Komponisten und Dirigenten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Kre%C5%A1imir_Baranovi%C4%87

 

25.7. Louis DEFFÈS: 200. Geburtstag

 Er wurde 1839 ins Conservatoire de Paris aufgenommen, wo er bei Théodore Mozin Klavier, bei Francois Bazin Harmonielehre, bei Auguste Barbereau Kontrapunkt und Fuge sowie bei Jacques Fromenthal Halévy und Henri Montan Berton Komposition studierte. 1844 komponierte er La Toulousaine. Das Stück erlangte große Popularität und wurde zur Hymne seiner Heimatstadt. 1847 erhielt er mit der Komposition Les Charmes de la Paix den zweiten Preis beim Concours de Chants Historiques, im gleichen Jahr mit der Kantate L’Ange et Tobie nach einem Gedicht von Léon Halévy den Grand Prix de Rome. Während seines mit dem Preis verbundenen Romaufenthaltes komponierte er seine Messe solennelle, die 1850 uraufgeführt wurde. 1857 folgte eine Aufführung mit 500 Mitwirkenden an der Kirche Notre Dame de Paris. 1855 wurde L’Anneau d’argent, die erste seiner zwanzig durchweg erfolgreichen Opern, an der Opéra-Comique uraufgeführt. Durch den deutsch-französischen Krieg wurde die Folge der Aufführungen seiner Opern unterbrochen, und es entstanden Kompositionen wie der Marche funèbre, die Motet Gaude floris, eine Messe brève à trois voix und das Lied La Phrygienne für Chor und Klavier. Mit Le Trompette de Chamboran kehrte Deffès 1877 auf die Opernbühne zurück. Seine sinfonische Ouvertüre Un Triomphe à Rome wurde bei der Weltausstellung 1878 aufgeführt. Eine neue Messe Deffès‘ wurde 1879 an der Kathedrale Saint-Etienne in Toulouse aufgeführt. Hier wurde er 1883 der Nachfolger von Paul Mériel als Leiter des Conservatoire de Toulouse. Er hatte die Stelle bis zu seinem Tode inne, sein Nachfolger wurde Bernard Crocé-Spinelli. Deffès war seit deren Gründung 1843 Mitglied der Association des Artistes Musiciens und gehörte deren Zentralkomitee an, er war auch Gründungsmitglied der Société des Compositeurs de musique (1863). 1884 wurde er korrespondierendes Mitglied der Sektion Komposition der Académie des Beaux-Arts. Er wurde als Ritter der Ehrenlegion ausgezeichnet. Er starb 1900 in Toulouse.

 

26.7. Nina STANO: 100. Geburtstag

 Sie verbrachte ihre Kindheit in Lwów (Lemberg), wo sie bereits ihren ersten Gesangunterricht erhielt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sie ihre eigentliche Ausbildung beginnen und war an der Musikhochschule von Warschau Schülerin von Ada Sari und Eugen Kopp. 1954 erwarb sie dort ihr Diplom als Sängerin und Gesanglehrerin. 1955 wurde sie an die Nationaloper Warschau verpflichtet; als erste größere Partie sang sie an diesem Haus die Rosina im »Barbier von Sevilla«. Nachdem sie einen Preis beim Internationalen Gesangwettbewerb in Wien gewonnen hatte, sang sie 1959 erstmals im Ausland, und zwar am Schwedischen Rundfunk. 1960 gab sie ihr Engagement an der Warschauer Oper auf und gastierte jetzt an der Staatsoper (1961 als Königin der Nacht in der »Zauberflöte« und 1967 als Gilda im »Rigoletto«) wie an der Volksoper Wien und am Opernhaus von Graz. In den Jahren 1962-64 gehörte sie dem Ensemble des Opernhauses von Leipzig an. 1964 folgte sie einem Ruf an die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, an der sie bis 1965 als reguläres Mitglied, und dann noch lange als Gast auftrat. Sie gastierte u.a. in Dortmund und Amsterdam und widmete sich später einer intensiven pädagogischen Tätigkeit. Nachdem sie als Dozentin an der Pädagogischen Akademie Aachen gewirkt hatte, übernahm sie ein Lehramt an der Robert Schumann-Musikhochschule Düsseldorf und betreute gleichzeitig den Sängernachwuchs der Deutschen Oper am Rhein. Aus ihrem Repertoire für die Bühne sind als Höhepunkte die Adina in »L‘Elisir d’amore«, die Rosina im »Barbier von Sevilla« und die Zerbinetta in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss zu nennen. Bedeutende Karriere auch im Konzertsaal. Sie starb 2017 in Warschau.

 

27.7. Anna DE CAVALIERI: 95. Geburtstag  

 Die Künstlerin war Amerikanerin, ihr eigentlicher Name war Anne McKnight. Sie erhielt ihre Ausbildung in den USA, kam aber in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg nach Italien und hatte an den dortigen großen Opernbühnen bedeutende Erfolge; 1953 sang sie am Teatro San Carlo Neapel die Titelrolle in »Turandot« von Busoni, 1956 die Titelpartie in Glucks »Alceste« und wirkte dort 1959 in der Uraufführung der Oper »Pantea« mit. 1954 sang sie an der Mailänder Scala die Rossana in »Cyrano de Bergerac« von Alfano, 1958 die Elena in »Mefistofele« von Boito. 1955 gastierte sie auch an der Oper von Rom in Alfanos »Cyrano de Bergerac«, 1960 als Titelheldin in »Lucrezia« von O. Respighi, 1955 bei den Festspielen in den römischen Thermen des Caracalla in der Titelrolle von Catalanis Oper »Loreley«, 1954 bei den Festspielen in der Arena von Verona als Aida und als Elena in »Mefistofele«, 1957 am Teatro Regio von Parma. 1960 gastierte sie in ihrer amerikanischen Heimat unter ihrem eigentlichen Namen Anne McKnight an der New York City Opera als Marschallin im »Rosenkavalier«. 1961 hörte man sie an der Oper von Rio de Janeiro als Turandot und als Tosca in den beiden Puccini-Opern gleichen Namens. Ihre größten Erfolge hatte sie jedoch in Italien. Dort sang sie 1960 an der Oper von Rom, 1962 in Turin, 1963 am Teatro Grande von Brescia die Mathilde in Rossinis »Wilhelm Tell«. Sie trat u.a. in Piacenza (1961 als Turandot von Puccini), Rovigo, Cremona (1964 als Fedora von Giordano) und noch 1968 in Padua (als Tosca) auf, 1962 am Théâtre de la Monnaie Brüssel, 1964 am Opernhaus von Toulouse als Norma. In Europa wie in Nordamerika hatte sie nicht zuletzt auch als Konzertsängerin eine bedeutende Karriere. Sie starb 2012 in Lugano (Schweiz).

Auf MMS singt sie die Titelrolle in Verdis »Aida« dazu sind Mitschnitte von integralen Opernaufführungen auf EJS vorhanden (»Il Pirata« von Bellini, »Nerone« von Boito, »Loreley« von Catalani), Mondo Musica (Titelrolle in Puccinis »Turandot«).  Auf Melodram singt sie die Titelpartie in »Armide« von Gluck, auf Replica die Valentine in Meyerbeers »Hugenotten« (in italienischer Sprache, 1956), auf Cetra die Asteria in Mascagnis »Nerone«, auf MMS die Musetta in »La Bohème«, auf RCA (als Anne McKnight) in der Hohen Messe von J.S. Bach.

 

27.7. Otar TAKTAKISHVILI: 95. Geburtstag

 Er begann seine musikalische Ausbildung 1938 an der Musikfachschule in Tiflis. 1942 wechselte er an das dortige Konservatorium, um bis 1947 Komposition zu studieren. Schon während seiner Studienzeit machte er sich als Komponist einen Namen. 1947 ging er zunächst zur Staatskapelle der Georgischen SSR, wo er bis 1952 als Dirigent und anschließend bis 1956 als Direktor wirkte. Inzwischen hatte sich Taktakischwili nicht nur als georgischer Nationalkomponist, sondern auch als bedeutender sowjetischer Komponist etabliert. 1959 wurde er als Dozent ans Konservatorium in Tiflis berufen und war 1962-65 dessen Direktor. Im Jahre 1966 wurde er Professor. Taktakischwili nahm Posten im georgischen und sowjetischen Komponistenverband wahr. 1965-84 war er georgischer Kulturminister. Immer wieder trat er als Dirigent vorwiegend eigener Werke international in Erscheinung. Taktakischwili erhielt zahlreiche Orden und Auszeichnungen; er war u.a. dreifacher Staatspreisträger und Träger des Leninordens. Er starb 1989 in Tiflis.

Grundlage von Taktakischwilis Schaffen ist die georgische Volksmusik, an welche er sich in Melodiebildung, Harmonik und Rhythmik anlehnt. Teilweise werden sogar Volksmusikinstrumente imitiert. Taktakischwili bewegt sich im Rahmen einer modal eingefärbten Tonalität, die durch abrupte Tonartwechsel gekennzeichnet ist. Seine Frühwerke zeichnen sich stellenweise durch großes Pathos aus und folgen den Richtlinien des sozialistischen Realismus. Ihre Tonsprache ist sehr traditionell und bewegt sich überwiegend auf dem Boden der Musik des 19. Jahrhunderts. Seine ab Mitte der 1970er Jahre komponierten Werke wirken dagegen introvertierter und harmonisch freier, bleiben aber eindeutig tonal. Besonders in seinen späteren Werken lassen sich auch neoklassizistische Züge erkennen. Zu Lebzeiten hatte er großen Erfolg; seine Oper Mindia galt z.B. als eine der wichtigsten georgischen Opern. Er wurde als georgischer Nationalkomponist gefeiert und besaß internationale Reputation. Heute ist seine Musik allerdings weitgehend unbekannt.

 

27.7. Julius NEUDÖRFFER: 150. Geburtstag

 Er war der Sohn eines protestantischen Pfarrers, war ursprünglich in einem kaufmännischen Beruf tätig, trat aber bereits gelegentlich in Konzerten auf. Er studierte dann Gesang bei dem berühmten Julius Stockhausen in Frankfurt a.M. wie auch bei Eduard Bellwidt. Er debütierte 1895 am Stadttheater von Stettin als Valentin im »Faust« von Gounod und nahm noch im gleichen Jahr ein Engagement am Stadttheater von Rostock an. 1896 kam er an das Stadttheater von Augsburg, 1897 an das Theater von Königsberg (Ostpreußen), 1898 an das Stadttheater von Posen (Poznán). Er gastierte erfolgreich am Hoftheater von Stuttgart als Wolfram im »Tannhäuser« und als Titelheld in »Der fliegende Holländer« und wurde darauf 1899 an dieses Haus engagiert. Hier hatte er bis 1912 als Mitglied und bis in die zwanziger Jahre als Gast eine erfolgreiche Karriere, die in Partien wie dem Wotan im Ring-Zyklus, dem Telramund im »Lohengrin«, dem Titelhelden im »Don Giovanni« und dem Johannes Freudhofer im »Evangelimann« von Kienzl gipfelte. Er gastierte 1901 und 1902 an der Berliner Hofoper, 1901 am Hoftheater Hannover, 1900-10 mehrfach an der Hofoper München, 1905 und 1911 am Hoftheater Wiesbaden, auch an den Stadttheatern von Hamburg und Leipzig, 1919 am Landestheater Stuttgart. Aus seinem Repertoire für die Bühne sind noch die Titelfigur in  Rubinsteins »Der Dämon«, der Rigoletto, der Graf Luna im »Troubadour«, der Renato im »Maskenball« von Verdi und der Zar in »Zar und Zimmermann« von Lortzing zu nennen. Nach Abschluss seiner Bühnenlaufbahn wirkte er in Stuttgart als Konzertsänger und als Pädagoge. Er führte während seiner Karriere auch den Familiennamen Neudörffer-Opitz. Er starb 1942 in Stuttgart.

 

28.7. John RILEY-SCHOFIELD: 65. Geburtstag

 Er studierte Gesang an der Huddersfield School of Music (1972-75), dann an der Royal Academy of Music London (1975-78); zu seinen Lehrern gehörten Raimund Herincx, Steven Sweetland und Peter Harrison. Er trat zunächst bei der English National Opera London auf, wo er 1982 den Marcello in »La Bohème« von Puccini und 1983 den Cascada in »Die lustige Witwe« von F. Lehár sang und auch als Graf in »Le nozze di Figaro« und als Alfred Ill im »Besuch der alten Dame« von G. von Einem zu hören war. Seit 1986 war er Mitglied des Theaters im Revier Gelsenkirchen. Hier hörte man ihn als Germont-père in »La Traviata«, als Escamillo in »Carmen«, als Faninal im »Rosenkavalier«, als Sprecher in der »Zauberflöte«, als Minister im »Fidelio«, als Nachtwächter in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Grafen im »Capriccio« von R. Strauss, als Grafen Robinson in Cimarosas »Il matrimonio segreto«, als Falke in der »Fledermaus«, als Danilo in »Die lustige Witwe«, als Wozzeck von A. Berg (1996) und 1987 als Mel in »The Knot Garden« von M. Tippett. Bei den Festspielen von Bregenz gastierte er 1988 als Hermann und als Schlemihl in »Hoffmanns Erzählungen«. 1993 trat er am Opernhaus von Wuppertal (1995 auch an der Staatsoper Dresden) in der deutschen Erstaufführung von Alfred Schnittkes »Leben mit einem Idioten« auf. 1997 trat er am Theater im Revier in Gelsenkirchen als Graf im »Wildschütz« von Lortzing auf, 1998 als Stephan in Lortzings Oper »Regina«, 1999 als Golaud in »Pelléas et Mélisande«. Weitere Bühnenrollen des Künstlers waren der Valentin im »Faust« von Gounod, der Papageno in der »Zauberflöte«, der Figaro im »Barbier von Sevilla«, der Astolfi in »Il Campiello« von Wolf- Ferrari und der Direktor in »Les Mamelles de Tirésias« von Poulenc. Gastspiele und Konzertauftritte in Köln und Mainz, in Wiesbaden, Brüssel und Amsterdam, in London und York, in Frankreich, Portugal und Österreich. Dabei brachte er auch im Konzertsaal ein umfassendes Repertoire zum Vortrag, Werke von J.S. Bach (Matthäuspassion, Johannespassion, H-Moll-Messe) und Händel (»Der Messias«, »Samson«, »Saul«), J. Brahms (»Ein deutsches Requiem«), Haydn (»Die Schöpfung«, »Die Jahreszeiten«), Mendelssohn (»Elias«), Mozart (Requiem und Messen), Gabriel Fauré (Requiem) und Carl Orff (»Carmina Burana«). Er starb 2005 in Edwardsburg (Michigan) bei einem Autounfall.

 

28.7. Wilhelm RICHTER: 80. Geburtstag

Er studierte Gesang an der Hochschule für Musik in Berlin. Nach seinem ersten festen Engagement am Staatstheater Mainz wurde er Ensemblemitglied der Deutschen Oper am Rhein. Zahlreiche Gastspiele führten ihn an verschiedene nationale und internationale Opernbühnen, wie etwa nach Hamburg, Barcelona, Venedig, Brüssel und Tokio. An der Deutschen Oper am Rhein, die ihn 1999 zum Kammersänger ernannte, sang er in den letzten Jahren u.a. Heinrich der Schreiber (Tannhäuser), Vater Mignon (Die Teufel von Loudun von Penderecki), Spalanzani (Les Contes d’Hoffmann), Dr. Cajus (Falstaff von Verdi) und Don Curzio (Le nozze di Figaro). Zuletzt kehrte er als der ganz alte Sträfling in Janáčeks Aus einem Totenhaus an das rheinische Opernhaus zurück. Er starb 2013 in Düsseldorf.

 

28.7. Milan HORVAT: 100. Geburtstag

Er studierte nach dem Abitur Rechtswissenschaften (Promotion) an der Universität Zagreb sowie Klavier bei Melita Lorkovic und Svetislav Stancic, Dirigieren bei Milan Sachs und Fritz Zaun und Komposition bei Zlatko Grgosevic an der Zagreber Musikakademie (1939–46). Darüber hinaus lernte er u. a. bei Igor Markevitch. Danach begann er seine berufliche Laufbahn als Pianist und Chorleiter, so wurde er 1945 Leiter des Rundfunkchors. 1946-53 und 1958/59 war er Chefdirigent des Philharmonischen Orchesters in Agram (Zagreb); 1985 wurde er Ehrendirigent auf Lebenszeit. 1953 übernahm er den Posten des Chefdirigenten des Radio Éireann Symphony Orchestra in Dublin, Irland. In dieser Zeit spielte er mit dem Orchester Werke irischer Komponisten wie Bodley, Duff, Kelly, Larchet und Potter ein. 1958-65 war er Chefdirigent am Zagreber Opernhaus. Er verantwortete mehrere Premieren vor allem von jugoslawischer Musik (Bjelinski, Devcic, Kelemen, Malec, Wellesz u. a.) und war als Gastdirigent in Europa und den USA tätig. Auch war er für die jugoslawische Erstaufführung von Brittens War Requiem zuständig. 1965 wurde er Musikdirektor des Dubrovnik Sommerfestival. 1969-75 war Horvat Chefdirigent des neugegründeten ORF-Symphonieorchesters in Wien, das zunächst seinen Schwerpunkt auf Neue Musik legte. Mit jenem gab er das erste Konzert im Funkhaus Wien. Im Wiener Musikverein trat er mit dem ORF-Symphonieorchester, dem Tonkünstler-Orchester-Niederösterreich und den Wiener Symphonikern auf und verantwortete mehrere Uraufführungen (Cerhas Spiegel IV, Pauers Konzert für Jazz- und Symphonieorchester, Berios Concerto) sowie österreichische (Pendereckis Fluorescences und Kosmogonia, Hartmanns Gesangsszene, Yuns Om mani padme hum, Haubenstock-Ramatis Symphonie K, Nonos Intolleranza-Suite, Gandinis Fantaisie-Impromptu II, Corals Magnificat) und konzertante Erstaufführungen (Burts Der Golem). Wiederholt gastierte er bei den Salzburger Festspielen, so brachte er 1974 Pendereckis Magnificat zur Uraufführung. Ab 1975 war er Chefdirigent des Radiosymphonieorchesters Zagreb. Beim Grazer Musikprotokoll des Steirischen Herbstes 1977 führte er mit eben diesem Orchester Detonis 54 Kraja urauf. 1997-2000 wirkte er als Chefdirigent beim Grazer Symphonischen Orchester. Horvat war Ehrendirigent des Orchestre de Chambre de Lausanne und ab 1981 ständiger Gastdirigent und Ehrenmitglied der Slowenischen Philharmonie in Laibach. Er arbeitete mit berühmten Solisten wie Mstislav Rostropovich, David Oistrach, Yehudi Menuhin und Arturo Benedetti Michelangeli. Zu seinen bekannteren Schallplattenaufnahmen gehören Hindemiths Symphonie Mathis der Maler und Sinfonien Schostakowitschs. Im Jahr 1948 erhielt er eine Professur für Dirigieren an der Zagreber Musikakademie. Ab 1970 hielt er mehrmals Meisterskurse in Salzburg ab (Internationale Sommerakademie Mozarteum Salzburg). Von 1975 bis zu seiner Emeritierung 1989 leitete er eine Klasse für Dirigentenausbildung an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz. Zu seinen Schülern gehörten u. a. Fabio Luisi, Günter Fruhmann, Fimco Muratovski, Richard Hein, Michele Trenti, Miro Belamaric, Mladen Tarbuk und Gerhard Präsent. Milan Horvat starb 2014 in Innsbruck. Er war mit einer Ballerina und Choreographin verheiratet. Sein Teilnachlass befindet sich in der Sondersammlung der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz.

 

29.7. Awet TERTERJAN: 90. Geburtstag

Er wurde als Alfred Rubenowitsch Terterjan geboren, verwendete aber den Vornamen Awet als Künstlernamen. Sein Vater Ruben Terterjan war Mediziner, trat jedoch auch als Opernsänger auf. Auch die Mutter – gleichfalls keine Berufsmusikerin – konzertierte als Sängerin. 1948 begann Terterjan ein Studium an der Musikhochschule Baku, das er 1951 an der Romanos Melikian Musikhochschule fortsetzte. Ab 1952 studierte er am staatlichen Komitas Konservatorium in Jerewan bei Edward Mirsojan Komposition. 1960-63 war er Exekutiv-Sekretär des armenischen Komponistenverbandes und 1963-65 dessen Vizepräsident. 1970-74 war Terterjan Vorsitzender der Abteilung Musik im Kultusministerium von Armenien und gleichzeitig als Herausgeber tätig. 1985 wurde er Professor am Konservatorium von Jerewan, 1993/94 gab er Meisterklassen am Urals Konservatorium in Jekaterinburg. 1994 erhielt Terterjan das Brandenburg-Stipendium und arbeitete sechs Monate in Wiepersdorf. Für 1995 wurde ihm ein einjähriges DAAD-Stipendium in Berlin zugesprochen, das er jedoch nicht mehr wahrnehmen konnte. Er starb am 11. Dezember 1994 in Jekaterinburg. Sein Leichnam wurde am 19. Dezember 1994 im Pantheon in Jerewan eingeäschert.

Terterjan schrieb acht Sinfonien (zwischen 1969 und 1989), zwei Opern, ein Ballett, Kammermusik (darunter zwei Streichquartette), zahlreiche Vokalwerke sowie Filmmusik. Terterjans Musik ist durch Verzicht auf Themen oder motivische Arbeit in klassischem Sinne sowie Reduktion auf teilweise archaisch wirkende Formeln und Formen gekennzeichnet. Neben Einflüssen armenischer Volksmusik (mit Heranziehung nicht-temperiert gestimmter Volksmusik-Instrumente) werden auch progressive Elemente der „westlichen“ Musik (Dodekaphonie, Aleatorik, Tonbandzuspielungen) eingesetzt. Insgesamt stieß Terterjans Musik in der sowjetischen Ära auf wenig Gegenliebe. Die Uraufführung seiner 3. Sinfonie löste einen Skandal aus. In letzter Zeit finden vor allem die Sinfonien vermehrtes Interesse, auch in Deutschland. Die (posthume) Uraufführung der Oper Das Beben, 1984 in deutscher Sprache komponiert, 2003 unter Leitung von Ekkehard Klemm am Staatstheater am Gärtnerplatz in München wurde zum Sensationserfolg. Das Libretto von Gerta Stecher, vom Komponisten stark vereinfacht und reduziert, fußt auf der Erzählung Das Erdbeben in Chili von Heinrich von Kleist. Die Süddeutsche Zeitung schrieb: „Terterjan hat mit dem Beben einen Pflock in die gegenwärtige Debatte über die Überlebensfähigkeit des zeitgenössischen Musiktheaters geschlagen.“ In der FAZ hieß es: „Heinrich von Kleists dramatische Prosa nicht veropert – sondern zwingend in Musik ausgedrückt.“

 

29.7. Charles FARNCOMBE: 100. Geburtstag

 Er besuchte nach einem Maschinenbaustudium und dem Militärdienst die Royal School of Church Music in Canterbury und die Royal Academy of Music in London. 1955 gründete er die Händel Opera Society und wirkte lange Zeit als deren Dirigent und Musikdirektor. 1970 wurde er in Drottningholm (Schweden) zum Dirigenten der Königlichen Hofoper berufen. Er starb 2006 in London.

 

30.7. Räto TSCHUPP: 90. Geburtstag

Bekannt war er vor allem für seinen Einsatz für Schweizer Komponisten des 20. Jahrhunderts. Er leitete über hundert Erstaufführungen zeitgenössischer Werke, zahlreiche waren ihm gewidmet. 1957 gründete er das Kammerorchester Camerata Zürich, das bei der Entstehung des modernen Schweizer Kammermusikrepertoires eine wichtige Rolle spielte und bis zu seinem Tod von ihm geleitet wurde. 1976-88 war er Professor an der Hochschule für Musik Karlsruhe, wo er Dirigieren unterrichtete. Im Laufe seines Schaffens spielte er mit verschiedenen Orchestern und Chören einige Werke für diverse Plattenlabels ein, unter anderem Flötenkonzerte von Gluck und Cimarosa, eine Anthologie europäischer Musik nach der Französischen Revolution und Werke von Schweizer Komponisten wie Wladimir Vogel, Paul Müller-Zürich, Hermann Haller und Josef Haselbach. Räto Tschupp starb 2002 in Chur.

 

30.7. Jakob REES: 95. Geburtstag

 Er begann seine Bühnenkarriere 1956 mit einem Engagement am Stadttheater von Oberhausen und wurde 1957 an das Nationaltheater Mannheim berufen. Bis zu seinem Abschied von der Bühne 1982 war er Mitglied dieses Hauses, an dem er in dieser langen Zeit in rund hundert verschiedenen Rollen und in über 3600 Vorstellungen auftrat. Bei seinem Abschied wurde er zum Ehrenmitglied des Theaters ernannt. Er sang in erster Linie Buffo- und Charakterrollen wie den Pedrillo in der »Entführung auf dem Serail«, den Monostatos in der »Zauberflöte«, den Dr. Cajus in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, den David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Mime im Nibelungenring (seine Hauptrolle), den italienischen Sänger im »Capriccio« von R. Strauss, den Valzacchi im »Rosenkavalier«, den Wenzel in Smetanas »Die verkaufte Braut«, den Bardolfo im »Falstaff« von Verdi, den Goro in »Madame Butterfly« und die vier Dienerrollen in »Hoffmanns Erzählungen«. Er absolvierte auch Gastspiele im Ausland; so sang er den Mime an der Oper von Nizza (1970) und am Gran Teatre del Liceu in Barcelona (1975). Er starb 1995 in Friedrichsthal bei Usingen (Taunus).

Schallplatten: MMS (David in »Die Meistersinger von Nürnberg«).

 

30.7. Zhivka KLINKOVA: 95. Geburtstag

 Biographie der bulgarischen Komponistin und Dirigentin auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Zhivka_Klinkova

 

31.7. Don GARRARD: 90. Geburtstag

 Er besuchte zur Ausbildung seiner Stimme nacheinander das Konservatorium von Vancouver, das Royal Conservatory of Music in Toronto und die Music Academy of the West in Santa Barbara (Kalifornien); schließlich Schüler von Luigi Borgonovo in Mailand. Erster Bühnenauftritt 1952 an der Oper von Vancouver als Sprecher in der »Zauberflöte«. Er wurde in Kanada bekannt, als er im Fernsehen als Don Giovanni auftrat. Seine größten Erfolge hatte der Künstler in England, wo er seinen Wohnsitz nahm und 1961 an die Sadler’s Wells Opera London engagiert wurde. Seit 1961 trat er hier in mehr als 500 Vorstellungen auf, u.a. als Sparafucile im »Rigoletto«, als Sarastro in der »Zauberflöte«, als Ashby in »La Fanciulla del West«, als Daland in »Der fliegende Holländer«, als Mephisto im »Faust« von Gounod, als Silva in Verdis »Ernani«, als Sir Walter Raleigh in »Gloriana« von B. Britten, als Commendatore im »Don Giovanni« und als Titelheld in Bartóks »Herzog Blaubarts Burg«. Er sang auch bei der Nachfolgerin der Sadler’s Wells Opera, der English National Opera, bei der Welsh Opera, bei der Scottish Opera Glasgow (den Lodovico in Verdis »Otello«, den Rivière in der englischen Premiere von Dallapiccolas »Volo di notte«, den Pimen sowie auch die Titelpartie in »Boris Godunow«, den Commendatore, den König Dodon in »Der goldene Hahn« von Rimsky-Korssakow, den Minister im »Fidelio« und den Sarastro), an der Covent Garden Oper London (Debüt 1970 als Ferrando im »Troubadour«) wie auch bei den Festspielen von Aldeburgh und Edinburgh. Gastspiele an den Opern von Toronto und Ottawa, an der Hamburger Staatsoper (bereits 1968), in Santa Fé, Washington, Johannesburg und bei den Festspielen von Drottningholm. Am 13.6.1964 sang er bei den Festspielen von Aldeburgh in der Uraufführung von Benjamin Brittens »Curlew River« in der Kirche von Orford, 1962 bei der Sadler’s Wells Opera London in der englischen Erstaufführung von Pizzettis »L’Assassinio nella cattedrale« bei einem Gastspiel des Ensembles in Coventry. Bei den Festspielen von Glyndebourne wirkte er 1965 als Lord Rochefort in Donizettis »Anna Bolena«, 1966 als Zebul in Händels »Jephta«, 1973 als Pfarrer in der englischen Erstaufführung von G. von Einems »Der Besuch der alten Dame«, 1975 als Gremin im »Eugen Onegin«, 1975 als Trulove in »The Rake’s Progress« von Strawinsky und 1976 als Arkel in »Pelléas et Mélisande«  mit. 1988 gastierte er an der Oper von Toulouse als Großinquisitor im »Don Carlos« von Verdi. Er sang auf der Bühne das Repertoire für Bass von Händel bis zu Verdi, Wagner und modernen Komponisten. Auch als Konzertbassist in Erscheinung getreten. Er war als Pädagoge in Kapstadt in Südafrika tätig, wo er auch am Opernhaus als Sänger auftrat (u.a. 1994 als Rocco im »Fidelio«, 1995 als Sarastro, 1998 als Crespel in »Hoffmanns Erzählungen«). Er starb 2011 in Johannesburg (Südafrika).

Schallplatten der Marken Columbia und HMV. Auf CBS singt er den Trulove in Strawinskys »The Rake’s Progress«.

Weitere Informationen auf der ihm gewidmeten Homepage: http://dongarrardbass.wordpress.com/

 

31.7. Gejza ZELENAY:  95. Geburtstag

 Er studierte Gesang am Konservatorium von Bratislava (Preßburg) bei Frau Zuravlevá (1947-49), dann bei Enrico Manni in Kosice (1949-52) und nochmals in Bratislava bei J. Godin (1958-60). 1949-58 war er am Theater von Kosice (Kaschau) engagiert, 1958-68 am Nationaltheater von Bratislava. Hier sang er in den Uraufführungen der Opern »Svátopluk« von Eugen Suchon (10.3.1960) und »Mr. Scrooge« von Ján Cikker (1963 den Titelhelden). Seit 1968 kam er dann am Opernhaus von Zürich zu einer erfolgreichen Bühnenkarriere. Er gastierte an der Komischen Oper Berlin, am Nationaltheater Prag, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, am Nationaltheater Mannheim, am Staatstheater Karlsruhe, an den Opernhäusern von Lodz, Poznan (Posen) und Wroclaw (Breslau), am Pfalztheater Kaiserslautern und mit dem Zürcher Ensemble in Dresden, Helsinki und beim Festival von Lausanne. Aus seinem umfangreichen Bühnenrepertoire seien nur der Osmin in der »Entführung aus dem Serail«, der Leporello wie der Commendatore im »Don Giovanni«, der Sarastro in der »Zauberflöte«, der Basilio im »Barbier von Sevilla«, der Mustafà in Rossinis »L’Italiana in Algeri«, der Zaccaria in Verdis »Nabucco«, der Pater Guardian in »La forza del destino«, der Ramfis in »Aida«, der Mephisto im »Faust« von Gounod, der Pimen im »Boris Godunow«, der Gremin in »Eugen Onegin«, der Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, die vier Dämonen in »Hoffmanns Erzählungen«, der Förster in Janáceks »Das schlaue Füchslein«, der Lothario in »Mignon« von A. Thomas und der Wassermann in »Rusalka« von A. Dvorák genannt. Er wirkte am Opernhaus von Zürich in den Uraufführungen der Opern »Ein Engel kommt nach Babylon« (1977 als 1. Arbeiter) von Rudolf Kelterborn und »Der Kirschgarten« vom gleichen Komponisten (1984 als Stationsvorsteher) mit, außerdem in der Spielzeit 1970-71 in den Schweizer Erstaufführungen von Donizettis »Roberto Devereux« (als Sir Raleigh) und »Bomarzo« von A. Ginastera (als Gian Corrado Orsini). Auch als Konzert- und Rundfunksänger kam er zu einer erfolgreichen Karriere. Er starb 2008 in Zürich.

 

31.7. Norman DEL MAR: 100. Geburtstag

 Er war am Royal College of Music Kompositionsschüler von Constant Lambert und Ralph Vaughan Williams. 1947-51 assistierte er Thomas Beecham am Royal Philharmonic Orchestra, in das er zunächst als Hornist eingetreten war. 1951-54 leitete er das London Philharmonic Orchestra und 1954-55 das Yorkshire Symphony Orchestra. Außerdem leitete er die English Opera Group und lehrte bis 1957 an der Guildhall School of Music. 1960-65 dirigierte er das BBS Scottish Symphony Orchestra und in der Folge zahlreiche weitere britische Orchester. 1972-90 hatte er eine Professur für Dirigieren am Royal College of Music inne. 1974-77 wirkte er daneben an der Royal Academy of Music, war 1974-77 Principal Conductor der Academy of BBC, 1983-85 Principal Guest Conductor der Bournemouth Sinfonietta und 1985-88 leitete Del Mar das dänische Aarhus Symfoniorkester. Er starb 1994 in Bushey (Hertfordshire). Der Schwerpunkt seiner Arbeit als Dirigent, die rund 70 Platteneinspielungen dokumentieren, lag auf Werken der Spätromantik, etwa von Edward Elgar und anderen britischen Komponisten, Gustav Mahler oder Richard Strauss. Neben seiner Dirigiertätigkeit verfasste der 1975 mit dem Order oft he British Empire ausgezeichnete Del Mar mehrere Bücher, darunter ein dreibändiges Werk zu Leben und Musik von Richard Strauss, eine Anatomy of the Orchestra und dirigentische, der Musik einzelner Komponisten gewidmete Lehrwerke. Eine etwa 5.000 Stück umfassende Privatsammlung Del Mars von historischen 78er-Schallplatten befindet sich in der Hartley Library der University of Southampton. Sein Sohn ist der Musikwissenschaftler und Dirigent Jonathan Del Mar (* 1951 in London).

 

31.7. Heinz BONGARTZ: 125. Geburtstag

 Er studierte 1908-14 Musik am Konservatorium seiner Heimatstadt Krefeld sowie bei Elly Ney, Otto Neitzel und Fritz Steinbach. 1919 begann seine berufliche Laufbahn zunächst als Chordirigent; 1923 bereits wurde er Operndirektor des Stadttheaters Mönchengladbach. 1924-26 war Bongartz Kapellmeister beim Berliner Sinfonieorchester, anschließend bis 1930 Leiter der Landeskapelle Meiningen, danach bis 1933 Musikalischer Oberleiter in Gotha. 1933-37 bekleidete er das Amt des 1. Staatskapellmeisters in Kassel und war 1939-44 Generalmusikdirektor in Saarbrücken. Im Jahr 1941 trat er der NSDAP bei. Danach widmete sich Bongartz nach Jahren der Tätigkeit als Operndirigent verstärkt dem Konzert und wurde Generalmusikdirektor der Dresdner Philharmonie, der er 1947-63 als Chefdirigent vorstand. In der Anfangszeit dieser Jahre war Bongartz Professor für Dirigieren an der Leipziger Musikhochschule (1946-47). 1969 wurde er Korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie der Künste in Berlin (Ost). Als Dirigent setzte er sich vornehmlich für Werke zeitgenössischer Komponisten (z. B. Paul Hindemith) ein und machte sich vor allem mit seinen Interpretationen der Werke von Johannes Brahms und Anton Bruckner einen Namen. Er hinterließ Einspielungen mit Werken von Beethoven, Brahms, Rachmaninoff, Reger, Hindemith und von Werken zeitgenössischer Komponisten der DDR. Bongartz war 1950-52 Mitglied im sächsischen Landtag (SED). Er starb 1978 in Dresden. An Heinz Bongartz erinnert seit Ende der 1990er Jahre eine Straße im Dresdner Stadtteil Nickern. Außerdem ist an seinem früheren Wohnhaus Oeserstraße 5 in Dresden-Loschwitz eine Gedenktafel angebracht. Sein Grab befindet sich auf dem Loschwitzer Friedhof.

 

 

 

IM MEMORIAM GEBURTSTAGE IM OKTOBER 2018

Berücksichtigt wurden runde und halbrunde Geburtstage. Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

 

IN MEMORIAM-Geburtstage

1.10. Michail TSCHERGOFF: 90. Geburtstag

 Er studierte zunächst an der Universität von Sofia Pädagogik und Philosophie und ließ dann seine Stimme durch die Pädagogen Ilia Jossifow und Iwan Popow in Sofia ausbilden. 1954-60 gehörte er dem Staatlichen a-capella-Chor »Swetoslaw Obretenow« an. 1961 begann er seine Bühnentätigkeit mit einem Engagement an der Volksoper von Vraza, wo er bis 1963 blieb (Debüt 1961 als Nemorino in »L‘Elisir d’amore«). 1963-65 trat er am Musiktheater Stefan Makedonski in Sofia auf und begann dann eine Tätigkeit an Bühnen in der DDR. 1966-68 war er am Theater von Rostock engagiert, wo er u.a. als Max im »Freischütz«, als Alvaro in Verdis »Macht des Schicksals«, als Dimitrij im »Boris Godunow« und als Pedro in »Tiefland« von d’Albert erfolgreich auftrat. 1968-70 war er Mitglied des Theaters von Görlitz, 1970-71 des Theaters von Brandenburg, dann des Theaters von Stralsund. Als Höhepunkt in seinem sehr vielgestaltigen Bühnenrepertoire erwies sich jetzt vor allem die Titelpartie in Verdis »Otello«, die er auch 1971 bei einem Gastspiel an der Nationaloper von Warschau vortrug. 1971 gastierte er am Schlesischen Theater von Bytom (Beuthen) als Des Grieux in Puccinis »Manon Lescaut«, als Canio im »Bajazzo« und als Otello. 1973 wurde er als erster Tenor an das Staatstheater von Schwerin berufen, an dem er zwanzig Jahre hindurch wirkte. Gastspiele führten ihn an das Nationaltheater Weimar (1988 als Otello), an die Theater von Greifswald, Halberstadt, Neustrelitz und an das Opernhaus von Frankfurt a.M. (1986). Konzerte und Liederabende brachten in Berlin, in weiteren deutschen Städten, in Tallinn (Reval) und 1985 bei einer Bulgarien-Tournee Erfolge. Das Repertoire des Künstlers für die Opernbühne hatte seine weiteren Höhepunkte in Partien wie dem Kalaf in »Turandot« von Puccini, dem Don José in »Carmen«, dem Florestan im »Fidelio«, dem Tannhäuser, dem Pinkerton in »Madame Butterfly«, dem Siegmund in der »Walküre«, dem Turiddu in »Cavalleria rusticana«, dem Rodolfo in »La Bohème« und dem Erik im »Der fliegende Holländer«. Seit 1990 trat er in einigen Bariton-Partien (Rigoletto, Renato im »Maskenball« von Verdi) auf. 1999 hörte man ihn am Staatstheater Schwerin als Oberst in »Die Gespenstersonate« von A. Reimann. Er starb im Dezember 2010.

 

2.10. Guy CHAUVET: 85. Geburtstag

 Als Knabe sang er im Kathedralchor seiner Geburtsstadt Montluçon bei Tarbes. Ausbildung bei Bernard Baillour in Tarbes. Seit 1952 erregte er Aufsehen bei mehreren Gesangwettbewerben. 1953 gewann er als jüngster Bewerber den Concours von Cannes. Nach seinem Militärdienst wurde er 1955 erster Preisträger beim Gesangwettbewerb von Toulouse, 1957 gewann er den Preis »Voix d’Or«, mit dem ein Engagement an die Grand Opéra Paris verbunden war. Dort debütierte er 1959 als 1. Geharnischter in der »Zauberflöte« und hatte sogleich einen glänzenden Erfolg. Er blieb bis 1983 als gefeierter erster Tenor Mitglied dieses Hauses und wurde als Titelheld im »Faust« von Gounod, als Florestan im »Fidelio«, als Cavaradossi in »Tosca«, als Enée in »Les Troyens« von Berlioz, als Jason in Cherubinis »Medée«, als Werther in der Oper gleichen Namens von Massenet, als Turiddu in »Cavalleria rusticana«, als Fernand in »La Favorite« von Donizetti, als Samson in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns, als Laça in Janáceks »Jenufa«, als Don José in »Carmen«, als Otello von Verdi

und in vielen anderen Partien bekannt. Am Grand Théâtre Genf hörte man ihn 1960-74 als Cavaradossi, als Dimitri in »Boris Godunow«, als Radames in »Aida«, als Samson und als Énée. 1961 wirkte er beim Holland Festival mit, im gleichen Jahr Gastspiel am Teatro Colón von Buenos Aires, wo er nochmals 1964 auftrat. 1963 debütierte er an der Covent Garden Oper London als Cavaradossi und gab an der Oper von Chicago sein US-Debüt als Faust von Gounod. An der Oper von San Francisco gastierte er 1968-83 als Énée, als Radames, als Don José, als Lohengrin und als Samson. 1969 sang er am Coliseum Theatre London in der (konzertanten) englischen Premiere der Oper »Padmâvati« von A. Roussel. Am Théâtre de la Monnaie in Brüssel gastierte er als Don José, als Siegmund in der »Walküre« und als Parsifal, an der Opéra du Rhin Straßburg als Verdis Otello und als Ratan-Sen in »Padmâvati« von Roussel, in Lyon als Lohengrin und als Kratos in »Prométhée« von Gabriel Fauré. 1971 alternierte er bei den Festspielen von Verona mit Carlo Bergonzi in der Partie des Radames bei der Hundertjahrfeier von Verdis »Aida«. An der Mailänder Scala hörte man ihn 1971 als Samson, 1972 als Don José und als Radames. 1973 gastierte er am Opernhaus von Marseille als Tambourmajor im »Wozzeck« von A. Berg. Als Lohengrin gastierte er in Berlin und in Osaka. Er gastierte an der Oper von Rio de Janeiro als Otello und an der Wiener Staatsoper als Énée (1976-77 in insgesamt 7 Vorstellungen). An der Metropolitan Oper New York debütierte er 1977 als Samson und sang dort bis 1981 in insgesamt 47 Vorstellungen auch den Don José, den Radames und den Jean in »Le Prophète« von Meyerbeer. In Monte Carlo, am Teatro San Carlos Lissabon, in Dublin und bei einer Tournee durch Israel war er gleichfalls sehr erfolgreich. 1985 nahm er von der Bühne Abschied und wurde Professor an der École Nationale du Musique in Tarbes wie am Conservatoire National de Paris. Er starb im März 2007.

Zahlreiche Schallplattenaufnahmen, vor allem auf Véga (Querschnitte durch »Hérodiade« und »Werther« von Massenet, »Cavalleria rusticana«, Szenen und Arien aus »Les Troyens« von Berlioz). Auf BJR vollständige Oper »Sigurd« von Reyer, auch auf HMV (Kurzfassung von »Les Troyens« mit Régine Crespin).

 

3.10. Karl HELM: 80. Geburtstag

 Jüngerer Bruder des Bass-Baritons Hans Helm (* 1934), der an der Wiener Staatsoper wirkte. Er studierte wie sein Bruder bei Else Zeidler in Dresden und bei Franz Reuter-Wolf in München. Bühnendebüt 1968 am Stadttheater von Bern (Schweiz) als Don Alfonso in »Così fan tutte«. Seit 1971 war er für mehr als 25 Jahre Mitglied der Staatsoper München, an der er 1970 als Rocco im »Fidelio« erstmals gastiert hatte. Dort wirkte er auch 1978 in der Uraufführung der Oper »Lear« von A. Reimann (als König von Frankreich) mit. Er ist auch an den Opernhäusern von Basel und Genf (1968-71 als Mose in Rossinis »Mose in Egitto«, als Bote in »Antigonae« von C. Orff und als Lazare Carnot in Jan Cikkers »Das Spiel von Liebe und Tod«), an der Grand Opéra Paris, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, an den Staatsopern von Hamburg und Stuttgart und am Staatstheater Karlsruhe aufgetreten. 1978 gastierte er beim Festival von Perugia. 1987 Gastspiel an der Staatsoper Berlin in »La Cenerentola« von Rossini. Sein Repertoire enthielt eine Vielzahl seriöser wie Buffo-Rollen für Bass: den Arkel in »Pelléas et Mélisande«, den König Philipp in Verdis »Don Carlos«, den Zaccaria im »Nabucco«, den Fra Melitone in »La forza del destino«, den Warlaam im »Boris Godunow«, den Fasolt im »Rheingold«, den Falstaff in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, den Dulcamara in »L‘Elisir d’Amore«, den Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg« und den Geronte in »Manon Lescaut« von Puccini. Noch 1997 sang er in München den Pfleger des Orest in »Elektra« von R. Strauss und den Nachtwächter in »Die Meistersinger von Nürnberg«, 1998 in der Uraufführung der Oper »Was ihr wollt« von Manfred Trojahn den Antonio. Neben seinem Wirken auf der Bühne auch im Konzertsaal hervorgetreten. Er starb im August 2012.

