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WIEN/ Staatsoper: SALOME

11.10.2014 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

WIEN/Staatsoper: SALOME am 10.10. 2014 (Helmut-Christian Mayer)

Jane Henschel

Jane Henschel

Jane Henschel als „Herodias“, Foto: Wiener Staatsoper/ Pöhn.

Sie ist jung, optisch eine Augenweide, gertenschlank, kann die trotzige wie auch laszive Kindsfrau ideal und glaubwürdig verkörpern und hat eine große erotische Ausstrahlung, besonders beim Schleiertanz, wo sie ihre körperlichen Reize auch beachtlich einsetzt: Lisa Lindstrom hat für die Rolle der SALOME an der Wiener Staatsoper viele Vorzüge. Aber auch stimmlich kann die amerikanische Sopranistin bei Richard Strauss mehr als überzeugen: Sowohl mit fein nuancierten, einschmeichelnden Tönen wie auch mit kraftvollen, dramatischen Spitzentönen ihres blühenden Soprans.

Und es gelingt ihr bei ihrem Spiel diesmal beinahe den Johanaan zu verführen. Der Amerikaner Alan Held spielt ihn ebenfalls sehr intensiv und singt in mit mächtigem Organ und enormer Bühnenpräsenz. Er ist wie ein fundamentalistischer Prediger, vor dem man sich Fürchten muss.

„Sie ist ein Ungeheuer, deine Tochter. Ich sage dir, sie ist ein Ungeheuer“: Wortdeutlichst und messerscharf mit seinem klaren, hellen Tenors lässt uns jedes Wort erschauern! Wolfgang Ablinger Sperrhacke, ein Hausdebütant, weiß dem Herodes, den er schon an der Volksoper gesungen hat, großes Profil zu geben! Auch das Hin- und Hergerissensein zwischen Geilheit, Eidestreue und Ekel setzt er gestalterisch effektvoll um. Schrill, extrem eifersüchtig und böse wirkt Jane Henschel als Herodias. Carlos Osuna singt einen wortdeutlich, schön timbrierten Narraboth. Von den kleineren Partien lassen Ulrike Hetzel als Page mehr als aufhorchen. Die vielen kleineren Rollen weisen kaum Schwachstellen auf.

Alain Altinoglu am Pult des Orchesters der Wiener Staatsoper vermag die gewaltigen, spannungsgeladenen Steigerungen, die immer wieder wild ausfahrende Momente und die schneidende Klänge aus dem Graben effektvoll auffahren zu lassen und ist nur selten zu laut. Aber auch sonst kostet er die vielen farbenreichen Fassetten und starken Emotionen der überwältigenden Partitur voll aus.

Helmut Christian Mayer

 

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