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WIEN / Vienna’s English Theatre: SHERLOCK HOLMES: THE VALLEY OF FEAR

Slapstick mit Sherlock

04.11.2026 | Allgemein, KRITIKEN, Theater

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Credit: © V.E.T./Karin Svadlenak-Gomez

Vienna’s English Theatre:
SHERLOCK HOLMES: THE VALLEY OF FEAR
I einer Bearbeitung von Philip Dart nach Conan Doyles Roman
Premiere: 4. November 2026,
besucht wurde die Voraufführung 

Slapstick mit Sherlock

Zuerst brachte Vienna’s English Theatre vor vier Jahren einen Sherlock Holmes-Abend  aus der Feder von Komödienautor Ken Ludwig auf die Bühne, zwei Jahre später zeigte man, dass man Dramatisierungen von Romanen des so elegant-ironischen Sir Arthur Conan Doyle auch selbst herstellen kann. Und nun scheint das Haus im Zwei-Jahres-Takt jeweils im November bis Weihnachten auf Sherlock Holmes zu setzen. Was kein Risiko ist – selbst wenn die Abende inhaltlich nicht gerade nervenzerfetzend spannend sind (wie es bei Krimis gelegentlich vorkommen mag), die Machart ist so brillant gekonnt und so amüsant, dass der Publikumshit voraus programmiert sein dürfte.

Philip Dart ist der nunmehrige Sherlock-Spezialist und arbeitet mit der Rahmenhandlung einer bescheidenen Schauspieltruppe (man ist geneigt, an den guten alten Striese zu denken), die mit ein paar Darstellern einen großen Sherlock Holmes Abend bewältigen will (wobei man sich scheinbar sogar einen Darsteller aus dem Publikum holt, weil Not am Manan ist), Zhematisch  wurde der Roman „The Valley of Fear“ gewählt, wobei man sich nicht ganz an das Original hält, was niemanden stören wird.

Vor allem muss der Spannung wegen der Holmes-Erzfeind Moriarty ins Spiel gebracht werden, am Ende stehen sie sich gegenüber, einer hat eine Pistole,  und… aber nein, das muss man selbst sehen.

Die Geschichte von dem ermordeten Amerikaner, der in einem englischen Herrenhaus lebte, ist so spannend nicht, hat aber eine Menge wirklich komischer Rückblende-Szenen in die Wildwest-Welt von Colorado, wo der Tote (oder nicht Tote?) einen mörderischen Geheimbund infiltriert hatte und von diesem seither gnadenlos verfolgt wird, bis in die englische Provinz.

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Spielt der Abend schon bis dahin mit schier allen verfügbaren englischen Dialekten, so kommt hier noch – in aller Ironie – der amerikanische Tonfall und das Western-Milieu dazu. Im übrigen schätzt man immer wieder den netten Schlagabtausch zwischen Sherlock Holmes und seinem getreuen Dr. Watson, und der Bearbeter hat auch noch Detektivinspektor Lestrade ins Geschehen geschickt.

Also eine Menge Figuren – und wie schon das letzte Mal (und neuerdings oft im komischen britischen Theater) alle Rollen von nur fünf Darstellern gespielt, die mit spürbarer Freunde an der Verwandlung und mit überbordendem Humor am Werk sind. Tatsächlich müssen sie oft gewissermaßen Purzelbäume schlagen, um dem schnellen Slapstick-Stil des Abends zu entsprechen.

Den Sherlock des Thomas Wingfield kennt man von der letzten Produktion, elegant, ein bißchen snobbish, umschwirrt von seinem hinreißenden Dr. Watson in Gestalt von Alex Boorman, der auch sichtlich Spaß daran hat, sich in einer anderen Rolle ganz cowboymäßig amerikanisch zu geben. Als beängstigender Finsterling Moriarty (und noch viel mehr) erscheint Michael Stafford Wells, für viele törichte Figuren ist Robert Rickman hoch vergnüglich zuständig. Und als einzige Dame des Ensembles meistert Emily Ash alles, von der liebevollen Ehefrau bis sozusagen zum frechen Schusterbuben. Und Philip Dart hält das von ihm so virtuos gebastelte Stück in vorzüglicher Ausstattung von  Ken Harrison souverän am Laufen, so dass man gar nicht merkt, dass es weite Strecken lang um gar nichts zu gehen scheint.

An Ende gibt es noch als Kirsche am Schlagobers das Virtuosenstück – den ganzen Abend in drei Minuten, eine rasant zapplige  Slapstick-Chorographie, die höchst Anforderungen an die Schauspieler stellt und so atemberaubend brillant ausfällt, dass der stürmische Jubel des Publikums nicht ausbleiben kann.

Renate Wagner

 

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