Schallplatten: Orfeo (»Die Feen« von R. Wagner), DGG (»Lear« von A. Reimann), EMI (»Friedenstag« von R. Strauss).

 

3.10. Hubert HOFMANN: 85. Geburtstag


Als „Wanderer“ in Bayreuth

 Er war ein Schüler des berühmten Bassisten Ludwig Hofmann, dessen Namen er annahm. 1957 Debüt am Landestheater Salzburg als Monterone in Verdis »Rigoletto«. Bis 1959 in Salzburg, 1959-61 am Stadttheater Bielefeld und 1961-63 am Stadttheater Mainz engagiert. 1962-66 war er Mitglied der Städtischen Oper (Deutsches Opernhaus) Berlin und gleichzeitig 1963-66 des Opernhauses von Graz. 1967-72 sang er an der Staatsoper von Hamburg und am Opernhaus Zürich, 1972-82 an der Staatsoper von Stuttgart. 1963-68 gastierte er an der Wiener Staatsoper als Wotan im »Rheingold« und in der »Walküre« (in insgesamt vier Vorstellungen). 1964 trat er bei den Festspielen von Bayreuth als Wanderer im »Siegfried« und als Biterolf im »Tannhäuser« auf, 1968 als Wotan in der »Walküre« an der Oper von San Francisco. Weitere Gastspiele, vor allem in seinen Glanzrollen, dem Wotan im Nibelungenring und dem Hans Sachs in »Die Meistersinger von Nürnberg«, 1967 an der Königlichen Oper Kopenhagen, 1969 und 1971 an der Covent Garden Oper London, 1970 und 1973 am Teatro Fenice Venedig, 1971-72 an der Grand Opéra Paris, 1971-72 auch an der Oper von Chicago, 1977 an der Oper von Rom. 1963 wirkte er in Graz in der österreichischen Premiere der Oper »Der feurige Engel« (»L’Ange de feu«) von Prokofjew in der Partie des Ruprecht mit; bei dem Gastspiel der Hamburger Staatsoper anlässlich der Weltausstellung von Montreal 1967 kreierte er für Kanada den Titelhelden in »Mathis der Maler« von Hindemith. Aus seinem Bühnenrepertoire sind noch der Amfortas im »Parsifal«, der Titelheld in »Der fliegende Holländer«, der Pater Guardian in »La forza del destino« von Verdi, der Amonasro in »Aida«, der Don Pizarro im »Fidelio«, der Kaspar im »Freischütz«, der Orest in »Elektra« von R. Strauss und der Fürst Igor in der gleichnamigen Oper von Borodin zu erwähnen. 1982 gab er seine Karriere wegen Erkrankung auf. Er starb 1988 in Hüttenberg im Allgäu.

Schallplatten: HMV-Electrola (Monterone im »Rigoletto« in einer deutschsprachigen Aufnahme der Oper), Mondo Musica (Amfortas im »Parsifal«, Teatro Fenice Venedig 1978).

 

3.10. Irene SALEMKA: 90. Geburtstag

Sie begann das Gesangstudium bei Ernesto Bardini und Hermann Geiger-Torel in Toronto. 1955 trat sie erstmals auf der Bühne auf, und zwar sang sie an der Oper von Montreal die Juliette in »Roméo et Juliette« von Gounod. Weitere Studien bei Hans Löwlein in Frankfurt a.M. Ihre großen Erfolge kamen mit ihrem Auftreten an deutschsprachigen Bühnen zustande. 1956-57 war sie am Stadttheater von Basel verpflichtet, 1957-64 gehörte sie dem Opernhaus von Frankfurt a.M. an und trat als Gast an den Staatsopern von Stuttgart und München, an den Opernhäusern von Köln, Essen, Hannover und Wuppertal auf. Sie gastierte an der Niederländischen Oper Amsterdam, an der Covent Garden Oper London (u.a. 1961 in »A Midsummer Night’s Dream« von B. Britten), an der Wiener Volksoper, in Washington, New Orleans und beim Edinburgh Festival (1961 als Helena in »A Midsummer Night’s Dream« von B. Britten anlässlich eines Gastspiels der Londoner Covent Garden Oper). Im englischen Fernsehen BBC erschien sie als Marguerite in Gounods »Faust«. Sie sang auf der Bühne Partien aus dem lyrischen wie dem Koloraturfach, im Konzertsaal ebenfalls eine Vielfalt von Vokalwerken. Sie trat auch in musikalischen Tonfilmen auf; so sang sie in dem Film »Die lustige Witwe« die Hanna Glawari als Partnerin von Johannes Heesters. Sie starb 2017 in Collingwood (Ontario).

Schallplatten: Donna Elvira in einem »Don Giovanni«-Querschnitt bei DGG.

 

3.10. Stanisław SKROWACZEWSKI: 95. Geburtstag

Er erlernte als Kind Geige und Klavier. Im Alter von elf Jahren debütierte er als Pianist und machte sich schnell einen Namen. Mit dreizehn dirigierte er erstmals ein Orchester. Eine im Zweiten Weltkrieg erlittene Handverletzung beendete seine Pianistenkarriere. Nach dem Krieg wurde Skrowaczewski 1946 Musikdirektor der Breslauer Philharmonie. Dann folgten Chefposten in Warschau, Katowice und Krakau. Schließlich wurde er Chefdirigent des Warschauer Nationalorchesters. Nach seiner Ausbildung an der Musikakademie Krakau in Polen setzte Skrowaczewski seine Kompositionsstudien in Paris bei Nadia Boulanger fort. Im Jahre 1956 gewann er den Santa Cecilia Wettbewerb für Dirigenten. Auf Einladung von George Szell dirigierte Skrowaczewski das renommierte Cleveland Orchestra. Gastdirigate bei anderen amerikanischen Orchestern wie etwa dem New York Philharmonic folgten. 1960 wurde er zum Musikdirektor des Minneapolis Symphony Orchestra ernannt. Dieses prägte Skrowaczewski maßgeblich bis zum Jahre 1979; als herausragend gilt seine Einspielung von Ravels Bolero aus dem Jahre 1975, die 2003 noch einmal in technisch überarbeiteter Version auf Super-Audio-CD veröffentlicht wurde. Seit dieser Zeit war er Ehrendirigent des Orchesters. 1984-91 war Skrowaczewski Chefdirigent des Hallé Orchestra. Als Gastdirigent erhielt er regelmäßig Einladungen nach Nord- und Südamerika, Australien, Japan und in zahlreiche Städte Europas. Seit dem Jahre 1994 war Skrowaczewski Erster Gastdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters (RSO) Saarbrücken beziehungsweise der heutigen Deutschen Radio Philharmonie. Mit dem RSO Saarbrücken spielte er sämtliche Sinfonien Anton Bruckners ein und erhielt dafür im Jahre 2002 den Cannes Classical Award. Im Frühjahr 2007 wurde die Einspielung aller Beethoven-Sinfonien, die den Diapason d‘or erhielt, abgeschlossen. Außerdem veröffentlichte er Gesamtaufnahmen der Sinfonien von Robert Schumann mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester (RSO) Saarbrücken und von Johannes Brahms mit der Deutschen Radio Philharmonie. Unter anderem spielte er auch mit Ewa Kupiec als Solistin und dem Rundfunk-Sinfonieorchester (RSO) Saarbrücken die beiden Klavierkonzerte von Frédéric Chopin auf CD ein. Mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester (RSO) Saarbrücken beziehungsweise der heutigen Deutschen Radio Philharmonie nahm er auch eigene Werke auf CD auf wie die Fantasie per flauto ed orchestra „Il piffero della notte“ mit Roswitha Staege als Solistin, das Kammerkonzert (Ritornelli poi ritornelli) (Chamber Concerto), das Konzert für Klarinette und Orchester mit Richard Stoltzman als Solisten, Music at night, die Passacaglia immaginaria und die Symphony in memory of Ken Dayton. Skrowaczewski starb 2017 im Alter von 93 Jahren im Methodist Hospital in St. Louis Park, Minnesota.

Skrowaczewski, der bereits im Kindesalter mit dem Komponieren begonnen hatte, wurde für seine Komposition Passacaglia Immaginaria für den Pulitzerpreis im Jahre 1997 nominiert, ebenso wie für das von ihm komponierte Konzert für Orchester im Jahre 1999. Für seine Arbeit als Musiker erhielt Skrowaczewski unter anderem die höchste polnische Auszeichnung, den Orden vom Weißen Adler und die Goldmedaille der Mahler-Bruckner-Gesellschaft. Am 6. November 2015 wurde Skrowaczewski nach einem Konzert mit der Deutschen Radio Philharmonie in Saarbrücken zum Ehrendirigenten des Orchesters ernannt.

 

3.10. Else LIEBESBERG: 100. Geburtstag

 Sie wurde am Konservatorium von Wien ausgebildet und gewann 1946 beim Gesangwettbewerb von Genf einen ersten Preis. Im gleichen Jahr 1946 debütierte sie an der Staatsoper von Wien als Esmeralda in Smetanas »Die verkaufte Braut«. Bis 1955 blieb sie im Ensemble der Wiener Staatsoper und sang dort u.a. die Pepi in »Wiener Blut« von J. Strauß, den Pagen Oscar in Verdis »Maskenball«, die Frasquita in »Carmen«, das Ännchen im »Freischütz«, die Arsena im »Zigeunerbaron«, den Siebel im »Faust« von Gounod, die Anna Reich in O. Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, die Gretel in »Hänsel und Gretel«, die Herzogin wie die Zerlina in Offenbachs »Die Banditen«, die Rebecca in E. d’Alberts »Die toten Augen«, die Ciboletta in »Eine Nacht in Venedig«, die Bronislawa in Millöckers »Der Bettelstudent«, die Nicoletta wie die Ninetta in Prokofjews »Die Liebe zu den drei Orangen«, das Gretchen im »Wildschütz«, die Anita in  »Giuditta« von Lehár, die Adele in der »Fledermaus«, die Nuri in »Tiefland« von E. d’Albert, die Marie im »Waffenschmied« wie in »Zar und Zimmermann« von Lortzing, die Christel im »Vogelhändler« von Zeller, die Zerline in »Fra Diavolo« von Auber und die Marzelline im »Fidelio«. 1955 wechselte sie dann an die Wiener Volksoper, wo sie bis zu ihrem Abschied von der Bühne 1973 engagiert blieb. Sie trat dort in Koloratur- und Soubrettenpartien in Operetten wie in der Oper auf; so sang sie den Cherubino wie die Susanna in »Figaros Hochzeit«, die Papagena wie die Pamina in der »Zauberflöte«, die Wellgunde im Nibelungenring, die Rosina im »Barbier von Sevilla«, die Lisa in »Gräfin Mariza« und eine Anzahl weiterer Rollen. Sie war 1955 am Gran Teatre del Liceu in Barcelona, 1968 an der Oper von Rom zu Gast. Daneben trat sie auch mit großem Erfolg als Konzertsängerin hervor und gastierte als solche in den Musikzentren Europas. Sie ist auch unter den Namen Bauer-Liebesberg bzw. Liebesberg-Hannes aufgetreten. Sie starb 1996 in Wien.

Schallplatten: Zahlreiche Operetten-Querschnitte auf Philips.

 

3.10. Karl NORBERT: 125. Geburtstag

 

 Eigentlicher Name Karel Novotny. Er wurde durch Konrad Wallerstein in Prag ausgebildet, Bühnendebüt 1914 am Deutschen Theater von Prag, dem er bis 1920 angehörte. Dann bis zu seinem Tode hoch angesehenes Mitglied der Staatsoper von Wien. Hier debütierte er als Falstaff in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor« und sang u.a. den Bartolo im »Barbier von Sevilla«, den Mephisto im »Faust« von Gounod, den Rocco im »Fidelio«, den Daland in »Der fliegende Holländer«, den Gianni Schicchi von Puccini, den Kardinal Brogni in Halévys »Die Jüdin«, den König Heinrich im »Lohengrin«, den Beckmesser in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Monterone wie den Sparafucile im »Rigoletto«, den König wie den Ramfis in »Aida«, den Leporello wie den Komtur im »Don Giovanni«, den Marcel in den »Hugenotten« von Meyerbeer, den Klingsor wie den Titurel im »Parsifal«, den Ferrando im »Troubadour«, den Colline in »La Bohème«, den Don Alfonso in »Così fan tutte«, den Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, den Don Pasquale von Donizetti, den Lord Tristan in Flotows »Martha«, den Kardinal von Lothringen wie den Madruscht im »Palestrina« von Pfitzner, den Zacharie in Meyerbeers »Der Prophet«, den Fafner im Nibelungenring, den Osmin in der »Entführung aus dem Serail«, den Sarastro in der »Zauberflöte«, den Warlaam im »Boris Godunow«, den Escamillo wie den Zuniga in »Carmen«, den Don Magnifico in »La Cenerentola«, den Teufel in »Schwanda der Dudelsackpfeifer« von Weinberger, den Gremin im »Eugen Onegin« und den van Bett in Lortzings »Zar und Zimmermann«. Sehr große Erfolge erzielte er, namentlich als Mozart-Interpret, bei den Festspielen von Salzburg. Hier sang er den Leporello im »Don Giovanni« (1922), den Don Alfonso in »Così fan tutte« (1922 und 1935), den Bartolo in »Figaros Hochzeit« (1922, 1931-35) und den Osmin in der »Entführung aus dem Serail« (1926 und 1932). Am 26.12.1935 wirkte er an der Wiener Staatsoper in der Uraufführung der Oper »Die Dame im Traum« von Franz Salmhofer als Gilbert mit. Er gastierte erfolgreich an der Hofoper von Dresden (1917), in Paris und Prag, in Berlin und München. 1932 trat er als Gast beim Mozart-Fest in Nizza auf. Er starb 1936 in Wien.

Seine Stimme ist ausschließlich auf Vox-Platten zu hören. Bei Koch/Schwann wurden Fragmente von Aufführungen aus dem Archiv der Wiener Staatsoper veröffentlicht (Daland in »Der fliegende Holländer«).

 

4.10. Göta LJUNGBERG: 125. Geburtstag

 Sie sang bereits als Kind von acht Jahren vor der schwedischen Königin. Sie erhielt ihre Ausbildung an der Königlichen Musikakademie Stockholm bei Gillis Bratt, dann bei Mme. Charles Cahier und schloss diese bei Fergusson in London, bei Vittorio Vanza in Mailand und bei Louis Bachner und Oscar Daniel in Berlin ab. Sie debütierte 1917 an der Königlichen Oper Stockholm als Gutrune in der »Götterdämmerung« und sang dort im gleichen Jahr die Santuzza in »Cavalleria rusticana« und die Elisabeth im »Tannhäuser«, 1918 die Elsa im »Lohengrin«. Sie war an diesem Haus 1918-19 und 1920-26 im Engagement und blieb ihm bis 1937 durch Gastspiele verbunden. 1920 hatte sie an der Stockholmer Oper einen besonderen Erfolg als Myrtocle in der schwedischen Erstaufführung der Oper »Die toten Augen« von E. d’Albert. In den Jahren 1926-29 war sie fest an der Staatsoper Berlin (wo sie in ihren Wagner-Partien, aber auch als Tosca und als Santuzza ihre Erfolge hatte), 1929-31 am Berliner Schauspielhaus (wo sie sie auch in Operetten und Musicals, u.a. 1929 in der Uraufführung der Operette »Die drei Musketiere« von Ralph Benatzky, auftrat) und 1931-32 am Stadttheater von Chemnitz engagiert; sie gastierte später noch in Berlin. Sie debütierte mit sensationellem Erfolg 1924 an der Covent Garden Oper London als Salome von Richard Strauss. Sie trat immer wieder an diesem Haus auf, so auch am 25.6.1929 in der Uraufführung der Oper »Judith« von Goossens, in der sie die Titelrolle kreierte. Sie trat 1928-37 bei den Festspielen in der Waldoper von Zoppot auf, wo man sie als Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Brünnhilde im Nibelungenring, als Ortrud im »Lohengrin« und als Kundry im »Parsifal« erlebte. In den Jahren 1932-35 war sie Mitglied der Metropolitan Oper New York, an der sie als Sieglinde in der »Walküre« debütierte. Sie sang hier in vier Spielzeiten 13 Partien in 57 Vorstellungen: die Elsa, die Brünnhilde im Nibelungenring, die Isolde in »Tristan und Isolde«, die Freia im »Rheingold«, die Kundry im »Parsifal«, die Elisabeth im »Tannhäuser«, die Chrysothemis wie auch die Titelpartie in »Elektra« von R. Strauss und die Salome von R. Strauss. Sie sang dort am 10.2.1934 in der Uraufführung der Oper »Merry Mount« von Howard Hanson die Lady Marigold Sandys. Sie gastierte an verschiedenen anderen Opernhäusern in den USA; In der Saison 1935-36 war sie bei der San Carlo Opera Company engagiert. 1935 gab sie an der Metropolitan Oper ihre Abschiedsvorstellung. Als Konzertsolistin trat sie in Nordamerika, in den skandinavischen Ländern und 1928 in Holland in Erscheinung. Nach Abschluss ihrer Bühnenkarriere wirkte sie am New York College of Music als Pädagogin, kehrte aber später wieder in ihre schwedische Heimat zurück. Sie war 1922-29 verheiratet mit dem schwedischen Regisseur Harry Stangenberg (1893-1941). 1932 wurde sie mit dem schwedischen Orden »Litteris et artibus« ausgezeichnet. Sie starb 1955 in Lidingö bei Stockholm. – Groß dimensionierte, dramatische Sopranstimme, im Wagner-Repertoire und in anderen dramatischen Partien ausgezeichnet. Zu ihren Bühnenrollen gehörten auch die Aida, die Nedda im »Bajazzo«, die Marguerite im »Faust« von Gounod, die Kersti in »Kronbruden« von Ture Rangström, die Rosalinde in der »Fledermaus« und die Titelrolle in Offenbachs »La belle Hélène«. In ihrem Bühnenrepertoire fanden sich auch Partien aus zeitgenössischen Opern wie die Els im »Schatzgräber« von Fr. Schreker und die Anita in »Jonny spielt auf« von E. Krenek. Nicht zuletzt wirkte sie auf der Bühne durch die Schönheit ihrer Erscheinung und durch die Intensität ihrer Darstellung.

Schallplattenaufnahmen auf HMV (seit 1924), darunter Szenen aus »Tristan und Isolde«, »Das Rheingold«, »Die Walküre« und »Götterdämmerung« und Naxos (»Merry Mount« von Howard Hanson, Metropolitan Oper 1934).

 

4.10. Jean MAURAN: 125. Geburtstag

 Er studierte Gesang bei Pietro Cesari und bei Paul Lhérie in Paris. Sein Debüt fand 1919 in Mailand als Scarpia in Puccinis »Tosca« statt. Es folgten weitere Auftritte an führenden italienischen Operntheatern. 1922 unternahm er eine Nordamerika-Tournee mit der American Opera Company. Gastspiele am Théâtre Gâité-Lyrique in Paris und am Gran Teatre del Liceu von Barcelona, schlossen sich an. 1924 kam er an die Pariser Grand Opéra (Debüt als Rigoletto), an der er als angesehener erster Bariton bis 1934 blieb; man schätzte ihn sowohl im italienischen wie im französischen und im Wagner-Repertoire. 1925 wirkte er dort in der Uraufführung der Oper »Brocéliande« von André Bloch mit. 1943 trat er an der Oper von Monte Carlo als Grand Prêtre in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns auf. Weitere Bühnenrollen: der Athanaël in »Thaïs« von Massenet, der Valentin im »Faust« von Gounod, der Faninal im »Rosenkavalier«, der Beckmesser in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Telramund im »Lohengrin«, der Amonasro in »Aida« und der Nevers in den »Hugenotten« von Meyerbeer. Nachdem er in mehreren französischen Tonfilmen Regie geführt hatte, wurde er Direktor des Opernhauses von Casablanca, zuletzt Sécrétaire Général der Opéra-Comique Paris. Er starb 1984 in Nizza.

Schallplatten: Odeon, Pathé.

 

5.10. Giuseppe GAZZANIGA: 275. Geburtstag

 Er sollte eigentlich auf Wunsch des Vaters Priester werden. Nach dessen Tod studierte jedoch Musik in Venedig, u. a. für kurze Zeit bei Nicola Antonio Porpora und danach am Conservatorio di Sant’Onofrio a Porta Capuana in Neapel. Dort war er Schüler von Niccolò Piccini. Von 1791 bis zu seinem Tod 1818 war er Kapellmeister an der Kathedrale von Crema, wo er ab 1802 Stefano Pavesi unterrichtete. Gazzaniga komponierte auch Instrumentalmusik und Kirchenmusik, die zu großen Teil noch handschriftlich erhalten ist (im Staatsarchiv Verona und in Bologna im Civico Museo bibliografico musicale G.B. Martini). Gazzinga vertonte rund 60 Opern, sein größter Erfolg war die Oper Don Giovanni o sia Il Convitato di Pietra (Uraufführung am 5. Februar 1787 in Venedig), deren von Giovanni Bertati verfasster Text Lorenzo da Ponte als unmittelbare Vorlage für sein Libretto für Mozarts Don Giovanni diente. Gazzanigas Oper wurde 1789 in Korfu, 1791 in Paris, 1792 in Lissabon und 1796 in Madrid aufgeführt.

 

7.10. Klaus BERTRAM: 85. Geburtstag

 Er begann seine Bühnenlaufbahn 1959 am Staatstheater Karlsruhe, schloss dann aber bald einen Gastvertrag mit der Staatsoper Stuttgart, deren Mitglied er in der langen Zeit von 1961 bis 1985 war. 1966 wirkte er an diesem Haus in der Uraufführung der Oper » Siebzehn Tage und vier Minuten« von Werner Egk mit. Gastspiele führten ihn an die größeren deutschen Opernbühnen und ins Ausland. Sein Repertoire umfasste Partien wie den Rocco im »Fidelio«, den Daland (gelegentlich auch den Titelhelden) in »Der fliegende Holländer«, den Scherasmin im »Oberon« von Weber, den Waldner in »Arabella« von R. Strauss, den Boris Godunow, den Selim in Rossinis »Il Turco in Italia«, den Walter in Verdis »Luisa Miller«, den Inigo in »L’Heure espagnole« von M. Ravel und den Dreieinigkeitsmoses in »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von Weill. Er war zeitweilig als Rundfunkmoderator tätig und hatte auch als Konzertsänger eine erfolgreiche Karriere. Er starb 1995 in Stuttgart.

Schallplatten: DGG (Colline in Gesamtaufnahme »La Bohème«, Opern-Querschnitte, u.a. Ferrando im »Troubadour«).

 

7.10. Franziska WACHMANN: 95. Geburtstag

 Nach einer Ausbildung als Balletttänzerin war sie 1939-42 als Tänzerin am Theater von Graz engagiert. Sie studierte daneben jedoch Gesang an der Musikhochschule von Graz und debütierte 1942 als Sängerin am Stadttheater von Baden bei Wien. 1943-44 sang sie am Theater von Brünn (Brno) und nahm 1946 am Theater von Graz ihre Sängerkarriere wieder auf. Von dort wechselte sie für die Spielzeit 1949-50 an das Stadttheater von Innsbruck, sang anschließend am Staatstheater von Wiesbaden und gehörte seit 1952 für dreißig Jahre bis 1982 der Staatsoper Stuttgart an. Im Mittelpunkt ihres Repertoires für die Bühne standen Soubrettenpartien in Opern wie in Operetten, darunter die Eurydike in Offenbachs »Orpheus in der Unterwelt« (ihre Antrittsrolle in Stuttgart), die Adele in der »Fledermaus«, die Arsena im »Zigeunerbaron«, die Laura in Millöckers »Der Bettelstudent«, die Christel in Zellers  »Vogelhändler«, die Hanna Glawari in Lehárs »Die lustige Witwe«, die Angèle in Lehárs »Der Graf von Luxemburg«, die Mi im »Land des Lächelns«, die Papagena in der »Zauberflöte«, die Despina in »Così fan tutte«, der Cherubino in »Figaros Hochzeit«, die Esmeralda in Smetanas »Die verkaufte Braut«, die Lola in »Cavalleria rusticana« und die Musetta in »La Bohème«. In einem späteren Abschnitt ihrer Karriere wandte sie sich dem lyrischen Stimmfach zu und sang jetzt die Micaela in »Carmen«, die Mimi in »La Bohème« und die Rosalinde in der »Fledermaus«. 1959 sang sie im Rahmen eines Gesamtgastspieles der Stuttgarter Staatsoper an der Wiener Staatsoper eines der Blumenmädchen im »Parsifal«. 1966 wirkte sie in Stuttgart in der Uraufführung der Oper »Siebzehn Tage und vier Minuten« von W. Egk in der Rolle der Astäa mit. Sie trat als Gast am Theater am Gärtnerplatz in München, an der Wiener Volksoper, an der Grand Opéra Paris (1954 Blumenmädchen im »Parsifal«) und bei den Festspielen von Bregenz (1958 als Esmeralda und als Hanna Glawari) auf. In der Spielzeit 1959-60 gastierte sie am Opernhaus von Zürich als Gräfin in der Johann-Strauß-Operette »Wiener Blut«. 1982 verabschiedete sie sich als Mutter in »Hänsel und Gretel« von ihrem Stuttgarter Publikum. Sie war verheiratet mit dem Regisseur Werner Dobbertin. Sie starb im Jahr 2005.

Schallplatten: Polydor (Operettenszenen), Columbia (»Im Weißen Rössl« von R. Benatzky), Ariola.

 

8.10. Hans WILBRINK: 85. Geburtstag

 Sein Vater war ein bekannter holländischer Journalist. Er studierte Gesang und Musik (Kirchenmusik und Dirigieren) am Konservatorium von Utrecht und war dann Schüler von Felix Hupka in Amsterdam. 1955 gewann er den Gesangwettbewerb des Westdeutschen Rundfunks ARD in München und hatte erste Erfolge in seiner holländischen Heimat, einmal als Konzertsänger (1956 Solist in Beethovens 9. Sinfonie in Amsterdam), dann als Pelléas in »Pelléas et Mélisande« auf der Bühne. 1958 wirkte er in Amsterdam in der Uraufführung der Oper »François Villon« von Sem Dresden mit. 1959 ging er nach Deutschland und war dann in den folgenden sieben Jahren bis 1966 Mitglied des Opernhauses von Frankfurt a.M. In den Jahren 1959-61 bestand gleichzeitig ein Gastvertrag mit der Städtischen Oper Berlin. 1966 folgte er einem Ruf an die Staatsoper von München, an der er eine erfolgreiche Karriere entwickelte, die länger als 30 Jahre dauerte. Er wirkte in einer Vielzahl von Opern- Uraufführungen mit, so bereits 1962 in Frankfurt in »Alkestiade« von Louise Talma, 1964 in der von G. Wimbergers »Dame Kobold«, im gleichen Jahr dort auch in »Das Foto des Kolonels« von H. Searle, 1969 in München in »Aucassin und Nicolette« von G. Bialas, 1976 in »Die Versuchung« von J. Tal. 1978 nahm er an der Bayerischen Staatsoper München an der Uraufführung der Oper »Lear« von A. Reimann teil, 1986 an der von »Belshazar« von V.D. Kirchner. Am Prinzregentheater München nahm er am 8.4.1997 an der Uraufführung der Oper »Helle Nächte« von Moritz Eggert teil. Er trat gern in Werken der zeitgenössischen Opernliteratur auf, so als Titelheld in H.W. Henzes »Prinz von Homburg« und als Stolzius in »Die Soldaten« von B.A. Zimmermann. Dabei enthielt sein Bühnenrepertoire jedoch eine Vielzahl von Partien, darunter den Figaro in »Figaros Hochzeit«, den Guglielmo in »Così fan tutte«, den Papageno in der »Zauberflöte«, den Scherasmin im »Oberon« von Weber, den Malatesta im »Don Pasquale«, den Olivier im »Capriccio« wie den Morbio in »Die schweigsame Frau« von R. Strauss, den Mr. Gedge in »Albert Herring« wie den Oberon in »A Midsummer Night’s Dream« von B. Britten. Gastspiele führten den Sänger u.a. an die Staatsoper von Wien (1973 als Olivier), nach Paris (1962 mit dem Ensemble der Frankfurter Oper), an das Opernhaus von Köln (1965) und zu den Festspielen von Glyndebourne, wo er 1963 seine Glanzrolle, den Pelléas, sang. Auch als Konzert- und Oratoriensolist genoss er hohes Ansehen. Er starb 2003 in München.

Schallplatten: Christophorus-Verlag (Messen von Schubert), Music and Arts (9. Sinfonie von Beethoven unter Klemperer, Mitschnitt von 1956), DGG (»La Cenerentola« von Rossini; »Lear« von A. Reimann, München 1978), Schwann (»Gloria« von J.S. Bach), EMI (»Die Meistersinger von Nürnberg«), TIS (9. Sinfonie von Beethoven), BBC Rec. (War Requiem von B. Britten).

 

8.10. Kurt REDEL: 100. Geburtstag

Er studierte am Konservatorium von Breslau Orchesterleitung, Flöte, Violine, Komposition und Musikgeschichte. 1938 wurde er Soloflötist der Meininger Landeskapelle. Noch im selben Jahr, als Zwanzigjähriger, erhielt er eine Professur für Flöte am Salzburger Mozarteum. 1941 ging er als Soloflötist zum Bayerischen Staatsorchester nach München. 1946-56 lehrte er als Professor für Flöte an der Nordwestdeutschen Musikakademie, der heutigen Hochschule für Musik Detmold. Zu seinen Schülern gehörte Karlheinz Zoeller.

1952 gründete Redel in München das Kammerorchester Pro Arte, mit dem er zahlreiche Konzerte gab und preisgekrönte Plattenaufnahmen machte, vor allem der Werke von Bach, Telemann, Haydn und Mozart. Zwanzig Jahre leitete er das von ihm gegründete Osterfestival von Lourdes, daneben arbeitete er mit vielen bedeutenden Orchestern Europas. Für sein Wirken erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter mehrmals den Grand Prix du Disque, den Prix Orphée der Pariser Oper, den Grand Prix Edison in Amsterdam und das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Er starb 2013 in München. Sein Sohn ist der Komponist Martin Christoph Redel (* 1947).

 

8.10. Jane GATINEAU: 125. Geburtstag

 Sie wurde in Paris durch Mme. Desrousseaux ausgebildet und debütierte 1913 als Konzertsängerin. Daneben gab sie Gastspiele an den großen französischen Provinzbühnen, wobei sie vor allem in Operetten des klassischen französischen Repertoires große Erfolge hatte; als ihre Spezialität galten dabei Travestie-Rollen. 1933 wurde sie an die Opéra-Comique Paris verpflichtet, wo sie als Cherubino in »Le nozze di Figaro« debütierte und in den folgenden Jahren Rollen wie den Siebel im »Faust« von Gounod, die Carmen, die Mignon von A. Thomas, die Gertrude in »Le Maître de Chapelle« von Paër, die Dulcinée in »Don Quichotte« von Massenet und die Georgette in »Les dragons de Villars« (»Das Glöckchen des Eremiten«) von Maillart sang. Daneben erschien sie oft in Sendungen des französischen Rundfunks. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab sie ihre Karriere auf und lebte als Pädagogin in Paris.

 

9.10. Einojuhani RAUTAVAARA: 90. Geburtstag

Er war der Sohn eines Opernsängers und kam so schon von Geburt an mit Musik in Berührung. Beide Eltern starben früh, der Junge wurde von einer Tante großgezogen. Er studierte in Turku Klavier und nach dem Abitur in Helsinki an der Jean-Sibelius-Akademie Musikwissenschaft und Komposition bei Aarre Merikanto. Jean Sibelius ließ Rautavaara 1955 ein Stipendium zukommen, das die Koussevitsky-Stiftung dem neunzigjährigen Sibelius zuerkannt hatte. Rautavaara konnte so an der Juilliard School of Music in New York bei Vincent Persichetti und am Tanglewood Music Center bei Roger Sessions und Aaron Copland studieren. Er graduierte 1957, danach folgte ein Privatstudium der Zwölftontechnik bei Wladimir Vogel in Ascona. Nach diversen Tätigkeiten als Lehrer an der Jean-Sibelius-Akademie, als Bibliothekar und Archivist beim Philharmonischen Orchester in Helsinki und als Rektor am Käpylä Music Institute in Helsinki wurde er 1976 als Professor für Komposition an die Jean-Sibelius-Akademie berufen und wirkte dort bis 1990. Für sein kompositorisches Schaffen erhielt er zahlreiche in- und ausländische Auszeichnungen und Preise, u. a. den Wihuri-Sibelius-Preis und die „Pro Finlandia“-Medaille.

Das Harenberg Komponistenlexikon nennt Rautavaara „eine komplexe und widersprüchliche Erscheinung“. Rautavaara begann in den 1950er Jahren neoklassisch in der Nachfolge Anton Bruckners, komponierte dann in den 1960er Jahren seriell, schlug 1969 im ersten Klavierkonzert neoromantische Töne an. Eine Reihe von Stücken der 1970er Jahre, so vor allem Cantus Arcticus, das berühmte Konzert für Orchester und Bandaufnahmen von Vogelstimmen, muten mystisch an. Seit den 1980ern Jahren verbindet Rautavaara postmodern alle Stilarten der Musik, die er beherrscht. Das Reihenverfahren der Zwölftontechnik verbindet er mit Dreiklang-Elementen. Die romantisch-mystische Seite seines Schaffens führt Rautavaara auf zwei Kindheitserlebnisse zurück: Einen häufigen Traum, in dem er wie der biblische Urvater Jakob mit einem Engel kämpfte, und eine griechisch-orthodoxe Bischofsweihe, der er mit seinen Eltern beiwohnte. Das in seinen Werken immer wieder behandelte Thema des Engels hat seinen Ursprung außerdem in seiner Beschäftigung mit den Duineser Elegien von Rainer Maria Rilke, deren „Erste Elegie“ er auch für achtstimmigen gemischten Chor vertont hat. Rautavaara geht davon aus, dass seine Kompositionen bereits in „einer anderen Realität existieren“ und es seine Aufgabe sei, sie von der einen in die andere Welt zu bringen: „Ich glaube fest daran, dass Kompositionen einen eigenen Willen besitzen.“ Rautavaara ist zwar vor allem für seine sinfonischen Werke und seine Konzerte bekannt geworden, war aber neben Aulis Sallinen auch der produktivste finnische Opernkomponist der Gegenwart. Meist schreib er seine Libretti selber und verarbeitete in ihren wie in seinen Instrumentalwerken mystisch-romantische Themen: in Thomas sein Klostererlebnis, in Vincent das Künstlerdrama Vincent van Goghs, in Das Sonnenhaus Vergangenheitskult und Todesnähe, in Aleksis Kivi erneut ein Künstlerdrama, das Aleksis Kivis, des ersten in Finnisch dichtenden modernen Schriftstellers. Seine letzte Oper behandelte die charismatische Figur Rasputin. Rautavaara starb 2016 in Helsinki.

 

10.10. Leyla GENCER: 90. Geburtstag

 Ausbildung am Konservatorium von Ankara durch Elvira de Hidalgo, die auch die Lehrerin von Maria Callas gewesen war. Die Künstlerin debütierte 1950 an der Oper von Ankara als Santuzza in »Cavalleria rusticana«. Nach weiteren Studien bei Giannina Arangi-Lombardi und Apollo Granforte begann sie 1953 als Madame Butterfly am Teatro San Carlo von Neapel ihre Tätigkeit in Italien. Sie hatte dort eine erfolgreiche Karriere und sang u.a. 1956 am Teatro Verdi Triest die Agathe im »Freischütz«. 1956-58 gastierte sie an der San Francisco Opera als Titelheldin in den Opern »Francesca da Rimini« von Zandonai, »La Traviata« und »Lucia di Lammermoor«, als Liù in Puccinis »Turandot«, als Elisabetta in Verdis »Don Carlos«, als Manon von Massenet, als Gilda im »Rigoletto« und 1967 noch einmal in der Titelrolle von Ponchiellis »La Gioconda«. 1957 sang sie in der Kathedrale von Mailand bei den Begräbnisfeierlichkeiten für den großen Dirigenten Arturo Toscanini. Am 26.1.1957 debütierte sie als Madame Lidoine in der Uraufführung der Oper »Dialogues des Carmélites« von Poulenc an der Mailänder Scala, an der sie dann auch 1957, 1961 und 1965 die Leonora in »La forza del destino«, am 1.3.1958 die Prima Corifea in der Uraufführung der Oper »Assassinio nella cattedrale« von Pizzetti, 1958 die Margherita in »Mefistofele« von Boito, 1960 die Paolina in »Poliuto« von Donizetti, 1961, 1963 und 1970 die Elisabeth in Verdis »Don Carlos«, 1961 die Lisa in »Pique Dame« von Tschaikowsky, 1963 und 1966 die Aida, 1964 die Lady Macbeth in Verdis »Macbeth«, 1965 die Norma von Bellini, 1966 die Amelia in »Simon Boccanegra«, 1967 die Ottavio in Monteverdis »L’incoronazione di Poppea«, 1968 die Elettra in Mozarts »Idomeneo«, 1970 die Titelrolle in Donizettis »Lucrezia Borgia« und die Elena in Verdis »I Vespri Siciliani«, 1972 die Titelrolle in Glucks »Alceste«, 1973 die Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«, 1976-79 alljährlich in Konzerten und 1979 die Lady Billows in »Albert Herring« von B. Britten sang. Seit 1959 gastierte sie fast alljährlich beim Maggio Musicale von Florenz. Hier hatte sie einen ihrer größten Erfolge in Verdis »La Battaglia di Legnano«, 1966 als Alceste in der gleichnamigen Oper von Gluck. 1959 sang sie bei den Festspielen von Spoleto die Renata in Prokofjews »L‘Ange de feu«. 1957-62 Gastspiele an der Wiener Staatsoper (als Traviata, als Tosca, als Elisabeth in »Don Carlos« und als Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«); bei den Festspielen von Salzburg 1961 als Amelia in »Simon Boccanegra« von Verdi zu Gast. 1962-63 und 1965-68 sang sie bei den Festspielen von Verona die Titelrolle in »Norma«, die Aida und die Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«. An der Londoner Covent Garden Oper trat sie 1962 als Elisabeth in Verdis »Don Carlos« und als Donna Anna im »Don Giovanni« auf. Bei den Festspielen von Glyndebourne hörte man sie 1962-63 als Gräfin in »Le nozze di Figaro« und 1965 als Titelheldin in »Anna Bolena« von Donizetti, 1969 und 1972 beim Edinburgh Festival als Maria Stuarda und als Elisabetta Regina d’Inghilterra in den gleichnamigen Opern von Donizetti bzw. Rossini. 1968 gastierte sie am Teatro Fenice Venedig als Medea in der Oper gleichen Namens von Cherubini, 1969 am Teatro Massimo Palermo als Giulia in »La Vestale« von Spontini, die sie auch 1971 an der Oper von Rom sang. 1972 gestaltete sie am Teatro San Carlo Neapel die Titelpartie in der Premiere der vergessenen Oper »Caterina Cornaro« von Donizetti. Sie ist darüber hinaus an der Staatsoper von München, am Bolschoi Theater Moskau, an den Opern von Leningrad, Stockholm, Oslo, Warschau, am Teatro Colón Buenos Aires, in Brüssel und Rio de Janeiro gastweise aufgetreten. In besonderer Weise erwarb sich die vielseitig begabte Primadonna Verdienste um die Wiederbelebung in Vergessenheit geratener Belcanto-Opern aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wobei sie sich auf der Bühne auch als große Darstellerin erwies. Sie lebte nach Abschluss ihrer Karriere in Mailand und war u.a. Präsidentin des Festivals von Istanbul und in den Jahren 1983-89 künstlerische Direktorin der Organisation ASLICO, die in Norditalien Opernaufführungen mit Nachwuchssängern veranstaltete. 1989 wurde sie zur Türkischen Staatskünstlerin ernannt, 1990 verlieh die Universität von Istanbul ihr die Ehrendoktorwürde. Seit 1997 war sie als Lehrerin und im Koordinationsstab der Accademia della Scala in Mailand tätig. Sie starb 2008 in Mailand. – Dramatische Sopranstimme, die aber zugleich die Kunst des Koloraturgesangs virtuos beherrschte und über einen fein nuancierten Vortrag verfügte.

Lit: R. Celletti: Leyla Gencer (in »Opera«, 1972); E. Cella: »Leyla Gencer« (Venedig/Wien, 1986).

Einige Aufnahmen auf Cetra. Mitschnitte von Opernaufführungen auf ANNA-Records (»Il Trovatore«), Robin Hood-Records (»Attila« von Verdi), MRF (»I Lombardi« von Verdi, »Caterina Cornaro« von Donizetti, »Saffo« von G. Pacini, »Belisario« von Donizetti, »La Vestale« von Spontini), Foyer (»I Puritani« von Bellini), Replica (»Werther«), Cetra Opera Live (»I due Foscari« von Verdi), Morgan (»Francesca da Rimini« von Zandonai), Movimento Musica (»Simon Boccanegra« von Verdi), Bongiovanni (»Falena« von Smareglia), TIS (»Roberto Devereux«, »Lucrezia Borgia« und »Maria Stuarda« von Donizetti), RAI-Nuova Era (»Anna Bolena« von Donizetti), Mondo Musica (»Macbeth« von Verdi, »La Gioconda«, »Fedora« von Giordano, Aufnahmen aus dem Teatro Fenice Venedig); Video-Aufnahmen auf Hardy-Video (»Werther« von Massenet und »Il Trovatore«), Hanley-Video (»Aida«, Verona 1966).

 

10.10. Judit SÁNDOR: 95. Geburtstag

 Die ungarische Sängerin schloss ihr Gesangstudium 1948 an der Franz Liszt Musikhochschule Budapest ab. Sie war Schülerin der Pädagogen Erzsi Gervay, Ilona Durigo, Margit Walter und Imre Molnár. Sie wurde sogleich als Stipendiatin an die Nationaloper Budapest engagiert und 1949 als reguläres Mitglied in das Ensemble aufgenommen, wo sie als Cherubino in »Figaros Hochzeit« debütierte. In ihrer langen Karriere an diesem führenden ungarischen Opernhaus sang sie an erster Stelle Partien wie die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, die Dorabella in »Così fan tutte«, die Sieglinde in der »Walküre«, die Fricka im Ring-Zyklus, die Magdalena in »Die Meistersinger von Nürnberg«, die Donna Elvira im »Don Giovanni«, die Leonore im »Fidelio«, den Octavian im »Rosenkavalier«, den Nicklausse in »Hoffmanns Erzählungen«, den Hänsel in »Hänsel und Gretel« und die Örzse in »Háry János« von Zoltán Kodály. Ihre eigentliche Glanzrolle war die Mélisande in »Pelléas et Mélisande« von Debussy (1963). Sie wirkte in Budapest in Uraufführungen mehrerer ungarischer Opern mit (»Der Zauberschrank« von Farkas, 1952; »Kádár Kata« von Horusitzky, 1957; »Bluthochzeit« von Szokolay, 1964). Allseitig bekannt wurde sie auch als Oratorien- und Liedersängerin. Sie gab Liederabende mit vielseitigen Programmen in Ungarn, in Prag, Paris, Wien, Rom und Berlin und im Rahmen einer Russland-Tournee. 1953 wurde sie mit dem Franz Liszt-Preis ausgezeichnet, 1963 erfolgte ihre Ernennung zur Verdienten Künstlerin der Ungarischen Volksrepublik. 1978 beendete sie ihre Karriere. Sie starb 2008 in Budapest.

