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WIEN / Theatermuseum: DIE GESCHICHTE EUROPAS – ERZÄHLT VON SEINEN THEATERN

TheaterMus Plakat~1 Fotos Wesemann

WIEN / Theatermuseum:
DIE GESCHICHTE EUROPAS – ERZÄHLT VON SEINEN THEATERN
Vom 22. Oktober 2015 bis zum 28. März 2016  

 

Theater-Allerlei

Damit es über die Zusammenarbeit der EU nicht nur Ärger gibt, initiiert man Projekte auf kulturellem Gebiet. Man hat die Theatermuseen von sechs Städten (Kopenhagen, Ljubljana, London, München, Warschau, Wien) zusammen gespannt und zu einer Themenausstellung vereinigt: „Die Geschichte Europas – erzählt von seinen Theatern“ reist nun von einem Ort zum nächsten, Wien ist die dritte Station nach Polen und Dänemark. In seinen beiden Ausstellungsräumen im Parterre fächert sich das Thema reichhaltig auf, in der Gliederung allerdings nicht immer völlig sinnfällig.

Von Heiner Wesemann

TheaterMus Innenraum~1

Ein Projekt für Europa     Wie gestaltet man die Theatergeschichte? Die logische Lösung, nämlich chronologisch, ist heute verpönt. Immerhin blendet das erste Kapitel „Impulse vom Mittelmeer“ auf die griechischen Anfänge zurück, wobei zu den zahlreichen Fotos (sie „wandern“ leichter, kostbare Objekte schickt man nicht europaweit herum) die „Modelle“ den reizvollsten Blickfang darstellen: Hier ist es das Theater von Epidauros, das, in seinem eindrucksvollen Dreiviertelrund in der Landschaft liegend, eine kleine Ahnung davon vermittelt, wie eine Aufführung damals im alten Griechenland gewesen sein könnte… Im übrigen aber hat Carsten Jung als koordinierender Gestalter jene thematischen Schwerpunkte vorgegeben, wie sie heute modern sind: „Religion“, „Gesellschaft und Architektur“, „Ästhetik und Technologie“, „Identität“, „Nation“, „Grenzen überwinden“, „Krieg“ – die üblichen Verdächtigen an Betrachtungsweisen.

Dennoch kulinarisch     Blendet man nun einmal die Tatsache aus, dass angesichts der Themen die Materialen kunterbunt geboten werden, kann man sich dem Reiz der Sache hingeben, falls man ein Theaterfreund ist: Viele Fotos von Theaterbauten (von den Hofbühnen bis zu den oft sensationell gelungenen „modernen“ Neubauten von heute), dazu Pläne, Innenansichten, Eintrittskarten und Devotionalien (ein mit dem Ringtheater bemalter Teller, ein Operngucker aus Warschau), aber auch Bilder von „Spektakeln“, Schauspielern, Aufführungen, das Gebotene ist reichhaltig, Und die „Modelle“, die teilweise auch Einblicke in die Häuser bieten, gibt es auch von so Unterschiedlichem wie dem Teatro Olimpico in Vincenza, der Mailänder Scala oder dem „Totaltheater“ des Walter Gropius.

TheaterMus Epidauros Modell~1

Es brennt in Wien    London wählte als Schwerpunkt sein Drury Lane Theater, Warschau das Wielki, Wien entschied sich für den Ringtheaterbrand von 1881. Dieser wird in den schaurigen Bildern dokumentiert, die damals von der Katastrophe gezeichnet und gestochen wurden: Am 1. Dezember 1881 (ein Theaterzettel dazu ist in der Ausstellung zu sehen) sollte sich der Vorhang über der zweiten Vorstellung von Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ heben, eine Gaslampe dürfte explodiert sein, das Gas strömte aus, erst fing das Bühnenbild, dann der Vorhang Feuer. In der ausbrechenden Panik starben von den ca. 1700 Besuchern auf der Stelle 384 Menschen, viele an den Spätfolgen. „Feuer“ im Theater ist ein Thema bis heute, in den engen Sitzreihen (auch neue Häuser bauen „falsch“, die Reihen viel zu lang!) wäre man im Ernstfall gefangen – nur dass Theatertüren alle nach außen aufgehen müssen, das hat man gelernt.

TheaterMus Ringtheaterbrand 400 x  TheaterMus Hoffmann Plakat~1

Gestaltungsprobleme   Man hat die Modelle in den Raum gestellt und zeigt die diversen Fotos in Glaskästen an den Wänden. Definitiv missglückt ist die Beschriftung, die entweder ganz auslässt oder oft so tief angebracht ist, dass nur Kinder und Zwerge zufrieden stellenden Zugang haben. Postkartenansichten der Helmer und Fellner-Bauten etwa, jene „österreichischen“ Erfolgsmodelle, die ganz Europa überzogen (in Wien haben wir das Volkstheater, das Konzerthaus und das Ronacher von ihnen), bieten keine Identifikation (man muss ums Eck an ein kleines Tablett gehen , um sich durch die briefmarkenkleinen Bilder zu scrollen, und ohne Nummerierungen weiß man hinterher immer noch nicht, um welches Theater es sich auf der jeweiligen Postkarte handelt).

Projekt „Theaterstraßen“   Laut Projektmanager Carsten Jung findet derzeit parallel zur Ausstellung eine Bestandsaufnahme sämtlicher europäischer Theater statt, die irgendwann einmal im Internet abrufbar sein werden. Weitere Zukunftsmusik ist auch die daran anschließende Ausarbeitung etlicher Theaterwege, die in 11 verschiedenen Routen eine „Europastraße der historischen Theater“ bilden sollen, vom äußersten Zipfel Portugals und dem äußersten Zipfel Siziliens bis hoch in den Norden, ob Schottland, ob Skandinavien. Eine reizvolle Idee für Reisebüros, die in Sachen „Theater“ ihr Publikum finden.

 

Bis 28. März 2016, täglich außer Dienstag 10 bis 18 Uhr

 

 

 

 

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