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WIEN / Steinway & Sons: MARGARITA GRITSKOVA / MARIA PRINZ

Der alternative Donizetti

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WIEN / Steinway & Sons, Flagship Store:
MARGARITA GRITSKOVA / MARIA PRINZ
Präsentation der CD „Donizetti Songs“
Label: Naxos
10. März 2026

Der alternative Donizetti

„Wer kauft heute noch CDs“ war die durchaus rhetorische Frage, mit der Thomas Dänemark, Generalsekretär der „Opernfreunde“, die Präsentation einer CD einleitete, die eine große Anzahl von Musikfreunden in den Steinway & Sons Flagship Store am Opernring gelockt hatte. Ungeachtet der Tatsache, dass die russische Mezzosopranistin Margarita Gritskova, in der Ära Meyer ein Liebling des Wiener Publikums, seit der Ära Roscic nicht mehr in der Staatsoper zu hören ist („eine Schande“, meinte Dänemark, und wie recht er hat), ist sie doch keineswegs vergessen.

Und was sie gemeinsam mit der Pianistin Maria Prinz auf CD verewigt hat, ist schlechtweg etwas Besonderes. Nicht die üblichen Opernarien, mit denen sich Stars gern präsentieren, sondern etwas faktisch Unbekanntes, nämlich  Lieder von Gaetano Donizetti, der für seine grandiosen Arien, ob ernst, ob heiter, in der Operngeschichte steht.

Er selbst hat diese Lieder, von denen es an die 300 (!) gibt, für private Anlässe komponiert, und man hat ihnen – wie das Paar Gritskova / Prinz nun beweist – zu Unrecht kaum Beachtung geschenkt. Denn es sind wahrlich kleine, formvollendete Szenen, in denen Geschichten erzählt werden – von Liebe und Leid, locker und tragisch, melancholisch oder übersprudelnd. Hier kann eine Sängerin ihr ganzes Können an Ausdrucksmöglichkeiten ausreizen.

Und Margarita Gritskova, die bei der Präsentation großzügig „Songs“ hören ließ (diese Bezeichnung für die CD hat man gewählt), kann das in erstaunlichem Maße. Nach wie vor wunderbar die Stimme, und das aus vielen Gründen: grundsätzlich ein Mezzo mit faszinierendem Timbre, der in tiefste Tiefen hinabklettern, aber auch Sopranhöhen erreichen kann, ein Auf und Ab, wo nicht der geringste Registerwechsel die Schönheit des Klanges beeinträchtigt, technisch total sattelfest in forte und piano und allem, was Donizetti hier noch in seine Liedkunst gepackt hat.

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Es war Maria Prinz, die kongeniale Begleiterin am Klavier, die übrigens die Idee für diese CD hatte. Einst, bei einem Abend mit Krassimira Stoyanova, der den Liedern von Opernkomponisten gewidmet war, spielte Donizietti in dieser Eigenschaft zwar nur eine kleine Rolle, hat die Pianistin aber ausreichend interessiert, um sich dessen Angebot näher anzusehen. Und für Margarita Gritskova war dies eine großartige Herausforderung, der sie sich mit Begeisterung gestellt hat.

Der Abend bei Steinway gehörte ein wenig auch dem prachtvollen Konzertflügel, auf dem nicht nur Maria Prinz Mozart spielte, sondern auch Margarita Gritskova mit einem atemberaubend schwierigen Stück von Prokofieff bewies, dass sie auch eine Karriere als Konzertpianistin hätte machen können…

Die Wiener sind froh, dass man die herrliche Stimme der Margarita Gritskova in der Stadt hat, freuen sich auf ihren sommerlichen Auftritt als Dalila in Klosterneuburg, und am Ende beantwortete Thomas Dänemark, der souverän und humorvoll durch den Abend geführt hatte, seine Eingangsfrage, wer noch CDs kaufe? Musikfreunde, etwa als ideales Ostergeschenk – für Musikfreunde…

Renate Wagner

 

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