Schallplatten: Hungaroton (Opern- und Lied-Recital).

 

11.10. Russell OBERLIN: 90. Geburtstag

Seine Ausbildung erfolgte in Cleveland, Chautauqua (New York) und an der Juilliard-Musikschule in New York. 1951 fand sein Konzertdebüt in New York statt, anschließend sang er 1953-59 mit der New Yorker Pro Musica Antiqua-Group zusammen, die er mit dem Dirigenten Noah Greenberg gegründet hatte. Ziel dieser Gruppe, von der auch zahlreiche Schallplatten aufgenommen wurden, war an erster Stelle die Wiederaufführung mittelalterlicher Vokal- und Instrumentalmusik in möglichst authentischer Form. Seine Karriere als Countertenor, eine früher sehr beliebte, dann aber in Vergessenheit geratene Kunst des Falsettgesangs für hohe Tenorstimmen, war sehr erfolgreich. Wie Alfred Deller für England, so entdeckte er diese Kunst für Amerika neu. 1956 sang er in New York in einer konzertanten Aufführung der Händel-Oper »Giulio Cesare« die Titelpartie in der Altlage mit Leontyne Price als Partnerin. Er trat mit berühmten Orchestern wie den New Yorker Philharmonikern und dem National Symphony Orchestra auf und gastierte bei den Festspielen von Vancouver, Caramoor, Edinburgh und beim American Shakespeare Festival. Gelegentlich erschien er auch auf der Opernbühne, bei der American Opera Society, beim Edinburgh Festival (1961 als Oberon in »A Midsummer Night’s Dream« von Benjamin Britten im Rahmen eines Gastspiels der Londoner Covent Garden Oper) und in Vancouver, doch blieb der Konzert- und zumal der Oratoriengesang seine eigentliche Domäne. Im Fernsehen wirkte er in Amerika wie in England in Opernsendungen mit; an der Londoner Covent Garden Oper sang er in »A Midsummer Night’s Dream« von Benjamin Britten die Partie des Oberon. Diese Rolle sang er auch in der amerikanischen Erstaufführung dieser Oper 1961 an der San Francisco Opera. Seit 1966 wirkte er als Professor am Hunter College der City University of New York. Er starb 2016 in New York City.

Schallplatten: Zahlreiche Aufnahmen bei Philips (u.a. vollständiger »Messias« von Händel); weitere Aufnahmen auf den Marken Decca, Columbia, Urania, Lyrophon (Troubadour Songs, English Medieval Polyphony, English Medieval Songs, French Ars Antiqua, Dowland Songs), Counterpoint, darunter auch Arien-Platten.

 

11.10. Saulius SONDECKIS: 90. Geburtstag

 Sein Vater war Jackus Sondeckis (1893–1989), Bürgermeister von Šiauliai. Seine Mutter Rozalija Sondeckienė (1897–1952) lehrte am Jungengymnasium Šiauliai. 1935-44 lernte Saulius Sondeckis am Julius-Janonis-Gymnasium Šiauliai, 1946-47 an der Mittelschule in Vilnius. 1947-52 absolvierte er ein Diplomstudium an der Litauischen Musik- und Theaterakademie bei dem Geiger Aleksandras Livontas. 1952-59 lehrte Sondeckis am Juozas-Tallat-Kelpsa-Konservatorium Vilnius, ab 1955 an der Nationalen Mikalojus-Konstantinas-Ciurlionis-Kunstschule und ab 1957 am LSSR-Konservatorium. 1957-60 absolvierte er im Fernstudium die Aspirantur am Konservatorium in Moskau. 1960 gründete er das Litauische Kammerorchester in Vilnius und leitete es bis 2004. Ab 1977 lehrte er als Professor am Litauischen Konservatorium und 1959-87 leitete er den Lehrstuhl für Streichinstrumente des Konservatoriums in Vilnius. Ab 1989 leitete er das Orchester Camerata Sankt Petersburg und ab 2005 das Kammerorchester Kremerata Baltica. Ab 2004 war er Gastdirigent des Kammerorchesters Moskauer Virtuosen. Sondeckis war Mitglied der Herbert-von-Karajan-Stiftung und Jury-Mitglied zahlreicher Musikwettbewerbe in Litauen sowie im Ausland (Salzburg, Moskau und Parma). Er war Dirigent beim Schleswig-Holstein-Musik Festival. Saulius Sondeckis war zweimal verheiratet. 1963 wurde er geschieden und hatte den Sohn Saulius Sondeckis junior (* 1954). Er ist ehemaliger Direktor des Fernsehsenders LRT televizija Unternehmer in der litauischen Hauptstadt Vilnius. 1967 wurde Saulius Sondeckis mit Cellistin und Professorin Silvija Sondeckienė (* 1942) verheiratet. Beide Söhne sind Musiker und leben im Ausland. Vytautas Sondeckis (* 1972) ist stellvertretender Solo-Cellist beim NDR-Sinfonieorchester. Paulius Sondeckis ist Geiger und lebt in Österreich. 2010 wurde das Konservatorium Šiauliai nach Sondeckis Namen umbenannt. Ab 2004 war Sondeckis Mitglied der Partei Lietuvos socialdemokratu partija. Er starb im Februar 2016. Sein Grab befindet sich im Friedhof Antakalnis, Vilnius. 

 

12.10. Gabriella DÉRY: 85. Geburtstag

 Ihre Lehrerin war Erszebét Hoor Tempis in Budapest. Sie debütierte 1958 an der Ungarischen Nationaloper Budapest als Elisabeth in »Hunyadi László« von Erkel. Länger als zwanzig Jahre gehörte die Künstlerin diesem Ensemble an, wo man sie als Interpretin dramatischer Sopranpartien schätzte: als Aida, als Tosca, als Turandot in der gleichnamigen Puccini-Oper, als Titelheldin in Janáceks »Katja Kabanowa«, als Donna Anna wie als Donna Elvira im »Don Giovanni«, als Salome von R. Strauss, als Titelheldin in Goldmarks »Die Königin von Saba« und als Jaroslawna in »Fürst Igor« von Borodin. Sie gastierte am Bolschoi Theater in Moskau, an den Nationalopern von Belgrad und Sofia, an der Berliner Staatsoper, in Leipzig, in Helsinki, auf Kuba und bei den Festspielen von Wiesbaden. 1971 wurde sie zur Verdienten Künstlerin der Ungarischen Volksrepublik ernannt. Sie starb 2014 in Budapest.

Schallplatten der Marke Hungaroton, darunter die vollständigen Opern »La Traviata«, »Der Troubadour« und »Aida«.

 

12.10. Jerzy SEMKOW: 90. Geburtstag

 Er studierte zuerst 1946-51 bei Artur Malawski am Krakauer Konservatorium und ging 1951-53 bei Jewgeni Mrawinski an der Leningrader Philharmonie in die „Lehre“. Er studierte weiterhin Dirigieren bei Tullio Serafin in Rom und Bruno Walter in Wien. 1956 war er Assistent bei Mrawinski und der Leningrader Philharmonie und 1956-58 dirigierte er am Bolschoi-Theater in Moskau. Danach dirigierte er an der Polnischen Oper in Warschau, wo er 1958-61 dirigierte (und in der Spielzeit 1958-59 auch deren künstlerischer Leiter war)  und wurde schließlich künstlerischer Direktor und erster Dirigent am Königlichen Opernhaus in Kopenhagen. Dazwischen nahm er zahlreiche Verpflichtungen als Gastdirigent in ganz Europa wahr und unternahm mit dem London Philharmonic Orchestra eine Japantournee. 1968 gab er mit dem Boston Symphony Orchestra sein amerikanisches Debüt und trat anschließend mit namhaften amerikanischen Orchestern auf, darunter mit dem Cleveland Symphony Orchestra (1970-71). 1975-79 war er musikalischer Direktor und erster Dirigent des St. Louis Symphony Orchestra, danach 1979-82 künstlerischer Direktor des Orchestra Sinfonica di Roma della Radiotelevisione Italiana. 1985-93 war er künstlerischer Direktor und erster Dirigent des Rochester Philharmonic Orchestra. Er unterrichtete auch an der Universität von Colorado, an der Yale University sowie an der Manhattan School of Music in New York. Er lebte in Paris und besaß auch die französische Staatsbürgerschaft. Er trat zuletzt nur noch selten auf, so einmal im Jahr an der Warschauer Philharmonie. Im Jahr 2000 wurde er mit dem französischen Orden des Arts et des Lettres ausgezeichnet. Einen Ehrendoktortitel erhielt er von der Frédéric-Copin-Musikuniversität in Warschau (2005). Er starb 2014 in der Nähe von Lausanne.

 

13.10. Enzo DARA: 80. Geburtstag

 Er wurde zuerst Journalist, dann Ausbildung zum Sänger durch Bruno Sutti in Mantua. Bühnendebüt 1960 am Theater von Fano als Bartolo in Rossinis »Barbier von Sevilla«. 1966 hörte man ihn in Reggio Emilia als Dulcamara in Donizettis »L‘Elisir d’Amore«. An der Piccolo Scala in Mailand sang er 1968 den Fabrizio in Rossinis »La Pietra del Paragone«, 1970-71 den Nardo in Mozarts »La finta giardiniera«, 1971 den Sigismondo in Donizettis »Il giovedí grasso«, 1973 den Tobia Mill in Rossinis »La cambiale di matrimonio« und 1979-80 den Geronimo in Cimarosas »Il matrimonio segreto«. Beim Spoleto Festival von 1969 sang er den Mustafà in Rossinis »L‘Italiana in Algeri«. Es folgte eine schnelle Karriere an den großen italienischen Opernhäusern, vor allem an der Mailänder Scala, an der er 1971 als Antrittsrolle den Dulcamara sang. An der Scala sah man ihn 1971, 1976, 1981 und 1983-84 als Bartolo im »Barbier von Sevilla«, 1972 als Marchese de Boisfleury in Donizettis »Linda di Chamounix«, 1973-74 und 1982 als Dandini in »La Cenerentola«, 1973, 1975 und 1983 als Taddeo in »L‘Italiana in Algeri«, 1974 als Zauberer Tschelio in Prokofjews »L’Amour des trois oranges«, 1975 und 2001 als Don Magnifico in »La Cenerentola« sowie 1985 als Barone di Trombonok in »Il Viaggio a Reims« von Rossini. Weitere Auftritte an der Oper von Rom, in Venedig, Palermo, Parma, Neapel, Bologna und Genua. Gastspiele in Frankreich und Deutschland, aber auch am Bolschoi Theater Moskau, in Brüssel und Zagreb. 1976 gastierte er mit dem Ensemble der Mailänder Scala an der Covent Garden Oper London als Dandini. 1984 wirkte er beim Rossini Festival von Pesaro in der spektakulären Wiederaufführung von Rossinis »Il Viaggio a Reims« mit; 1986 trat er bei den gleichen Festspielen als Geronio in Rossinis »Il Turco in Italia«, 1988 in dessen »Il Signor Bruschino« auf. 1981-90 gastierte er an der Wiener Staatsoper in insgesamt 53 Vorstellungen als Dandini, als Bartolo im »Barbier von Sevilla«, als Taddeo und als Barone di Trombonok. 1985 Gastspiel an der Covent Garden Oper London als Bartolo im »Barbier von Sevilla«, 1987 als Dulcamara. 1982 kam es zu seinem Debüt an der Metropolitan Oper New York, abermals in seiner Glanzrolle, dem Bartolo im »Barbier von Sevilla«; bis 1995 hatte er dort in insgesamt 59 Vorstellungen auch als Dulcamara einen besonderen Erfolg. 1990 am Teatro Fenice Venedig als Don Pasquale, am Teatro Zarzuela Madrid als Geronio zu Gast, 1993 am Teatro Donizetti in Bergamo (wo er auch als Regisseur tätig war) in »Betly« von Donizetti. In der Saison 1993-94 hörte man ihn an der Münchner Staatsoper und 1995 an der Oper von Houston/Texas als Don Magnifico, 1996 am Teatro Regio Parma als Simone in »I quattro rusteghi« von Wolf-Ferrari, bei den Festspielen in der Arena von Verona einmal mehr als Bartolo. Am Grand Théâtre Genf trat er 1997 als Don Magnifico und 2000 als Bartolo im »Barbier von Sevilla« auf, 1998 an der Hamburger Staatsoper als Don Magnifico. 2000 trat er an der Oper von Rom als Mesner in »Tosca« (anlässlich der 100-Jahrfeier der Uraufführung dieser Oper) auf, im gleichen Jahr am Teatro Colón Buenos Aires als Geronio, an der Münchner Staatsoper als Don Magnifico.  Der Künstler verlegte sich in der Hauptsache auf die klassischen Bassbuffo-Partien des italienischen Belcanto-Repertoires, wobei ihm sein temperamentvolles darstellerisches Talent eine glänzende Gestaltung dieser Rollen sicherte. Er starb 2017 in Mantua.

Schallplatten: DGG (»L’Italiana in Algeri«, Bartolo im »Barbier von Sevilla« von Rossini, auch als Video), Bellaphon (»L’Italiana in Algeri«), Fonit-Cetra (»Le Maschere« von Mascagni, »La buona figliuola« von Piccinni, »L’Ajo nell‘ imbarazzo« von Donizetti), Nuova Era (»Don Pasquale«, außerdem in dem Pasticcio »L’Ape musicale«), Bongiovanni (»Amor rende sagace« von Cimarosa, »Il mondo della luna« von Paisiello), Memories (»Il matrimonio segreto« von Cimarosa), CBS (»Il Turco in Italia« und »La Cenerentola« von Rossini, »Il Campanello« von Donizetti), Frequenz (»Il Barbiere di Siviglia« von Paisiello), Sony (»Il Viaggio a Reims«); DGG-Video (»L’Elisir d’amore«), Decca-Video (»La Cenerentola«).

 

14.10. Goran SIMIC: 65. Geburtstag

 Er studierte Fagottspiel und Gesang an den Musikhochschulen von Belgrad und Sarajewo. 1978 begann er seine Bühnentätigkeit am Opernhaus von Sarajewo, dessen Mitglied er bis 1984 blieb. Er gewann Preise bei Gesangwettbewerben in Busseto (1981), Moskau (Tschaikowsky-Concours, 1982) und Philadelphia (1985, Concours Pavarotti). Seit November 1984 war er bis zu seinem Tod im November 2008 Mitglied der Staatsoper Wien (Debüt als einer der Wächter in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss), an der er in zahlreichen Partien erfolgreich auftrat. Hier sang er u.a. den Grafen Warting in Verdis »Un ballo in maschera«, den Colline in »La Bohème«, den Sparafucile im »Rigoletto«, den Basilio im »Barbier von Sevilla«, den Commendatore im »Don Giovanni«, den Titurel im »Parsifal«, den Pimen im »Boris Godunow«. den Timur in »Turandot« von Puccini, den Wurm in »Luisa Miller«, den Raimondo in »Lucia di Lammermoor«, den Talbot in »Maria Stuarda« von Donizetti, den Ferrando im »Troubadour«, den Jorg in »Stiffelio« von Verdi, den Madruscht in »Palestrina« von H. Pfitzner und den Fürsten Gremin in »Eugen Onegin«. Insgesamt stand er in 55 verschiedenen Partien 1.095 Mal auf der Bühne der Wiener Staatsoper, zuletzt – nur wenige Wochen vor seinem Tod – als Surin in »Pique Dame« von Tschaikowsky. Operngastspiele in Italien und Deutschland, in Russland, Jugoslawien, in den USA wie in Japan trugen seinen Namen in alle Welt. Bei den Salzburger Osterfestspielen gastierte er 1986 als einer der flandrischen Deputierten in Verdis »Don Carlos«, 1994 als Hauptmann und als Nikititsch im »Boris Godunow« sowie 1995 als Pfleger des Orest in »Elektra« von R. Strauss.

Bei den Salzburger Festspielen wirkte er 1989 als Pfleger des Orest, 1989-90 als Graf Horn in Verdis »Un ballo in maschera«, 1993 als 2. Geharnischter in der »Zauberflöte« sowie 1994 und 1997 als Hauptmann und als Nikititsch im »Boris Godunow« mit. Von seinen weiteren Bühnenpartien seien der Pater Guardian in Verdis »La forza del destino«, der Ramfis in »Aida«, der Großinquisitor im »Don Carlos«, der Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, der Kontschak wie der Galitzky in »Fürst Igor« von Borodin genannt. Als Konzert- und namentlich als Oratoriensolist trat er in Österreich, in Deutschland, Italien und Jugoslawien in Erscheinung; er wirkte in mehreren Radio- und Fernsehsendungen mit.

Schallplatten: DGG (»Un ballo in maschera« von Verdi unter H. von Karajan, »Der Barbier von Sevilla«, »Chowanschtschina« unter C. Abbado, »Elektra« von R. Strauss), Melodiya; Virgin-Video (»Elektra« von R. Strauss), Pioneer-Video (»La Gioconda« von Ponchielli).

 

14.10. Ellen FAULL: 100. Geburtstag

 Sie begann das Gesangstudium in ihrer Heimatstadt Pittsburgh und war dann am Curtis Institute of Music New York Schülerin von Joseph Regneas. 1947 debütierte sie an der New York City Opera als Donna Anna im »Don Giovanni«. Während ihrer gesamten Karriere blieb sie eng mit diesem Opernhaus verbunden, an dem sie 23 Jahre hindurch aufgetreten ist. Man hörte sie hier in Partien wie der Gräfin in »Figaros Hochzeit«, der Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Titelfigur in Puccinis »Madame Butterfly« und in vielen weiteren Rollen. Sie sang an der City Opera New York 1951 in der amerikanischen Erstaufführung von E. Wolf-Ferraris »I quattro rusteghi«. Am 25.3.1965 wirkte sie an der City Opera in der Uraufführung der Oper »Lizzie Borden« von Jack Beeson mit. Im Übrigen ist sie an zahlreichen Bühnen in ihrer amerikanischen Heimat wie auch als Konzertsopranistin mit Erfolg aufgetreten. So gab sie Gastspiele an der Oper von San Francisco (1953 als Helmwige in der »Walküre«, als Donna Anna und als Chrysothemis in »Elektra« von R. Strauss und 1966 als Mutter in »Carrie Nation« von Douglas Moore), an den Opernhäusern von Boston, Philadelphia, Chicago, Cincinnati, Pittsburgh und Fort Worth. Aus ihrem sehr umfangreichen Bühnenrepertoire sind als Höhepunkte noch die Marschallin wie die Marianne Leitmetzerin im »Rosenkavalier«, die Amelia im »Maskenball« von Verdi, die Leonore im »Troubadour«, die Marguerite im »Faust« von Gounod, die Mme. Lidoine in »Dialogues des Carmélites« von F. Poulenc, die Lady Billows in Benjamin Brittens »Albert Herring« und die Birdie in »Regina« von Blitzstein zu nennen. Sie war später Professorin an der Juilliard School of Music und hielt in zahlreichen amerikanischen Städten Gesangkurse ab. Sie starb 2008 in Vancouver (WA).

Schallplatten: Columbia, RCA, Desto (»Lizzie Borden« von Beeson, »Carrie Nation« von D. Moore).

 

16.10. Vittorio NEGRI: 95. Geburtstag

 Er schloss seine Ausbildung am Mailänder Konservatorium in Komposition und Dirigieren 1946 ab. Seine Laufbahn als Dirigent begann er am Salzburger Mozarteum unter Bernhard Paumgartner, in der Folge wirkte er als Gastdirigent am Orchester des Teatro alla Scala in Mailand, am Orchestre National de France in Paris, der Dresdner Staatskapelle und dem Boston Symphony Orchestra; daneben trat er auf zahlreichen renommierten Festivals auf. Er starb im April 1998.

 

16.10. Géori BOUÉ: 100. Geburtstag

 Sie studierte am dortigen Konservatorium bei Claude Jean und debütierte 1935 am Opernhaus von Toulouse als Page Urbain in den »Hugenotten« von Meyerbeer. Sie sang dann in Toulouse Partien wie den Siebel im »Faust« von Gounod, die Hilda in »Sigurd« von Reyer, die Mathilde in Rossinis »Wilhelm Tell«, die Micaela in »Carmen« sowie Operettenrollen. Sie schloss ihre Ausbildung in Paris bei Reynaldo Hahn und Henri Busser ab, sang an Operettentheatern der französischen Hauptstadt und kam 1938 an die Opéra-Comique Paris (Antrittsrolle: Mimi in »La Bohème«). Seitdem große Erfolge an den beiden führenden Operntheatern von Paris, an der Opéra-Comique wie an der Grand Opéra, an der sie seit 1941 (Antrittsrolle: Marguerite im »Faust« von Gounod) regelmäßig sang, so auch 1953 in der Premiere von Rameaus »Les Indes galantes«. An der Grand Opéra hatte sie ihre großen Erfolge als Rosenn in »Le Roi d’Ys« von Lalo, als Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Desdemona in Verdis »Otello«, als Salomé in »Hérodiade« und als Thaïs von Massenet. 1941 gastierte sie bei den Vorstellungen in der Arena von Arles als Mireille in der Originalfassung der gleichnamigen Oper von Gounod. 1944 trat sie am Grand Théâtre in Genf auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einer internationalen Gastspielkarriere. Sie erschien als Gast an der Oper von Nizza, am Gran Teatre del Liceu von Barcelona und an der Oper von Mexico City. 1946 gastierte sie am Opernhaus von Zürich, 1954 am Théâtre de la Monnaie in Brüssel, 1949-50 in Rio de Janeiro, auch in Chicago, am Teatro Comunale Bologna (1958 als Herzog von Reichstadt in »L’Aiglon« von Honegger und Ibert) und an der Oper von Monte Carlo (1952 als Mireille und in der Titelrolle der Operette »Ciboulette« von Reynaldo Hahn). 1950-67 gastierte sie am Grand Théâtre in Genf als Mimì, als Prinzessin Saamcheddine in »Marouf« von Henri Rabaud, als Madame Butterfly, als Mireille, als Manon von Massenet, als Marguerite von Gounod, als Jean in »Le Jongleur de Notre-Dame« von Massenet, als Tatjana in »Eugen Onegin« und als Titelheldin in »La belle Hélène« von Offenbach. An der Mailänder Scala sang sie 1949 (bei einem Gastspiel der Pariser Opéra-Comique) die Mélisande in »Pelléas et Mélisande« von Debussy, während ihr Gatte Roger Bourdin den Pelléas gestaltete. 1955 gastierte sie beim Maggio Musicale in Florenz in »Angélique« von Ibert. Bei einer Russland-Tournee trat sie u.a. am Bolschoi Theater Moskau als Tatjana in »Eugen Onegin« und als Madame Butterfly auf. Ihre weiteren Bühnenpartien waren die Traviata, die Nedda im »Bajazzo«, die Titelrolle in »Louise« von Charpentier, später auch die Charlotte in Massenets »Werther«. 1957 kam es zwischen ihr und der Direktion der Grand Opéra zu Auseinandersetzungen, worauf sie sich mehr der Operette zuwandte und nun auch auf diesem Gebiet zu großen Erfolgen kam, so 1960 am Théâtre Mogador Paris in Offenbachs »La belle Hélène« und in Lehárs »Die lustige Witwe«. Sacha Guitry übertrug ihr in dem Tonfilm »La Malibran« die Rolle jener unvergesslichen Diva des 19. Jahrhunderts. 1966 gründete sie in Paris das Centre Lyrique Populaire de France. In Frankreich als lyrische Sopranistin innerhalb ihrer Generation kaum übertroffen; neben ihrer Tätigkeit auf der Bühne entwickelte sie eine große Karriere im Konzertsaal, vor allem als Lied-Interpretin. Nach 1973 gab sie ihre Karriere auf und arbeitete dann im pädagogischen Bereich. Sie starb 2017 in Paris.  – Sie war verheiratet mit dem bekannten Bariton Roger Bourdin (1900-73).

Schallplatten: Odeon, Urania (vollständige »Thaïs«), HMV (»Faust« unter Sir Thomas Beecham), Columbia (»Hoffmanns Erzählungen«), Bourg (»L’Aiglon« von A. Honegger, 1956), Decca, Saturn (Arien), Pathé, alle unter dem Namen Mme. Géori-Boué erschienen.

 

19.10. Eberhard KATZ: 90. Geburtstag

 Er wurde zunächst Bierbrauermeister. Nachdem man seine Stimme entdeckt hatte, erfolgte deren Ausbildung durch Clemens Glettenberg und Josef Metternich in Köln. Sein Bühnendebüt fand 1963 an der Oper von Köln als Erik in »Der fliegende Holländer« statt. Seitdem gehörte er für viele Jahre zu den führenden Ensemblemitgliedern dieses Hauses. Er gastierte mit dem Kölner Ensemble an der Sadler’s Wells Opera London. Er gastierte erfolgreich an der Deutschen Oper Berlin, an den Opernhäusern von Essen, Frankfurt a.M., Wuppertal und Nürnberg, an den Staatsopern von München und Stuttgart, an den Staatstheatern von Wiesbaden und Hannover, vor allem aber an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg. Er trat als Gast auch an den Operntheatern von Lyon, Nizza und Rouen, in Paris und Rom und an der Wiener Volksoper auf. Kraftvolle, heldische Tenorstimme, deren Glanzrollen neben den Wagner-Heroen der Florestan im »Fidelio« der Pedro in »Tiefland« von d’Albert, der Max im »Freischütz«, der Turiddu in »Cavalleria rusticana« und der Herodes in »Salome« von Richard Strauss waren. Die letztgenannte Partie sang er 1979 in Köln mit Gwyneth Jones in der Titelrolle. Er übernahm in einem zweiten Abschnitt seiner Karriere viele Charakterpartien, darunter den Wirt im »Rosenkavalier«, den er u.a. auch bei den Festspielen von Aix-en-Provence (1987), am Théâtre de la Monnaie Brüssel (1986) und an der Staatsoper Hamburg vortrug. Er blieb bis 1997 ein hochgeschätztes Mitglied des Kölner Opernhauses, wo er sich als Zirkusdirektor in Smetanas »Die verkaufte Braut« von seinem Publikum verabschiedete. Auch als Konzertsänger erfolgreich aufgetreten. Er starb im Jahr 2002.

Schallplatten: DGG (vollständige Oper »Cardillac« von P. Hindemith).

 

20.10. Robert CRAFT: 95. Geburtstag

Er war ab 1948 und bis zu dessen Tod Sekretär und Assistent von Igor Strawinsky, dem er seit den 1960er Jahren zahlreiche Veröffentlichungen widmete. Er galt als eine Art „Eckermann“ Strawinskys. Craft, der sich bereits früh für die Zweite Wiener Schule interessierte und einsetzte – auch gegenüber seinem ursprünglich mit Arnold Schönberg verfeindeten Mentor – gilt dirigentisch als Spezialist der klassischen Moderne, nahm jedoch auch Werke von Gesualdo, Monteverdi und Johann Sebastian Bach auf. Er starb 2015 in Gulf Stream (Florida).

 

20.10. Milda BRECHMANE- ŠTENGELE: 125. Geburtstag

 Sie studierte Gesang an der Musikschule von Gizicki sowie am Kaiserlichen Konservatorium in Riga. 1913 Debüt am Interim-Theater Riga als Siebel im »Faust« von Gounod. 1919-53 war sie am Opernhaus von Riga (später Nationaloper) als eine der ersten Kräfte des Ensembles tätig. 1928-32 gastierte sie am Bolschoi Theater Moskau als Aida, Carmen und Salome. Später gab sie Gastspiele an den großen Operntheatern in Nordeuropa. Ihr Repertoire enthielt 80 Bühnenpartien, darunter die Tosca, die Desdemona in Verdis »Othello«, die Minnie in Puccinis »La Fanciulla del West«, die Leonore im »Troubadour«, die Martha in »Tiefland« von d’Albert, die Kundry im »Parsifal«, die Salome von R. Strauss, die Mona Lisa in der Oper gleichen Namens von Max von Schillings und sämtliche Sopranpartien des Nibelungenrings. Neben der Dramatik des Vortrages schätzte man ihre temperamentvolle Kunst der Darstellung auf der Bühne, doch war sie zugleich eine Konzertsopranistin von hohem Rang. Sie starb 1981 in Riga.

Schallplatten: HMV; Latvian Music (in Schweden erschienen, hier mit der Kantate von A. Jurjans).

 

20.10. Gaetano CRIVELLI: 250. Geburtstag

 

 

 Er studierte in Brescia und erregte dort bereits 1793 erstes Aufsehen. 1795 kam er zur weiteren Ausbildung nach Neapel. 1798 sang er in Verona, dann in Palermo und während des Karnevals 1802 in Venedig. 1803 setzte er seine Studien in Neapel bei Andrea Nozzari und bei dem Kastraten Giuseppe Aprile fort. 1805 hatte er während der Karnevalssaison an der Mailänder Scala große Erfolge, wo er am 8.1.1805 in der Uraufführung von Simone Mayrs Oper »Eraldo ed Emma« auftrat. 1811-15 wirkte er am Théâtre-Italien in Paris als Nachfolger von Manuel Garcia sr. Er debütierte hier in der Tenorpartie in Paisiellos Oper »Pirro«. 1817-18 war er in London (hier u.a. 1817 bzw. 1818 in den Premieren des »Don Giovanni« und von Rossinis Oper »Elisabetta Regina d’Inghilterra« am Kings Theatre), 1818-20 wieder an der Scala zu finden, wo er 1819 in der Uraufführung der Oper »La Rappressaglia« von Joseph Hartmann Stunz, 1820 in der von »I due Figaro« von Michele Carafà mitwirkte. 1820 sang er in Turin, 1821 in Venedig als Partner der berühmten Primadonna Giuditta Pasta, 1822 am Teatro Regio von Parma. Er wirkte am Tetro Fenice Venedig am 4.2.1822 in der Uraufführung der Oper »Teobaldo e Isolina« von Francesco Morlacchi mit. 1823 hörte man den großen Künstler am Mailänder Teatro Carcano, 1824 in Venedig, 1826 in Genua und an der Mailänder Scala. Am 7.3.1824 wirkte er am Teatro Fenice Venedig in der Uraufführung von Meyerbeers Oper »Il Crociato in Egitto« in der Partie des Adriano mit. 1830 trat er, wieder in Venedig, in der Oper »I baccanali di Roma« von Pietro Generali auf, doch begann seine Stimme jetzt allmählich nachzulassen. 1831 sang er an der Scala nochmals in Meyerbeers Oper »Il Crociato in Egitto« die Partie des Adriano, eine seiner Glanzrollen. Eine weitere Glanzrolle war für ihn der Titelheld in Mozarts »Don Giovanni«, den er – wie viele andere Tenöre seiner Generation – sang, eine zweite der Paolino in Cimarosas »Il matrimonio segreto«. Nach zeitgenössischen Berichten zeichnete sich seine Stimme durch besonderen Wohllaut und ein hohes Maß an technischer Perfektion aus. Nach seinem Rücktritt von der Bühne wirkte er als Pädagoge in Brescia, wo er 1836 an der Cholera starb. – Sein Sohn Domenico Crivelli (* 1794 Brescia, † 31.12.1856 London) hatte in Neapel und Rom Gesang studiert, wandte sich dann aber der Gesangspädagogik zu und wurde ein bekannter Komponist. Sein Vater holte ihn 1817 nach London, um eine von ihm komponierte Opera buffa »La fiera di Salerno« dort zur Aufführung zu bringen. Obwohl dies nicht zustande kam, blieb er als Musiklehrer in London und wurde ein hoch angesehener Professor an der Royal Academy of Music. Ein weiterer Sohn Giovanni Crivelli (1801-33) wurde Sänger, starb aber in London ehe seine Karriere ihren Höhepunkt erreichen konnte. Sein jüngster Sohn Enrico Crivelli (1820-70) war als erfolgreicher Bariton wie auch als Komponist tätig.

 

21.10. Georgi SELEZNEV: 80. Geburtstag

 Er studierte zuerst am Konservatorium von Tblissi bei T.G. Savinowa, dann 1961-65 am Konservatorium von Leningrad bei Wassilij Lukanin. 1965-67 war er Solist des Staats- Ensembles M.I. Glinka in Leningrad. 1965 wurde er Preisträger beim nationalen russischen Gesangwettbewerb Michail Glinka in Moskau, 1966 beim Concours von Monaco, 1967 beim Wettbewerb »Prager Frühling«. 1967-71 übte er eine Lehrtätigkeit am Konservatorium von Leningrad aus, 1975-79 am Kunst-Institut in Leningrad. Er war 1971-76 am Maly Theater von Leningrad, 1977-93 am Bolschoi Theater Moskau im Engagement. Am Bolschoi Theater sang er u.a. den Basilio im »Barbier von Sevilla«, den Mephisto im »Faust« von Gounod, den König Philipp in Verdis »Don Carlos«, den Tonio im »Bajazzo«, den Scarpia in »Tosca«, den Wotan im »Rheingold«, den Blaubart in »Herzog Blaubarts Burg« von B. Bartók, den Iwan Susanin in »Ein Leben für den Zaren« von Glinka, den Boris Godunow wie den Pimen im »Boris Godunow«, den Dosifej wie den Schaklowity in »Chowanschtschina« von Mussorgsky, den Sobakin in der »Zarenbraut« und den Salieri in »Mozart und Salieri« von Rimsky-Korssakow, den Gremin im »Eugen Onegin«, den Kotschubej in »Mazeppa«, den Tomsky in »Pique Dame« und den König René in »Jolanthe« von Tschaikowsky, den Mendoza in »Die Verlobung im Kloster« und den Kutusow in »Krieg und Frieden« von Prokofjew, den Boris in »Lady Macbeth von Mzensk« von Schostakowitsch, den Iwan Timofejewitsch in »Oktober« von Muradeli, den Mann mit dem Bart in »Die toten Seelen« von Schtschedrin und den Zvambaj in »Der Raub des Mondes« von Taktakischwili. Er wurde international bekannt, als er mit dem Bolschoi-Ensemble an Theatern in Westeuropa wie in den USA gastierte. 1985 gab er ein Solo-Gastspiel am Teatro Verdi Triest, und zwar als Kontschak und als Galitzky in »Fürst Igor« von Borodin, am gleichen Haus sang er auch den Dosifej. In einer Opernsendung des italienischen Rundfunks RAI hörte man ihn am 10.10.1980 in der Uraufführung (der ergänzten) Oper von Mussorgsky »Salammbô« als Matho, zusammen mit dem Concertgebouw-Orchest Amsterdam im Verdi-Requiem. In Detroit (sein US-Debüt 1989), bei der Pacific Opera und bei der Michigan Opera trat er als Oroveso in »Norma«, zusammen mit der australischen Primadonna Joan Sutherland, auf, bei den Festspielen von Wiesbaden als Pimen, den er dann auch 1993 an der Opéra du Rhin Straßburg und am Opernhaus von Bordeaux vortrug. 1994 gastierte er wieder in Bordeaux als Timur in Puccinis »Turandot«. 1996 hörte man ihn am Bolschoi Theater Moskau als Dosifej. Er trat im Konzertsaal in Kantaten von J.S. Bach, in den Requiem-Messen von Mozart und Verdi, in Sinfonien von Schostakowitsch und in den Liedern nach Michelangelo vom gleichen Komponisten sowie in vielen weiteren Werken, vor allem in Liedern, auf. 1977 erhielt er den Titel eines Verdienten Künstlers der UdSSR. Er starb 2007 in St. Petersburg.

Schallplatten: RCA (»Salammbô« von Mussorgsky), Olympia (Oroveso in »Norma«), Ricordi (»Jolanthe« von Tschaikowsky).

 

21.10. John ALEXANDER: 95. Geburtstag

 Er studierte Gesang und Musikwissenschaft am Cincinnati Conservatory und an der dortigen Universität. Er war auch Schüler des bekannten Baritons Robert Weede. 1952 debütierte er in Cincinnati als Titelheld im »Faust« von Gounod. In den folgenden Jahren trat er an den Opernhäusern von Baltimore, Philadelphia, Houston/Texas und San Francisco (1967-87 als Julien in »Louise« von Charpentier, als Rodolfo in »La Bohème«, als Pollione in »Norma« und als Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen«) auf; 1957 sang er an der City Opera New York den Alfredo in »La Traviata«; er verkörperte dort auch 1958 den Henry in der amerikanischen Erstaufführung der Richard Strauss-Oper »Die schweigsame Frau«. Auch als Konzert- und Oratoriensänger kam er zu einer bedeutenden Karriere. 1961 wurde er an die Metropolitan Oper New York berufen (Debüt als Ferrando in »Così fan tutte«). Dort hatte er eine lange, über 25jährige Karriere; bis 1987 sang er hier in insgesamt 379 Vorstellungen noch den Titelhelden in »Hoffmanns Erzählungen« von Offenbach, den Alfredo, den Narraboth in »Salome« von R. Strauss, den Eisenstein in der »Fledermaus«, den Pinkerton in »Madame Butterfly«, den Dimitrij im »Boris Godunow«, den Rodolfo in »La Bohème«, den Elvino in Bellinis »La Sonnambula«, den Tamino in der »Zauberflöte«, den Herzog im »Rigoletto«, den Cassio in Verdis »Otello«, den Kodanda in »The Last Savage« von Menotti, den Faust von Gounod, den Des Grieux sowohl in »Manon« von Massenet als auch in Puccinis »Manon Lescaut«, den italienische Sänger im »Rosenkavalier«, den Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, den Anatol in »Vanessa« von S. Barber,  den Cavaradossi in »Tosca«, den Lyonel in »Martha« von Flotow, den Rodolfo in »Luisa Miller«, den Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Pollione, den Tonio in Donizettis »La fille du régiment«, den Roland in »Esclarmonde« von Massenet, den Lohengrin, den Maurizio in »Adriana Lecouvreur« von Cilea, den Fernando in Donizettis »La Favorita«, den Lenski im »Eugen Onegin«, den Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«, den Riccardo in Verdis »Un ballo in maschera«, den Arbace in Mozarts »Idomeneo«, den Goffredo in Händels »Rinaldo«, den Titelhelden in Mozarts »La clemenza di Tito«, den Bacchus in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss und den Titelhelden in Verdis »Don Carlos«. An der Wiener Volksoper gastierte er 1967 als Paul in Korngolds »Die tote Stadt«, an der Staatsoper Wien 1968 als Rodolfo in Puccinis »La Bohème«. 1970 an der Covent Garden Oper London als Pollione aufgetreten. 1973 sang er an der Oper von Boston die Titelpartie in der ersten kompletten Bühnenaufführung von Verdis »Don Carlos« in der Pariser Urfassung in Nordamerika. 1986 hörte man ihn in Cincinnati als italienischen Sänger im »Rosenkavalier«. Gastauftritte auch an der Städtischen Oper Berlin und an der Staatsoper München. Er starb 1990 in New York.

Schallplatten: Obwohl er von Hause aus eher eine lyrische Tenorstimme besaß, sang er auf Decca den Pollione in »Norma«, dann als Partner von Joan Sutherland den Percy in Donizettis »Anna Bolena« (eine seiner Glanzrollen), auf CBS das Tenorsolo in Beethovens 9.Sinfonie, auf Orfeo in einer Gesamtaufnahme von Wagners Jugendoper »Die Feen«; VAI-Video (»Roberto Devereux« von Donizetti mit Beverly Sills als Partnerin).

 

22.10. Paul ZUKOFSKY: 75. Geburtstag

Der Sohn des objektivistischen Dichters Louis Zukofsky erregte um 1950 als Wunderkind Aufsehen und studierte bei Ivan Galamian. 1969 entstand seine in Amerika viel beachtete Schallplattenaufnahme der 24 Capricen op. 1 von Niccolò Paganini (von Galamian als beste Wiedergabe dieser außerordentlich schwierigen Stückes gelobt). 1972 folgte die Einspielung der sechs Sonaten und Partiten für Violine solo von Johann Sebastian Bach. Zukofsky konzentrierte sich ansonsten vorwiegend auf zeitgenössische Musik und spielte zahlreiche Uraufführungen neuer Werke. John Cage schrieb für ihn seine Freeman Etudes. In den USA wurde Zukofsky gelegentlich mit dem kanadischen Pianisten Glenn Gould verglichen, dem er in der Eigenwilligkeit seiner Persönlichkeit ähnelte. In Europa blieb er dagegen so gut wie unbekannt. Seine außergewöhnliche Fähigkeit, selbst schwierigste Werke schnell zu erlernen, und sein rigoros analytisches Musikverständnis prädestinierten ihn zum Interpreten neuer Musik. Seine Kompromisslosigkeit hatte jedoch ein gespanntes Verhältnis zu den maßgeblichen Kräften des Musikbetriebs zur Folge und versperrte ihm den Zugang zu einem breiteren Publikum. Bereits gegen Ende der 1970er Jahre stellte Zukofsky seine Tätigkeit als Geiger weitgehend ein. Er zog daraufhin nach Island, wo er ein Jugendorchester gründete, mit dem er Aufsehen erregende Aufführungen anspruchsvollster Werke realisierte (u. a. Sinfonien von Anton Bruckner und Gustav Mahler). Meinungsverschiedenheiten mit dem Stiftungsvorstand des Orchesters veranlassten ihn 1993 jedoch hier zum Rückzug. 1978-87 leitete Zukofsky zugleich das Colonial Symphony Orchestra in New Jersey. Als Gastdirigent verschiedener Orchester trat er vorwiegend mit Werken des 20. Jahrhunderts auf. 1992-96 wirkte er als Direktor des Schönberg-Instituts in Los Angeles. Zukofsky komponierte und veröffentlichte Essays in musikalischen Fachzeitschriften. Zudem wurde er 1995 in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Er starb 2017 in Hongkong.

