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WIEN / Volksoper: RONJA RÄUBERTOCHTER

Musical und Moral

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© Marco Sommer/Volksoper Wien

WIEN / Volksoper: 
RONJA RÄUBERTOCHTER
Von Astrid Lindgren, Familienstück mit Musik
Für die Bühne bearbeitet von Stephan Lack
Uraufführung
Premiere: 20. September 2026 

Musical und Moral

Wer Pippi Langstrumpf kennt, der weiß, dass ihre Schöpferin Astried Lindgren eine entschlossene Feministin war. Und genau so neugierig, klug, selbständig und unerschrocken wie Pippi ist auch Ronja aus dem Räubergeschlecht der Mattisbande eine andere Lindgren Heldin. An sich ein Jugendbuch von 1981, ist Ronjas Geschichte inzwischen verfilmt und oft bearbeitet worden. Nun bietet die Volksoper „Ronja Räubertochter“ als Kinder-Musical an.

Es ist nach der Bearbeitung von Stephan Lack eine Co-Produktion der Familie Brauer-Kvam geworden: Kyrre Kvam lieferte die Musik (arrangiert und orchestriert   von Keren Kagarlitsky), Ruth Brauer-Kvam sorgte als Regisseurin dafür, dass die Handlung auch immer ihren moralischen Zeigefinger erhebt.

Immerhin tut das dem Unterhaltungswert der Geschichte keinen Abbruch, die letztendlich eine Romeo & Julia-Story mit Happyend ist, ein bißchen auch „Westside Story“, weil wie dort die Jugendbanden, sich hier die Räuberbanden gegenüber stehen (und dazwischen die längste Zeit nichts Geringeres als der Höllenschlund). Da muss man der Geschichte schon eine Menge Honig ums Maul schmieren, damit sie am Ende in Friede, Freude, Eierkuchen mündet und man den Kindern die Mahnung mitgibt, keine Räuber zu werden, sondern alle und alles zu versöhnen und lieb zu haben. Hoffentlich merken sie sich das, bis sie groß sind.

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Die Geschichte wird, ungemein sympathisch, von dem alten Glatzen-Per (Reini Moritz) erzählt, dessen Tod am Ende noch ein besinnliches Element einbringt. Einen großen Teil der Aufführung nehmen die Räuber-Szenen der rivalisierenden Banden Mattis und Borka ein, wo viel rivalisierend gegrölt und gelärmt wird (und man auch eine kompetente Choreographie – Florian Hurler – erkennt).

Chef Nr. 1ist  Mattis (Juergen Maurer), der die Tochter zwar zwischenzeitlich verstößt, weil sie sich mit dem Sohn des Rivalen eingelassen hat, aber sie tränenreich wieder aufnimmt, weil diese Julia / Ronja sich glücklicherweise nicht umbringt, sondern Widerstand gegen die väterliche Sturheit leistet (und natürlich siegt). An seiner Seite eine starke Gattin (Rebecca Nelsen als Lovis), so wie die Inszenierung überhaupt auf starke Frauen Wert legt: Die Chef-Gattin der Borka  (Ursula Pfitzner als Undis) lässt sich auch nichts gefallen, und ist stärker als ihr Mann (Daniel Ohlenschläger als Borka) und trägt, wie es im Kinder-Lehrstück sein muss, einiges zur allgemeinen Versöhnung bei.

Vor allem aber geht es um Ronja (die bewegliche Haus-Debutantin Hannah Severin) und Birk (Eike Onyambu), die zuerst eine Art Blutsbrüderschwestern-Band schließen, aber dann zum Paar werden, und beide die väterliche Zumutung, einmal die mittlerweile vereinten Räuberbanden zu leiten, ableiten. Wie es sich gehört.

Das alles dauert hundert Minuten, findet in einem äußerst stimmungsvollen Bühnenbild von Monika Rovan statt, das in Sekundenschnelle Dias und Videos auf die Rückwände wirft und die andauernd beschworene Natur ebenso stimmig machen kann wie das Räuberambiente.

Die Musik (am Pult: Maayan Franco) klingt nach gekonnter, rhythmischer, Stimmungsfarben malender  Musical-Routine, allerdings nicht eine „Nummer“, die man sich merken würde, aber sie gefällt und ist (im typischen Stil des Musical-„Beltens“) keine schwere Aufgabe. Es soll ja auch kein Meisterwerk sein, sondern (lehrreiche) Unterhaltung für ein Publikum ab 6 Jahren, und das ist es auch geworden.

Renate Wagner

 

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