 

22.10. Willy FERENZ: 95. Geburtstag

 Nach seinem Studium in Wien und Mailand war er, noch im Zweiten Weltkrieg, in Liegnitz (1941-42 als Chorist und für kleine Rollen) und Nürnberg engagiert. 1945 kam er an die Wiener Staatsoper (Debüt: Figaro im »Barbier von Sevilla«), deren Mitglied er bis 1948 blieb und an der er danach noch bis 1973 gastweise auftrat. Er sang hier in insgesamt 160 Vorstellungen auch den Silvio im »Bajazzo«, den Yamadori in »Madame Butterfly«, den Zirkusdirektor in Smetanas »Die verkaufte Braut«, den Moralès in »Carmen«, den Christian wie den Renato im »Maskenball« von Verdi, den Höllenhauptmann in »Schwanda der Dudelsackpfeifer« von Weinberger, den Marcello wie den Schaunard in »La Bohème«, den Kurt in Franz Salmhofers »Das Werbekleid«, den Kilian im »Freischütz«, den Lerma wie den Tebaldo in Verdis »Don Carlos«, den Schnappauf in W. Kienzls »Der Evangelimann«, den Valentin im »Faust« von Gounod, den Rigoletto, den Faninal im »Rosenkavalier« und den Schigolch in »Lulu« von A. Berg. 1948 wurde er an das Opernhaus von Zürich verspflichtet (bis 1961); seit 1954 auch als Pädagoge an der Musikhochschule und am Konservatorium von Zürich tätig. 1964-68 an der Staatsoper Stuttgart engagiert. Umfangreiche Gastspielreisen führten den Künstler durch die ganze Welt; so sang er an den Staatsopern von Stuttgart (1968 in der Uraufführung der Oper »Prometheus« von Carl Orff) und München, am Teatro Fenice Venedig, am Teatro San Carlo Neapel, in Bologna, Genua (u.a. 1953 in der italienischen Erstaufführung der Richard Strauss-Oper »Capriccio«) und Cagliari, am Teatro San Carlos Lissabon, am Gran Teatre del Liceu in Barcelona, am Deutschen Opernhaus Berlin, am Staatstheater Karlsruhe, am Théâtre de la Monnaie in Brüssel und an der Oper von Antwerpen, wo er auch als Oberspielleiter wirkte. Sehr erfolgreich bei den großen internationalen Festspielveranstaltungen: beim Maggio Musicale von Florenz, bei den Festivals von Edinburgh und Glyndebourne (1959-60 als Faninal), bei den Festspielen von Bregenz (1964 als Gustl in »Das Land des Lächelns« von Lehár und 1966 als Achilles in Offenbachs »Die schöne Helena«) und Salzburg (1961 und 1964 als Faninal). 1958 wirkte er am Opernhaus von Dortmund in der Uraufführung der Oper »Nana« von Manfred Gurlitt mit, 1966 am Theater an der Wien in der Uraufführung der Oper »Die schwarze Spinne« von J.M. Hauer. 1968 als Professor an das College Conservatory of Music der Universität von Cincinnati berufen; 1969 wurde er zum europäischen Direktor der Corbett Foundation in Zürich ernannt. In den folgenden Jahren gab er jedoch noch Gastspiele, u.a. in Santiago de Chile, am Grand Théâtre in Genf (1966 als Faninal sowie 1969 als Alberich im »Siegfried« und in der »Götterdämmerung«), an der Oper von Nizza, in Karlsruhe, Köln und Cincinnati. Von seinen vielen Bühnenpartien seien ergänzend der Figaro in »Figaros Hochzeit«, der Papageno in der »Zauberflöte«, der Minister im »Fidelio«, der Dulcamara in »L‘Elisir d’amore«, der Graf Luna im »Troubadour«, der Germont-pêre in »La Traviata«, der Fra Melitone in »La forza del destino«, der Posa im »Don Carlos«, der Ford in Verdis »Falstaff«, der Conte Robinson in Cimarosas »Il Matrimonio Segreto«, der Angelotti wie der Scarpia in »Tosca«, der Beckmesser in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Alberich im Ring-Zyklus, der Amfortas wie der Klingsor im »Parsifal«, der Hortensio in »Der Widerspenstigen Zähmung« von H. Goetz, der John Sorel in »The Consul« von G.C. Menotti, der Homonay im »Zigeunerbaron«, der Escalus in »Romeo und Julia« von H. Sutermeister, der Pedro in »Don Ranudo« von O. Schoeck, der Charlot in »Angélique« von J. Ibert und der Messager in »Antigone« von A. Honegger genannt. Er wirkte am Opernhaus von Zürich am 6.6.1957 in der szenischen Uraufführung von »Moses und Aron« von A. Schönberg als Ephraimit mit. Er nahm dort an den Schweizer Erstaufführungen mehrerer Opern teil: »Die Kluge« von C. Orff (Spielzeit 1950-51 als 2. Strolch), »Komödie auf der Brücke« von B. Martinu (Spielzeit 1951-52 als Hans, zugleich deutschsprachige Erstaufführung), »Die schlaue Susanne« von F.X. Lehner (Spielzeit 1953-54 als Lucindo), »Capriccio« von R. Strauss (1954 als Olivier), »Die Zaubergeige« von W. Egk (Spielzeit 1955-56 als Kaspar). Seit 1972 Musiktherapeut an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, zugleich Leiter eines gesangpädagogischen Studios. Er starb 1998 in Zürich.

Schallplatten: Columbia (»Die lustige Witwe«, »Boccaccio«, »Der Zigeunerbaron«), Somerset (Ausschnitte aus Operetten), Calig-Verlag (»Die Abreise« von E. d‘ Albert).

 

22.10. Fiorello GIRAUD: 150. Geburtstag

 Sein Vater, Lodovico Giraud (1846-82), war ein berühmter Tenor; er selbst war Schüler von Barbacini in Parma. Debüt 1891 am Teatro Civico von Vercelli als Titelheld im »Lohengrin«. Er sang dann am 21.5.1892 in der Uraufführung der Oper »I Pagliacci« (»Der Bajazzo«) von Leoncavallo am Teatro Dal Verme von Mailand die Partie des Canio. Es folgten Gastspiele an verschiedenen italienischen Provinztheatern. 1894 Gastspiel am Teatro Carlo Felice Genua als Fenton im »Falstaff« von Verdi. 1894 sang er am Teatro Comunale von Bologna, 1895 und 1900-01 am Teatro Fenice Venedig. 1896 sang er am Gran Teatre del Liceu von Barcelona. 1897 Gastspiel an der Oper von Monte Carlo als Cassio im »Otello« von Verdi (mit Francesco Tamagno als Partner). 1898 sang er an der Oper von Santiago de Chile und am Teatro San Carlos von Lissabon. 1899 Gastspiel am Teatro Regio Turin. 1899-1901 war er sehr erfolgreich am Teatro Real Madrid tätig. 1901 war er wiederum in Santiago de Chile zu Gast. Er hatte dann noch eine lange, erfolgreiche Karriere an den führenden italienischen Bühnen. Er gastierte 1901 an der Oper von Kairo (als Loris in »Fedora« von Giordano), 1903 am Teatro Politeama Buenos Aires, 1903 am Teatro Costanzi in Rom (als Tristan) und 1904 am gleichen Haus als Cavaradossi in »Tosca« und als Lohengrin. Man schätzte ihn vor allem als Interpreten der veristischen Partien und als Wagnersänger. 1906 sang er am Opernhaus von Triest in der Uraufführung der Oper »Medea« von Tommasini, 1907 am Teatro Massimo von Palermo in der Uraufführung von Donaudys »Sperduti nel buio«. 1907 wirkte er an der Mailänder Scala unter A. Toscanini als Siegfried in der »Götterdämmerung« mit. 1908 sang er an der Scala in der italienischen Premiere von Debussys »Pelléas et Mélisande« die Partie des Pelléas. Er galt allgemein auch als großer Puccini-Interpret. Seltsamerweise hat er den Canio, den er in der Uraufführung des »Bajazzo« kreiert hatte, kaum an den großen, internationalen Opernhäusern zum Vortrag gebracht. Er setzte seine Karriere auf der Bühne und vor allem im Konzertsaal bis 1918 fort. Er starb 1928 in Parma.

Von seiner Stimme sind mindestens acht sehr seltene Aufnahmen auf G&T (Mailand, 1904) vorhanden; 1916 nahm er nochmals zehn Titel für HMV auf, denen 1917 zwei weitere auf der gleichen Marke folgten.

 

23.10. Jean ABSIL: 125. Geburtstag

 Sein Vater, François Absil, war Küster an der Basilika von Bon-Secours. Jean war bereits früh Musikschüler von Alphonse Oeyen und wurde zum Organisten an der Wallfahrts-Basilika Saint-Quentin in Bon-Secours bestellt. Er besuchte Kurse an der Ecole Saint-Gregoire in Tournai, um sich auf das Studium der Kirchenmusik vorzubereiten. Ab 1913 studierte er am Brüsseler Konservatorium, unter anderem Komposition bei Paul Gilson. Für seine musikalischen Werke erhielt er den Prix de Rome und den Rubenspreis. Mit Florent Schmitt verband ihn eine Freundschaft. Er lehrte am Königlichen Konservatorium in Brüssel und an der Chapelle Musicale Reine Élisabeth. Ferner leitete er 1922-58 die Musikakademie in Etterbeek, die seit 1963 seinen Namen trägt. Absil war Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften und Schönen Künste von Belgien. Kompositorisch formte Absil eine Synthese aus der Französischen Schule, dem Stil Strawinskis und Bartóks, der polytonalen, der atonalen und der seriellen Musik. Sein umfangreiches Œuvre umfasst nahezu alle Genres. Er starb 1974 in Uccle bei Brüssel.

 

24.10. Alexandru IONITZA: 70. Geburtstag

 Der in Rumänien geborene Künstler studierte zuerst Ingenieurwissenschaften, ließ dann jedoch seine Stimme an der Musikakademie in Bukarest ausbilden. Nachdem er bereits in Bukarest debütiert hatte, verließ er Rumänien und sang an verschiedenen Häusern im Westen. Er war 1971-73 am Theater von Klagenfurt, 1973-76 am Stadttheater von Bielefeld, 1976-84 bei den Städtischen Bühnen Münster, seit 1984 an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg engagiert. 1978 war er Preisträger beim Maria Callas-Wettbewerb in Athen. Auch dem Theater am Gärtnerplatz München verbunden, wo er u.a. als Rodolfo in »La Bohème« sehr erfolgreich auftrat. Man hörte ihn an der Deutschen Oper Berlin wie an der Wiener Volksoper als Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«, an der Staatsoper von Stuttgart als Alfredo in »La Traviata«, an der Oper von San Diego als Rodolfo in »La Bohème«. 1987-88 gastierte er bei den Festspielen von Bregenz als Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen« von Offenbach, an der Opéra de Wallonie Lüttich als Faust von Gounod, am Opernhaus von Köln als Alfredo und 1991 als Nemorino in »L‘Elisir d’amore«, an der Wiener Staatsoper als Matteo in »Arabella« von Richard Strauss. 1993 sang er an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg den Rodolfo. Weitere Gastspiele an deutschen, holländischen und Schweizer Theatern, dazu intensive Konzerttätigkeit. Auf der Bühne standen lyrische Partien im Mittelpunkt seines umfangreichen Repertoires. Er starb 2010 in Düsseldorf. Er war verheiratet mit der Sopranistin Tamara Lund (1941-2005), die in der Hauptsache in München wirkte.

Schallplatten: Ariola-Eurodisc (Beppe im »Bajazzo«, Borsa in »Rigoletto«), Decca (Elemer in »Arabella«), Orfeo (»Oedipus Rex« von Strawinsky, »Alzira«, von Verdi).

 

25.10. Giuliano CIANNELLA: 75. Geburtstag

 Er begann das Ingenieurstudium an der Universität von Bologna und schloss diese Ausbildung mit dem Staatsdiplom ab. Zugleich ließ er aber auch seine Stimme (nach deren zufälliger Entdeckung in einem befreundeten Haus) ausbilden, wozu die große Sopranistin Mirella Freni ihn ermutigt hatte. Am Konservatorium von Bologna war er Schüler von Leone Magiera, später wurde er durch den berühmten Tenor Carlo Bergonzi weitergebildet. Er gewann mehrere Gesangwettbewerbe, darunter den Concours von Busseto, und debütierte 1974 in Mailand als Edgardo in »Lucia di Lammermoor« von Donizetti. Er hatte daran anschließend große Erfolge bei Auftritten in Genua, Venedig und Parma und debütierte 1976  als Cassio in Verdis »Otello« an der Mailänder Scala, an der er dann auch 1978 den Carlo in Verdis »I Masnadieri«, 1978-79 den Pinkerton in »Madame Butterfly«, 1979 den Jacopo Foscari in Verdis »I due Foscari« und 1989 in einem Galakonzert sang. 1979 kam er zu einem erfolgreichen Debüt an der Metropolitan Oper New York als Cassio in Verdis »Otello« (nachdem er bereits zuvor in einigen konzertanten Aufführungen dieser Kompanie in New Yorker Parkanlagen den Alfredo in »La Traviata« gesungen hat). Bis 1989 sang er dort in insgesamt 112 Vorstellungen auch den Des Grieux in Puccinis »Manon Lescaut«, das Tenorsolo im Verdi-Requiem, den Rinuccio im »Gianni Schicchi«, den Rodolfo in »La Bohème«, den Pinkerton, den Manrico im »Troubadour«, den italienischen Sänger im »Rosenkavalier«, den Macduff in Verdis »Macbeth«, den Titelhelden in Verdis »Don Carlos« und den Kalaf in Puccinis »Turandot«. Seine Karriere nahm eine schnelle Entwicklung; er sang beim Maggio Musicale Fiorentino, an der Staatsoper von Hamburg, in Chicago (1982 Pinkerton), San Francisco (1984 Don José in »Carmen«), Houston/Texas (1985 Faust von Gounod) und an der Deutschen Oper Berlin. Der Sänger, der in Monte Carlo seinen Wohnsitz nahm, wurde durch weitere Gastspiele international bekannt; 1983, 1985 und 1988 wirkte er bei den Festspielen in der Arena von Verona mit. 1985 gastierte er an der Münchner Staatsoper als Don Carlos in der gleichnamigen Verdi-Oper, 1986 an der Covent Garden Oper London als Manrico, 1988 in Köln als Don José und 1990 als Des Grieux. An der Wiener Staatsoper, an der er 1985 als Cavaradossi in »Tosca« debütierte, hörte man ihn bis 1991 auch als Kalaf, als Rodolfo in »La Bohème«, in der Titelrolle von »Andrea Chénier« von Giordano, als Faust von Gounod, als Manrico, als Edgardo, als Des Grieux in »Manon Lescaut«, als Alfredo, als italienischen Sänger im »Rosenkavalier«, als Alvaro in »La forza del destino«, als Pinkerton, als Rodolfo in »Luisa Miller« und als Riccardo in »Un ballo in maschera«. 1987 sang er in den Aufführungen von Verdis »Aida« vor den Tempeln von Luxor den Radames. 1989 hörte man ihn in Hannover als Cavaradossi, an der Deutschen Oper Berlin als Edgardo, am Teatro Regio Parma wieder als Riccardo. 1990 trat er am Teatro Carlo Felice in Genua einmal mehr als Riccardo, im Palais des Sports Lüttich als Manrico auf. Aus seinem reichhaltigen Bühnenrepertoire sind noch der Raoul in den »Hugenotten« von Meyerbeer und der Otello in Rossinis Oper gleichen Namens nachzutragen. Auch als Konzertsolist hatte er eine bedeutende Karriere. Er starb 2008 in Ferrara.

Schallplatten: Discocorp (Cassio in Verdis »Otello«).

 

25.10. Colette HERZOG: 95. Geburtstag

 Sie erhielt ihre Ausbildung in der Hauptsache durch Lucie Schaeffer am Konservatorium von Nancy. Seit 1945 unterrichtete sie zehn Jahre lang am Konservatorium von Besançon. Ihre Stimme wurde durch den Dichter Antoine Goléa entdeckt (den sie später heiratete), als sie 1957 in Besançon das Sopransolo in einer Messe von Haydn sang. 1958 interpretierte sie in Straßburg »Le Visage nuptial« von Pierre Boulez und »Das Buch der hängenden Gärten« von Schönberg. 1964 folgte sie einem Ruf an die Grand Opéra Paris und sang als Antrittsrolle die Zerline im »Don Giovanni«. Partien wie die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, die Mélisande, die Eurydike in »Orpheus und Eurydike« von Gluck, die Céphise in »Zoroastre« von Rameau und die Mme. Fabien in »Volo di notte« von Dallapiccola bestätigten ihren Ruf als führende Sängerin der Opéra, an der sie bis 1971 engagiert war. Sie gastierte beim Maggio Musicale von Florenz 1964 in »Die Zwingburg« von E. Krenek, 1972 am Teatro Comunale Bologna als Donna Elvira im »Don Giovanni«, auch an der Deutschen Oper Berlin, und sang 1971 am Opernhaus von Rouen die Partie der Calypso in der französischen Erstaufführung der Oper »Ulysse« von L. Dallapiccola. Gastspiele in Nizza, Marseille, Bordeaux (französische Premiere der Oper »Bluthochzeit« von W. Fortner), Montreux und Besançon. Noch bedeutender war jedoch ihre Karriere im Konzertsaal. Hier kreierte sie Werke von Bondon, Egk, Tomasi, Casanova, Chailly und Bibalo. Ivo Malec komponierte für sie »Cantate pour elle« (1966) und Jolivet »Songe à nouveau rêvé« nach Gedichten ihres Gatten A. Goléa (1971). 1969 trat sie in Hamburg in einem Konzert anlässlich des Weltmusikfestes auf. 1981 sang sie in der Uraufführung von »El tigro de Oro« von Clostre, einem Werk das Radio France in Auftrag gegeben hatte. Geschätzte Pädagogin. Sie starb 1986 in Paris.

Schallplatten: DGG (»L’Enfant et les sortilèges« von Ravel), Philips.

 

25.10. Catherine HAYES: 200. Geburtstag

 Sie war zuerst 1839-41 in Dublin Schülerin von Antonio Sapio, dann studierte sie in Paris bei Manuel Garcia jr., schließlich in Mailand bei Felice Ronconi. Wahrscheinlich debütierte sie 1841 in Dublin in einem Konzert. 1845 fand ihr Bühnendebüt am Opernhaus von Marseille statt, und zwar in der Partie der Elvira in Bellinis »I Puritani«. Sie unternahm erfolgreiche Gastspiele an Opernhäusern in Italien, u.a. in Venedig, Genua, Florenz und Bergamo; sie trat bereits 1845 an der Mailänder Scala auf (Titelheldin in »Linda di Chamounix« von Donizetti). Am 21.2.1846 sang sie an der Mailänder Scala die Titelpartie in der Uraufführung der Ope »Estella« von Federico Ricci. Sie gastierte auch in Österreich, bevor sie 1849 an die Covent Garden Oper in London kam. Hier lernte das Opernpublikum der englischen Metropole sie in den folgenden Jahren in Partien wie der Lucia di Lammermoor, der Linda di Chamounix, auch in den damals sehr beliebten Opern von Saverio Mercadante und von den Brüdern Federico und Luigi Ricci kennen. Sie gab dann auch sehr erfolgreiche Konzerte in ihrer irischen Heimat, bei denen sie irische Lieder zum Vortrag brachte. 1849 kam eine triumphale Nordamerika-Tournee zustande. Man nannte sie allgemein »The Irish Jenny Lind«. Sie bereiste so entlegene Länder wie Indien, Australien und die polynesischen Inseln. 1856 erschien sie in der ersten Opernsaison, die je im australischen Melbourne gegeben wurde, in Opern wie »The Bohemian Girl« von Balfe, »Maritana« von Wallace, »Norma« und »La Sonnambula« von Bellini, »Figaros Hochzeit« und im »Barbier von Sevilla«. 1857 kam sie nach England zurück, heiratete und gab ihre Karriere auf. Sie starb 1861 in London. Der Schriftsteller William Thackeray huldigte der gefeierten Künstlerin in seinem »Irish Sketch-Book«.

Lit: Basil Walsh: Catherine Hayes 1818-1861, The Hibernian Primadonna (Dublin, 2000).

 

26.10. Raija MÄÄTTÄNEN-FALCK: 85. Geburtstag

 

 Sie studierte zunächst Violoncello, dann Gesangstudium bei den Pädagogen Toru Linnala und Matti Lehtinen in Helsinki sowie bei Luigi Ricci in Rom. Seit 1960 war sie als Chorsängerin an der Nationaloper von Helsinki tätig; sie debütierte dort 1965 als Solistin. Neben ihrem Wirken an der Nationaloper von Helsinki wurde sie durch zahlreiche Auftritte bei den Festspielen von Savonlinna und im Finnischen Rundfunk bekannt. 1989 gastierte sie am Opernhaus von Essen. Seit 1965 gab sie auch Konzerte, in denen sie vor allem in Oratorien und in Werken aus dem Bereich der religiösen Vokalmusik erfolgreich war. Sie starb im Jahr 2015. – Sie war 1962-89 mit dem Bariton Jorma Falck (1939-2017) verheiratet.

Schallplatten: Finnlevy (»Juha« von Merikanto), BIS (Opernszenen aus Savonlinna).

 

26.10. Eric ERICSON: 100. Geburtstag

Er wuchs auf der Insel Gotland als Sohn eines Pfarrers auf und kam früh mit Orgel- und Chormusik in Berührung. Bereits mit 13 Jahren gründete er hier seinen ersten Chor und beteiligte sich mit ihm an der Gottesdienstgestaltung. Er studierte Kirchenmusik und Chorleitung an der Königlichen Musikalischen Akademie in Stockholm und der Schola Cantorum Basiliensis. 1945 gründete er den Stockholmer Kammerchor, der sich 1988 ihm zu Ehren in Eric Ericson Kammerchor umbenannte. Im Jahr 1949 wurde er Kantor der Stockholmer Jakobskirche; dieses Amt sollte er bis 1974 bekleiden. 1951-82 leitete er den Rundfunkchor Stockholm, den er vor allem durch die Interpretation zeitgenössischer Chormusik zu internationaler Bekanntheit führte. 1951-91 leitete er den Männerchor Orphei Frängar („Orpheus’ Söhne“) in Uppsala. Im Jahr 1974 hatte er die musikalische Leitung in der Verfilmung der Zauberflöte von Ingmar Bergman. 1952-91 unterrichtete er als Professor für Chorleitung an der Musikhochschule in Stockholm. Nach seiner Pensionierung im Jahr 1983 setzte er seine internationale Karriere als Gastdirigent bei zahlreichen bedeutenden Chören der Welt fort, unter anderem leitete er den Niederländischen Kammerchor, die Groupe Vocale de France, die BBC Singers, den RIAS Kammerchor, das Ensemble Accentus in Rouen sowie den Chor der Wiener Staatsoper. Als Dozent in Meisterkursen war er unter anderem im Nordkolleg Rendsburg aktiv. Eric Ericson war Mitglied der Königlich Musikalischen Akademie (KMA) in Stockholm sowie Ehrenpräsident der Internationalen Vereinigung für Chormusik (IFCM). Er wurde mit seinen Chören auf ihren Tourneen als „Chorwunder aus dem Norden“ gefeiert. Sein persönliches Archiv vermachte Eric Ericson noch zu Lebzeiten der Königlichen Bibliothek zu Stockholm. Er starb 2013 in Stockholm.

 

26.10. Dragutin PETROVIC: 125. Geburtstag

 Er studierte Gesang an den Konservatorien von Genf und Wien. 1920 debütierte er an der Nationaloper von Belgrad und blieb für vierzig Jahre bis 1960 deren Mitglied. Er trat dort in Partien wie dem Tamino in der »Zauberflöte«, dem Max im »Freischütz«, dem Schuiskij im »Boris Godunow« von Mussorgsky, dem Don Basilio in »Figaros Hochzeit«, dem Wenzel in Smetanas »Die verkaufte Braut« und in vielen anderen Rollen auf. 1961 gastierte er an der Oper von Monte Carlo als Schuiskij. Weitere Gastspiele, hauptsächlich mit dem Belgrader Ensemble zusammen, und Konzertauftritte in Jugoslawien wie im Ausland. Er starb 1974 in Belgrad.

Schallplatten: Decca (vollständige Oper »Pique Dame« von Tschaikowsky).

 

26.10. Amanda CLARMANN: 150. Geburtstag

 Sie wurde in ihrer Vaterstadt Graz durch die Hofopernsängerin Karoline Bauer ausgebildet. Sie begann dort auch in der Spielzeit 1886-87 ihre Bühnenkarriere, die ihr bald im Fach der Operettensoubrette bedeutende Erfolge eintrug. 1887-88 war sie in Preßburg (Bratislava), 1888-90 am Carl Schultze-Theater Hamburg zu hören, wo sie als Sora in »Gasparone« von Millöcker und als Pueblo in »Don Cesar« von R. Dellinger brillierte. 1890 ging sie an das Theater an der Wien in der österreichischen Metropole (Antrittsrolle: Bronislawa in Millöckers »Der Bettelstudent«), wo sie auch wieder große Erfolge hatte. Sie zog sich jedoch schon 1892 von der Bühne zurück.

 

30.10. Jon CRAIN: 100. Geburtstag

 Er studierte zuerst in Washington, dann bei Oscar Seagle und an der Juilliard School New York (1946-47), schließlich noch bei Paul Althouse. 1948 debütierte er als Pinkerton in »Madame Butterfly« und trat im Lauf seiner Karriere überwiegend an amerikanischen Bühnen auf. 1952-65 hörte man ihn fast regelmäßig an der City Opera New York, wo er 1954 in der Uraufführung der Oper »The Tender Land« von A. Copland als Martin und 1956 in der von Carlisle Floyds Oper »Susannah« mitwirkte. Er sang dort auch in den amerikanischen Premieren der Opern »Der Prozess« von G. von Einem (1953), »Der Revisor« von W. Egk (1960) und »The Fiery Angel« von Prokofjew (1965). 1954 debütierte er als Alfred in der »Fledermaus« an der Metropolitan Oper New York, an der er dann bis 1958 in insgesamt elf Vorstellungen auch als Matteo in »Arabella« von R. Strauss, als Narraboth in »Salome« vom gleichen Komponisten und als Don  José in »Carmen« aufgetreten ist. Er gastierte erfolgreich an den Opern von San Francisco (1957 als italienischer Sänger im »Rosenkavalier«, als Chevalier in »Dialogues des Carmélites« von Poulenc, als Alfredo in »La Traviata«, als Macduff in Verdis »Macbeth« und als Cavaradossi in »Tosca«) und Chicago, in Pittsburgh und Philadelphia, in New Orleans und 1959 in Mexico City. Noch 1970 gastierte er bei der Fort Worth Opera in der »Fledermaus«. Er sang auf der Bühne ein sehr vielseitiges Repertoire, das Partien wie den Herzog im »Rigoletto«, den Fenton im »Falstaff«, den Turiddu in »Cavalleria rusticana«, den Rodolfo in »La Bohème«, den Faust von Gounod, den Erik in »Der fliegende Holländer«, den Dimitrij im »Boris Godunow«, den Troilus in »Troilus and Cressida« von William Walton und den Sam Polk in »Susannah« von Floyd enthielt. Auch auf dem Gebiet des Musicals ist er in einem umfangreichen Repertoire aufgetreten. Er starb 2003 in Morgantown (WV).

Schallplatten: RCA (Querschnitt »Hoffmanns Erzählungen«, Ausschnitte aus Musicals), Columbia.

 

31.10. August EVERDING: 90. Geburtstag

Er kam mittels Notgeburt als Sohn eines katholischen Propsteiorganisten in Bottrop zur Welt. Er studierte in Bonn und in München Philosophie, Germanistik, Theologie und Theaterwissenschaft. An den Münchner Kammerspielen arbeitete er ab 1953 als Regieassistent. Schon 1955 wurde er Regisseur, 1959 Oberspielleiter, 1960 Schauspieldirektor und 1963 Intendant des Hauses. 1973 wechselte er als Intendant an die Hamburgische Staatsoper, 1977 an die Bayerische Staatsoper in München. Zugleich unterrichtete er als Professor an den Musikhochschulen in Hamburg (1973-77) und München. 1982 avancierte Everding zum Generalintendanten der Bayerischen Staatstheater. In dieser Position, die er bis 1993 innehatte, rief er das Bayerische Staatsballett und die Bayerischen Theatertage ins Leben. Ab 1993 führte er den Titel Staatsintendant. Als Präsident des Deutschen Bühnenvereins (DBV) organisierte Everding ab 1989 die Integration der Ex-DDR-Theater und -Orchester in das gesamtdeutsche Theatersystem. In zahlreichen Gremien kämpfte er gegen Subventionskürzungen und Theaterschließungen. Ein vielbeachteter Coup gelang ihm 1993 mit der Gründung der Bayerischen Theaterakademie, der er als Präsident vorstand. Seinen für München wohl größten Verdienst erwarb er sich durch seine Initiative für die Renovierung und Wiedereröffnung des Prinzregententheaters 1988 (sogen. Kleine Lösung ohne Hauptbühne), die schließlich in der kompletten Renovierung (inkl. Hauptbühne) am 10. November 1996 mündete. August Everding galt als eine der kulturpolitisch einflussreichen Theaterpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts und als Workaholic. Er hatte in Münchener Theaterkreisen die (von ihm nicht geliebten) Spitznamen „Cleverding“ und „Everything“, die selbstredend sind. In den Medien warb er als versierter Redner und Diskussionspartner für die Sache der Kultur („Kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit!“) und erlangte einen hohen Bekanntheitsgrad. Ein Krebsleiden, das seine letzten Jahre überschattete, hielt er vor der Öffentlichkeit geheim. Noch wenige Tage vor seinem Tod im Jänner 1999 trat er bei einem Podiumsgespräch im Gartensaal des Prinzregententheaters auf. Er wurde in seiner Wahlheimat Truchtlaching im Chiemgau beigesetzt. Seit 1963 war Everding mit der Ärztin Dr. Gustava von Vogel, die sich für die Hospiz-Bewegung engagiert, verheiratet. Aus der Ehe gingen vier Söhne hervor: Christoph, Cornelius, Johannes und Marcus Everding. 1978-97 bewohnte er eine Dienstwohnung auf der Burg Grünwald, danach wohnte er in München-Schwabing.

August Everding begann seine Karriere als Schauspielregisseur. Geprägt wurde er von der Zusammenarbeit mit Hans Schweikart und Fritz Kortner. Später war er auf internationaler Ebene vor allem im Bereich der Oper tätig. Er inszenierte bei den Bayreuther Richard-Wagner-Festspielen (Der fliegende Holländer, Bühnenbild Josef Svoboda, Dirigent Silvio Varviso, 1969; Tristan und Isolde, Bühnenbild Josef Svoboda, Dirigent Carlos Kleiber, 1974), an der Wiener Staatsoper (Tristan und Isolde, Bühnenbild Günther Schneider-Siemssen, Dirigent Karl Böhm, 1967; Parsifal von Richard Wagner, Bühnenbild und Kostüme Jürgen Rose, Dirigent Horst Stein, 1979; Linda di Chamounix von Gaetano Donizetti, Bühnenbild Philippe Arlaud, Dirigent Bruno Campanella, 1997), dem Wiener Theater in der Josefstadt, der Pariser Opéra (Parsifal, Bühnenbild und Kostüme Jürgen Rose, Dirigent Horst Stein, 1973; Elektra von Richard Strauss, Bühnenbild und Kostüme Andrzej Majewski, Dirigent Karl Böhm, 1974; Don Giovanni von Wolfgang Amadeus Mozart, Bühnenbild und Kostüme Toni Businger, Dirigent Georg Solti, 1975), der Metropolitan Opera in New York (Tristan und Isolde, Bühnenbild Günther Schneider-Siemssen, Dirigent Erich Leinsdorf, 1971; Boris Godunow, Bühnenbild Ming Cho Lee, Dirigent Thomas Schippers 1974; Lohengrin, Bühnenbild Ming Cho Lee, Dirigent James Levine 1976; Chowanschtschina, Bühnenbild Ming Cho Lee, Dirigent Neme Järvi 1985; Der fliegende Holländer, Bühnenbild Hans Schavernoch, Dirigent James Levine 1989) oder an den Opernhäusern in San Francisco und Warschau. In der Inszenierung der Zauberflöte (1983) an der Staatsoper Unter den Linden baute Everding auf die Bühnenbilder Karl Friedrich Schinkels (1816). (Quelle: Wikipedia)

 

31.10. Dagmar HERMANN: 100. Geburtstag


Als Octavian

 Sie debütierte 1942 am Opernhaus von Brünn als Magdalene in »Die Meistersinger von Nürnberg« und war 1946-74 an der Wiener Staatsoper engagiert (Debüt: Cherubino in »Figaros Hochzeit«), wo sie sich 1974 als Filipjewna im »Eugen Onegin« von ihrem Publikum verabschiedete. Sie trat dort in mehr als 1000 Vorstellungen in 60 größeren und kleineren Partien auf, u.a. als Suzuki in »Madame Butterfly«, als Maddalena im »Rigoletto«, als Octavian im »Rosenkavalier«, als Polina in »Pique Dame« von Tschaikowsky, als Nicklaus in »Hoffmanns Erzählungen«, als Fjodor im »Boris Godunow«, als Emilia in Verdis »Otello«, als Kontschakowna in Borodins »Fürst Igor«, als Hänsel in »Hänsel und Gretel«, als Silla in »Palestrina« von H. Pfitzner, als Olga im »Eugen Onegin«, als Mercedes in »Carmen«, als Dorabella in »Così fan tutte«, als Meg Page im »Falstaff« von Verdi, als Adelaide in »Arabella« von R. Strauss, als Margret im »Wozzeck« von A. Berg, als Bersi in »Andrea Chénier« von Giordano, als Marcellina in »Figaros Hochzeit«, als Hippolyta wie als Hermia in B. Brittens »Ein Sommernachtstraum«, als Marthe im »Faust« von Gounod, als Sonetka in »Katerina Ismailowa« von Schostakowitsch, als Julie in »Dantons Tod« von G. von Einem und als Berta im »Barbier von Sevilla«. Sie wirkte oft bei den Festspielen von Salzburg mit; hier sang sie am 15.8.1948 die Isot in der Uraufführung von »Le vin herbé« von F. Martin, 1949 die Annina im »Rosenkavalier«, am 9.8.1950 die Bianca in »The Rape of Lucretia« von Benjamin Britten und die Amme in der Uraufführung der Kammeroper »Romeo und Julia« von Boris Blacher, 1953-54 die Dorabella. Gastspiele ließen ihren Namen international bekannt werden. Bereits 1947 gastierte sie in Holland als Annina im »Rosenkavalier«. 1950 trat sie bei den Aufführungen des Ring-Zyklus unter Wilhelm Furtwängler an der Mailänder Scala auf. 1952 gab sie ein Gastspiel am Teatro Bellini von Catania als Annina im »Rosenkavalier«, 1954 an der Oper von Monte Carlo als Dorabella, 1951 an der Mailänder Scala auch als Blumenmädchen im »Parsifal«. Weiter gastierte sie an der Grand Opéra Paris, am Gran Teatre del Liceu in Barcelona, an der Oper von Bordeaux und am Théâtre de la Monnaie in Brüssel. Neben ihrem Engagement an der Staatsoper von Wien sang sie auch an der Wiener Volksoper (u.a. die Zita in Puccinis »Gianni Schicchi«). 1958 war sie als Agnes in Smetanas »Die verkaufte Braut« bei den Bregenzer Festspielen zu Gast. Die Künstlerin, die zeitweilig mit dem Bass-Bariton der Wiener Oper Hans Braun (1917-92) verheiratet war, hatte eine bedeutende Karriere als Konzert-, vor allem als Oratorienaltistin. Dazu war sie eine hoch geschätzte Liedersängerin und gab u.a. Duettabende zusammen mit Hans Braun. Sie starb 1997 in Wien.

Auf Columbia sang sie das Finale des 2. Aktes aus dem »Rosenkavalier« mit Ludwig Weber als Ochs, auf Philips eine kleinere Partie in einer vollständigen Aufnahme von »Salome« und die Isabella in »Boccaccio«. Auf MMS, Vox und kleineren Marken interpretierte sie Solopartien in Oratorien und geistlichen Musikwerken (Stabat mater von Rossini, F-Moll Messe von A. Bruckner), auch auf Urania (»Gesang der Geister« von F. Schubert) und Discocorp vertreten (Partien im Nibelungenring, Aufführungen an der Scala 1950 unter W. Furtwängler).

 

31.10. Leopold ROCKE: 200. Geburtstag

Er wurde zum Teil durch den großen Komponisten Albert Lortzing sowie durch den Pädagogen A. Polenz in Leipzig ausgebildet  und debütierte (wahrscheinlich ohne zuvor an kleineren Theatern gesungen zu haben) 1842 am Opernhaus von Leipzig als Max im »Freischütz« und als Nadori in »Jessonda« von Louis Spohr. 1843-44 sang er an der Hofoper von Dresden, 1844-45 am Hoftheater von Weimar. 1845-46 in Aachen und Düsseldorf, dann 1846-78 am Hoftheater von Mannheim, zu dessen angesehensten Mitgliedern er bis zur Beendigung seiner Karriere 1878 zählte. Er übernahm anfänglich Partien aus dem lyrischen Repertoire wie den Fra Diavolo von Auber, die Titelpartie in »Johann von Paris« von Boieldieu und den Tonio in Donizettis »Regimenstochter«, verlegte sich aber später auf das Buffo- und Spieltenor-Fach (Corentin in »Dinorah«  von Meyerbeer, David in »Die Meistersinger von Nürnberg«). Weitere Höhepunkte in seinem weitläufigen Bühnenrepertoire waren der Tamino in der »Zauberflöte«, der Titelhelden in »Alessandro Stradella« von Flotow, der Veit in »Undine«, der Peter Iwanow in »Zar und Zimmermann« und der Georg im »Waffenschmied« von Lortzing, der Adam im »Dorfbarbier« von Johann Baptist Schenk und der Valentin im »Verschwender« von Raimund. 1863 wirkte er in der Mannheimer Uraufführung der Oper »Die Loreley« von Max Bruch mit. Er starb 1889 in Mannheim. Er war verheiratet mit der Schauspielerin Polyxena Rocke-Heuser (1821-92). Seine Schwiegertochter

CD-Weltpremiere: FRANZ LACHNER – CATHARINA CORNARO – Große tragische Oper in vier Akten –

CD-Weltpremiere: FRANZ LACHNER – CATHARINA CORNARO – Große tragische Oper in vier Akten – „Ein Stück Münchner Operngeschichte“; cpo

 

Manche Freunde des italienischen Belkanto und der Diven Leyla Gencer und Monserrat Caballé werden Donizettis „Caterina Cornaro“ kennen. Von diesem Donizetti-Juwel rund um eine Liebesgeschichte mit der zypriotischen Königen Caterina Cornaro im Epizentrum gibt es drei exzellent gesungene live Mitschnitte vom 28.5.1972 (Gencer, Aragall, Bruson; Cillario aus Neapel), vom 10.7.1971 (Caballé, Carreras; Cillario aus der London Royal Festival Hall) und vom 25.11.1973 (Caballé, Aragall; Masini aus Paris). Alle drei sind/waren auf CD im Internet erhältlich. 

 

Franz Lachners Catharina Cornaro kannten bis zur Veröffentlichung dieses Mitschnitts des Bayerischen Rundfunks  Ende Mai 2018 höchstwahrscheinlich nämlich nur die wenigen Leute, die das Glück hatten, bei der der CD zugrunde liegenden live Aufführung im Prinzregententheater München am 14.10.2012 mit dem Münchner Rundfunkorchester unter Ralf Weikert dabei gewesen zu sein. Volker Tosta hat eigens für diese konzertante Aufführung eine neue Edition dieses Werks erstellt, das damit nun erstmals in gedruckter Form vorliegt. 

 

Lachner war vom Typus her ein komponierender Kapellmeister (Orchesterwerke, drei Opern, ein Requiem), stilistisch im Triangel deutsche Frühromantik, italienischer Belcanto und Klassizismus befangen. Die Errungenschaften der frühromantischen Meister Franz Schubert, Carl Maria von Weber, Louis Spohr und Heinrich Marschner haben hörbar Spuren in der die Streicher bevorzugenden Partitur hinterlassen. Die in deutscher Sprache gesungene „Grand Opéra“  besteht aus einer Ouvertüre, Arien samt auskomponierten Rezitativen, Chören, Orchesterzwischenspielen, Duetten, einem Terzett, einem Quartett und drei ausladenden Finali am Ende jeweils des ersten, zweiten und dritten Aktes.nDer vierte Akt, also das Ende der Oper, schließt mit dem Chor „Auf zum Sternenthrone schwingt sich sein Geist“. In den Solonummern orientiert sich Lachner an klassischen Formmodellen, da gibt es oft nach einem langsamen Teil einen emotional motivierten Tempowechsel, wie etwa in Catharinas großer Arie im 2. Akt, die mit einer effektvollen Stretta endet. 

 

Die große historische Oper Catharina Cornaro wurde am 3.12.1841 in München uraufgeführt, knappe drei Wochen später erlebt die auf demselben Libretto von Jules Henri Vernoy Marquis de Saint-Georges vertonte Oper „La reine de Chypre“ von Halévy in Paris ihre Erstaufführung. Die Oper hatte in München einen Riesenerfolg und wurde mehrfach neu inszeniert (zuletzt 1903). Für heutige Hörer symbolisiert sie die Umbruchstimmung im deutschen Musiktheater Mitte des 19. Jahrhunderts.

 

Catharina Cornaro handelt von einer venezianischen Adeligen (Kristiane Kaiser), die eigentlich ihren Venezianer Marco Venero (Daniel Kirch) liebt, aber aus Staatsräson gezwungen ist, den König von Zypern Jakob II von Lusignan (Mauro Peter) zu heiraten. Politik und Privates mischen sich hier wie in so vielen anderen ähnlich gestrickten Opern. Ein verloren geglaubtes Meisterwerk ist diese Catharina Cornaro von Lachner keineswegs, aber sie ist wegen der vielen im besten frühromantischen Geist gehaltenen Musik von Interesse. 

 

Von den sängerischen Leistungen ist an erster Stelle Kristiane Kaiser in der Titelpartie zu nennen, die mit prächtig lyrischem Sopran in ihren Arien und den Ensembles reüssiert. Hinreissend vermag es Frau Kaiser, die Klangfarben ihrer Stimme je nach emotionaler Anforderung raffiniert immer neu abzumischen, die Höhen blühen frei auf, auch an dramatischem Impetus fehlt es nicht.  Die Konkurrenten um die Gunst der angebetenen Catharina sind mit dem Wagnertenor Daniel Kirch (er wird 2018 in Chemnitz seine Rollendebüts als Siegfried in Siegfried und der Götterdämmerung absolvieren) sowie dem Schweizer Rising Star im lyrischen Tenorfach Mauro Peter erstklassig besetzt. Letzterer kann auch seine Erfahrungen im Liedgesang gewinnbringend in die Rollengestaltung einfließen lassen. Die „Politischen“ erfahren im balsamischen Bariton Simon Pauly (Andrea Cornaro, Edler von Venedig) einen wunderbaren, mit dem leider distonierenden und tremolierenden Bassbariton Christian Tschelebiew (Onofrio, venezianischer Senator) einen ziemlich enttäuschenden stimmlichen Statthalter auf Erden. Ralf Weikert versucht, aus der (von ihm mit Augenmaß gekürzten) Partitur die Funken zu schlagen, die da aufzutreiben sind. Mich erinnert vieles von der Atmosphäre her an Schuberts Fierrabras. Wer diese Art Musik mag, wird auch mit Lachners Catharina Cornaro ebenfalls glücklich werden.

 

Die Klangqualität liegt für den Bayerischen Rundfunk eher am unteren Ende der gewohnten Qualitätsskala. Orchester und Chor klingen bisweilen dumpf, dafür sind die Stimmen präsent und sehr natürlich abgebildet.

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

BERLIN/Deutsche Oper: MARIA STUARDA. Konzertante Premiere


Schlussapplaus. Foto: Dr. Ingobert Waltenberger

BERLIN / Deutsche Oper: MARIA STUARDA, Konzertante PREMIERE, 28.5.2018

Umjubelte Aufführung mit Diana Damrau in der Titelpartie

 

Donizettis Belkantoreißer Maria Stuarda ist ein effektvolles Primadonnenvehikel mit virtuosen Arien und Duetten, aber auch dramaturgisch gut gestrickten Ensembleszenen. So gehört das Aufeinanderprallen der beiden Königinnen im zweiten Akt mit dem Fluch „Bastarda“ der Schottin Maria an die Engländerin Elisabeth gerichtet zu den wirkungsvollsten Frauenduetten in der italienischen Oper überhaupt. Ein faszinierendes Gladiatorinnenringen in der blutigen Arena der Gattung Oper, wo die Protagonistin am Ende auf das Schafott muss, freilich nicht ohne vorher eine rührende Gesangsnummer, in der sie ihrer Henkerin Elisabeth auch noch verzeiht, zum Besten gegeben zu haben.


Javier Camarena, Diana Damrau, Jana Kurucová. Copyright: Bettina Stöss/Deutsche Oper Berlin

 

Die Entstehungsgeschichte der 1834 für Neapel/ Teatro San Carlo geschriebenen Oper (die eigentliche Uraufführung fand erst 1835 an der Mailänder Scala statt) war ein problematischer Fall. Sabine Sonntag spricht im Programmheft gar von einer haarsträubenden Aneinanderreihung von Unwahrscheinlichkeiten aus einem Opernführer für Spaßvögel: Einer normalen Premiere standen u.a. die Zensur, eine Generalprobe mit einer vom Hocker gefallenen Königin (Maria Cristina), Divengerangel sowie kranke Diven und stimmlose Tenöre  entgegen. 

 

Erst 1958 wurde Maria Stuarda wieder für die Bühne und Opernafficionados entdeckt. Legion sind die Sängerinnen, die sich seither an den beiden Rollen effektvoll versucht haben: Leyla Gencer, Shirley Verrett, Montserrat Caballé, Jona Sutherland und Beverly Siolls, Katia Ricciarelli, Janet Baker, Mara Zampieri, Agnes Baltsa waren sicherlich die herausragendsten. Im Theater an der Wien gab es im Jänner 2018 eine szenische Premiere. In Berlin begnügt man sich mit nur zwei konzertanten Aufführungen, die Premiere bietet jedoch Belcanto vom Allerfeinsten.

 

Das Publikum der Deutschen Oper Berlin ist an diesem vorhochsommerlichen Vollmondabend in bester Stimmung, Große Oper zu erleben. Und die bieten Diana Damrau als Maria Stuarda, Jana Kurucová als Elisabetta I und der von beiden Royals begehrte Graf Leicester (Javier Camarena) im höchsten Maß. Diana Damrau in tiefroter Robe ist in Höchstform, ihre Piani im Finale weisen sie als technisch hochversiert, und neben ihrer bühnenbeherrschenden Impulsivität auch als Stilistin von Gnaden aus. Da braucht es gar keine Kulissen, die kleine Fläche zwischen Orchester und Publikum, die Stange hinter dem Dirigentenpult genügen, um dieser Maria Stuarda hin- und hergerissen zwischen Liebe und Staatsraison, zwischen Stolz und Erniedrigung, königliches Profil zu verleihen. Stimmlich liefert die im Auftritt so extravertierte Sängerin ein Fest an raffinierter Phrasierung, endlos gesponnenen Legatobögen, aber auch explosiv platzierten Akuti. Selbst ihre sichtliche Freude über den verdiente Applaus wirkt noch ansteckend. Nicht  minder beeindruckend ist ihre Gegenspielerin, Jana Kururcová als frustrierte, machtbesessen geifernde Königin von England, Elisabeth I. Von der Rolle zwar Secondadonna, bietet Kurucová nichts weniger als eine Lehrstunde in Belcanto. Wie sie Worte in gleißende Skalen übersetzt, hitzige Emotionen in Verzierungen wandelt, auch in ihrer Mimik ganz in die Rolle der bösen Königin schlüpft, zeugt von beeindruckender musikalischer Intelligenz und schauspielerischem Instinkt. Der junge Mexikaner Javier Camarena ist, was  tenoralen Glanz, mühelose Höhen und märchenhafte Strahlkraft anlangt, eigentlich der Knüller der Aufführung. Nicolas Testé gibt einen bassmächtigen, der Stuarda treuen Georg Talbot, Amira Elmadfa  begleitet ihre Herrin mit mild tröstender Stimme zum Schaffott, der koreanische Bariton Dong-Hwan Lee ist als Sir William Cecil der intrigante Zuflüsterer der das Todesurteil unterzeichnenden Elisabeth.


Diana Damrau, Nicolas Testé. Copyright: Bettina Stöss/ Deutsche Oper Berlin

Vom großen finalen Jubel des durchwegs glücklichen Publikums waren auch der ganz exzellent einstudierte Chor (Jeremy Bines) und das von Francesco Ivan Ciampa sängerfreundlich, aber dennoch eigenprofiliert wirkende Orchester der Deutschen Oper Berlin umfasst. Nicht wenige dürften auch nicht unglücklich darüber gewesen zu sein, nur einmal die Musik genießen zu können, ohne jegliche Regie und ohne über Sinn oder Unsinn von szenischen Arrangements nachdenken zu müssen. 

   Die Oper ist noch am Donnerstag, 31.5. an der Deutschen Oper in Berlin zu hören.

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

MÜNCHEN/ Gärtnerplatztheater: MARIA STUARDA. Premiere

Bildergebnis für gärtnerplatztheater maria stuarda

MARIA STUARDA – 22.3.2018; Gärtnerplatztheater München (Premiere)

Die Uraufführung von „Maria Stuarda“ an der Mailänder Scala am 30. Dezember 1835 war ein veritabler Misserfolg und auch die Entstehungsgeschichte dieser „Tragedia lirica“ ist keine Erfolgsgeschichte. Gaetano Donizetti hatte die auf Schillers Drama „Maria Stuart“ basierende Oper eigentlich für das Teatro San Carlo in Neapel komponiert, wo sie erstmals im August 1834 aufgeführt werden sollte. Aber zu einer Premiere kam es nach der mehrmals verschobenen Generalprobe nicht mehr. Doch Donizetti beauftragte einen anderen Librettisten und unter dem heute nur noch ausgewiesenen Spezialisten bekannten Namen „Buondelmonte“ gelangte die neue alte Oper zur Uraufführung. Maria Malibran ist es zu verdanken, dass die Mailänder Scala die originale Oper zur ersten Premiere bringen sollte. Donizetti hat dafür die Urfassung überarbeitet; er erweiterte die Oper um einige Nummern, bearbeitete die Rezitative und fügte eine neue Ouvertüre hinzu.

Der Misserfolg der Uraufführung – sowohl Maria Malibran  in der Titelpartie wie auch ihre Gegenspielerin als Elisabetta waren deutlich indisponiert – setze sich bei weiteren Aufführungen innerhalb und außerhalb Italiens fort und nach 1865 verschwand die Oper für rund 100 Jahre fast vollständig von den Bühnen. Wohl gab es eine respektable Wiederentdeckung der Oper 1958 in Bergamo, einen durchschlagenden Erfolg erzielte die Oper aber erst 1967 beim Maggio Musicale in Florenz (mit Leyla Gencer in der Titelpartie und Shirley Verrett als Elisabetta) und vielleicht noch mehr 1971 in Mailand (mit Montserrat Caballé und ebenfalls Shirley Verrett; in dieser Produktion hat der Schreiber dieser Zeilen „Maria Stuarda“ erstmals erlebt).

Jetzt hat sich das Gärtnerplatztheater in München erstmals in der Geschichte des Hauses dieser Belcantooper angenommen – man spielt die von Anders Wiklund in Zusammenarbeit mit der Stadt Bergamo für Casa Ricordi edierte „kritische Ausgabe“ –  und ist damit kein geringes Wagnis eingegangen. Benötigt diese Oper doch neben koloratur- und stilsicherem Sopran (Maria Stuarda) und Mezzo (Elisabetta) auch einen schön geführten höhenfesten Tenor (Leicester) und einen profunden Bass (Talbot). Das Wagnis hat sich gelohnt und das Gärtnerplatztheater kann einmal mehr eine erfolgreiche Premiere verbuchen.

Nach seiner erfolgreichen Inszenierung von “La Sonnambula“ konnte Michael Sturminger auch für „Maria Stuarda“ als Regisseur gewonnen werden. Wie sehr er in die Entstehung der Produktion eingebunden war und in welchem Ausmaß die als Co-Regisseurin genannte Ricarda Regina Ludigkeit (die aber auch bei „Dantons Tod“ an der Wiener Staatsoper im Leadingteam genannt wird) in Wirklichkeit für die Umsetzung des Regiekonzeptes verantwortlich ist (Sturminger führt ja parallel bei „Tosca“ bei den Osterfestspielen in Salzburg Regie), entzieht sich der Kenntnis des Besuchers. Die Personenführung, der Chor ist da ausdrücklich mit einbezogen, ist – man kann es nicht anders nennen – konventionell. Die dominierende und immer wieder an eine semikonzertante Aufführung erinnernde Statik aller Mitwirkenden hat allerdings den Vorteil, dass sich der Premierenbesucher voll auf die musikalische Seite des Abends konzentrieren kann. Im krassen Gegensatz zu den historisierenden Kostümen steht das Bühnenbild (Bühne und Kostüme: Andreas Donhauser und Renate Martin). Auf der Drehbühne steht ein sechseckiger Glaskörper, dessen verschiebbare Wände den Szenenwechsel erleichtern und ohne den Spielfluss störende Pausen ermöglichen.

Die musikalische Seite dieser Neuinszenierung steht auf hohem bis höchstem Niveau. Vor allem die sängerische Seite dieser Premiere überzeugt ohne Abstriche. Nadja Stefanoff, der einzige Gast im Ensemble, glänzt durch rollengerechte Kälte in der Figur der Elisabetta und überzeugt stimmlich in jeder Phase. Scheinbar mühelos meistert sie mit ihrem hellen Mezzo die weit in den Sopranbereich reichenden Höhen der koloraturreichen Partie. Diese Königin sollte man nicht zur Feindin haben. Ihre Gegenspielerin und Trägerin der titelgebenden Rolle gestaltet Jennifer O´Loughlin stimmschön und ausdrucksstark. Die lange Jahre in Wien im Ensemble der Volksoper engagierte Sängerin kann am Gärtnerplatz ihre musikalischen Stärken zeigen und weiter entwickeln; mit dieser fulminanten Maria Stuarda hat sie sich endgültig im Belcantofach etabliert. Die exponierte Rolle scheint ihr bis in die höchsten Lagen keinerlei Schwierigkeiten zu bereiten, nahezu gehauchte Piani habe ich selten so ergreifend gehört. Zwischen diesen dominierenden Frauen steht Roberto, Graf von  Leicester, dem der höhensichere Lucian Krasznec stimmliches wie darstellerisches Profil verleiht. In dieser anspruchsvollen Partie kann er mit vokalem Glanz und schön geführter Stimme überzeugen. Levente Páll gibt mit warmen Bass einen markanten Talbot, Matija Meic ist ein intriganter wie dominanter Cecil, Elaine Ortiz Arandes beweist Stimm- wie Bühnenpräsenz in der kleinen Rolle der Anna Kennedy. Hohes Lob verdient auch in dieser Produktion der von Felix Meybier hervorragend studierte Chor.

Kleine, beinahe schon beckmesserische Einwände gibt es für die Damen und Herren vor der Bühne. An die nicht ganz unproblematischen Klangverhältnisse im Haus hat sich das Orchester unter der Leitung von Anthony Bramall,  musikalischer Chefs des Gärtnerplatztheaters, bestmöglich eingestellt, aber etwas mehr Italianita und Legatobögen würden den durchaus positiven Eindruck noch steigern.

Fazit des Premierenabends: Eine Reise zu „Maria Stuarda“ kann auch anspruchsvollen Opernfreunden empfohlen werden.

Michael Koling

DUISBURG/ Deutsche Oper am Rhein: MARIA STUARDA. Neuinszenierung

Duisburg (Deutsche Oper am Rhein): MARIA STUARDA
Premiere : 15. Dezember  Vorstellung: 28. Dezember 2017
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Es ist bekannt, dass die Begegnung von Maria Stuart, Königin von Schottland, und Elisabeth, Königin von England, nie stattgefunden hat. Sie ist eine Erfindung Friedrich Schillers. Aber diese Freiheit war sein gutes Recht, zumal eine große dramatische Szene entstand. Gaetano Donizetti hat für seine „Maria Stuarda“ aus operndramaturgischen Gründen weitere Modifikationen vorgenommen. Zuschlechterletzt waren aufgrund königlicher Verdrießlichkeiten nochmals radikale Eingriffe erforderlich. Sie führten zu einer grotesken Verstümmelung der Handlung, welche nunmehr Parteienkämpfe im Italien der Renaissance schilderte: „Buondelmote“ hieß diese Kreation, welche nach der Premiere aber sofort wieder in der Versenkung verschwand. Doch auch die eigentliche „Maria Stuarda“ blieb nicht ungeschoren. Erst mit einer auf die Sängerin Maria Malibran zugeschnittenen Fassung fand 1835 das Herumschnippeln an Partitur und Libretto ein Ende. Gleichwohl blieben Aufführungen spärlich. Erst im 20. Jahrhundert kam es zu einer nachhaltigen Wiederbelebung des Werkes, 1958 beginnend mit einer Aufführung in Bergamo, welche von Oliviero de Fabritiis dirigiert wurde. Spätere wichtige Produktionen erfolgten 1967 in Florenz (mit Leyla Gencer) und 1979 in Barcelona (mit Montserrat Caballé). Auch in der Folge war die Verfügbarkeit von exquisiten Koloratursängerinnen stets ein besonderer Grund, die Oper auf den Spielplan zu setzen, so im Falle von Joan Sutherland und Edita Gruberova. In dieser Primadonnen-Phalanx nimmt Janet Baker (Sadler’s Wells 1973) einen nicht ganz einschätzbaren Platz ein. Aber die selbstkritische Künstlerin wählte die Maria ein Jahrzehnt später sogar für ihren Bühnenabschied. In Duisburg (Deutsche Oper am Rhein) bietet jetzt OLESYA GOLOVNEVA mit großer sängerischer Verve und differenzierter Darstellung ein Rollendebüt von höchstem Rang.
GUY JOOSTENs Inszenierung rückt die Titelfigur nachdrücklich ins Rampenlicht. Zur Ouvertüre, welche bereits das sorgfältige und inspirierte Spiel der von LUKAS BEIKIRCHER akribisch, aber auch locker dirigierten DUISBURGER PHILHARMONIKER erkennen lässt, erscheint per Video eine Niederschrift Marias: „My end is my beginning.“ Die historische Königin hat diese Worte in der Tat in ihre Stickarbeiten eingearbeitet, möglicherweise um ihrer fast zwanzig Jahre währenden Gefangenschaft bei Elisabeth einen tieferen Sinn zu geben. Bei Joosten wird dieser Satz nun sogar zu einer bewussten und theatralisch inszenierten Legendenbildung durch die Protagonistin, was nicht in jedem Detail streng realistisch zu sehen ist. Nachdem sich die zum Tode Verurteilte von ihren Anhängern im historischen Kostüm verabschiedet hat (ansonsten bietet EVA KRÄMER eine Mischung von Gestern und Heute), legt sie es – auf einen Tisch steigend – bis auf das rote Unterkleid ab. Der Rache- und Mahncharakter dieser Szene setzt sich beim Chor fort, welcher sich rote Stoffe überwirft, und einem Lichterguss von gleichfalls weinfarbiger Intensität, welcher sich fraglos auf das Blut bei der natürlich nicht gezeigten realen Hinrichtung bezieht. Elisabeth, welche glaubt, mit Marias Tod ihre auch in Sachen Liebe bestehende Rivalität (Leicester) überwinden und für ihren Seelenfrieden ad acta legen zu können, muss sich, mühsam von ihrem Racheeinflüsterer Cecil geschützt, vor der Wut des Mobs in eine der Gefängniszellen zurückziehen, welche zuvor Maria beherbergte. Nicht sie, sondern diese ist also Siegerin im Kampf geblieben. Ein interessanter Aspekt, bei dem man freilich historische Realität zu negieren hat. Doch das ist die Freiheit nachschöpferischen Theaterspiels.
Als etwas problematisch könnte man (muss aber nicht) die Ausstattung von ROEL VAN BERCKELAER empfinden. Sein gleich bleibendes Bühnenbild (Gefängnisgebäude mit Einzelzellen, zu denen seitliche Treppen hochführen) beruft sich auf die Panoptiken, mit welchen Jeremy Bentham im 19. Jahrhundert die traditionellen Gefängnisse ersetzte, mit dem Vorteil einer quasi „unsichtbaren“ Überwachung. „Gewissheitshäuser“ statt „Sicherheitshäuser“ wie er es formulierte. Dies inszenatorisch für Donizettis „Maria Stuarda“ zu nutzen, entbehrt sicher nicht der Logik, wirkt aber letztlich doch etwas weit hergeholt. Und fast schon kurios mutet es an, wenn die zum Todesurteil noch unentschlossene Elisabeth in dem jetzt fast wie eine Gastwirtschaft anmutenden Ambiente Platz nimmt. Dass sie ständig von kindlich kichernden Maria-Gestalten umschwirrt wird, macht wiederum tiefenpsychologisch Sinn. Später wird das Volk Maria huldigen; für seine Feierstimmung holt es sich aus einem riesigen Kühlschrank Getränkeflaschen. Also bitte. Joostens Regie schwankt also zwischen erhellenden Einfällen, von welchen die Protagonistinnen am meisten profitieren, und befremdlichen Momenten. Mit der Führung des Chores kommt der Regisseur überhaupt nicht recht klar. Viel kompakte Statik, zu Beginn auf den Treppen schematisch Lebendigkeit durch Gegenbewegung.
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Musikalisch macht die Aufführung, wie bereits gesagt, viel Freude. Nun gibt Donizettis Werk aber auch viel her. Neben konventionell bleibenden Szenen erlebt man immer wieder den Aufbruch zum Musikdrama, was bei der großen Szene zwischen Maria und ihrem Betreuer und Beichtvater Talbot im 3. Akt kulminiert. Hier bewahrt sich einmal mehr die eminente Ausstrahlung von Olesya Golovneva, wie sie schon oft erlebt werden konnte (u.a. in Köln, wo die Sängerin ein besonders vielseitiges Rollenspektrum bot). Ein würdiger, bassmächtiger Partner war in der gesehenen 4. Vorstellung der polnische Bass WOJTEK GIERLACH, welcher die ihm freilich vertraute Partie offenbar kurzfristig übernommen hatte.
SARAH FEREDE ist eine sehr junge Elisabetta, worin man durchaus einen Rollenvorteil sehen kann. Ihre expansive Partie meistert ihr heller Mezzo sicher und autoritativ, kommt an die vokale Rundung von Olesya Golovneva freilich nicht ganz heran. GIANLUCA TERRANOVA bewältigt mit seinem gleißenden Tenor die enormen Höhenflüge der Leicester-Partie mühelos, LAIMONAS PAUTIENIUS eifert überzeugend als Cecil, und MARIA BOIKO macht viel aus der marginalen Rolle von Marias Vertrauter Anna Kennedy.
Mit der gesehenen Aufführung ist die erste Spielserie von „Maria Stuarda“ abgeschlossen. Aufführungen im Neuen Jahr (Januar, Mai, Juni – alle in Duisburg) werden auch alternative Besetzungen offerieren.
Christoph Zimmermann

SALZBURG/ Großes Festspielhaus: I DUE FOSCARI konzertant. Eine frühe Verdi-Oper, maßgeschneidert für Placido Domingo

Großes Festspielhaus

„I DUE FOSCARI“ – EINE FRUEHE VERDI-OPER, MASSGESCHNEIDERT FÜR PLACIDO DOMINGO (11.8.2017)


Schlussapplaus. Copyright: Marco Borelli/ Salzburger Festspiele

Ein Abend maßgeschneidert für das „Phänomen Placido Domingo“, ein weiterer Triumph für den spanischen Sänger, der nun als Bariton seine unvergleichliche Karriere unvermindert fortsetzt. Die Handlung dieser frühen Oper von Giuseppe Verdi – zwei Jahre nach dem Nabucco-Erfolg in Rom 1844 uraufgeführt – dreht sich um den alten Dogen Francesco Foscari. Es geht um Pflichterfüllung und Macht-Intrigen zwischen rivalisierenden Adels-Familien, um das Schweigen des Vaters zu einem Fehlurteil des „Rates der 10“ über den Sohn Jacopo Foscari ( Joseph Calleja) und schließlich um das tragische, herzzerreißende Ende des alten Foscari. Ein wahrlich eindrucksvolles Werk für eine reife Persönlichkeit wie Placido Domingo, der im Finale alle seine Qualitäten in vokaler wie schauspielerischer Hinsicht ausspielen kann. Das ursprünglich für Venedig gedachte Stück nach einer Drama-Vorlage von Lord Byron entbehrt der üblichen Opern-Ingredienzien von Liebe, Eifersucht und Leidenschaft.

Nur die gegen das Verbannungs-Urteil ankämpfende Schwiegertochter Lucretia (Guanqun Yu) ergänzt als Frau die Männer-Riege, zu der neben zwei Foscari auch der „Gegenspieler“ Jacopo Loredano (Robert Tagliavini) sowie Barbarigo (Bror Magnus Todenes) gehören. Das erst seit wenigen Jahren durch Placido Domingo wiederentdeckte Frühwerk Verdi’s enthält keine „Schlager“ wie den Gefangenen-Chor, aber viel mitreißende Ensembles, Chöre und Arien für die Foscari’s. Nötig ist also ein Dirigent, der die frühe Genialität Verdi’s umsetzten kann.

Mit dem in Pesaro geborenen Michele Mariotti stand ein solch dynamischer Drive – Musiker zur Verfügung. Gemeinsam mit dem Mozarteumorchester Salzburg und dem Philharmonia Chor Wien (Leitung Walter Zeh) sorgte er für Schwung, enthusiastische Begeisterung und den nötigen „Verve“. Und er sorgte dafür, dass Placido Domingo im „großen Finale“  alle seine „Atouts“ ausspielen konnte. Da ist nach wie vor sein edles, goldtönendes Timbre – er verfügte immer über eine baritonale Färbung in der Mittellage; und heute wechselt er zu Posa und Germont, Simon Boccanegra und eben  Francesco Foscari. Und begeistert mit der gleichen Stimme, mit der unveränderten emotionalen Intensität und mit der gleichen unversiegbaren Kraft. Jedenfalls stellte er einmal mehr alle anderen Mitwirkenden in den Schatten. Joseph Calleja begann gleichwertig, sein heller, strahlender Tenor war besonders intensiv. Doch bei seiner großen Arie stellte sich eine Schwächephase ein: die Mittellage wurde rau, die Höhen markiert. Ich habe das beim maltesischen Tenor schon öfters erlebt: ist er besonders empfindlich, sind es doch technische Probleme? Jedenfalls ging der Heiserkeitsanfall gut vorüber und der Abend – samt „standing ovations“ und Riesenjubel im restlos ausverkauften Großen Festspielhaus – gehörte ohnedies Placido Domingo. Viel zu lyrisch war allerdings für mich die chinesische Sopranistin Guanqun Yu, die – wie man hört – großen Erfolg als Liu hat; die Partie der Lucretia erinnert mich jedoch an die Abigaile in Nabucco. Und nicht zufällig hat eine Leyla Gencer diese Rolle 1957 im Studio aufgenommen. Bleibt noch zu erwähnen, dass der König aus „Aida“ Roberto Tagliavini diesmal als Loredano der „Bösewicht vom Dienst“ war und sich viel besser behaupten konnte als in der ägyptischen Dreiecks-Oper. Und das gleiche gilt für den norwegischen Tenor Bror Magnus Todenes, der seit dem Vorjahr zum Wiener Staatsopern-Nachwuchs gehört. Er fiel mit seiner wirklich schönen Tenorstimme diesmal mehr als positiv auf.

Der maßgeschneiderte Verdi-Abend für Placido Domingo wird am 14. August 2017 um 15 Uhr 30 wiederholt. Und die Anzahl der Tafeln mit dem Text „Suche Karte“ wird sich noch mehr vergrößern!

Peter Dusek

 

Gaetano Donizetti: ROBERTO DEVEREUX (Genua 2016)

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Gaetano Donizetti: ROBERTO DEVEREUX
Live aus dem Teatro Carlo Felice, Genua, 2016

DYNAMIC Blu-ray

Lektion in Belcanto der beinahe 70-jährigen Opernlegende Mariella Devia

Mariella Devia war zeitlebens ein geschätzter lyrischer Sopran, hat lange an der MET gesungen, bei vielen Festivals geglänzt und in den letzten 10 Jahren den Sprung ins dramatische Belcanto-Fach gewagt. Und das mit umwerfendem Erfolg. Norma (Rollendebut 2013) und die Donizetti „Tudor Opern“ Maria Stuarda, Anna Bolena und Elisabetta in Roberto Devereux sind nicht nur zum Markenzeichen von Mariella Devia geworden, sondern haben diese außerordentliche Sängerin jetzt im Spätsommer ihrer Karriere endgültig zur umjubelten Primadonna werden lassen.

Elisabetta in Roberto Devereux: Carnegie Hall 2014 (Rollendebüt), Madrid Teatro Real 2015 (DVD BelAir), Teatro Felice in Genua 2016 (Blu-ray Dynamik), Stationen des Belcanto-Wunders Devia, das dank medialer Aufmerksamkeit nun auch schon in zwei Versionen als Filmmitschnitt erhältlich ist.

In Genua hat Regisseur Alfonso Antoniozzi rund um die Diva des Abends einen simplen, aber wirkungsvollen Rahmen gebaut: Eine fünfstufige Bretterpawlatschen in der Mitte der Bühne mit wenigen Requisiten (Thron, Kandelaber, Vogelkäfig als Gefängnis), sechs Mimen und üppigen historischen Kostümen (Gianluca Falaschi) genügen, um das Liebesdrama zweier Frauen (Elisabeth und Sara) um Roberto Devereux plastisch erstehen zu lassen. Nach der Hinrichtung Robertos wegen Hochverrats verkündet Elisabetta den Thronverzicht, übergibt die Insignien ihrer Macht an ihren Neffen James, König von Schottland.

Mariella Devia kann in dieser genuesischen Produktion all ihre Trümpfe beeindruckend ausspielen. Ihre Stimme, die keinerlei Ermüdungserscheinung zeigt, aber auch nicht warm ist wie diejenige der wohl besten Elisabetta auf Tonträgern, nämlich Leyla Gencer (Neapel 1964), wartet dennoch mit einem Füllhorn an kräftigen Primärfarben, berauschend schönen Kuppeltönen und exakt und prägnant gesungenen Verzierungen auf. Herb und herrisch wie eine Infantin auf einem Gemälde von Velazquez, kann der Zuseher nicht nur staunen, wie Belcanto stilistisch einwandfrei zu singen ist, und zwar ohne Wenn und Aber  (es gibt keinen einzigen Schleifer, nicht eine einzige Intonationstrübung), sondern auch an den Zügen der alternden Königin den aussichtslosen Kampf um die Liebe eines jüngeren Mannes ablesen. Das berühmte Finale der Oper „Alma rea! Spietato core!“ und die Cavatine Vivi, ingrato“ geraten zur vokalen Apotheose, ein Trumpf der Gattung Oper allein dank des stimmlichen Raffinements der ligurischen Sängerin. 

Von Beverly Sills wurde die Rolle der Elisabetta als mörderisch bezeichnet und das ist sie wohl auch. Sie verlangt nicht nur alle Attribute eines leicht-verzierten Belcanto Gesangs, sondern auch dramatische Sprünge sondergleichen, also leichtgehende Höhen und eine massiv ausladende untere Lage. Devia wartet aber auch mit einer klugen Darstellung auf, die ohne zu outrieren oder der Stimme Groteskes abzutrotzen, einen modernen und humanen Charakter sowie eine greifbare Persönlichkeit wachsen lassen, psychologisch klar umrissen, königlich und vokal beherrscht bis zuletzt. Ob Umgarnen, Wut oder verletzte Resignation, alles dient  der Oper und der Rolle. Der umglaubliche Jubel am Ende der Aufführung bestätigt das seltene Niveau dieser historischen Rolleninterpretation.

Das Orchester und der Chor des Teatro Carlo Felice unter der Leitung von Francesco Lanzillotta haben nichts falsch gemacht, begeistern aber auch nicht sonderlich. Genauso verhält es sich für mich mit den Interpreten der anderen Partien. Die brave, etwas blasse Sara der Sonia Ganassi, der heldisch auftrumpfende, zu sehr brüllende Roberto Devereux des Stefan Pop, Allessandro Fantoni als Lord Cecil und Claudio Ottino als Sir Gualtiero Raleigh bleiben nicht nur wegen der teils zugegeben wenig dankbaren Rollen in der zweiten Reihe. Nur der Koreaner Mansoo Kim als gehörnter Nottingham erreicht mit edlem dunkel timbriertem Bariton und einer ausdruckssatten Interpretation die Klasse der Devia. 

Die technische Qualität des Mitschnitts ist zufriedenstellend, keineswegs brillant, die Kameraführung beim Schlussvorhang ziemlich grotesk, weil nur noch die dunklen Hinterköpfe des standig ovations spendenden Publikums zu sehen sind.

Fazit: Ein wichtiges Dokument einer großen, einzigartigen Gesangsleistung, die sich alle Liebhaber des Belcanto auf keinen Fall entgehen lassen sollten. Alternativ sind auch die diversen Rolleninterpretationen der Elisabetta durch Beverly Sills, Leyla Gencer, Monserrat Caballé oder Edita Gruberova zu empfehlen.

Dr. Ingobert Waltenberger

CARMEN GIANNATTASIO: „Wenn ich singe, möchte ich, dass mein Publikum für ein paar Stunden seinen Alltag vergessen kann“

Carmen Giannattasio: „Wenn ich singe, möchte ich, dass mein Publikum für ein paar Stunden seinen Alltag vergessen kann“

 

Zur Staatsopernpremiere „Falstaff“ von Giuseppe Verdi

(November 2016/ Renate Publig)

Bildergebnis für carmen giannattasio

© BC Photography

 

Nach ihrem 1. Preis beim Operalia-Wettbewerb verlief die Karriere der Sopranistin Carmen Giannattasio rasant, und mittlerweile zählen das Royal Opera House Covent Garden ebenso zu ihrem musikalischen Zuhause wie die Mailänder Scala, die Deutsche Oper Berlin oder aber die MET. In der Premiere von Giuseppe Verdis Falstaff gibt Giannattasio, die derzeit in London lebt, ihr Hausdebüt an der Wiener Staatsoper.

 

Frau Giannattasio, sowohl Ihre Auftrittspläne als auch Ihr vergangener Kalender weisen beeindruckende Stationen auf – wie hat alles begonnen?

Auf diese Frage antworte ich gerne, dass nicht ich mich für diesen Beruf entschieden habe. Es war die Musik, die mich gewählt hat. Ursprünglich war mein Wunsch, als Journalistin zu arbeiten, mein Vater wünschte sich für mich einen Beruf mit einem sicheren Einkommen. Also schloss ich mit 23 mein Studium „Russische Literatur“ ab und gewann danach ein Stipendium fürs Doktoratsstudium.

Musik war zu diesem Zeitpunkt bereits meine große Leidenschaft; so besuchte ich auch das Konservatorium, und gleichzeitig mit dem Stipendium erhielt ich eine Einladung zu einer Masterclass mit Leila Gencer. Sie wurde später meine Lehrerin, und schließlich gewann ich die zweijährige Ausbildung an der Academia La Scala.

Als Kind durfte ich zwei Schulklassen überspringen, bei mir ging alles relativ schnell, was nicht immer heißt, dass es einfacher war!

 

Eines Ihrer ersten Debüts absolvierten Sie in der Rolle von Verdis Desdemona, an der Seite von Roberto Alagna als Otello, die Aufführung wurde von Placido Domingo geleitet. War das eher einschüchternd oder stärkt ein derartiges Engagement das Selbstvertrauen, schließlich erhält man ein derartiges Angebot nicht grundlos?

Nach meinem Abschluss an der Academia La Scala gewann ich den Operalia Wettbewerb. Ich wusste, dass ich dadurch einige Engagements bekommen würde. Als mich allerdings eines Tages Placido Domingo anrief, ob ich verfügbar wäre, um Desdemona zu singen, war das natürlich unglaublich! Das war nicht nur mein Debüt in Los Angeles, sondern überhaupt in Amerika, und dann in dieser Besetzung!

 

Mit dieser Produktion geben Sie Ihr Hausdebüt an der Wiener Staatsoper. Allerdings debütierten Sie bereits an einigen sogenannten „großen Bühnen“, etwa an der MET, der Scala oder der Royal Opera London etc. Wird es für Sie einfacher oder erhöht sich der Druck, je mehr Debüts Sie an großen Bühnen geben?

Die Wiener Staatsoper war eine Station auf meiner persönlichen Liste, die ich unbedingt erreichen wollte! Wenn man mit 24 an der Mailänder Scala debütiert, geht man noch unbekümmert an die Sache, man ist sich der Tragweite noch nicht bewusst. Mittlerweile stehe ich seit 15 Jahren auf der Bühne. Da gewöhnt man sich zwar an den Druck, doch man nimmt die gesteigerte Erwartung des Publikums war. Und das Level zu halten und diesen Erwartungen immer gerecht zu werden, ist eine Herausforderung.

 

Noch dazu wird von einem Sänger stets eine gute Leistung erwartet …

Der Zuhörer hat natürlich dafür bezahlt, um eine schöne Vorstellung zu sehen. Da wird gelegentlich vergessen, dass SängerInnen auch nur Menschen sind, die private oder gesundheitliche Probleme haben können.

Der Körper ist mein Instrument, und wenn ich mich nicht wohlfühle, hat das Auswirkungen auf den Gesang. Einmal klagte ich über starke Rückenschmerzen und musste Norma singen – unmöglich. Da sucht man schnell einen Arzt, der einem eine Infusion gibt. Man hat zwar noch immer Schmerzen und denkt, man würde die Partie im wahrsten Sinn des Wortes nicht durchstehen. Aber dann passiert sie, die Magie der Oper: Man steht auf der Bühne, und durch das Adrenalin, durch das Rundherum ist jeder Schmerz für ein paar Stunden vergessen.

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Carmen Giannattasio als Alice Ford im Wiener „Falstaff“. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

 

Was dürfen wir von der neuen Falstaff-Produktion erwarten?

David McVicar ist ein sehr enger, langjähriger Freund von mir, er macht in seiner Regie deutlich, dass Falstaff eigentlich eine Tragikomödie ist. Weil er, Falstaff, überhaupt nicht bemerkt, wie wir Frauen uns über ihn lustig machen. Er ist derart von seiner Attraktivität überzeugt, deshalb hält er die Reaktionen der Frauen für echt.

Es ist ein Doppelspiel, wir Frauen spielen Komödie, doch führt McVicar vor Augen, dass auch unser Leben nicht immer heiter ist.

 

Und die Alice Ford?

Alice ist kompliziert, eine sehr vielschichtige Person mit einer großen Palette an Gefühlen. Sie ist die reichste Frau, aber sie ist wegen seiner Eifersucht mit ihrem Mann unglücklich. Ford hat sie möglicherweise wirklich geliebt, doch zu dieser Zeit wurden Ehen gestiftet, für sie war es vermutlich keine Liebeshochzeit.

Den Streich an Falstaff führt sie ein wenig aus Rache aus. Sie ist derart von sich eingenommenen, dass sie nicht ertragen kann, dass Meg Page den gleichen Brief bekommt wie sie, auch wenn sie von Falstaff nichts will.

Ihre Bestimmung ist jedoch nicht dieser Streich, sondern die Planung der Hochzeit für ihre Tochter. Sie sieht, wie sehr Nanetta in Fenton verliebt ist und wünscht ihnen eine glückliche Partnerschaft, vielleicht, weil sie diese selbst nie hatte. Am Ende ist auch sie glücklich: Der Streich ist geglückt, und ebenso die Hochzeit!

Die Partie ist nicht einfach zu singen. Gesangstechnisch ist es kein Problem, aber musikalisch hat es die Oper in sich! Die Ensembleszenen sind eine Herausforderung, ganz besonders, wenn Zubin Mehta am Pult ist, der an jedem Detail feilt. Ich freue mich sehr, dass ich mit ihm auch in der Produktion von Falstaff an der Mailänder Scala singen werde!

 

Ich gehe davon aus, dass Sie zu den Rollen, die Sie verkörpern, Ihre eigene Meinung und Interpretation entwickeln. Können Sie diese bei Neuproduktionen einbringen?

Es sind wir Sänger, die die Rollen verkörpern müssen, und man kann nur passende Interpretationen gut transportieren. Alles andere ist künstlich und aufgesetzt.

Bei der Produktion von Il Trovatore im Theater an der Wien mit Philip Stölzl, den ich sehr schätze, tauschten wir unsere Ideen aus und erarbeiteten gemeinsam eine schlüssige Interpretation. Mit Stölzl mache ich demnächst in Dresden „I Pagliacci“ in Dresden.

Die Deutung einer Oper, einer Rolle muss für mich Sinn ergeben, muss für mich vor allem nachfühlbar sein. Für mich ist Kunst und Oper im Besonderen kein Medium der Selbstverwirklichung, es kann nicht darum gehen, auf Biegen und Brechen die eigene Meinung durchzuboxen. Sondern man geht aufeinander zu, erarbeitet etwas gemeinsam mit dem Regisseur, mit dem Dirigenten und mit den KollegInnen. Und im Endeffekt geht es darum, dem Publikum etwas zu geben. Wenn ich singe, dann nicht für mich, sondern ich möchte, dass das Publikum für ein paar Stunden den Alltag vergessen kann. Ich biete ihnen Träume an!

 

Vielleicht ist das genau der Schlüssel zu Ihrem Erfolg? Dass es Ihnen nicht darum geht, schön zu singen, sondern dass Sie den Zuhörern das Schicksal Ihrer Partie näherbringen wollen?

Jungen KollegInnen pflege ich zu sagen, dass der Klang der Stimme letzten Endes nicht das einzig Wichtige ist. Ein Sänger mit der schönsten Stimme wird das Publikum kalt lassen, wenn er keine Gefühle beim Zuhörer erwecken kann. Als hätte man zwar einen Ferrari, aber kein Benzin.
Meine Stimme ist sehr speziell, die mag man oder man mag sie nicht. Aber sie ist einzigartig.

 

Der Weg an die Spitze ist sehr schwierig, und die Luft da oben ist sehr dünn.

Und ich bin in meinem Leben schon einige Male wieder von der Spitze heruntergerollt – das ist wichtig, weil man nicht alles selbstverständlich nimmt. Es macht einen stärker.

In der Zeit an der Academia La Scala hatte ich meine Stimme ein ganzes Jahr lang verloren. Der Arzt meinte damals, mein Stimmapparat wäre nicht geeignet für eine professionelle Gesangskarriere. Das war natürlich niederschmetternd. Doch ich ließ mich nicht unterkriegen, ich beschloss, die Academia zu beenden. Dafür bin ich Luciana Serra sehr dankbar, denn sie hörte mich und wurde meine Mentorin. Ich nenne sie immer noch meine Fairy Godmother, meine gute Fee!

Ein halbes Jahr nach meinem Studienabschluss hatte ich ein Vorsingen bei Placido Domingo, der mich sofort zum Operalia-Wettbewerb einlud. Ich glaubte überhaupt nicht daran, zu gewinnen; In den Vorrunden trat man damals mit normaler Kleidung auf, erst das Abschlusskonzert gab man im Galakleid. Ich hatte keines eingepackt! Doch ich schaffte es bis zur Finalrunde, und als der Siegername ausgerufen wurde, mussten mich erst als meine Nachbarn rüttelten und als sie mir gratulierten, realisierte ich, dass ich gewonnen hatte!

 

Heute treten die vor allem die Teilnehmerinnen an Wettbewerben schon in den Vorrunden wesentlich gestylter auf!

Damals ging es in erster Linie um Stimme, heute geht wesentlich mehr um die Wirkung. Und vorher sagte ich, dass Stimme nicht alles wäre. Ich finde ein Mittelding optimal, eine gute Stimme UND ein wirkungsvolles Auftreten. Zum Beispiel finde ich Anja Harteros großartig. Das ist eine Sängerin, die ihre Zuhörer mit ihrer Stimme und mit ihrer Ausstrahlung in den Bann zieht. Und wenn das eine Sopranistin über eine andere sagt, will das etwas heißen! (lacht)

 

Sie singen oft tragische Partien wie die Liu, Mimi, Violetta, Leonora, Amelia oder Norma, sehr starke Frauenpersönlichkeiten. Sind dies die Rollen, die Sie bevorzugen?

Als Südländerin bin ich sehr temperamentvoll. Ich habe griechische Wurzeln, die in meinem Namen zu finden sind, der sich aus Johannes und Attanasius zusammensetzt. Ich habe die Tragödie also in meiner DNA. (lacht). Vielleicht kann ich mich durch meine Wurzeln wirklich tiefer in diese tragischen Rollen hineinfühlen! Aber wenn ich die Bühne verlasse, dann steige ich aus der Rolle.

Komische Rollen sind viel schwieriger zu spielen: Für die Alice habe ich viel mit David gearbeitet, das passende Timing, damit eine Stelle wirklich witzig kommt, ist unendlich schwierig.

 

Der Terminkalender einer Opernsängerin ist meist sehr dicht – wie gelingt es Ihnen, zu entspannen?

Mein Pilates-Yoga-Training ist mir wichtig, das hält mich fit, und ich kann dabei wunderbar abschalten. Außerdem mache ich gerne ausgedehnte Spaziergänge, durch den Wald, einfach in der Natur. In London, wo ich lebe, kann ich mich morgens entscheiden, ob ich in den Hyde Park oder in Kensington Gardens spazieren gehe.

Ich mag es, abseits der Bühne ein „normales“ Leben zu führen. Während eines Engagements fehlt mir die Zeit zu kochen. Deshalb liebe ich es, wenn ich ein paar Tage frei habe, Freunde einzuladen und sie zu bewirten, den Tisch zu dekorieren, dafür einkaufen zu gehen. Hauptsache, es wird dabei nicht über Musik oder Oper gesprochen!

Außerdem fotografiere ich gerne. Und ich liebe Malerei, ganz besonders Caravaggio und – Egon Schiele. Da bin ich hier in Wien genau richtig!

 

Welche Rollen stehen auf Ihrer Wunschliste?

Es gibt bereits Pläne für Tosca, 2018 debütiere ich mit dieser Partie in San Francisco in einer Neuproduktion.

Und mein Traum ist die Lady Macbeth, für die ich noch keine Verträge habe, doch das wird kommen. Zum einen möchte ich sie singen, weil ich einmal eine böse Figur verkörpern möchte, ansonsten singe ich immer die positiven Heldinnen. Der Grund, warum mir das besonders viel bedeutet, ist jedoch kein musikalischer. Sondern eines Tages erhielt ich nach einer Vorstellung einen hohen Besuch: Judy Dench, diese von mir hoch verehrte Schauspielerin, klopfte an meiner Garderobentür, um mir zu meiner schauspielerischen Leistung zu gratulieren. Ich war zu Tränen gerührt. Wir wurden Freundinnen, und da für mich ihre Lady Macbeth das Maß aller Dinge ist, erzählte ich ihr von meinem Traum. Und sie versprach mir, meine „Patin“ für diese Rolle zu sein, mir Tipps zu geben, und wo immer ich diese Rolle singen würde, würde sie mir aus der ersten Reihe zuhören. Und selbst, wenn das nicht eintreffen sollte – es lohnt sich, diesen Traum zu träumen!

 

Frau Giannattasio, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Premiere!

IN MEMORIAM-GEBURTSTAGE IM JUNI 2016

IN MEMORIAM-Geburtstage im Juni 2016

Berücksichtigt wurden runde und halbrunde Geburtstage. Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

2.6. Inga NIELSEN: 70. Geburtstag

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Als „Norma“

 Ihr Vater war Däne, ihre Mutter Österreicherin. Als Kind lebte sie zeitweilig mit ihrer Familie in den USA, wo sie bereits als Kinderstar in Radiosendungen zu hören war. Sie studierte an der Wiener Musikakademie und an der Musikhochschule Stuttgart; zu ihren Lehrern gehörten Hilde Güden, Julia Hamari und der ungarische Pädagoge Jenö Sipo. Debüt 1973 am Theater im Revier in Gelsenkirchen; es folgte 1974-75 eine Verpflichtung am Stadttheater Münster (Westfalen). Sie sang dann am Stadttheater von Bern (1975-77) und wurde 1978 an das Opernhaus von Frankfurt a.M. verpflichtet, dessen Mitglied sie bis 1983 blieb. Am Grand Théâtre Genf gastierte sie 1977 als Woglinde, als Ortlinde und als Waldvogel im Nibelungenring. Als Blumenmädchen im »Parsifal« wirkte sie 1977 bei den Bayreuther Festspielen und 1980-81 bei den Osterfestspielen in Salzburg mit. Sie gastierte 1977-2002 in insgesamt 30 Vorstellungen an der Wiener Staatsoper: als Adele wie als Rosalinde in der »Fledermaus«, als Chrysothemis in »Elektra« von R. Strauss, als Agathe im »Freischütz«, als Leonore im »Fidelio«, als Elsa im »Lohengrin«, als Salome von R. Strauss, als Marschallin im »Rosenkavalier« und als Kaiserin in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss. 1978 große Erfolge bei den Ludwigsburger Festspielen als Zerline im »Don Giovanni«, eine ihrer Glanzrollen. 1980 Gastspiel an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg als Blondchen in der »Entführung aus dem Serail« und als Norina im »Don Pasquale« von Donizetti. 1980 an der New York City Opera als Adele in der »Fledermaus« und als Nannetta in Verdis »Falstaff« aufgetreten. 1983 Gastspiel an der Oper von Brüssel als Ännchen im »Freischütz«. An der Pariser Oper gastierte sie 1983 als Adele in der »Fledermaus«, 1984 als Minette in »Die englische Katze« von H.W. Henze (die sie auch am 2.6.1983 bei den Festspielen von Schwetzingen in der Uraufführung dieser Oper und 1985 in deren amerikanischer Erstaufführung in Santa Fé sang) und 1991 als Elettra in »Idomeneo« von Mozart. 1984 sang sie in der Eröffnungsvorstellung der restaurierten Staatsoper von Stuttgart die Donna Elvira im »Don Giovanni«. Zu Gast auch an der Staatsoper von Hamburg (1984, 1987), am Stadttheater von Aachen (1976, 1985-86, u.a. als Konstanze in der »Entführung aus dem Serail«), an der Oper von Oslo (als Lucia di Lammermoor), an der Königlichen Oper Kopenhagen, in Pittsburgh und beim Wexford Festival, wo sie 1986 die Amenaide in Rossinis »Tancredi« vortrug. 1987 hörte man sie am Teatro Massimo Palermo als Marguerite im »Faust« von Gounod. Bei den Festspielen von Salzburg trat sie 1987-89 als Konstanze, 1991 als 1. Dame in der »Zauberflöte« und 2000 als Mikal in einer konzertanten Aufführung der Oper »Saul und David« von Carl Nielsen (die sie im gleichen Jahr auch bei den Ludwigsburger Festspielen sang), sowie in Konzerten (1988 in einem Mozart-Konzert, 1989 in Schuberts Es-Dur-Messe, 1990 in Beethovens 9. Symphonie und 1991 in Bruckners Te Deum) auf. Die Konstanze sang sie auch an der Covent Garden Oper London. 1989 gastierte sie in Köln als Ilia in Mozarts »Idomeneo«, an der Opéra du Rhin Straßburg als Fiordiligi in »Così fan tutte«. 1990 sang sie am Teatro Comunale Bologna in der italienischen Erstaufführung der autobiographischen Oper »Intermezzo« von Richard Strauss die Partie der Christine. 1990 sang sie in München die Aspasia in »Mitridate« von Mozart, 1991 an der Deutschen Oper Berlin die Marguerite im »Faust« von Gounod (mit ihrem Gatten Robert Hale als Mephisto), 1992 in Ludwigshafen die Lina in »Stiffelio« von Verdi, 1993 in der Megaron-Halle Athen die Aithra in »Die ägyptische Helena« von R. Strauss, 1994 an der Oper von Kopenhagen die Marschallin, 1995 in Brüssel die Salome von Richard Strauss. Sie wandte sich zunehmend dem dramatischen Fach zu und sang u.a. am Opernhaus von Zürich die Agathe im »Freischütz« und 1996 die Leonore im »Fidelio«, am Opernhaus von Leipzig 1994 die Salome, 1995 an der Dresdner Staatsoper die Chrysothemis, 1995 an der Covent Garden Oper die Ursula in »Mathis der Maler« von P. Hindemith. 1997 gastierte sie als Chrysothemis an der Oper von San Francisco. 1999 sang sie an der Mailänder Scala (an der sie bereits 1991 die Vier letzten Lieder von R. Strauss in einem Konzert interpretierte) die Kaiserin in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss, am Opernhaus von Zürich (und 2000 an der Staatsoper von Hamburg) die Elisabeth im »Tannhäuser«, an der Berliner Staatsoper 1999 die Norma von Bellini, 2000 an der Niederländischen Oper Amsterdam die Chrysothemis. 2000 trat sie an der Hamburger Staatsoper als Jenny in »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von Kurt Weill (dort auch 2001 als Salome), an der Münchner Staatsoper wieder als Kaiserin in »Die Frau ohne Schatten« auf. Auch im Konzertsaal kam sie in einem umfangreichen Repertoire zu einer Karriere auf internationalem Niveau. Bis 2005 war sie verheiratet mit dem amerikanischen Bass-Bariton Robert Hale. Sie starb 2008 in Kopenhagen.

Schallplatten: Electrola (Zerline in »Don Giovanni« in deutscher Sprache aus Ludwigsburg), DGG (Blumenmädchen im »Parsifal«), Intercord (»Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze« von J. Haydn), Edition Schwann (»Der Geburtstag der Infantin« von Zemlinsky), Wergo (»Le grand Macabre« von G. Ligeti), Aris (8. Sinfonie von G. Mahler), BIS (Recital), Philips (»Die Schuldigkeit des ersten Gebots« und »L’Oca del Cairo« von Mozart), Chandos (Hymnus Amoris von C. Nielsen, »Drot og Marsk« von Heise, 8. Sinfonie von G. Mahler, Titelrolle in »Salome« von R. Strauss), Chandos/Koch (»Der Rose Pilgerfahrt« von R. Schumann), BMG/RCA (Rezia im »Oberon« von Weber, Johannespassion von J.S. Bach), Teldec/East West Records (»Il re pastore« von Mozart), Dacapo (»Holger Danske« von F.L. Ae. Kunzen), Naxos (Leonore im »Fidelio«); Arthaus-Video (»Satyagraha« von Philip Glass, Stuttgart 1981).

 

2.6. Elena KITTNAROVÁ: 85. Geburtstag

Elena KITTNAROVÁ

 Sie war Schülerin des Konservatoriums von Bratislava (Preßburg). 1951 debütierte sie am Opernhaus von Bratislava in »Rusalka« von Dvorák, wandte sich dann aber der Operette zu. 1966 begann sie eine zweite Karriere als dramatische Sopranistin an der Slowakischen Nationaloper Bratislava. Sie sang hier die großen Partien dieses Fachbereichs aus der gesamten Opernliteratur bis hin zur Titelheldin in »Elektra« von Richard Strauss. Bühnengastspiele und Konzertauftritte führten die Sängerin in die Musikzentren in Westdeutschland, in Spanien, Bulgarien und Polen. Sie wurde mit dem Staatspreis der CSSR ausgezeichnet und zu deren Nationalkünstlerin ernannt. Sie starb 2012 in Bratislava.

Schallplattenaufnahmen der Marke Opus.

 

3.6. John DOUGLAS: 60. Geburtstag

 Biographie des amerikanischen Dirigenten auf Englisch:

https://en.wikipedia.org/wiki/John_Douglas_(conductor)

 

3.6. Carlos VEERHOFF: 90. Geburtstag

Carlos Enrique Veerhoff kam mit seinem Zwillingsbruder Wolfgang Otto als Frühgeburt zur Welt. Der Vater konnte erst zwei Tage später ein Krankenhaus mit Brutkasten finden, sodass in der Geburtsurkunde der 5. Juni 1926 angegeben ist. Der Vater Heinrich Veerhoff war Deutscher und leitete eine eigene Firma in Buenos Aires. Die Mutter Karla Veerhoff war selbst Geigerin und die Tochter des Dirigenten Karl Panzner und der Konzertsängerin Ida Panzner.Die Familie Veerhoff siedelte 1930 aufgrund eines Arbeitsplatzwechsels des Vaters zurück nach Deutschland, aber schon 1933 zog man weiter nach Südafrika. Nach eigener Aussage prägte die Begegnung mit der völlig anderen Welt Afrikas den jungen Veerhoff so nachhaltig, dass sie nicht nur in seiner 1. Symphonie panta rhei ihren Ausdruck fand, sondern auch in seine letzte, die 6. Symphonie Desiderata, durch die Aufnahme von Elementen fremder Kulturen zwar nicht klanglich, wohl aber durch Texte Eingang fand. Neben den Eindrücken Afrikas war noch eine zweite Erfahrung prägend: Als 1935 die erste Fluggesellschaft in Südafrika öffnete, wurde der junge Carlos zu einem Rundflug eingeladen. Hiernach entwickelte er eine große Leidenschaft für die Flugzeug- und Strömungstechnik, die erst später durch die Musik abgelöst wurde. Einen Hang zur Naturwissenschaft behielt sich Carlos Veerhoff aber zeitlebens.Nach der Rückkehr der Familie Veerhoff aus Südafrika nach Deutschland im Jahr 1935 begann Carlos Veerhoff Orchester- und Kammermusikkonzerte zu besuchen. Auch die Hausmusik seiner Eltern – der Vater war ein guter Pianist, die Mutter ausgebildete Violinistin – trug zum Interesse an Musik bei. Dies führte dazu, dass sich Carlos Veerhoff im Alter von 15 Jahren zwar spät, aber letztlich doch der Komposition zuwandte. Er nahm erste Stunden im Kompositionsunterricht und 1942 wurde er Schüler am Musischen Gymnasium in Frankfurt am Main.Den Zweiten Weltkrieg verbrachte Veerhoff in Deutschland, wo er ab 1943 an der Musikhochschule Berlin bei Hermann Grabner und nach Kriegsende privat bei Kurt Thomas studierte sowie auch von Boris Blacher beraten wurde. An der Kölner Musikhochschule setzte er seine Studien bei Walter Braunfels (Komposition) und Günter Wand (Dirigieren) fort, während er in Walter Gieseking in Wiesbaden einen Lehrer für sein Klavierspiel fand. 1947 ging er nach Argentinien und unterrichtete 1948/49 Musiktheorie an der Universität von Tucumán in dem von Ernst von Dohnányi neu gegründeten Departamento Musical, besuchte aber auch in Buenos Aires die Dirigierkurse von Hermann Scherchen. Als er 1950 die Uraufführung eines seiner Werke durch Ferenc Fricsay erleben konnte, folgte er 1951 Fricsay als dessen Assistent nach Berlin, doch empfand er die Atmosphäre im Nachkriegsdeutschland als derart kunstfeindlich, dass er im folgenden Jahr nach Buenos Aires zurückkehrte, wo er sich intensiv mit 12-Ton-Musik auseinandersetzte. Für eine Reihe seiner beträchtlichen Anzahl von Bühnenwerken erstellte er selbst das Libretto.In den folgenden Jahrzehnten schuf Veerhoff eine Vielzahl von Kompositionen, die fast sämtlich auch zur Aufführung gelangten. Sehr oft waren renommierte und gefeierte Musiker von Weltruhm die Interpreten seiner Musik: Hans Rosbaud (UA der Mirages), Ruggiero Ricci (UA des Violinkonzerts Nr.1), Bruno Maderna (UA der Cantos), Stanislaw Skrowaczewski (UA der Gesänge auf dem Wege), Ladislav Kupkovic (UA der Gesänge aus Samsara und der Sinfonie Nr.4), Gerhard Oppitz (UA des Klavierkonzerts Nr.2), Thomas Zehetmair (UA des Violinkonzerts Nr.2) oder Peter Sadlo (UA des Konzerts für Schlagzeug und Orchester Nr.2). 1955 erhielt „Karl Heinrich Veerhoff“ zudem für seine 1. Sinfonie panta rhei den Förderpreis des Düsseldorfer Robert-Schumann-Preises, 1998 war er Ehrengast des Bayerischen Staatsministeriums für Kunst, Wissenschaft und Forschung in der Villa Massimo in Rom.Trotz dieser Erfolge und Aufführungen blieb Carlos Veerhoff immer ein Außenseiter.Aufgrund dieser fehlenden Zugehörigkeit zum innersten Musikzirkel in Deutschland zog es Veerhoff oft nach Argentinien zurück. Erst 1970 zog er dauerhaft nach Deutschland. Ab 1988 lebte er in Murnau am Staffelsee, wo er 2011 starb. Seine Werke und Originalnoten sind zum Teil im Musikarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek in München sowie zum anderen Teil in einem Privatarchiv aufbewahrt.

 

3.6. Klára PALÁNKAY: 95. Geburtstag

Klára PALÁNKAY

 Die ungarische Sängerin erhielt ihre Ausbildung in Budapest. 1944 debütierte sie an der Nationaloper von Budapest als Amneris in »Aida«. Dort blieb sie bis 1968 als führendes Mitglied des Ensembles tätig. Sie gastierte, zumeist in ihrer großen Glanzrolle, der Judith in »Herzog Blaubarts Burg« von Béla Bartók, in Paris, Amsterdam (1958), am Théâtre de la Monnaie Brüssel (1959), in Turin und Moskau. Sie gastierte 1948 an der Staatsoper von Wien als Amneris. Weitere Höhepunkte in ihrem Bühnenrepertoire waren die Carmen, die Azucena im »Troubadour«, die Ulrica in Verdis »Un ballo in maschera«, die Eboli im »Don Carlos«, die Ortrud im »Lohengrin« und die Gertrud in »Bánk-Bán« von Ferenc Erkel. Parallel zu ihrer Bühnenkarriere verlief eine zweite Karriere als Konzert- und Liedersängerin. Sie starb 2007 in Budapest.

Schallplatten: Ultraphon, Hungaroton (Judith in »Herzog Blaubarts Burg« mit Mihály Szekély in der Titelrolle von 1956).

 

4.6. Neil WILSON: 60. Geburtstag

Neil WILSON

 Er entstammte einer texanischen Farmerfamilie (eigentlicher Name Neil Wilson Nease) und kam nur unter großen Schwierigkeiten zu einem Musik- und Gesangstudium an den Universitäten von Dallas und Oklahoma; dann Schüler von Thomas Lo Monaco in New York, später auch von Carolina Segrera. Er debütierte 1980 bei der Wolf Trap Opera (bei Washington) als Fenton im »Falstaff« von Verdi unter S. Caldwell und sang dann kleine Partien an der Oper von Houston/Texas. 1981 wirkte er an der Oper von Houston/Texas in der Uraufführung der Oper »Starbird« von Mollicone (als Dog) mit. 1984 kam er nach Deutschland und wurde an die Staatsoper von Stuttgart verpflichtet. Hier wie am Theater von Bonn sang er mit sensationellem Erfolg 1985 die Titelpartie in Massenets »Werther«. Gastspiele brachten ihm ähnliche Erfolge an den Staatsopern von München (1985), Wien (1985 Alfredo in »La Traviata«) und Hamburg (1985), am Teatro Comunale Bologna (1986) in Los Angeles (1986) und an weiteren deutschen Bühnen. Bei den Salzburger Festspielen wirkte er 1985 als Macduff in Verdis »Macbeth« mit und bei den Festspielen von Glyndebourne 1986 als Nerone in Monteverdis »L‘Incoronazione di Poppea«. 1987 hörte man ihn am Opernhaus von Köln als Herzog im »Rigoletto« im gleichen Jahr gastierte er in Washington (als Roméo in Gounods »Roméo et Juliette«) und New York. Dort debütierte er dann auch 1988 an der Metropolitan Oper als Macduff und sang hierbis 1990 in insgesamt sechs Vorstellungen auch den Werther, den Rodolfo in »La Bohème« und den Alfredo. 1989-90 in Zürich als Faust in »Mefistofele« von Boito zu Gast. 1991 sang er an der Komischen Oper Berlin (der er durch einen Gastvertrag verbunden war) den Don José in »Carmen«, 1992 in Milwaukee den Rodolfo in »La Bohème«, 1992 in Toronto und an der Staatsoper Stuttgart den Werther, 1993 an der Staatsoper Berlin den Don José, 1994 an der Oper von Tel Aviv den Faust von Gounod, 1995 am Theater von Basel den Florestan im »Fidelio«. Auf der Bühne sang er bevorzugt Partien wie den Giasone in »Medea« von Cherubini, den Nemorino in »L‘Elisir d’amore«, den Pinkerton in »Madame Butterfly«, den Lenski im »Eugen Onegin«, den Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen« (Komische Oper Berlin 1993) und den Pelléas in Pelléas et Mélisande von Debussy. Er strebte im Verlauf seiner Karriere das heldische und das Wagner-Fach an. Auch im Konzertsaal brachte er es zu großen Erfolgen, so sang er 1986 in Israel das Tenorsolo im Verdi-Requiem zusammen mit der berühmten Sopranistin Montserrat Caballé. Im Februar 2000 trat er noch in Budapest als Siegmund in  der »Walküre« auf: Erstarb nach kurzer, schwerer Krankheit im August 2000 in New York. Er war verheiratet mit der Mezzosopranistin Linda Munguia.

 

4.6. Klaus Michael GRÜBER: 75. Geburtstag

Der Sohn eines badischen Pfarrers erlernte nach zweijährigem Schauspielunterricht in Stuttgart, u.a. bei Siegfried Melchinger, ab 1962 sein Metier als Regieassistent und Mitarbeiter von Giorgio Strehler am Piccolo Teatro di Milano. Sein Regiedebüt gab er dort 1967 mit BrechtsIl processo di Giovanna d’Arco a Rouen – 1431(Der Prozess der Jeanne d’Arc zu Rouen) (Bühnenbild und Kostüme: Ezio Frigerio; Musik: Fiorenzo Carpi). 1969 inszenierte er an dem Theater Off Limits von Arthur Adamov (Bühnenbild: Eduardo Arroyo).

Grüber inszenierte danach u.a. am Schauspielhaus Zürich, in Freiburg im Breisgau, in Bremen (1969 William Shakespeares Der Sturm), in Stuttgart (1970 Heinrich von KleistsPenthesilea), in Düsseldorf (1972 Adamovs Off Limits) und in Frankfurt am Main (für Bertolt Brechts Im Dickicht der Städte) sowie in Berlin an der – seinerzeitigen – Schubühnme am Halleschen Ufer, wo seine Inszenierung von Ödön von Horváths Geschichten aus dem Wiener Waldam 18. August 1972 Premiere hatte. An der Schaubühne lernte Grüber die Regieassistentin Ellen Hammer kennen, die von da an regelmäßige Regiemitarbeiterin seiner Inszenierungen wurde. Weitere, für europaweites Aufsehen sorgende Berliner Regiearbeiten Grübers folgten – so 1974 Euripides‘ Die Bakchen (Bühnenbild: Gilles Aillaud, Eduardo Arroyo), 1975 Empedokles – Hölderlin lesen (Bühnenbild: Antonio Recalcati) sowie 1977 Winterreise im Olympiastadion, Textfragmente aus Hölderlins Roman Hyperion oder der Eremit in Griechenland (Bühnenbild: Recalcati).Dabei bildete sich ein Ensemble von Schauspielern heraus, mit denen Grüber bevorzugt arbeitete, darunter Bruno Ganz, Jutta Lampe, Angela Winkler und Otto Sander. Obwohl in der Öffentlichkeit nahezu nicht präsent, avancierte Grüber zu einem zweiten Fixstern der Schaubühne neben dem klar-rational arbeitenden Peter Stein. In den frühen 1980er Jahren war Grüber am Theater der Freien Volksbühne in Berlin tätig, wo er eine verzaubert-poetische Version von Luigi Pirandellos Sechs Personen suchen einen Autor (Bühnenbild: Titina Maselli) sowie einer Inszenierung von Faust von Johann Wolfgang von Goethe (Bühnenbild: Aillaud), die mit ihrer radikalen Reduktion des Stoffes für Widerspruch von Seiten einiger Zuschauer sorgte. Die Hauptrolle wurde dabei von Bernhard Minetti gespielt, der mit Grüber bereits 1973 Samuel Becketts Das letzte Band in Bremen erarbeitet hatte. Dieser begleitete den Regisseur auch 1982 bei Hamlet(Schaubühne am Lehniner Platz; Bühnenbild: Aillaud; Titelrolle: Ganz; Minetti als erster Schauspieler) und verkörperte die Hauptrolle in König Lear (Schaubühne 1985; Bühnenbild: Aillaud; Kostüme: Dagmar Niefind).Weitere Berliner Arbeiten Grübers, die zum Teil bei Gastspielen europaweit gezeigt wurden, waren Anton Tschechows An der großen Straße (Bühnenbild: Aillaud), Eugène Labiches Die Affaire Rue de Lourcine (Bühnenbild: Francis Biras; Kostüme: Moidele Bickel; mit Udo Samel und Peter Simonischek) und Heinrich von Kleists Amphitryon (Bühnenbild: Aillaud; mit Lampe und Sander). Bantam, ein Theaterstück seines Malerfreundes und Ausstatters Arroyo, brachte Grüber Anfang Februar 1982 am Münchener Residenztheater heraus, wobei seine anderen ständigen Partner Aillaud und Recalcati für Bühne und Kostüme verantwortlich zeichneten (Musik: Carpi; u.a. mit Heinz Bennent, Nicole Heesters, David Bennent, Karl Lieffen, Heinz Werner Kraehkamp). In Frankfurt machten sich Grüber und Minetti 1987 erneut an Das letzte Band, das sie 1973 in Bremen erstmals zusammengeführt hatte.In den späten 1970er Jahren begann Grüber, seine Arbeit ins europäische Ausland zu verlagern. So gestaltete er 1975 einen viel beachteten Faust Salpetrière (Bühnenbild/Kostüme: Aillaud, Arroyo) in der Chapelle Saint Louis, wo Goethes Stück als assoziatives Stationendrama herauskam und sowohl irritierte Besucher wie auch ratlose Rezensenten zurückließ. 1977 führte Grüber Regie bei Fernando Arrabals Der Architekt und der Kaiser von Assyrien in Barcelona (Bühne und Kostüme: Arroyo). Einmal noch kehrte Grüber zu seinen Anfängen zurück, als er 1984 am Mailänder Piccolo Teatro Heimweh von Franz Jung inszenierte (Bühnenbild: Arroyo; Kostüme: Renata Bulgheroni; Musik: Carpi; mit Raf Vallone, Delia Boccardo und Lino Troisi) sowie 1988 mit La medesima strada, einer Textcollage aus Fragmenten von Sophokles sowie der VorsokratikerHeraklit, Parmenides und Empedokles (Bühne: Aillaud; Kostüme: Aillaud, Bulgheroni; Musik: Carpi; u.a. mit Winkler, Tino Carraro, Lino Troisi, Raf Vallone).1984 debütierte Grüber an der Comédie-Francaise, wo er seine Version von Jean Racines Bérénice(Bühnenbild: Aillaud; Kostüme: Niefind; mit Ludmila Mikael, Catherine Samie, Richard Fontana, Roland Bertin u.a.) vorstellte. Im Sommer 1986 war Grüber erstmals für die Salzburger Festspiele tätig, als er in der dortigen Felsenreitschule Prometheus, gefesselt (von Peter Handke nach Der gefesselte Prometheus von Aischylos; Bühnenbild und Kostüme: Recalcati; mit Ganz, Winkler, Simonischek, Samel u.a.) inszenierte. Im Dezember desselben Jahres bejubelte man in Paris die Hauptdarstellerin Jeanne Moreau in Grübers Regie bei Le récit de la servante Zerlinevon Hermann Broch (aus dessen Roman Die Schuldlosen; Bühnenbild und Kostüme: Biras). Diese für ihre große Intensität und Konzentration gelobte Arbeit wurde zu zahlreichen Gastspielen eingeladen. Die Erzählung wurde in den folgenden Jahren von zahlreichen europäischen Schauspielern in den jeweiligen Ländern aufgeführt.

1989, zur 200-Jahr-Feier der Französischen Revolution, erarbeitete Grüber eine düstere Vision von Georg BüchnersLa mort de Danton(Dantons Tod) für Nanterre. Im Frühjahr 2001 inszenierte Grüber erstmals im Wiener Akademietheater sowie erstmals auch ein Stück von Bernard-Marie Koltés, Roberto Zucco (Bühnenbild: Recalcati; Titelrolle: August Diehl). Im Mai 2003 arbeitete Grüber dann am Wiener Burgtheater zum ersten Mal mit dem Maler Anselm Kiefer zusammen, der für den von Handke übersetzten Ödipus auf Kolonos des Sophokles Bühnenbild und Kostüme entwarf (mit Ganz, Sander, Diehl, Birgit Minichmayr, Branko Samarovski, Johann Adam Oest, Martin Schwab, Mareike Sedl u.a.).

Für die Inszenierung von Adamovs Off Limits arbeitete er zum ersten Mal mit dem (damals exil-)spanischen Maler Eduardo Arroyo zusammen, für diesen seinerzeit die erste bühnenbildnerische Tätigkeit. Die damals begonnene Kooperation dauert an bis zu Grübers Tod – zuletzt bei Wolfgang Amadeus Mozarts Don Giovanni – ebenso wie jene mit den bildenden Künstlern Gilles Aillaud (seit 1974) und Antonio Recalcati (seit 1975). Diese Künstler – wie dann auch 2003 am Burgtheater Anselm Kiefer bei Ödipus in Kolonos – lieferten ihrem Regisseur keine schlichten Stückinterpretationen, sondern schufen mächtige Bildentwürfe und Bühnenlandschaften, deren Bedeutungen nicht auf Anhieb zu entschlüsseln waren.

Als Regieassistent Strehlers kam Grüber bald auch mit der Welt der Oper in Berührung. 1965 assistierte er in Salzburg bei Strehlers Version von Wolfgang Amadeus Mozarts Die Entführung aus dem Serail. Seine erste eigene Opernregie führte Grüber 1971 in Bremen bei Alban Bergs Wozzeck. 1972 folgte Georg Friedrich Händels Giulio Cesare in Egitto, ebenfalls noch in Bremen. 1974 führte Grübers Weg an die Oper Frankfurt. Dort inszenierte er Béla Bartóks Herzog Blaubarts Burg und Arnold Schönbergs Erwartung (mit Anja Silja; Dirigent: Christoph von Dohnányi). Stark war die Verwunderung im Dezember 1976 bei Richard Wagners Die Walküre gewesen, die Grüber an der damals von Rolf Liebermann geleiteten Pariser Oper, dem Palais Garnier, vorstellte (Bühnenbild: Arroyo, Kostüme: Moidele Bickel). Die Verblüffung entstand dadurch, dass sich Grüber weder für eine damals moderne – etwa bei Luca Ronconi oder Patrice Chéreau zu sehende – politische, kapitalismuskritische Variante, noch für eine neu-romantische Sicht entschied. Vielmehr konzentrierte er sich auf das Mythische, bei ihm trug man weder Frack oder Smoking, noch einen SS-Ledermantel oder ein Business-Kostüm, die Personen waren vielmehr durch ihre Geschichte gezeichnet, mit großen Helmen ausgestattet, die an Wagner-Aufführungen des 19. Jahrhunderts erinnerten, die Kostüme schienen schwer, und Siegmund hatte auf dem Kopf einen Wolfsschädel. Die Bühnenlandschaft war von großen, steilen Bergen aus Sandsäcken dominiert, die von künstlichen Gemsen und Hirschen bevölkert waren. Dirigent der Aufführung war Sir Georg Solti.Grübers Walküre war Teil eines Konzepts für die gesamte Ring-Tetralogie, welche Grüber zusammen mit Peter Stein ursprünglich für die Bayreuther Festspiele entwickelt hatte. Das Projekt sollte dann an der Pariser Oper realisiert werden, aber nach Peter Steins Inszenierung von Das Rheingold und Grübers Walküre konnte dies wegen Geldmangels nicht mehr komplettiert werden und blieb somit ein Torso. Beide Regisseure gestalteten noch weitere Werke Wagners, aber nie mehr den Ring.So inszenierte Grüber in den 1980er Jahren Wagners Tannhäuser in Florenz in den von Carlo Tommasi rekonstruierten Bühnenbildern der Uraufführung sowie den Parsifalin Amsterdam, der dann ebenfalls in Florenz, Paris, Brüssel, Madrid und zuletzt in London und in Straßburg aufgeführt wurde.

Ebenfalls in die 1980er Jahre fällt Grübers Arbeit an Gioacchino Rossinis La Cenerentola für das Pariser Theatre Châtelet. Weitere Operninszenierungen waren in den 1990ern Leos Janáceks Aus einem Totenhaus (Bühnenbild: Arroyo; Dirigent: Claudio Abbado) sowie Tristan und Isolde (Bühne Arroyo; Dirigent Abbado) für die Salzburger Festspiele, La traviata von Giuseppe Verdi am Théâtre du Châtelet in Paris (Dirigent: Antonio Pappano), Erwartung in Brüssel (wieder mit Anja Silja), Otello und Aida in Amsterdam, L’Incoronazione di Poppea für das Festival von Aix-en-Provence und Il ritorno d’Ulisse in patria am Opernhaus Zürich (Dirigent: Nikolaus Harnoncourt), Idomeneo von Mozart (Dirigent Christoph von Dohnanyi), Katarina Ismailowa von Schostakowitsch und Die Sache Makropoulos von Janáček (Dirigent Philippe Jordan) am Opernhaus Zürich.2003 realisierte Grüber zusammen mit dem Dirigenten Pierre Boulez – mit dem er schon in Bayreuth den dann abgesagten Ring erarbeiten sollte – einen dreiteiligen Abend aus Manuel de Fallas El retablo de Maese Pedro, Igor Starwinskys Renard sowie Arnold Schönbergs Pierrot Lunaire (mit Silja). Diese Produktion (Bühnenbild: für de Falla und Strawinsky Maselli; für Schönberg Aillaud) wurde auch in Luxemburg sowie bei den Wiener Festwochen zur Aufführung gebracht.Mit Anselm Kiefer als Ausstatter erarbeitete Grüber eine viel gepriesene Version von Richard Strauss‘ Elektrafür das Teatro San Carlo von Neapel. In Wien gestaltete Grüber im Juni 2005 eine szenische Version Tagebuch eines Verschollenen von Janáček (Mitarbeit Ellen Hammer, Bühnenbild Aillaud, Kostüme Eva Dessecker, Licht Werner Chalubinski; mit Angela Winkler, Peter Straka, Lorena Espina; Klavier: Markus Hinterhäuser).Grübers Inszenierung von Mussorgskis Boris Godunow hatte am 18. April 2006 im Théâtre de la Monnaie Brüssel Premiere (Regiemitarbeit: Hammer; Bühnenbild: Arroyo; Kostüme: Sabounghi; Licht: Dominique Borrini; Choreographie: Giuseppe Frigeni; Dirigent: Kazushi Ono).

Grüber drehte als Regisseur einen einzigen Film, nämlich Fermata Etna (Buch: Bernard Pautrat, Grüber; Kamera: Tonino Nardi; Schnitt: Roberto Perpignani; Darsteller: Bruno Ganz, Gabriella Saitta).In dem Film Die Liebenden von Pont-Neuf (Les Amants du Pont Neuf) von Leos Carax aus dem Jahr 1991 spielte Grüber – neben Juliette Binoche und Denis Lavant − den älteren Clochard Hans.

Grüber lebte viele Jahre mit der beim Pariser Festival d’automne beschäftigten Marie Collin zusammen und besaß Wohnungen in Paris, Zürich und Belle-Île-en-Mer, wo er 2008 starb.

 

4.6. Ivo ŽÍDEK: 90. Geburtstag

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 Er besuchte Gymnasien in Hlucin und Ostrava (Mährisch-Ostrau) und studierte dann Gesang bei Rudolf Vasek in Mährisch-Ostrau. 1943 kam er als Eleve an das Stadttheater von Mährisch-Ostrau, 1944 erfolgte dort sein eigentliches Debüt als Titelheld im »Werther« von Massenet. 1948 wurde er an das Nationaltheater von Prag verpflichtet, zu dessen bedeutendsten Künstlern er seither gehörte. 1956-69 gastierte er regelmäßig an der Staatsoper von Wien, wo er als Don Carlos von Verdi debütierte und in insgesamt 114 Vorstellungen auch als Sänger im »Rosenkavalier«, als des Grieux in Puccinis »Manon Lescaut«, als einer der Meister in Hans Pfitzners »Palestrina«, als Catull in »Catulli Carmina« und als Chorführer in »Trionfo di Afrodite« von C. Orff, als Narraboth in »Salome« von R. Strauss, als Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen«, als Don Ottavio im »Don Giovanni«, als Bacchus in »Ariadne auf Naxos«, als Chevalier de la Force in »Dialogues des Carmélites« von Fr. Poulenc, als Matteo in »Arabella« von R. Strauss, als Tambourmajor in »Wozzeck« von A. Berg, als Stewa in Janáceks »Jenufa« und als Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut« beeindruckte. Zusammen mit dem Ensemble der Wiener Oper bereiste er Spanien. 1959 wirkte er am Smetana-Theater Prag in der Uraufführung der Oper »Mirandolina« von B. Martinù mit, 1966 in der szenischen Uraufführung der Oper »Krakatit« von Vaclav Kaslik (nach einer ersten Aufführung 1961 im Tschechischen Fernsehen). 1960 und 1963 wirkte er beim Holland Festival mit. 1963-68 war er Mitglied der Berliner Staatsoper. Beim Edinburgh Festival gastierte er zusammen mit dem Ensemble des Prager Nationaltheaters als Skuratow in Janáceks »Aus einem Totenhaus« und als Prinz in Dvoráks »Rusalka« (1964) sowie als Albert Gregor in Janáceks »Die Sache Makropoulos«, als Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut«, als Mazal in der englischen Premiere von Janáceks »Die Ausflüge des Herrn Broucek« und als Dalibor in der Oper gleichen Namens von Smetana (1970). Er war ein großer Interpret der Tenorpartien in den Opern von Janácek. Seine großen Bühnenpartien waren neben den bereits genannten Partien zahlreiche weitere Rollen in Opern von Smetana und A. Dvorák, aber auch in Opern von Mozart, Verdi, Puccini und Bizet, der Laça in »Jenufa«, der Lenski im »Eugen Onegin«, der Pelléas in »Pelléas et Mélisande«, der Faust von Gounod und der des Grieux in »Manon« von Massenet. Auch als Konzert- und Oratoriensänger hatte er eine bedeutende Karriere; bereits 1966 trat er in der New Yorker Carnegie Hall auf. Im November 1989 wurde er nach dem Sturz des kommunistischen Regimes Generalintendant des Nationaltheaters Prag. Er starb 2003 in Prag. – Vortrefflich geschulte lyrische Tenorstimme. Neben der Stilsicherheit des Vortrags und der Klarheit seiner Diktion wurde seine Kunst der Darstellung geschätzt.

Supraphon-Platten (Arien aus tschechischen Opern, vollständige Aufnahmen »Die verkaufte Braut«, »Libussa« und »Zwei Witwen« von Smetana, »Die Abenteuer des Herrn Broucek«, »Die Sache Makropoulos«, »Aus einem Totenhaus« und »Jenufa«, von Janácek, »Julietta« von Martinù, »Die Braut von Messina« von Fibich, »Les Noces« von Strawinsky, Ausschnitte aus Musicals von Friml, »Die drei goldenen Haare des Väterchens Allwissend« von Rudolf Karel), DGG (Stabat mater von Dvorák), Decca (»Aus einem Totenhaus« von Janácek), HMV (»Jenufa«).

 

4.6. Adele BECKMANN-MUZZARELLI: 200. Geburtstag

Adele Beckmann-Muzzarelli

Sie entstammte einer seit Generationen im Theaterbetrieb lebenden Familie: ihr Großvater war Ballettmeister der Wiener Oper unter Kaiser Joseph II. gewesen, ihr Vater war der italienische Tenor Muzzarelli, ihre Mutter wirkte als Primaballerina am Teatro Fenice Venedig. Nach dem frühen Tod ihres Vaters (bald nach ihrer Geburt) verzog sie mit ihrer Mutter nach Wien. Sie erhielt ganz früh Gesang- und Tanzunterricht, mit fünf Jahren stand sie bereits in Ballettaufführungen auf der Bühne. Sie ließ später in Wien ihre Stimme durch den berühmten Giuseppe Ciccimarra ausbilden und war Choristin am dortigen Theater am Kärntnertor. 1830 debütierte sie am Theater von Brünn (Brno) als Zerline im »Don Giovanni«. Bis 1832 blieb sie in Brünn, wo sie Rollen wie die Rosina im »Barbier von Sevilla«, die Semiramide in der gleichnamigen Oper von Rossini und die Isolde in »Der Vampyr« von Lindpaintner übernahm. 1832 nahm sie ein Engagement am Deutschen Opernhaus in Budapest an, verlor dann aber ihre Stimme. Nachdem sie einige Zeit pausiert hatte, trat sie in Soubrettenrollen zuerst am Carl-Theater Wien, dann am Königstädtischen Theater Berlin auf. 1839 heiratete sie in Berlin den bekannten Schauspieler Friedrich Beckmann (* 13.1.1803 Breslau, † 7.9.1866 Wien), der vor allem wegen seiner Darstellung komischer Rollen bekannt war und zuerst in Berlin, später in Wien, auftrat. Sie gab dann bald ihre Karriere endgültig auf. Nach dem Tod ihres Gatten verließ Adele Beckmann-Muzzarelli Wien und lebte zumeist in Frankreich. Sie gründete die »Friedrich Beckmann-Stiftung zur Unterstützung bedürftiger österreichischer Bühnenangehöriger oder durch Wien reisender deutscher Schauspieler«. Sie starb 1885 in Batignolles (Frankreich).

 

5.6. Hendrik DROST: 125. Geburtstag

 Ausbildung durch Cateau Esser in Amsterdam. Er begann seine Karriere in Holland und Belgien und war sieben Jahre hindurch bis 1927 an der Oper von Antwerpen engagiert. 1928 wurde er an das Opernhaus von Nürnberg berufen. Hier erlangte er eine besondere Beliebtheit beim Opernpublikum und blieb bis 1956 im Engagement. Unter den über hundert Partien, die er beherrschte, verdienen der Manrico im »Troubadour«, der Florestan im »Fidelio«, der Erik in »Der fliegende Holländer«, der Siegfried im Nibelungenring, der Canio im »Bajazzo«, der Schwalb in »Mathis der Maler« von Hindemith, der Cavaradossi in »Tosca« und der Pedro in »Tiefland« besondere Erwähnung. 1930 wirkte er in Nürnberg in der Uraufführung der Oper »Der Tag im Licht« von Hans Grimm mit. Er gab Gastspiele an der Münchner Staatsoper, in Coburg, Stuttgart und an anderen deutschen Theatern, auch am Theater von Graz. Er sang 1930 in Nürnberg in der deutschen Erstaufführung von Zandonais »Il Cavalieri di Ekebù« die Partie des Gösta Berling, 1933 wirkte er dort in der Uraufführung der Oper »Godiva« von L. Roselius mit. Nach seinem Rücktritt von der Bühne arbeitete er Pädagoge in Nürnberg, wo er 1963 starb.

Schallplatten: Zahlreiche Columbia-Platten, alle jedoch in holländischer Sprache. Darunter einige Duette mit seiner Gattin Minna Drost, die als Sopranistin auftrat.

 

6.6. Gabriele AUENMÜLLER: 65. Geburtstag

 Sie war die Tochter des Komponisten und Dirigenten Hans Auenmüller (1926-91). Nachdem sie zuerst Violinspiel studiert hatte, wurde ihre Stimme durch Klara Elfriede Intrau und durch Günther Leib in Dresden ausgebildet. 1975 fand ihr Bühnendebüt an der Staatsoper von Dresden als Fatime in »Abu Hassan« von Weber statt. Sie sang in den folgenden Jahren in Dresden Partien aus dem Fachbereich der Koloratursoubrette wie auch für lyrischen Sopran, darunter die Barbarina in »Figaros Hochzeit«, die Zerline im »Don Giovanni«, die Marzelline im »Fidelio«, das Ännchen im »Freischütz« und die Gianetta in »L’ Elisir d’amore«. 1979 wirkte sie dort in der Uraufführung von R. Kunads Oper »Vincent«, 1985 in der Uraufführung der »Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke« von Siegfried Matthus (im Rahmen der Vorstellungen zur Eröffnung der wieder errichteten Semper-Oper) mit. Gastspiele führten die Sängerin, die auch als Konzertsopranistin geschätzt wurde, an die Nationalopern von Prag und Budapest und zu den Festspielen von Lausanne. 1991 beendete sie ihre Gesangskarriere und wirkte anschließend u. a. auch in Bayreuth als von Christian Thielemann hochgeschätzte SouffleuseSie starb 2015 in Dresden.

Schallplatten: Eterna, Capriccio (Symphoniae sacrae von Heinrich Schütz).

 

6.6. Joyce BARKER: 85. Geburtstag

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 Sie studierte bei Frederick Dalberg in Kapstadt, dann an der Royal Academy of Music London bei Olive Groves, bei Borishka Gerer in London und bei Mario Basiola in Mailand. Ihr Bühnendebüt fand 1958 bei der Welsh National Opera Cardiff als Elena in »Mefistofele« von Boito statt. Sie gewann die Goldmedaille beim internationalen Gesangwettbewerb von Toulouse. Sie trat an der Oper von Johannesburg, am Opernhaus von Kapstadt, an der Covent Garden Oper London (1972 als Elisabetta in Verdis »Don Carlos«) wie bei den Festspielen von Glyndebourne (1972 als Lady Macbeth in Verdis »Macbeth«) auf; Gastspiele an der Opéra du Rhin Straßburg sowie in den USA an der New York City Opera, an den Opernhäusern von Santa Fé und Seattle. Sie wirkte später neben ihrem Engagement in Johannesburg dort auch als Gesanglehrerin. Auf der Bühne sang sie vorzugsweise Partien aus dem dramatischen Fach: die Aida, die Amelia in Verdis »Maskenball«, die Leonore im »Troubadour«, die Abigaille in »Nabucco«, die Senta in »Der fliegende Holländer«, die Giulietta in »Hoffmanns Erzählungen« und die Titelfigur in »Turandot« von Puccini. Aus gesundheitlichen Gründen musste sie später ihre Karriere einschränken und verlegte sich fast ganz auf ihre pädagogische Tätigkeit. Sie starb 1992 in Johannesburg.

Schallplatten: Colos (Arien aus italienischen Opern von Verdi, Puccini und Catalani), BBC Records (8. Sinfonie von Gustav Mahler).

 

6.6. Klaus TENNSTEDT: 90. Geburtstag

Er studierte an der Leipziger Musikhochschule Violine bei Walter Davisson, Klavier bei A. Rhoden und Musiktheorie. Mit 22 Jahren trat er 1948 den Posten des 1. Konzertmeisters des Orchesters der Städtischen Bühnen in Halle an der Saale an, dessen Chefdirigent er 1952 wurde. Ab 1954 war er 1. Kapellmeister an den Städtischen Bühnen in Chemnitz, ab 1958 Generalmusikdirektor der Landesbühnen Sachsen in Radebeul und 1962-71 in Schwerin. Zusätzlich schloss er 1970 mit der Komischen Oper Berlin einen Gastvertrag. Er gab zahlreiche Gastspiele in der Sowjetunion und in Osteuropa. 1971 floh er in den Westen, wo er 1972 Generalmusikdirektor am Kieler Opernhaus wurde. Ab 1974 gelang ihm im Rahmen eines Fünfjahresvertrags als Dirigent des Toronto Symphony Orchestra sein internationaler Durchbruch. Danach war er der Leiter des NDR Sinfonieorchesters in Hamburg, bis er 1983-87 die Leitung des London Philharmonic Orchestra von Sir Georg Solti übernahm. Tennstedts Vorliebe galt den Werken Anton Bruckners, Richard Wagners und Gustav Mahlers. Er starb 1998 an einem Kehlkopfgeschwür in Heikendorf bei Kiel.

 

7.6. Günther SCHNEIDER-SIEMSSEN: 90. Geburtstag

Er wurde als Günther Schneider geboren und trägt den zweiten Namen durch seinen Großvater mütterlicherseits, der Siemssen hieß. Er verbrachte seine Kindheit und Jugend in München und wollte anfangs Dirigent werden. Anlässlich eines Vorstellungsgespräches bei Clemens Krauss riet ihm dieser davon ab und empfahl ihm eine Ausbildung zum Bühnenbildner. Daraufhin studierte er Bühnenbild an der Akademie der Bildenden Künste München. Schneider-Siemssen 1951-54 Ausstattungschef des Salzburger Landestheaters, in einer Nebenfunktion betreute er auch das Salzburger Marionettentheater und anschließend war er bis 1960 Ausstattungsleiter in Bremen. Ab 1960 war er unter Herbert von Karajan an der Wiener Staatsoper beschäftigt und 1962-86 war er Ausstattungsleiter der Österreichischen Bundestheater (dazu gehörten Staatsoper, Volksoper, Burgtheater und Akademietheater), ab 1965 auch für die Salzburger Festspiele. In dieser Funktion entwarf er zahllose Bühnenbilder, die stilprägend wurden. Außer in Wien arbeitete er an vielen weiteren bedeutenden Theatern, etwa an der Metropolitan Opera in New York oder dem Teatro Colón in Buenos Aires.Ein Grundzug seiner Arbeiten ist die Betonung der Lichtregie, die die praktikable Bühnendekoration an Bedeutung übertrifft. Er entwickelte einen symbolischen Stil, der mittels handgemalter Projektionen und raffinierter Spezialeffekte über Großbildprojektoren des Wiener Herstellers Ludwig Pani realisiert wurde. Bei einer Produktion von Hoffmanns Erzählungen am Salzburger Marionettentheater brachte er im Jahre 1985 erstmals die holographische Technologie auf der Bühne zum Einsatz.Die Regisseure, mit denen er primär zusammenarbeitete, waren Karajan (28 Bühnenbilder) und Otto Schenk (60 Bühnenbilder).

Für seine ausdrucksstarken Wagner-Interpretationen erhielt er im Jahr 2009 den „Anton-Seidl-Preis“ („Anton-Seidl-Award“) der „Wagner-Society of New York“.Seit 1973 war Günther Schneider-Siemssen österreichischer Staatsbürger, lebte in Wien und Seeham nahe Salzburg, war verheiratet und hinterlässt vier Kinder. Schneider-Siemssen verstarb 2015 kurz vor seinem 89. Geburtstag nach langer Krankheit in Wien und wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof in einem ehrenhalber gewidmeten Grab (Gruppe 40, Nummer 187) bestattet.

 

7.6. Ilse WOLF: 95. Geburtstag

 Biographie der deutschen Sopranistin auf Englisch:

http://www.bach-cantatas.com/Bio/Wolf-Ilse.htm

 

8.6. Sandra WARFIELD: 95. Geburtstag

Sandra Warfield

 Tochter eines Berufsmusikers. Sie studierte am Konservatorium von Kansas City bei dem Pädagogen-Ehepaar van Duzee, dann in New York, später in Mailand bei Conati und bei Else Seyfert in Konstanz. Bereits 1950 sang sie beim Chautauqua Opera Festival den Orlofsky in der »Fledermaus«. Sie gewann den ersten Preis beim Gesangwettbewerb der Metropolitan Oper New York »Auditions of the Air«. Sie debütierte bereits 1953 an der Metropolitan Oper New York als Bauernmädchen in »Le nozze di Figaro« und sang dort bis 1957 vor allem kleinere Rollen (u.a. Page in »Rigoletto«, Rossweisse in der »Walküre«, Madelon in »Andrea Chénier« von Giordano, Rosette in »Manon« von Massenet, Berta im »Barbier von Sevilla«, Stimme der Mutter in »Hoffmanns Erzählungen«, Amme in »Boris Godunow«, 3. Dame in der »Zauberflöte« und Flosshilde im Ring-Zyklus), gelegentlich aber auch größere Rollen wiedie Cieca in »La Gioconda« von Ponchielli, die Ulrica in Verdis »Un ballo in maschera« die Marcellina in »Le nozze di Figaro«,die Maddalena im »Rigoletto«, die Adelaide in »Arabella« von R. Strauss und die Erda im »Siegfried«. 1957 Gastspiel an der Oper von Philadelphia. Sie heiratete den bekannten Heldentenor James Mc Cracken (1926-88), der ebenfalls an der Metropolitan Oper engagiert war. Das Sängerehepaar verlegte dann seine Tätigkeit nach Europa, und 1960 wurde sie als erste Altistin an das Stadttheater von Zürich verpflichtet. Hier hatte sie ihren ersten großen Erfolg als Dalila in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns. Seitdem gehörte sie bis 1970 zu den bedeutendsten Kräften dieses Hauses und zeichnete sich in Partien wie der Carmen, der Azucena im »Troubadour«, der Amneris in »Aida«, der Leonora in »La Favorita« von Donizetti und der Fides in »Le Prophète« von Meyerbeer aus. Sie sang auch in Zürich in der Uraufführung der Oper »Griechische Passion« von B. Martinù (9.6.1961). Sie wirkte 1961 am Opernhaus von Zürich in der Schweizer Erstaufführung von Benjamin Brittens »A Midsummer Night’s Dream« als Oberon mit. Gastspiele und Konzertreisen brachten der Künstlerin in Europa wie in ihrer amerikanischen Heimat große Erfolge ein. So gastierte sie an der Wiener Staatsoper (1959-67 als Ulrica, als Amneris und als Azucena), an der San Francisco Opera (1963 als Amneris, als Dalila und als Mère Marie in »Dialogues des Carmélites« von Poulenc, 1964 als Azucena), in Seattle (1966 als Santuzza in »Cavalleria rusticana«), an der Städtischen Oper (Deutsches Opernhaus) Berlin (u.a. 1967 als Fides), in Genf (1965 als Mme. Raskolnikoff in »Raskolikoff« von Sutermeister, 1966 als Orphée in der Berlioz-Fassung von Glucks »Orphée et Eurydice«, 1968 als Fricka im Nibelungenring und als Azucena), am Teatro Liceu Barcelona (1970 als Dalila) und bei den Festspielen von Perugia. Als Dalila trat sie in den Jahren 1966-72 nochmals an der Metropolitan Oper New York auf (insgesamt sang sie dort in 173 Vorstellungen). 1970 sang sie zusammen mit ihrem Gatten im Weißen Haus in Washington zur 25-Jahrfeier der UN. Mit ihm zusammen verfasste sie auch das biographische Buch »A Star in the Family«. Sie starb 2009 in New York.

Lit: »We Introduce Sandra Warfield« (in »Opera«, 1953-54)

Schallplatten: Allegro Royale und Decca (auf beiden Marken Duette mit James McCracken), RCA (»Hoffmanns Erzählungen«, Marcellina in »Le nozze di Figaro«), DGG. Auf MRF singt sie die Madelon in »Andrea Chénier« in einer Aufführung der Metropolitan Oper von 1954, auf GAM in »Le Prophète« von Meyerbeer.

 

8.6. Marianne ALFERMANN: 125. Geburtstag

Marianne Alfermann

 Sie begann ihre Karriere mit einem Bühnenengagement am Stadttheater von Mainz 1910-12. Nach einem Gastspiel an der Berliner Hofoper im Dezember 1911 war sie 1912-17 Mitglied dieses Opernhauses. 1917-18 war sie an der Oper von Frankfurt a.M. engagiert, wo sie u.a. die Zerbinetta in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, die Violetta in »La Traviata«, aber auch bereits viele Operetten-Partien sang. 1919-23 war sie am Theater von Wiesbaden engagiert. Seit 1925 lebte sie gastierend in Berlin und wandte sich mehr und mehr dem Gebiet der Operette zu. In der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre war sie immer wieder am Berliner Central-Theater als große Operetten-Diva anzutreffen. Sie sang in diesem Bereich eine Vielzahl von Partien in den klassischen Operetten von Offenbach, Johann Strauß, Millöcker, Leo Fall, von Gilbert & Sullivan wie auch von zeitgenössischen Komponisten. Als Opernsängerin hatte sie bereits 1912 am Hoftheater von Darmstadt, 1916 an der Dresdner Hofoper gastiert; hier sang sie dabei Partien wie die Gilda im »Rigoletto«, die Königin der Nacht in der »Zauberflöte«, die Musetta in Puccinis »La Bohème«, die Manon von Massenet, die Sophie im »Rosenkavalier« und die Königin Marguerite in den »Hugenotten« von Meyerbeer.Im März 1922 heiratete sie Gustav Lombard, den späteren SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS, von dem sie noch im gleichen Jahr einen Sohn bekam. Todesort und -datum sind ungewiss. Sie soll 1942 in Polen gestorben sein.

Schallplatten: Solo-Titel auf Tri-Ergon, Homochord (Solo-Aufnahmen; Finale des 1. Aktes der »Fledermaus« als Adele zusammen mit Vera Schwarz, Hans Heinz Bollmann und Richard Bitterauf), Odeon (Duette mit Richard Tauber), Clangor (Schallplatten-Volksverband; hier Duette mit Johannes Sembach).

 

9.6. Cole PORTER: 125. Geburtstag

Cole Porter, der seinen Vornamen nach dem Familiennamen seiner Mutter Kate erhielt, entstammte einer mütterlicherseits sehr wohlhabenden Familie, die in Indiana unter anderem im Holzhandel zu Reichtum gekommen war. Seine beiden älteren Geschwister, Louis Omar und Rachel, starben noch vor seiner Geburt im Kindesalter. Porters musikalische Neigung und Begabung zeigte sich, gefördert von seiner Mutter, bereits recht früh; im Alter von sechs Jahren begann er mit dem Geigenspiel. Zwei Jahre später folgte der erste Klavierunterricht, und fortan konzentrierte er sich auf dieses Instrument. Mit zehn Jahren verfasste er seine ersten Kompositionen, darunter The Song of Birds, ein seiner Mutter gewidmetes sechsteiliges Klavierstück. 1905-09 besuchte Porter die Worcester Academy in Massachusetts. Nach dem erfolgreichen Schulabschluss bekam er von seinem Großvater James Omar Cole eine Europareise geschenkt, die sowohl musikalisch als auch kulturell großen Eindruck bei ihm hinterließ. 1909 wurde Porter an der Yale-Universität immatrikuliert; von dort wechselte er 1913 nach Harvard, wo er zunächst weiterhin Jura studierte, sich dann aber 1915 im Fach Musik einschrieb. Bereits in seinen Jahren an der Yale-Universität war Cole Porter wegen seines Unterhaltungstalents bei Studenten und Professoren beliebt, dort schrieb er etliche Studenten- und Cheer-Songs z. B. Yale Bulldog, die auch heute noch gespielt werden. 1915 erschien sein Song Esmeralda mit einigem Erfolg in der Broadway-Revue Hands Up. Seiner ersten eigenen Broadway-Produktion See America First (1916) hingegen war kein Erfolg beschieden. Nach Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg im Frühjahr 1917 ging Porter als Freiwilliger für eine amerikanische Hilfsorganisation nach Frankreich. Nach Kriegsende 1918 blieb er in Paris und besuchte dort die Schola Cantorum, eine private Musikhochschule unter der Leitung von Vincent d‘Indy. Im selben Jahr lernte er die Wohlhabende, acht Jahre ältere Linda Lee Thomas kennen und heiratete sie im Dezember 1919 ungeachtet seiner Homosexualität. 1923 starb Porters Großvater und hinterließ ihm ein ansehnliches Erbe. Die Porters verbrachten die Jahre bis 1928 vor allem in Europa, insbesondere in Paris, Venedig und an der Riviera, führten ein freies, sorgenfreies Leben und unternahmen viele Reisen. Ende der 1920er Jahre arbeitete Porter zunehmend hauptberuflich und mit wachsendem Erfolg als Komponist und Textdichter und kehrte in die USA zurück. Der Durchbruch gelang ihm mit der Musicalproduktion Paris (1928), zu der ihm sein Freund Irving Berlin verholfen hatte. Es folgten weitere Erfolgsstücke, und schon bald hatte Porter sich als eine der Songschreibergrößen der Vereinigten Staaten etabliert und erhielt den Titel America’s Great Sophisticate. Ab 1935 begannen die Porters immer mehr Zeit in Hollywood zu verbringen, wo das Filmgeschäft boomte. Im Oktober 1937 hatte er einen schweren Reitunfall, der sein Leben grundlegend veränderte. Er erlitt schwere Beinverletzungen, und seine Frau, die zwischenzeitlich getrennt von ihm in Paris lebte und mit dem Gedanken spielte, sich von ihm scheiden zu lassen, kehrte sofort an seine Seite zurück. Die Ärzte drängten zu einer Amputation seiner Beine, was sie jedoch ablehnte, da sie davon überzeugt war, dass dies zum Verlust seines Lebenswillens führen würde. Die Folgen dieses Unfalls machten später über 30 Operationen notwendig und begleiteten ihn sein restliches Leben. Er war seitdem auf Krücken angewiesen, und das Klavier spielen bereitete ihm zeitweise Schwierigkeiten. Seinen Humor jedoch schien er behalten zu haben: „It just goes to show fifty million Frenchmen can’t be wrong. They eat horses instead of ride them.“ (deutsch „Es zeigt einfach, dass sich 50 Millionen Franzosen nicht irren können. Sie essen Pferde, anstatt sie zu reiten“). 1952 starb seine Mutter Kate, zu der Porter eine tiefe Beziehung hatte. Zwei Jahre später starb auch seine Ehefrau Linda. Vor allem der Verlust seiner Frau setzte Cole schwer zu. 1958 musste auf Anraten seiner Ärzte sein rechtes Bein amputiert werden. Er wurde zunehmend depressiv und lebte zurückgezogen. Auch wird von Alkoholproblemen berichtet. Er verlor zusehends seinen Lebenswillen; gegenüber seinem langjährigen Vertrauten Arnold Saint Subber äußerte Porter immer wieder, dass er sterben wolle. Cole Porter starb am 15. Oktober 1964 im Alter von 73 Jahren in einem Krankenhaus in Santa Monica an Nierenversagen.

Cole Porter hat etwa 40 komplette Musicals komponiert und die zugehörigen Liedtexte geschrieben, von denen viele Evergreens geworden sind. Sein Stil wird meist als elegant oder mondän beschrieben. Sein Talent als Textdichter äußerte sich in vielen ungewöhnlichen und witzigen Zeilen, die oft mit Wortspielereien gewürzt sind und ihm deswegen oftmals auch Probleme mit der Zensur einbrachten. Bereits in seinen Jahren am College schrieb er Stücke, der richtige Durchbruch gelang ihm jedoch erst mit Paris 1928. Durch den Einfluss seines Freundes Irving Berlin, der selbst Komponist war und bereits damals zu den großen amerikanischen Komponisten zählte, erhielt Porter den Zuschlag für das Musical. Es wurde innerhalb kürzester Zeit zu einer Erfolgsshow, auf die weitere folgen sollten. Gay Divorce oder Anything Goes waren damals in aller Munde. Nach seinem schweren Reitunfall verfiel Porter jedoch in Depression, die Arbeit fiel ihm – auch auf Grund der starken Medikamente – schwer und er hatte Probleme, die nötigen Gelder für eine Broadway-Produktion aufzutreiben. So floppten etliche seiner Shows in diesen Jahren und seine Kritiker sahen seinen Stern bereits als erloschen. Doch mit Kiss Me, Kate aus dem Jahre 1948 landete er erneut einen spektakulären Coup, der weltweit ein Erfolg wurde und auch noch heute gespielt wird. Für seine letzte große Broadway-Produktion Silk Stockings holte Porter 1954 Hildegard Knef als Hauptdarstellerin nach New York.Viele seiner Stücke wurden – wenn auch nicht von vornherein so konzipiert – zu Jazz-Standards und Evergreens, unter anderem Night and Day, Begin the Beguine, What Is This Thing Called Love?, Easy to Love,You’d Be So Nice to Come Home To, Anything Goes, You’re the Top, Just one of those things, I Get A Kick Out Of You, Love for Sale, True Love oder I’ve Got You Under My Skin. Heutzutage sind die Interpretationen solcher Stücke von großen Jazzmusikern oft bekannter als die Originalversionen. Viele Lieder wurden von den weltweit bekanntesten Interpreten im Jazz und dessen Randbereichen gesungen, u. a. von Frank Sinatra, Louis Armstrong oder Ella Fitzgerald, die 1956 mit Sings the Cole Porter Songbook Vol. 1 und Vol. 2 gleich zwei Platten mit seinen Songs aufnahm.

 

9.6. Juste NIVETTE: 150. Geburtstag

Juste Nivette

 Er war Absolvent des Conservatoire National de Paris. Er debütierte 1892 an der Opéra Comique Paris als Sarastro in der »Zauberflöte«. Er hatte in den folgenden Jahren seine ersten Erfolge in der französischen Provinz, vor allem an der Oper von Monte Carlo. Hier wirkte er am 18.2.1902 in der Uraufführung von Massenets »Le jongleur de Notre Dame« mit. 1899-1908 war er ein bekanntes Mitglied der Pariser Grand Opéra. In der berühmten Aufführung der »Zauberflöte« an der Opéra-Comique unter der Leitung von Reynaldo Hahn 1909 sang er als Partner von Marguerite Carré, Lucette Korsoff, Edmond Clément und Lucien Fugère die Partie des Sarastro. 1907 gastierte er an der Mailänder Scala als Hagen in der »Götterdämmerung« unter der Leitung von Arturo Toscanini. 1908 gastierte er an der Covent Garden Oper London als St. Bris in den »Hugenotten« von Meyerbeer und als Mephisto im »Faust« von Gounod. 1909 sang er in der Eröffnungsvorstellung der neuen Oper von Boston den Alvise in »La Gioconda« von Ponchielli. An diesem Haus sang er in der Eröffnungsaison u.a. den Nilakantha in »Lakmé« von Délibes, den Sparafucile im »Rigoletto«, den Marcel in Meyerbeers »Hugenotten« und wieder den Mephisto. Er setzte dann seine Karriere in Frankreich fort, doch waren keine weiteren sicheren Fakten über den Künstler zu ermitteln.

Seine ältesten Schallplatten erschienen auf G & T (Paris, 1903-04), später noch Odeon-Aufnahmen, auch auf Phono (Paris 1906) und auf Phrynix-Zylindern (Paris 1907-08). Sie zeigen einen kraftvoll geführten echten Basso profondo von großer Ausdrucksintensität. Im »Hill-and-Dale-Katalog« von Girard und Bornes von 1971 sind noch sieben Aufnahmen des Sängers bei der Firma Idéal-Aspir verzeichnet, die (angeblich) 1912 gemacht sein sollen, darunter zwei Duette mit Aline Vallandri.

 

10.6. Aleš ŠTÁVA  (tschechischer Bassist): 70. Geburtstag

 

10.6. Maria DORNYA: 85. Geburtstag

Eigentlich Donna Maria Hankla; nachdem sie als Lehrerin und als Pianistin tätig gewesen war, kam es zur Ausbildung ihrer Stimme durch Ray McDermott in New York. Mit Hilfe von Stipendien konnte sie ihre Ausbildung in Deutschland fortsetzen und debütierte dort 1963 am Staatstheater von Wiesbaden als Salome in der Richard Strauss-Oper gleichen Namens. 1964 sang sie an der New York City Opera die Titelpartie in der Uraufführung der Oper »Natalia Petrovna« von Hoiby. In ihrer amerikanischen Heimat setzte sie ihre Karriere mit großem Erfolg an den Bühnen von Houston/Texas, Philadelphia, Kansas City und an der New York City Opera fort. In Europa trat sie mit nicht weniger großem Erfolg an der Staatsoper von München, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, in Hannover, Nürnberg und Wiesbaden, an der Oper von Zürich wie am Grand Théâtre von Genf auf. Dabei sang sie Partien wie die Leonore im »Fidelio«, die Amelia in Verdis »Maskenball«, die Leonore in »La forza del destino«, die Fiordiligi in »Così fan tutte«, die Donna Anna im »Don Giovanni«, die Musetta in Puccinis »La Bohème«, die Minnie in »La Fanciulla del West«, die Titelfigur in »Turandot«, die Giulia in »La Vestale« von Spontini und die Katja Kabanowa in Janáceks gleichnamiger Oper; auch als Wagnersängerin bekannt geworden (Senta in »Der fliegende Holländer«, Elsa im »Lohengrin«, Elisabeth und Venus im »Tannhäuser«, Isolde, Brünnhilde im Nibelungenring). Von ihrem Wohnsitz New York aus unternahm sie zahlreiche Konzertreisen und betätigte sich dort als Pädagogin. Sie starb 2008 in New York.

Private Mitschnitte von Rundfunkauftritten.

 

10.6. Eric GARRETT: 85. Geburtstag

Eric Garrett als Don Pasquale
Eric Garrett als „Don Pasquale“

Ausbildung der Stimme am Royal College of Music in London. Ergänzende Studien in Deutschland, bei Eva Turner in London sowie Einstudierung einiger Rollen des italienischen Repertoires durch Tito Gobbi. Nachdem er drei Jahre hindurch (seit 1956) im Chor der Londoner Covent Garden Oper und 1960-61 als Solist bei der Carl Rosa Opera Company (bereits 1960 dort als Don Giovanni aufgetreten) gesungen hatte, debütierte er an der Covent Garden Oper 1962 als Solist in der Rolle des Dr. Grenvil in »La Traviata«; er trat dort 1963 in der englischen Erstaufführung von Schostakowitschs »Lady Macbeth von Mzensk« auf. Er sang in den folgenden dreißig Jahren an der Covent Garden Oper über 50, zumeist kleinere und Buffo-Partien, u.a. den Mesner in »Tosca« zusammen mit Maria Callas und Tito Gobbi, den Antonio in »Le nozze di Figaro«, den Benoît wie den Alcindoro in Puccinis »La Bohème«, um nur einige zu nennen, übernahm aber auch immer wieder große Aufgaben. Er wirkte an der Covent Garden Oper in der Uraufführung der Oper »Victoria« von R.R. Bennett (1970 als Koen) und in den englischen Erstaufführungen von »Hamlet« von H. Searle (1969 als Guildenstern), »Der König begibt sich nach Frankreich« von A. Sallinen (1987) und »Un Re in ascolto« von L. Berio (1989) mit. Er trat auch bei der New England Opera Company London, u.a. in den Uraufführungen der Opern »Tartuffe« von A. Benjamin (1964 als Organ) und »The Decision« von Thea Musgrave (1967), auf. Er gastierte bei der Scottish Opera (1976-77 als Baron Mirko Zeta in Lehárs »Die lustige Witwe«), der Welsh Opera und beim Wexford Festival (Macrobio in Rossinis »La pietra del paragone«). In den Jahren 1978-79 erfolgreiche Gastspiele an den Opernhäusern von Brüssel und Gent als Bartolo im »Barbier von Sevilla«, als Dulcamara in Donizettis »L’Elisir d’amore«, in »Don Pasquale« und in »Adriana Lecouvreur« von Cilea. Seither große Erfolge als Bass-Buffo in Belgien, so in Antwerpen als Ochs im »Rosenkavalier« (1981) und in Lüttich als Bartolo im »Barbier von Sevilla« (1983). Den Ochs sang er auch 1984 in Los Angeles. 1988 erregte er an der Londoner Covent Garden Oper großes Aufsehen, als er den verhinderten Paolo Montarsolo in der Rolle des Mustafà in Rossinis »L’Italiana in Algeri« ersetzte. 1991 war er an der Staatsoper München und am Opernhaus von Marseille zu Gast. 1991 sang er an der Covent Garden Oper London den Warlaam im »Boris Godunow« und den Scarpia, 1995 den Mesner in »Tosca«. 1997 trat er an der Covent Garden Oper London als Bartolo im »Barbier von Sevilla« auf, 1999 als Micha in Smetanas »Die verkaufte Braut«. 1999 sang er bei der Opera Ireland in Dublin den Bartolo im »Barbier von Sevilla«, 2000 am Teatro Fenice Venedig den Dansker in »Billy Budd« von B. Britten, an der Covent Garden Oper London wieder den Mesner. Er starb 2009 auf Mallorca.

Schallplatten: Kleinere Opernpartien auf DGG (»La Fanciulla del West« von Puccini) und Decca (»Billy Budd« von B. Britten, »La Fille du Régiment« von Donizetti); Virgin-Video (»Die Fledermaus«), Topaz-Video (Schmidt in »Andrea Chénier« von Giordano).

 

10.6. Bruno BARTOLETTI: 90. Geburtstag

 Als Kind spielte er die Piccoloflöte in einem lokalen Kammerorchester, in dem sein Vater Umberto, ein Schmied, die Klarinette spielte. Brunos musikalisches Talent wurde von einer Musikschullehrerin in der Grundschule entdeckt, deren Ehemann der bekannte Bildhauer Antonio Berti war. Sie empfahl den Jungen an das Konservatorium „Luigi Cherubini“ in Florenz, wo er als Flötist und Pianist ausgebildet wurde. Bevor er dirigieren lernte, war er Pianist und Korrepetitor im Opernstudio des Konservatoriums. Unter seinen wichtigsten Lehrern war Tullio Serafin. Bartoletti assistierte in seiner Laufbahn als Dirigent mehreren bedeutenden Dirigenten seiner Zeit wie Dimitri Mitropoulos, Vittorio Gui und Tullio Serafin. Mit dem Journalisten Luigi Serra war er gut befreundet. Dieser berichtete in einem späteren Interview über ihn, dass Bartoletti während des Zweiten Weltkrieges als Pianist die amerikanischen Truppen in Florenz unterhalten habe. Batoletti habe diesen ersten Kontakt mit den Amerikanern als sehr herzlich empfunden, wobei ihn damals die amerikanische Musik, besonders die von Cole Porter stark beeindruckte. Am 1. Juli 1953 heiratete er Rosanna Sandretti, eine Grundschullehrerin, die am 4. Juli 1927 geboren worden war. In den 58 Jahren ihrer Ehe war sie stets bei den Proben anwesend. Als sie 2011 starb, wurde sie vom Intendanten der Lyric Opera of Chicago mit einem Nachruf auf der Homepage der Oper bedacht. Bruno Bartoletti gab 1953 mit Rigoletto sein Debüt als Dirigent am Teatro Comunale di Firenze. Nach mehreren Engagements in ganz Italien wurde er zum Künstlerischen Leiter des Festivals Maggio Musicale Fiorentino (1957–64) und anschließend zum Chefdirigenten der Opera di Roma (1965–73) berufen. Er war erster und fester Gastdirigent am Königlichen Theater in Kopenhagen (1957–60) und an der Lyric Opera of Chicago (1956), wo er im Alter von 30 Jahren mit Verdis Il trovatore für Tullio Serafin einsprang. Die Oper war erst zwei Jahre zuvor gegründet worden und bot Bartoletti große Entfaltungsmöglichkeiten. Ab 1964 wurde er unter dem Intendanten Pino Donati zum Chefdirigent und zu seinem Stellvertreter ernannt. Er leitete das Orchester bei mehr als 55 unterschiedlichen Opern in nahezu 600 Vorstellungen. 1975-99 war er zusätzlich Intendant der Lyric Opera of Chicago. Seine Karriere beendete er 2007 mit dem Dirigat der Oper La Traviata von Giuseppe Verdi. Bruno Bartoletti baute seine Karriere als Spezialist des Opern-Repertoires auf. Er war bekannt als hervorragender Interpret italienischer Opern von Verdi und Puccini, aber auch als Kenner der Musik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Er dirigierte weltweit an großen Opernhäusern Uraufführungen, die er auch inszenierte wie Werke der Komponisten Lodovico Rocca, Gian Francesco Malipiero, Alberto Ginastera und Krzysztof Penderecki. Er bewirkte mehrere Schallplattenaufnahmen von seltenen Opernwerken, wie zuletzt 1996 La cena delle beffe von Umberto Giordano am Opernhaus Zürich.Unter seiner künstlerischen und musikalischen Leitung wurde das Repertoire der Lyric Opera of Chicago durch erfolgreiche und moderne Werke bereichert und mit viel versprechenden jungen Sängern besetzt, sodass sich das Haus unter Insidern als „La Scala West“ einen Namen machte. Aus dieser fruchtbaren Zusammenarbeit gingen zahlreiche internationale Opernstars hervor.Bartolettis breites Repertoire reichte von der traditionellen bis zur modernen Musik. Werke, die heute auf den internationalen Spielplänen stehen, wurden durch sein Engagement zum ersten Mal auf die amerikanische Bühne gebracht. Beispiele hierfür sind die OpernHerzog Blaubarts Burg von Béla Bartók,Die Sache Makropoulos von Leos Janácek,Die verkaufte Braut von Bedrich Smetana, Boris Godunow von Modest Mussorgski, Lulu und Wozzeck von Alban Berg, Der feurige Engel und Der Spieler von Sergei Prokofjew sowie Billy Budd von Benjamin Britten. 1984 dirigierte er die italienische Erstaufführung der Oper Die Nase von Dmitri Schostakowitsch nach Gogols Erzählung, die damals in der Sowjetunion verboten war. 1978 dirigierte er die Weltpremiere Das verlorene Paradies von Krzysztof Penderecki, eine Produktion die wegen ihrer Kosten das Budget des Hauses sprengte und eine finanzielle Krise der Lyric Opera of Chicago verursachte.Als Composer in Residence holte er den amerikanischen Komponisten William Bolcom, der 1992-2004 drei Opern für das Haus komponierte und dort erstmals aufführte: Mc Teague, basierend auf einer Novelle von Frank Norris, A view from the bridge, eine Adaption des gleichnamigen Schauspiels von Arthur Miller und A Wedding, basierend auf einem Film von Robert Altman, der die Oper auch inszenierte.Darüber hinaus gab er jungen italienischen Dirigenten die Gelegenheit, ihr erstes Debüt in Amerika an der Lyric Opera of Chicago zu geben, bevor sie wie Daniele Gatti und Riccardo Chailly internationale Berühmtheit erlangten. Ebenso förderte er noch unbekannte Dirigenten wie Leonard Slatkin, Dennis Russel Davies und George Manahan oder den 26-jährigen Regisseur Peter Sellars, der 1983 The Mikado inszenierte.Bedeutende Opernsänger arbeiteten mit ihm zusammen. Die lange Liste beinhaltet berühmte Namen wie Plácido Domingo, Luciano Pavarotti, Marilyn Horne, Grace Bumbry, Catherine Malfitano, Jussi Björling, Renata Tebaldi, Mirella Freni, Montzserrat Caballé, Giuseppe Di Stefano oder Richard Tucker. Darüber hinaus fand Bartoletti weltweit junge, neue Gesangstalente wie Monna Ry Andersen.In späteren Jahren unterrichtete er an der Accademia Musicale Chigiana in Siena.Bruno Bartoletti dirigierte weltweit an namhaften Opernhäusern wie der Opera Roma, dem Royal Opera House in Covent Garden, London, der Mailänder Scala (1983 Galakonzert, 1999 Der feurige Engel, 2003 La Bohème und 2004 Madame Butterfly), dem Grand Théâtre de Genève (1965 Falstaff von Verdi, 1988 Der feurige Engel, 1991 Peter Grimes von B. Britten und 1992 I Quattro Rusteghi von E. Wolf-Ferrari), dem Teatro Colón in Buenos Aires, der San Francisco Opera (1970 Falstaff, 1979 La Gioconda), dem Opernhaus Zürich und mehrere Jahre beim Festival Maggio Musicale in Florenz. Sein Leben beschrieb er einmal, über seine Karriere nachdenkend, als „sehr langes symphonisches Gedicht.“ Er starb 2013 in Florenz.

 

12.6. Jewgenia MIROSCHNITSCHENKO: 85. Geburtstag

Jewgenia MIROSCHNITSCHENKO

 Sie beendete 1957 ihr Gesangstudium am Konservatorium von Kiew, wo sie Schülerin von M.S. Donez-Tessejin war. Im gleichen Jahr 1957 war sie Preisträgerin beim Internationalen Gesangwettbewerb von Toulouse. Sie wurde Mitglied des Opernhauses von Kiew, wo sie als führende Vertreterin des lyrischen und des Koloraturfachs eine langjährige Karriere hatte. Sie trat gerne in ukrainischen Opern auf, u.a. als Venera in »Eneida« von Lyssenko, als Titelfigur in »Milana« von Mayborada und als Stasya in »Erntefrühling« von Zhukowsky. Ihre großen Bühnenpartien waren die Rosina im »Barbier von Sevilla«, die Gilda im »Rigoletto«, die Traviata und die Musetta in »La Bohème«. 1960 und 1965 trat sie als Gast an der Nationaloper von Budapest auf.Sie wurde auch als Konzert- und vor allem als Liedersängerin bekannt; seit 1965 war sie Volkskünstlerin der UdSSR. Sie starb 2009 in Kiew.

Melodiya-Schallplatten.

 

13.6. Marcel LANG: 60. Geburtstag

 Er studierte Gesang bei Kurt Widmer und Hans Riediker in Basel sowie im dortigen Opernstudio und schloss dieses Studium mit seinem Diplom ab. Seine Weiterbildung fand durch die Pädagogen Maria Kullmann und Markus Haas statt. Zusätzlich absolvierte er ein Studium der Psychologie. Sein Vater hatte bereits als Laienkantor in einer Synagoge gesungen, und so wandte auch er sich der jüdischen religiösen Musik zu und wurde bereits ganz jung zweiter Kantor an der Synagoge von Zürich. 1992 wurde er Oberkantor der Synagoge von Basel, seit 1991 war er zugleich als Gastkantor für die Synagoge von Düsseldorf bestellt. Dazu trat er im Konzertsaal in Erscheinung; seine Programme umfassten hier jüdische Kultmusik, jiddische Lieder, Partien in Oratorien, Opernarien und Lieder. Seit 1983 trat er in Konzerten in der Schweiz, in vielen europäischen Ländern, in den USA, in Kanada, Australien und Israel auf. 1980-82 war er bei der Opera mobile Basel als Opern-Tenor engagiert und wirkte in Opern von Mozart, Gluck und Bizet mit. Bekannt wurde er auch durch Radio- und Fernsehsendungen. Er starb 2009 in Basel.

Schallplattenaufnahmen, vor allem mit Synagogen- Musik und mit jiddischen Liedern.

 

13.6. Mariana PAUNOVA: 65. Geburtstag

 Biographie der bulgarischen Mezzosopranistin auf Englisch: http://www.thecanadianencyclopedia.ca/en/article/mariana-paunova-emc/

 

14.6. Walter RANINGER: 90. Geburtstag

 Er studierte zuerst am Konservatorium von Weimar Trompete und Violine. Dann kam er an das Mozarteum von Salzburg, wo er sich zum Orchesterdirigenten ausbilden ließ. Erst 1950 nahm er dort das Gesangstudium auf; seine Lehrer waren Bernhard Paumgartner und Salvatore Salvati. 1954 erwarb er am Mozarteum die Diplome als Dirigent und als Gesangpädagoge. Bei den Salzburger Festspielen wirkte er 1950-84 mit, 1951 in einer kleinen Rolle in Mozarts »Idomeneo«, 1955 als Spanischer Bischof in »Palestrina« von H. Pfitzner, 1958 und 1960 als einer der flandrischen Deputierten in Verdis »Don Carlos«, 1964-65 als Perückenmacher in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss und als Diener in Verdis »Macbeth« sowie 1968-72 in »Rappresentatione di anima e di corpo« von E. de Cavalieri; daneben war er dort in den Jahren 1950, 1954-71, 1975 und 1984 in vielen Konzerten (C-Moll-Messe und weitere geistliche Musik von Mozart) zu hören. 1956 sang er in Salzburg unter Bernhard Paumgartner in »La finta semplice« von Mozart und gastierte dann mit diesem Ensemble in den europäischen Hauptstädten. Auch später trat er häufig am Salzburger Landestheater auf, dazu gastierte er an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf und an anderen Bühnen im deutschen Sprachraum; in erster Linie war er in Mozart-Opern erfolgreich. 1958 trat er in Düsseldorf in der Uraufführung einer Neufassung der Oper »Karl V.« von E. Krenek auf. Seine größten Erfolge erreichte er jedoch als Konzertsänger und als Interpret von Oratorien und geistlicher Musik. Auch auf diesen Gebieten galt er als vortrefflicher Mozart-Interpret. Er wurde zu Beginn der achtziger Jahre als Professor für Oratorien- und Liedgesang an das Salzburger Mozarteum berufen. Er starb im Jahr 1996.

Schallplatten: Philips (»La finta semplice« von Mozart aus Salzburg, Mozart-Messen), Vox (Oratorien und religiöse Werke), Edition Schwann, Orfeo (»Rappresentatione di anima e di corpo« von Cavalieri, Salzburg 1971).

 

14.6. Eugène REGNIER: 100. Geburtstag

 Seine Ausbildung erfolgte am Konservatorium seiner Heimatstadt Verviers bei Daru; er debütierte 1938 auch am dortigen Theater in der Titelrolle von Massenets »Werther«. Seine weitere Karriere wurde durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen, doch konnte er 1940 einem Ruf an das Théâtre de la Monnaie Brüssel folgen, dem er bis 1953 als Ensemblemitglied und noch bis 1955 als Gast angehörte. Hier sang er 1948 in der französischsprachigen Erstaufführung der Oper »Dantons Tod« von G. von Einem die Partie des Camille Desmoulins. Im Übrigen trug er vor allem lyrische Tenor-Partien vor wie den George Brown in »La Dame blanche« von Boieldieu, den Zephoris in »Si j’étais Roi« von Adam, den Titelhelden in »Hoffmanns Erzählungen«, den Lyonel in Flotows »Martha«, den Arturo in »I Puritani« von Bellini, den Rodolfo in »La Bohème«, den Rinuccio in Puccinis »Gianni Schicchi« sowie einige Partien in Operetten von Audran, L. Varnay und F. Lehár. Er trat als Gast an französischen Theatern auf; so erschien er 1947 an der Pariser Opéra-Comique als Pinkerton in »Madame Butterfly«. Er gastierte 1954-56 bei der Zuid Nederlandse Opera als Faust von Gounod, als Don José in »Carmen« und als Herzog im »Rigoletto«. Er starb im Jahr 1974.

Schallplatten: Columbia (Lieder).

 

14.6. Karl-Rudi GRIESBACH: 100. Geburtstag

Er besuchte ein Gymnasium in Hamburg und studierte anschließend ab 1937 Komposition (bei Philipp Jarnach) und Dirigieren in Köln. Nach Abschluss seiner Studien im Jahre 1941 musste er als Soldat im 2. Weltkrieg kämpfen und kam 1944 in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst 1949 entlassen wurde. Im folgenden Jahr ließ er sich in Dresden nieder, wo er bis zu seinem Tode 2000 lebte. In den Jahren 1952 und 1953 war er kurzfristig an einem Berliner Theater tätig. Daneben schrieb er Rezensionen und wirkte als Dramaturg. Schon 1952-55 hatte er an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ Dresden gelehrt, ab 1966 war er dort zunächst als Dozent, ab 1968 als Professor für Komposition tätig, bis er 1981 seine Lehrtätigkeit wieder aufgab. Ihmwurde unter anderem der Kunstpreis der Stadt Dresden (1961) sowie der Kunstpreis der DDR (1967) verliehen. Seine Frau Margrit trat als Pianistin in Erscheinung und interpretierte vor allem Werke ihres Mannes. Griesbach war immer bemüht, eine relativ leicht verständliche Musik zu schreiben. Daher nahm er zwar Anregungen von Béla Bartók und auch Arnold Schönberg auf, brach aber letztlich nicht völlig mit der Tonalität und war insgesamt ein für seine Generation eher konservativer Komponist. Seine Musik ist durch eine prägnante Rhythmik, eher raue Klangfarben und knappe Formen gekennzeichnet. Griesbach bezog sich in seinen Werken teilweise auf politische Thematik. Anfang der 1960er Jahre beschäftigte er sich mit fremden Musikkulturen und ließ sich auch vom Blues und von afrikanischer Musik inspirieren. Mit seiner damals komponierten Afrikanischen Sinfonie hatte er einen beachtlichen Erfolg. Der Schwerpunkt seines Œuvres liegt allerdings auf den Bühnenwerken. In der DDR und speziell in Dresden war Griesbach ein angesehener Komponist, nach der Wiedervereinigung ist er freilich weitgehend vergessen worden.

 

14.6. Karel HRSUKA : 125. Geburtstag

Biographie des tschechischen Tenors auf Englisch : https://en.wikipedia.org/wiki/Karel_Hru%C5%A1ka

 

15.6. Hans Michael BEUERLE : 75. Geburtstag

 

Er war Sohn des Kirchenmusikers Herbert Beuerle und der Lotte Beuerle, geborene Engelmann. Im Elternhaus erhielt er seine musikalische Prägung durch vokale und instrumentale Ensemblemusik, besonders aus der Zeit des Barock. Noch als Schüler an einem Frankfurter Gymnasium studierte er am Hoch’schen Konservatorium Violine und Kammermusik, im Anschluss daran an der Frankfurter Musikhochschule zunächst Schulmusik, dann Violine und im Aufbaustudium Dirigieren (Künstlerische Reifeprüfung) sowie an der Goethe-Universität die Fächer Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie. 1975 wurde er bei Ludwig Finscher mit einer Arbeit über die A-cappella-Kompositionen von Johannes Brahms zum Dr. phil. promoviert. Schon während seiner Studienzeit hatte er 1966 einen Studentenchor an der Frankfurter Universität übernommen, aus dem der Kammerchor Frankfurt hervorging. Das Ensemble wurde 1984 Preisträger beim internationalen Chorwettbewerb Let the People Sing. 1971-72 war er Künstlerischer Leiter des Knabenchors der Laubacher Kantorei. 1973 nahm er einen Lehrauftrag im Fach Chordirigieren an der Musikhochschule Trossingen an. 1977 wechselte er auf eine Professur an die Musikhochschule Karlsruhe. Von 1980 bis zu seiner Emeritierung 2006 war er Professor für Chor- und Orchesterleitung an der Musikhochschule Freiburg.Zusätzlich war er seit 1983 bis zu seinem Tod Künstlerischer Leiter des Freiburger Bachchores und des Freiburger Bachorchesters.1991 wechselte der Kammerchor Frankfurt Sitz und Namen und entwickelte sich unter Beuerles Leitung als Anton-Webern-Chor Freiburg zu einem professionellen Vokalensemble.Zudem initiierte Hans Michael Beuerle mit Kollegen aus dem Elsass und der Schweiz CHŒUR3 e. V. – Internationale Chorakademie im Dreiländereck.Beuerle starb im Januar 2015 in Freiburg im Breisgau im Alter von 73 Jahren an einer schweren Lungenentzündung, die er sich nach seinem letzten öffentlichen Auftritt zugezogen hatte.

 

15.6. Louis DEVOS : 90. Geburtstag

Louis_Devos

 Er studierte neben Latein und Griechisch Violoncello am Konservatorium von Brüssel. 1948 ging er zur Vervollständigung seiner musikalischen Ausbildung nach Österreich, spielte dort zwei Jahre in Orchestern, begann dann aber die Gesangsausbildung in Graz. 1952 kam er wieder nach Belgien zurück und kreierte noch im gleichen Jahr Strawinskys »Cantate« in Brüssel für Europa. 1954 wirkte er in der Premiere der Radio-Oper »Orestes« von Badings mit, die mit dem Prix Italia ausgezeichnet wurde. Seit 1956 sang er oft bei den Konzerten des Münchner Philharmonischen Orchesters unter Dirigenten wie Hermann Scherchen und Pierre Boulez. 1958 wirkte er in Genf in der konzertanten Uraufführung von Frank Martins »La Mystère de la Nativité« mit, 1964 in Rom in der des oratorischen Werks »Pilatus« vom gleichen Komponisten. Am 15.1.1969 wirkte er an der Mailänder Scala in der Uraufführung der Oper »Votre Faust« von Henri Pousseur mit. 1972 kreierte er in Köln »Utrenja« von Penderecki. Zur Feier des 100. Geburtstages von Arnold Schönberg sang er in Wien 1974 in dessen »Moses und Aron« die Partie des Aron und hatte dabei einen aufsehenerregenden Erfolg. In Amsterdam, Brüssel und an der Covent Garden Oper London gestaltete er einerseits Partien in Barock-Opern anderseits zeitgenössische Werke. Aus seinem Repertoire sind zu nennen: der Titelheld in »Oedipus Rex« von Strawinsky, der Andres im »Wozzeck« von A. Berg, der Fischer in »Le Rossignol« von Strawinsky, der Gonzalve in »L’Heure espagnole« von M. Ravel, der Mercure in »Platée« von Rameau, die Titelpartie in Monteverdis »L’Orfeo«, aber auch der Ismael in Verdis »Nabucco«, der italienische Sänger im »Rosenkavalier« und der Florestan im »Fidelio«. Er wirkte als Professor an den Konservatorien von Brüssel und Amsterdam; 1950 gründete er das Ensemble Musica Polyphonica, mit dem er eine Anzahl oratorischer und geistlicher Musikwerke zur Aufführung brachte und auf Schallplatten aufnehmen ließ, die von hohem musikhistorischen wie interpretatorischem Wert sind. Er starb 2015 in Brüssel.

Schallplatten: Erato-RCA (Vokalwerke von Lully, »Der Tod Jesu« von Graun, Magnificat von Zelenka, »Les Indes Galantes« von Rameau, Mozart-Requiem), Muza (»Paroles Tissées« von Witold Lutoslawski), Philips (»Moses und Aron«), CBS (»Le Devin du village« von Rousseau), Schwann-Verlag (»Messe solennelle« von César Franck), DGG (Archiv-Serie), Oiseau Lyre, Pathé, Gramolo (Belgien).

 

15.6. Madeleine MATHIEU: 125. Geburtstag

Madeleine Mathieu als Tosca
Als „Tosca“

 Sie studierte am Conservatoire National in Paris bei den Pädagogen Cazeneuve, Gailhard und Isnardon. Sie debütierte 1913 an der Pariser Opéra-Comique als Anita in »La Navarraise« von Massenet. Sie kam an diesem Opernhaus zu einer großen, langjährigen Karriere und war dort in Partien wie der Carmen, der Tosca, der Butterfly und auch der Suzuki in Puccinis »Madame Butterfly«, der Santuzza in »Cavalleria rusticana« und der Prinzessin in »Marouf« von Henri Rabaud zu hören. In den zwanziger Jahren feierte man sie in Paris in der Lehár-Operette »Frasquita«. 1921 sang sie als Gast am Teatro Liceu Barcelona in der dortigen Premiere der Oper »L’Étranger« von Vincent d’Indy. 1922 hatte sie einen ihrer größten Erfolge, als sie beim Musikfestival von Zürich die Carmen sang, die allgemein als ihre besondere Glanzrolle galt. Sie gastierte an den Opernhäusern von Marseille, Bordeaux und Toulouse, in Belgien, Italien und Deutschland. Erst 1951 nahm sie von der Bühne Abschied. Sie wirkte in Paris als angesehene Pädagogin und war u.a. die Lehrerin von Robert Massard, Margaret Mas und R. Gardes. Sie war verheiratet mit dem Operndirektor Georges Hirsch.Sie lebte 1987 noch.Sie darf nicht mit der Sängerin Marcelle Matheu (1898-1959) verwechselt werden, die seit 1926 an der Grand Opéra Paris auftrat.-

 

17.6. Serge RALLIER: 100. Geburtstag

 Er sang seit 1945 an der Opéra-Comique und seit 1949 an der Grand Opéra Paris in erster Linie Comprimario-Partien (Spalanzani in »Hoffmanns Erzählungen«, Remendado in »Carmen«, Gonzalve in »L’Heure espagnole« von Ravel, Parpignol in »La Bohème«, Yamadori in »Madame Butterfly«, Brighella in »Ariadne auf Naxos«). Derartige Partien hat er auch in mehreren Gesamtaufnahmen von Opern gesungen (»Carmen« auf Decca; »La Bohème« und »Le Roi d’Ys« von Lalo auf HMV). Er starb im Jahr 1986. Er war verheiratet mit der Sopranistin Jacqueline Lucazeau (* 14.3.1917).

 

19.6. Paris Francesco ALGHISI: 350. Geburtstag

Er war bereits in seiner frühen Jugend ein Schüler Orazio Pollarolis, dem Organisten an der Kathedrale von Brescia. Nach Studien der Rechte und der Philosophie, war er 1681-83 Mitglied der Kapelle des polnischen Königs. Zurück in Brescia wurde er zum Priester geweiht und er trat dem Orden S. Filippo Neri bei, dessen Kapellmeister er wurde und für den er 11 Oratorien vertonte. Neben seinen Oratorien und weiteren kirchlichen Vokalwerken schuf er weiterhin weltliche Musik, wie zwei Opern, die 1690 in Venedig aufgeführt wurden und eine Sammlung Kammersonaten (Modena, 1693).Don Paris Francesco Alghisi war Kapellmeister an verschiedenen Kirchen Brescias und am Jesuitenkolleg Collegio de’ Nobili. Am 10. Februar 1701 erhielt Alghisi die Organistenstelle an der Kathedrale von Brescia, die er bis zu seinem Tode 1733 innehatte. 1706 wurde er Mitglied der Accademia Filarmonica von Bologna.Seinem letzten Willen entsprechend, kam ein Teil seiner nicht gedruckten Werke und Briefe in das Benediktinerkloster Disentis in Graubünden, der Rest blieb im Besitz des Ordens in Brescia, durch diesen Vorgang sind zahlreiche Werke verschollen.

 

20.6. Giannina ARANGI-LOMBARDI: 125. Geburtstag

Giannina ARangi Lombardi

 Sie studierte zunächst Klavierspiel am Conservatorio San Pietro a Majella in Neapel, dann Gesang bei Benjamino Carelli. Debüt als Konzert-Altistin 1919 in Palermo, als Bühnensängerin im gleichen Stimmfach 1920 am Teatro Costanzi von Rom als Lola in »Cavalleria rusticana«. Sie sang drei Jahre lang ohne besondere Erfolge im Alt-Fach. So gastierte sie 1921 am Teatro Dal Verme in Mailand als Amneris in »Aida« und als Brangäne in »Tristan und Isolde«, am Teatro Massimo Palermo wie am Teatro Regio Parma als Cieca in »La Gioconda« von Ponchielli, in Parma auch als Venus im »Tannhäuser« und als Elena in »Mefistofele« von Boito. Nach erneuten Studien bei Adelina Stehle und Tina Poli-Randaccio kam es 1923 zu einem zweiten Debüt als Sopranistin in Mailand. Jetzt entwickelte sich eine schnelle, glänzende Karriere, wobei die Künstlerin besonders durch Arturo Toscanini gefördert wurde. Unter ihm sang sie 1924-29 und dann auch in der Saison 1929-30 an der Mailänder Scala, wo man sie vor allem in der Titelpartie in »La Vestale« von Spontini, als Lucrezia in »Lucrezia Borgia« von Donizetti, als Gioconda in der gleichnamigen Oper von Ponchielli und als Aida bewunderte. Sie sang dort auch die Donna Anna im »Don Giovanni« und die Santuzza in »Cavalleria rusticana«. Sie gastierte 1929 mit dem Ensemble der Mailänder Scala in Berlin als Aida und als Leonore im »Troubadour«. Am Teatro Costanzi in Rom hörte man sie als Santuzza, 1925 sang sie in der italienischen Erstaufführung der Richard Strauss-Oper »Ariadne auf Naxos« am Teatro Regio Turin die Titelrolle. Weitere Gastspiele an der Oper von Rio de Janeiro, an den Opernhäusern von Genua und Florenz, am Teatro San Carlos Lissabon, am Teatro Colón Buenos Aires (1926), an der Oper von Kairo und bei den Festspielen in der Arena von Verona, wo sie 1925 die Gioconda, 1927 die Aida und 1932 die Amelia in Verdis »Un ballo in maschera« sang. Sie gastierte 1933 an der Städtischen Oper Berlin, 1931 am Stadttheater von Zürich, 1924-28 an der Oper von Kairo, 1926 und 1927 in Lissabon, 1933 am Teatro San Carlo Neapel. 1928 Australien-Tournee mit einer von Nellie Melba zusammengestellten Operntruppe. 1935 sang sie am Teatro Bellini von Catania die Titelrolle in Bellinis »Beatrice di Tenda« und erreichte damit eine Wiederbelebung des ganz vergessenen Werks. Beim Maggio Musicale von Florenz trat sie 1933 als Anaide in »Mosè in Egitto« von Rossini, an der Oper von Rom 1934 als Gräfin in »Le nozze di Figaro« auf.Bei den Salzburger Festspielen erschien sie 1935 als Donna Anna im »Don Giovanni« unter Bruno Walter. Aus ihrem Repertoire für die Bühne seien die Asteria in »Nerone« von Boito, die Tosca, die Leonore in »La forza del destino« wie in »La Favorita« von Donizetti, die Maddalena in Giordanos Oper »Andrea Chénier« und die Selika in der »Afrikanerin« von Meyerbeer nachgetragen. 1938 nahm sie von der Bühne Abschied und unterrichtete darauf als Pädagogin am Conservatorio Giuseppe Verdi in Mailand (1938-47). 1947 folgte sie einem Ruf als Professorin an das Konservatorium von Ankara und wirkte bis kurz vor ihrem Tod als Pädagogin in der Hauptstadt der Türkei. Zu ihren Schülerinnen zählten die Sopranistinnen Leyla Gencer, Jolanda Gardino, Magda Rigo und Maria Vitale. Giannina Arangi-Lombardi starb 1951 in Mailand. – Voluminöse, dunkel timbrierte dramatische Sopranstimme von großer Leidenschaftlichkeit des Ausdrucks.

Schallplatten: als Altistin akustische Aufnahmen auf Fonografia Nazionale, in Deutschland unter dem Etikett von Artiphon veröffentlicht; als Sopranistin akustische wie elektrische Aufnahmen auf Columbia, darunter auch vollständige Opern (»Aida«, 1929; »La Gioconda«, 1930; »Mefistofele«, 1931; »Cavalleria rusticana«, 1931).

 

20.6. Thea SCHNOR. 125. Geburtstag

 Sie studierte 1911-13 in Berlin bei Grün, 1913-19 bei Julius von Raatz-Brockmann und ergänzte ihre Ausbildung 1919-25 bei Vittorio Moratti in Mailand. 1920 begann sie eine erfolgreiche Konzertkarriere. Von Berlin aus unternahm sie Konzertreisen, bei denen sie als Oratoriensängerin wie als Lied-Interpretin ihre Erfolge hatte. Sie war verheiratet mit dem Komponisten Leo Lewy (* 1882).

 

21.6. Harry NEWSTONE: 95. Geburtstag

Biographie des kanadischen Dirigenten auf Englisch: http://www.theguardian.com/news/2006/may/11/guardianobituaries.artsobituaries

 

21.6. Guerrina FABBRI: 125. Geburtstag

 Sie war Schülerin von A. Mattioli in Ferrara und von Galetti-Gianoli in Mailand. Sie debütierte 1885 am Stadttheater von Viadana (bei Mantua) als Orsini in »Lucrezia Borgia« von Donizetti und sang in der Saison 1885-86 in Palermo die Cieca in »La Gioconda« von Ponchielli und die Marta in »Mefistofele« von Boito. 1886 gastierte sie in Madrid, 1887 am Drury Lane Theatre in London als Amneris in »Aida«. Am 12.2.1889 sang sie am Teatro Real Madrid in der Uraufführung der Oper »Los amantes de Teruel« von Tomáz Bretón.1889 schloss sie sich einer Operntruppe an, die die große Primadonna Adelina Patti, mit der sie befreundet war, zusammengestellt hatte, und die auch einige Gastvorstellungen im Haus der New Yorker Metropolitan Oper gab. 1891-92 war sie während einer Spielzeit reguläres Mitglied der Metropolitan Oper, sang dort aber nur zwei Partien: die Nancy in »Martha« von Flotow und den Arsace in »Semiramide« von Rossini. 1891-92 war sie erneut in London zu Gast u.a. als Orpheus von Gluck, als Cenerentola und als Fidalma in Cimarosas »Il matrimonio segreto«. 1888 gab sie Konzerte in der New Yorker Steinway Hall. 1889 schloss sie sich einer Operntruppe an, mit der sie in New York und Chicago gastierte. 1898 sang sie am Teatro Comunale Bologna den Orpheus von Gluck, 1902 am Teatro San Carlo Neapel in »Cendrillon« von Massenet. 1905 war sie an derOper von Mexico City, 1906 an der Hofoper von St. Petersburg (als Laura in »La Gioconda« und als Maddalena im »Rigoletto«) zu hören. Erst 1906 fand ihr Debüt an der Mailänder Scala in einer ihrer großen Glanzrollen, der Mrs. Quickly im »Falstaff« von Verdi, statt, 1908 hatte sie glänzende Erfolge am Teatro Colón von Buenos Aires als Erda im »Siegfried« von R. Wagner, als Cieca, als Königin im »Hamlet« von A. Thomas und als Mme de Haltière in der südamerikanischen Erstaufführung von Massenets »Cendrillon«. In der Spielzeit 1909-10 trat sie nochmals alsNancy, als Laura und als Cieca in »La Gioconda« und in einem Konzert an der New Yorker Metropolitan Oper auf. 1914 sang sie am Teatro Lirico in Mailand die Margarita in der italienischen Erstaufführung der Oper »I quattro rusteghi« von Wolf-Ferrari, die dann eine ihrer Glanzrollen blieb, die sie auch 1922 in der Premiere dieser Oper und nochmals in der Saison 1925-26 an der Scala sang. Sie übernahm diese Partie u.a. auch 1923 am Teatro Costanzi in Rom, 1927 am Teatro San Carlo Neapel, 1926 in Genua und verabschiedete sich darin 1928 am Teatro Comunale Bologna von von ihrem Publikum. – Guerrina Fabbri war eine der letzten Koloratur-Altistinnen, die im 19. Jahrhundert häufig, dann aber bis zum Auftreten von Conchita Supervia in den zwanziger Jahren so gut wie überhaupt nicht mehr anzutreffen waren. Die brillante Gesangtechnikund die Schönheit ihrer dunkel timbrierten Stimme waren bewundernswert. Als ihre größten Kreationen auf diesem Gebiet galten die Angelina in »La Cenerentola« und die Isabella in »L’Italiana in Algeri« von Rossini. Diese beiden Partien sang sie u.a. 1890 in Rom. 1901 trat sie in Florenz wie am Teatro Verdi in Triest als Rosina im »Barbier von Sevilla« in der Original-Fassung Rossinis für Koloratur-Contralto auf. Wegen ihrer Korpulenz mußte sie sich im letzten Abschnitt ihrer Karriere auf Partien aus dem Buffo- und Charakterfach verlegen. Sie lebte nach ihrem Abschied von der Bühne als Gesanglehrerin in Turin, wo sie 1946 starb. – Ihre Schwester, Vittorina Fabbri, hatte in den neunziger Jahren vor der Jahrhundertwende eine bedeutende Karriere im Mezzosopranfach und wirkte 1891 an der Scala in der Uraufführung der Oper »Condor« des brasilianischen Komponisten Carlos Gomes mit. 1892 sang sie am Teatro Argentina in Rom in der Uraufführung von »Cimbelino« von Nicolo van Westerhout.

Von Guerrina Fabbri existieren sehr seltene Schallplatten auf G & T und Zonophone (Mailand, 1903-04).

 

21.6. Hermann SCHERCHEN: 125. Geburtstag

Nach frühem Violinunterricht in der Kindheit studierte Scherchen an der Berliner Musikhochschule. 1907 begann er seine Musikerlaufbahn als Bratschist im Blüthner-Orchester, dem Vorgänger des Berliner Symphonie-Orchesters (heute: Konzerthausorchester Berlin) und als Aushilfe bei den Berliner Philharmonikern und in der Krolloper. Das Handwerk für seinen späteren Beruf des Dirigenten erlernte er hauptsächlich als Autodidakt.

In die 1910er Jahre fielen zwei prägende Ereignisse. Entscheidend für seine berufliche und künstlerische Entwicklung wurde 1911 seine Begegnung mit Arnold Schönberg, mit dem er für die Uraufführung von dessen Pierrot lunaire (1912) als Dirigent zusammenarbeitete, welches er im folgenden Jahr auch auf einer Tournee dirigierte. 1914 war er in Jurmala als Dirigent des Rigaer Symphonieorchesters angestellt. Nachdem er zu Beginn des Ersten Weltkrieges in Lettland als feindlicher Ausländer von den Russen interniert worden war, wo er weitere Erfahrungen als Dirigent, Bratscher und Lehrer sammelte und sich auch der Komposition von Kammermusik und Liedern widmete, erlebte er als ziviler Kriegsgefangener in einem Lager im Ural 1917 die russische Oktoberrevolution mit.1918 übersetzte er das Arbeiterlied Brüder, zur Sonne, zur Freiheit aus dem Russischen ins Deutsche. Von der musikalischen Avantgarde Russlands beeindruckt kehrte er nach Berlin zurück. Er gründete ein Streichquartett (Scherchen-Quartett), die Musikzeitschrift für zeitgenössische Musik Melos und die Neue Musikgesellschaft Berlin. Daneben begann er seine Lehrtätigkeit an der Hochschule für Musik Berlin und wurde Leiter zweier Arbeiterchöre. In den folgenden Jahren dirigierte er in Leipzig (1920/21) das Orchester des Konzertvereins und in Frankfurt am Main (1922–24) als Nachfolger von Wilhelm Furtwängler. Er war Leiter der Museumskonzerte der Frankfurter Museumsgesellschaft und wirkte in Winterthur (1922–50), als Generalmusikdirektor in Königsberg (1928–31) und war daneben bis 1933 musikalischer Leiter des dortigen Rundfunksenders. In Winterthur machte er als Dirigent das von Mäzen Werner Reinhart geförderte Stadtorchester des Musikkollegiums Winterthur europaweit bekannt.Ab 1923 engagierte sich Scherchen in der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM). In diesem Umfeld lernte er auch Karl Amadeus Hartmann kennen, zu dessen Mentor er wurde. 1926 dirigierte Scherchen erstmals bei den Donaueschinger Musiktagen. Scherchen gehörte der KPD zwar nicht als Mitglied an, stand aber politisch links und war ein großer Freund der Sowjetunion. 1933 verließ er wegen seiner Ablehnung des Nationalsozialismus Deutschland. In Brüssel gründete er den Musikverlag Ars viva, der neben der Publikation unbekannter älterer Werke vor allem der Verbreitung zeitgenössischer Partituren und Textbücher, etwa von Karl Amadeus Hartmann und Wladimir Vogel sowie der Zeitschrift Musica viva diente, aber keinen langen Bestand hatte. 1937 zog er in die Schweiz.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Scherchen 1945-50 musikalischer Leiter beim Radioorchester Zürich, welches in Radio Beromünster umbenannt wurde, und Chefdirigent des Studioorchesters beim Schweizer Rundfunk. Ab 1950 engagierte er sich bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik und verhalf vielen der damaligen Avantgarde-Komponisten zu Uraufführungen. Im selben Jahr gründete er den Musikverlag Ars viva in Zürich neu. 1951 leitete er an der Berliner Staatsoper die Uraufführung von Paul Dessaus Das Verhör der Lukullus. 1954 gründete Scherchen in seinem Wohnort Gravesano mit Unterstützung der UNESCO ein Studio für Forschungen auf dem Gebiet der Elektroakustik (Rundfunk- und Aufnahmetechnik), wo Komponisten wie Vladimir Ussachevski, Luc Ferrari, Francois-Bernard Mâche und vor allem Iannis Xenakis arbeiteten. Die Ergebnisse dieser Forschungen veröffentlichte Scherchen in den Gravesaner Blättern. 1959-60 war er außerdem Chefdirigent der Nordwestdeutschen Philharmonie in Herford. Scherchen setzte sich in seiner Karriere wie kaum ein zweiter Dirigent für die Neue Musik ein. Er dirigierte viele Uraufführungen, darunter Werke von Arnold Schönberg, Alban Berg, Anton Webern, Paul Hindemith, Ernst Krenek, Richard Strauss, Karl Amadeus Hartmann, Edgar Varèse, Luigi Nono, Luigi Dallapiccola, Paul Dessau, Boris Blacher, Hans Werner Henze, Alois Hába, Albert Roussel, Claude Ballif, Karlheinz Stockhausen und Iannis Xenakis. Daneben gründete er Ensembles, die sich der Aufführung zeitgenössischer Musik widmeten, und Zeitschriften, die sich publizistisch um deren Verbreitung bemühten.Scherchen war als Dirigent für unkonventionelle Interpretationen bekannt. So existiert eine Aufnahme der 5. Sinfonie von Gustav Mahler, in welcher Scherchen erhebliche Striche in der Partitur vornahm (möglicherweise, um eine einstündige Radioübertragung zu ermöglichen). Auch gehörte er zu den Ersten, die Beethovens Metronomangaben ernst nahmen, was auf einigen seiner Aufnahmen zu hören ist.Zu seinen Schülern gehörten Karl Amadeus Hartmann, Ernest Bour, Bruno Maderna, Luigi Nono, Francis Travis und Harry Goldschmidt.Während eines Konzerts in Italien 1966 erlitt er einen Herzinfarkt und verstarb wenige Tage darauf in Florenz.

Elias Canetti portraitiert in seinem Buch Das Augenspiel – Lebensgeschichte 1931-1937 (1985) Scherchen – der als Charakter nicht unproblematisch war – in dem Kapitel Der Dirigent außerordentlich scharf.Hermann Scherchen war zunächst verheiratet mit Auguste (Gustl) Maria Jansen; der Ehe entstammt der Sohn Karl Hermann Wolfgang (Wulff), geboren 1920. 1927–29 war er verheiratet mit der Schauspielerin Gerda Müller, war darauf wieder mit Gustl Jansen zusammen, bevor er 1936 die Komponistin Xiao Shuxian (Hsiao Shu-hsien)in Peking heiratete. 1937 wurde ihre gemeinsame Tochter Tona Scherchen geboren. Diese kehrte 1949 mit ihrer Mutter nach China zurück. Später machte sie sich einen Namen als Komponistin, vor allem nachdem sie 1972 nach Frankreich gezogen war. Scherchens letzte Frau war die in Zürich lebende Mathematiklehrerin Pia Andronescu (Heirat 1954), mit der er 5 Kinder hatte.Gustl Jansens Schwester Helene (Lene) war mit Sándor Radó verheiratet, der zur europaweiten Widerstandsbewegung Rote Kapelle gehörte und den Scherchen während dessen Flucht 1944 eine Zeit lang in seiner Wohnung in Genf versteckte.

 

21.6. Leopold LANDAU: 175. Geburtstag

Leopold LANDAU

 Er war zuerst Kantor in einer ungarischen Synagoge. Er wurde durch Marie Loewe-Lehmann, die Mutter der berühmten Sopranistin Lilli Lehmann, und durch Auguste und Franz Goetze in Leipzig ausgebildet.1870 fand sein Bühnendebüt am Opernhaus von Leipzig statt. Dort blieb er während drei Spielzeiten, sang dann 1873 am Stadttheater von Mainz, 1874 am Stadttheater von Straßburg und 1875 am Opernhaus von Köln. Er trat als Gast an der Berliner Hofoper (1875), an der dortigen Kroll-Oper und am Stadttheater von Basel (1876) auf.1876 wurde er an das Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg berufen, das damals unter der Leitung des berühmten Impresarios Bernhard Pollini stand. Leopold Landau blieb bis zu seinem Tod Mitglied dieses Hauses, wo er eine sehr erfolgreiche Karriere hatte (Antrittsrolle: Tamino in der »Zauberflöte«). 1888 sang er in der deutschen Erstaufführung von Verdis »Otello« in Hamburg den Cassio. Als seine großen Bühnenpartien galten der Titelheld in »Alessandro Stradella« von Flotow, der Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla«, der David in »Die Meistersinger von Nürnberg« und der Mime im Nibelungenring. Zu seinen Opernpartien gehörten auch der Titelheld in »Hoffmanns Erzählungen«, der Splendiano in »Djamileh« von Bizet, der Nureddin im »Barbier von Bagdad« von Cornelius, der Tonio in Donizettis »Regimentstochter«, der Lyonel in Flotows »Martha«, der Basilio in »Figaros Hochzeit« und der Lionel in »L‘ Éclair« von Halévy. Als das Hamburger Ensemble 1882 am Drury Lane Theatre in London zu Gast war, wirkte er in den englischen Erstaufführungen von »Die Meistersinger von Nürnberg« (als David) und von »Tristan und Isolde« mit. 1894 erlitt er während einer Probe zu Wagners »Rienzi« auf derBühne des Hamburger Opernhauses einen Schlaganfall, der sogleich zu seinem Tod führte. Sein Sohn Felix Landau (1872-1913) wurde ein bekannter Dirigent.

 

22.6. Ruth ZECHLIN: 90. Geburtstag

 Sie wurde als Tochter der Pädagogen Hermann und Friedel Oschatz, geborene Tillich, im sächsischen Großhartmannsdorf bei Freiberg geboren. Ihre Großeltern mütterlicherseits besaßen eine Klavierfabrik in Borna. Ruths Vater übernahm 1928 eine Dozentur an der Universität Leipzig und die Familie Oschatz ließ sich in der Bachstadt nieder. 1937 wurde ihre Schwester, die spätere Mezzosopranistin Gisela Pohl geboren. Ruth sang in ihrer Kindheit in einer Jugendkantorei, wo sie sich mit Gisela May anfreundete. Sie erhielt bereits als Fünfjährige Klavierunterricht und verfasste im Alter von sieben Jahren ihre erste Komposition. Im März 1943 bewarb sie sich erfolgreich um Aufnahme an der Leipziger Musikhochschule. Ab 1943 studierte sie Tonsatz und Chordirigieren bei Johann Nepomuk David und Klavier bei Anton Rohden. Kurz vor Kriegsende musste sie in den Junkers-Flugzeugwerken in Crimmitschau arbeiten. 1945 wurde sie unter dem Kantor Johannes Perisig stellvertretende Organistin in der Nikolaikirche. Das Studium in Leipzig nahm sie bei Karl Straube (Orgel) und Günther Ramin (Liturgisches Orgelspiel und Improvisation) wieder auf. Weitere Lehrer waren Hermann Heyer in Musikgeschichte, Wilhelm Weismann in Tonsatz und Rudolf Fischer in Klavier. 1949 schloss sie es mit dem Staatsexamen ab. Danach unterrichtete sie einjährig Gehörbildung und Klaviermethodik. Georg Knepler holte sie 1950 nach Berlin. Sie erhielt eine Dozentur für Harmonielehre, Kontrapunkt, Formenlehre und Musikkunde an der Deutschen Hochschule für Musik. Pädagogisch arbeitete sie mit Rudolf Wagner-Régeny und Hanns Eisler zusammen, die sie mit den Werken der Zweiten Wiener Schule bekannt machten. Als Cembalistin unternahm sie zudem ausgiebige Konzertreisen in viele Länder Europas. Sie wurde 1950 Mitglied der NDPD (in den 1980er Jahren wechselte sie in die CDU). Seit 1951 mit dem Pianisten Dieter Zechlin verheiratet, ließ sie sich 1972 von ihm scheiden. 1969 wurde sie als Professorin für Komposition berufen. Im gleichen Jahr wurde sie als außerordentliches und 1970 ordentliches Mitglied der Akademie der Künste der DDR gewählt. Dort leitete sie anschließend eine Meisterklasse für Komposition. Sie stand im engen Kontakt zu den Komponisten Hans Werner Henze und Witold Lutoslawski. Nach ihrer Emeritierung 1986 lehrte sie als Gastprofessorin. Seit 1990 war sie Mitglied der Akademie der Künste in Berlin, deren Vizepräsidentin sie bis 1993 war. 1989 beteiligte sie sich am Konzert Gegen den Schlaf der Vernunft in Berlin. 1990 war sie kurzzeitig als Nachfolgerin von Erhard Ragwitz Rektorin der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin.Nach der politischen Wende zog sie nach Bayern (sie lebte für einige Jahre in Passau), wo auch ihre Tochter Claudia wohnt. Sie freundete sich mit dem Bischof von Passau Franz Xaver Eder und den Intendanten Pankraz Freiherr von Freyberg an. Im Jahr 2007 verstarb sie in München. Sie wurde auf dem Friedhof in Pfaffenhofen an der Ilm beigesetzt. Ihr Nachlass ist heute im Besitz der Staatsbibliothek zu Berlin.

 

23.6. Lars Johan WERLE: 90. Geburtstag

 Biographie des schwedischen Komponisten auf Englisch. https://en.wikipedia.org/wiki/Lars_Johan_Werle

 

24.6. Ethel SUSSMAN: 90. Geburtstag

 Sie wanderte nach Israel aus, wo sie ihre ersten musikalischen Studien in Tel Aviv, u.a. bei der Pädagogin Ely Kurz betrieb. 1945-69 lebte sie in Lyon und setzte ihre Ausbildung seit 1950 in Paris bei Lotte Schöne und 1954-55 in Mailand bei Arturo Merlini fort. Von Lyon aus unternahm sie erfolgreiche Konzerttourneen und Liederabende in fast allen europäischen Ländern, in Nordamerika (USA und Kanada), in den Staaten des Fernen Ostens und in Nordafrika. Auch auf der Bühne ist sie nur gelegentlich in Erscheinung getreten. Seit 1969 lebte sie in Israel und ging ihrer Konzerttätigkeit wie ihrem pädagogischen Wirken nach. International wurde sie auch als Komponistin bekannt, wobei sie ihre eigenen Kompositionen gerne selbst interpretierte (»Le Bienaimé« nach dem Hohen Lied Salomos; Kinderlieder »Les petits brigants«). Ihr Konzertrepertoire war breit angelegt und reichte von Werken der Barockepoche bis zu zeitgenössischen Kompositionen. Sie starb im Jahr 1998.

Schallplatten: DGG (Lully-Motetten, 1959), Oiseau Lyre, Club National du Disque, Orion-California, Musical Heritage Society New York.

 

26.6. Giuseppe TADDEI: 100. Geburtstag

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Giuseppe Taddei als „Scarpia“

 Gesangstudium am Conservatorio Giuseppe Verdi in Genua und in Rom. Er debütierte 1936 an der Oper von Rom als Heerrufer im »Lohengrin«. Er trat in Rom auch bereits als Alberich im Ring-Zyklus, als Germont-père in »La Traviata« und als Rivière in »Volo di notte« von Dallapiccola auf und hatte bereits vor dem Zweiten Weltkrieg erste Erfolge an italienischen Bühnen. 1941 sang er in Genua und am Teatro San Carlo Neapel, ebenfalls 1941 an der Oper von Rom in der Uraufführung von Gian Francesco Maliperos Oper »Ecuba«. Er war dann während des Krieges als italienischer Widerstandskämpfer in den Alpen eingesetzt, geriet aber in deutsche Gefangenschaft. Er war der Wiener Staatsoper seit seinem Debüt als Rigoletto im Mai 1946 (Staatsoper im Theater an der Wien) jahrzehntelang verbunden. Insgesamt sang er an der Wiener Staatsoper bis 1990 27 Rollen in 431 Vorstellungen: den Tonio im »Bajazzo«, den Marcello wie den Schaunard in »La Bohème«, den Amonasro in »Aida«, den Escamillo in »Carmen«, den Germont-père, den Scarpia in »Tosca«, den Figaro wie den Bartolo im »Barbier von Sevilla«, den Sharpless in »Madame Butterfly«, den Figaro in »Le nozze di Figaro«, den Carlo in »La forza del destino«, den Leporello im »Don Giovanni«, den Jago in Verdis »Otello«, den Simon Boccangra sowie den Falstaff in den gleichnamigen Verdi-Opern, den Renato im »Maskenball«, den Luna im »Troubadour«, den Miller in Verdis »Luisa Miller«, den Jack Rance in »La fanciulla del west«, den Michele in Puccinis »Il tabarro«, den Gianni Schicchi in der gleichnamigen Puccini-Oper, den Dulcamara in »L’Elisir d’amore«, den Don Magnifico in »La Cenerentola«, den Gérard in »Andrea Chénier« und den Don Pasquale in der gleichnamigen Donizetti-Oper. Der österreichische Kammersänger wurde 1980 zum Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper ernannt. 1948 wirkte er bei den Salzburger Festspielen als Figaro in »Le nozze di Figaro« mit. 1981-82 sang er bei den Salzburger Festspielen die Titelpartie in Verdis »Falstaff« unter H. von Karajan. 1948 sang er an der Mailänder Scala als Antrittspartie den Gérard und trat dann bis 1951 (u.a. als Malatesta im »Don Pasquale«, als Don Pizarro im »Fidelio«, in den Rollen der vier Dämonen in »Hoffmanns Erzählungen«, als Tagliaferro in Piccinis »La buona figliola«, als Fedor Poirok in »Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch« von Rimski-Korssakow und als Sharpless, 1949 in der Uraufführung von Sanzognos Oper »Regina Uliva« und 1950 in der von »L’Orso Re« von L. Ferrari-Trecate) und wieder 1955-61 (als Gérard in »Andrea Chénier«, als Papageno in der »Zauberflöte«, als Dulcamara und wieder als Sharpless) sehr erfolgreich an der Scala auf. Nach Gastspielen an der Nationaloper von Budapest und am Londoner Cambridge Theatre (1947) hatte er eine glänzende Karriere an den großen Operntheatern Italiens, u.a. in Rom, Neapel, Turin und Venedig. 1952 gastierte er bei den Zürcher Festwochen als Falstaff von Verdi. Gastspiele führten ihn auch an die Staatsopern von Berlin und München, an die Nationalopern von Sofia und Bukarest, an die Opernhäuser von Mexico City und Rio de Janeiro und in den Jahren 1953-65 an das Teatro Colón Buenos Aires. Er sang bei den Festspielen in der Arena von Verona (1955) und beim Maggio Musicale von Florenz. 1959 gastierte er am Teatro Massimo von Palermo in einer viel beachteten Neu-Inszenierung der Oper »Beatrice di Tenda« von Bellini. Gastspiele brachten ihm 1960-67 an der Covent Garden Oper London, u.a. als Macbeth von Verdi und als Jago, und an den beiden großen Opernhäusern von Paris anhaltende Erfolge. An der Oper von San Francisco debütierte er 1957 als Macbeth von Verdi (zugleich sein US-Debüt) und sang an diesem Haus 1957 und 1978 den Scarpia, 1958 und 1979 den Gianni Schicchi, 1977 den Michonnet in »Adriana Lecouvreur« von Cilea, 1979 den Fra Melitone in »La forza del destino« und 1981 den Leporello. 1957-81 hörte man ihn an den großen Opernhäusern in den USA, u.a. in Los Angeles (1957-58 als Enrico in »Lucia di Lammermoor«, als Macbeth, als Scarpia und als Gianni Schicchi), Chicago (1959), Dallas, Miami und Philadelphia. 1961 beim Holland Festival zu Gast. Bei den Bregenzer Festspielen gastierte er 1968 und 1980 als Falstaff, 1969 als Dulcamara, 1971 als Mengone in Haydns »Der Apotheker« und als Sulpice in Donizetts »La Fille du Régiment«, 1974 als Baron Kelbar in Verdis »Il finto Stanislao«, 1975 als Don Pasquale, 1976 als Mamma Agata in Donizettis »Viva la mamma!« und als Lelio in Goldonis »Der Herr im Haus«, 1978 als Don Magnifico, 1979 als Musikmeister in Cimarosas »Il maestro di capella« und als Don Annibale Pistacchio in Donizettis »Il campanello«. Seine Karriere dauerte sehr lange. 1985 kam es dann endlich zu einem späten, aber triumphalen Debüt an der Metropolitan Oper als Verdis Falstaff. Er gastiertedann 1988 an der Metropolitan Oper nochmals als Dulcamara. 1987 sang er beim Puccini Festival von Torre del Lago den Gianni Schicchi, 1991 am Theater von Bonn den Bartolo im »Barbier von Sevilla«, 1992 in Valencia nochmals den Falstaff. Anlässlich seines 80. Geburtstages gab er 1996 in Graz ein Konzert. Er starb 2010 in Rom. – Baritonstimme von großer Tonfülle und feinem Charakterisierungsvermögen.

Er sang auf den Marken Cetra (»La Bohème«, »Otello«, »Ernani«, »Un ballo in maschera«, »Wilhelm Tell«, »Gianni Schicchi«, »Rigoletto«, »Falstaff«, »Il barbiere di Siviglia«, »Don Giovanni«, »Il maestro di capella« von Cimarosa) HMV (»Andrea Chénier«, bereits von 1941), Columbia (»Le nozze di Figaro«, »Don Giovanni«, »Così fan tutte«, »L’Elisir d’amore«), DGG (»Pagliacci«), Philips (»Mosè in Egitto« von Rossini, »Linda di Chamounix« von Donizetti, »Tosca«, »Falstaff«), Decca (Titelheld in Verdis »Macbeth«). Innerhalb eines Albums mit Aufnahmen des Künstlers erschien 1982 auf Melodram auch ein Fragment aus dem 2. Akt von »Le nozze di Figaro« von einer Aufführung an der Scala von 1947. Weiters kamen Mitschnitte von Opern bei Replica (»Les Huguenots«), Melodram (»Aida«, »Luisa Miller« von Verdi, »Belisario« von Donizetti, »Die Meistersinger von Nürnberg«, »Fürst Igor«, »Les pêcheurs de perles«, »Carmen«, »Samson et Dalila«), TIS (Papageno in der »Zauberflöte«), EJS (»Linda di Chamounix«), Mondo Musica (Michele in »Il Tabarro« und Titelrolle in »Gianni Schicchi« von Puccini, Teatro Fenice Venedig, 1969), Bella Voce (Mamma Agata in »Viva la mamma! oderLe convenienza ed inconvenienze teatrali« von Donizetti, Bregenz 1976) und HRE (»Un giorno di regno« von Verdi, »La Traviata«, »Il Campanello« von Donizetti) heraus. Auch hier kann nur eine ungefähre Übersicht über die vorhandenen Aufnahmen gegeben werden.

 

26.6. Marcelle GERAR: 125. Geburtstag

Ihr eigentlicher Name war Marcelle Regereau. Ihre Ausbildung erfolgte u.a. durch die berühmte Sopranistin Ninon Vallin. Sie debütierte nach dem Ersten Weltkrieg in Paris und widmete sich ausschließlich dem Konzert- und Liedgesang, wobei sie sich in besonderer Weise für das zeitgenössische Musikschaffen einsetzte. Mehrere Komponisten schrieben speziell für sie Vokalwerke, darunter Darius Milhaud, Albert Roussel, Jacques Ibert, Arthur Honegger und Florent Schmitt, vor allem jedoch Maurice Ravel, der sie mehrfach bei ihren Konzerten am Klavier begleitete. Ihre Konzerttourneen führten sie durch ganz Europa; besonders erfolgreich war sie bei Auftritten in England und Spanien gemeinsam mit Maurice Ravel. Neben ihrem Wirken als Konzertsängerin war sie lange Jahre hindurch als Professorin an der École Normale de Musique Paris tätig. Sie starb im Jahr 1970.

Schallplattenaufnahmen auf Pathé (u.a. Kompositionen von M. Ravel, um 1929 aufgenommen).

 

28.6. Heiner HOPFNER: 75. Geburtstag

Heiner Hopfner

Im Alter von acht Jahren kam er zu den Regensburger Domspatzen. Nach dem Abitur, das er 1962 am Deutschen Gymnasium in Amberg ablegte, studierte er Gesang an der Musikhochschule München und Pädagogik an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Während seiner dreijährigen Referendarzeit gewann er mehrere internationale Preise und widmete sich verstärkt seiner Karriere als Opern-, Lied- und Konzertsänger. Folgend sang er auf den großen deutschsprachigen Musikbühnen, u.a. an der Bayerischen Staatsoper, und viele Lied- und Konzertabende führten ihn in die großen nationalen und internationalen Konzertsäle. In den späten 1970er Jahren war er der führende Tenor des Staatstheaters Kassel. Am 7.8.1981 wirkte er bei den Salzburger Festspielen in der Uraufführung der Oper »Baal« von Fr. Cerha (als Johannes) mit. In dieser Partie debütierte er im gleichen Jahr auch an der Wiener Staatsoper, an der er außerdem noch 1985-86 als Steuermann in »Der fliegende Holländer« und als Jaquino im »Fidelio« gastierte. Bei den Salzburger Festspielen wirkte er 1984 auch in einer konzertanten Aufführung der Oper »Die Gezeichneten« von F. Schreker (als Guidobaldo Usodimare) sowie in einem Kirchenkonzert mit. Der Sänger arbeitete während seiner sängerischen Laufbahn mit Dirigenten zusammen, wie Eugen Jochum, Herbert von Karajan, Karl Böhm, Karl Richter, Helmuth Rilling, Georg Solti, Wolfgang Sawallisch, um nur einige der vielen zu nennen. Heiner Hopfner unterrichtete Gesang am Mozarteum in Salzburg. Zu seinen Schülern gehörten u.a. Christiane Karg, Laura Schroeder, Joel Montero, Cordula Schuster etc. Ferner war er Jurymitglied des Internationalen Mozartwettbewerbs. Am 31. August 2014 verstarb Heiner Hopfner im Alter von 73 Jahren.

 

29.6. Paul CABANEL: 125. Geburtstag

Paul CABANEL

 Er studierte zuerst Jura in Toulouse, ließ aber seit 1911 am dortigen Konservatorium seine Stimme ausbilden. Er setzte diese Ausbildung am Conservatoire National von Paris fort, wurde aber bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges als Soldat eingezogen und bei Verdun verwundet. So konnte er erst 1919 sein Studium wieder aufnehmen. Er debütierte an der Oper von Kairo in »Hérodiade« von Massenet; er sang weiter in Kairo in den Opern »Manon« und »Thaïs« von Massenet sowie in Gounods »Faust«. Bis 1932 trat er an französischen Provinzbühnen, in Belgien und in der Schweiz auf, sieben Jahre hindurch sang er im Winter an der Oper von Bordeaux, im Sommer am Theater von Vichy. Endlich konnte er 1932 an der Opéra-Comique Paris als Scarpia in »Tosca« debütieren, im folgenden Jahr an der Grand Opéra in »La Damnation de Faust« von Berlioz. Er hatte seither große Erfolge an der Grand Opéra wie an der Opéra-Comique in Paris. Als seine Glanzrolle galt der Mephisto in »La Damnation de Faust« von Berlioz, weiter der Leporello im »Don Giovanni«, der Grand-Prêtre de Dagon in »Samson et Dalila« und der Arkel in »Pelléas et Mélisande«, doch sang er auch Wagner-Partien wie den Wotan im Nibelungenring; den Mephisto im »Faust« von Gounodsoll er mehr als tausendmal gesungen haben. Gastspiele führten ihn an das Teatro Colón Buenos Aires (1939) und an die Oper von Rio de Janeiro, an das Teatro Liceu Barcelona, nach Amsterdam (1935 Don Inigo in der holländischen Erstaufführung von Ravels »L’Heure espagnole«) und vor allem an die Oper von Brüssel (Théâtre de la Monnaie). Hier sang er noch 1954 den Boris Godunow. 1952 wirkte er beim Holland Festival in einer konzertanten Aufführung von »La Damnation de Faust« mit. 1946 sang er am Opernhaus von Zürich den Comte des Grieux in »Manon« von Massenet als Partner von Mme. Géori Boué,  Er betätigte sich auch als Regisseur. 1942-58 bekleidete er eine Professur am Conservatoire National de Paris. Er starb 1958 in Paris.- Voluminöse, dunkel timbrierte Stimme.

Aufnahmen auf Pathé (vollständige Oper »Samson et Dalila«, 1946), auf HMV (Arkel in »Pelléas et Mélisande«), Forlane (»Don Juan de Mañara« von Tomasi) und auf Columbia (»La Damnation de Faust«).

 

30.6. Birgit STENBERG: 100. Geburtstag

Biographie der schwedischen Mezzosopranistin auf Schwedisch:

https://sv.wikipedia.org/wiki/Birgit_Stenberg