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WIEN/ Staatsoper: DER ROSENKAVALIER

16.04.2012 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

WIEN/Staatsoper:  DER ROSENKAVALIER   15. 4.2012

Die Vorstellung sollte beginnen, da geht das Licht beim Vorhang an, ein Aufseufzen geht durch das Haus. Aber es kommt keine kurzfristige Absage, sondern Kurt Rydl spricht Gedenkworte zum Tod der Staatsopernsänger Margareta Lilowa und Heinz Holecek. Gleich darauf kommt der H. Direktor und sagt, der Dirigent wäre krank gewesen, wolle aber die Vorstellung dennoch leiten. Nach dieser „Einleitung“ begann die Vorstellung wirklich.

Immerhin sang Nina Stemme ihre erste Marschallin an der Staatsoper und Elína Garanča kam aus der Kinderpause zurück. Gefühlsmäßig nimmt der Dirigent Jeffery Tate eher langsame, getragene Tempi in den ruhigen Passagen, kann aber bei dramatischen Zuspitzungen ganz schön beschleunigen. Es gelingt ihm über den ganzen Abend ein stimmiges Klangbild aufzubauen, das in sich gut aufgebaut ist. Mit dem Orchester scheint er sich gut zu verstehen, weil die Musiker mit merklicher Freude und großem Einsatz am Werk waren. Sehr bald entstand im Haus eine besonders gute Stimmung, Tate kam beim Publikum sehr gut an. Das war an der Stärke des Beifalls zu erkennen, nach der 2. Pause erhielt er jede Menge an Bravos.

Nina Stemme sang also zum ersten Mal an der Staatsoper die Marschallin. Ihre Stimme blüht bei Richard Strauss so richtig auf, ihr gelingen wunderschöne Melodienbögen, ihr Timbre ist dafür besonders schön. Man konnte das nicht nur an den „berühmten“ Stellen (Zeitmonolog, Schlussterzett usw.) konstatieren, sondern die ganze Vorstellung hindurch. Zudem hat sie die Haltung einer „Standesperson“. Es war deutlich zu begreifen, warum sie beim Publikum so beliebt ist.

Also Ochs sozusagen alt- und wohlbekannt ist Kurt Rydl. Er hatte einen guten Tag und hielt seine Stimme lautstärkemäßig im „Zaum“. Da klingt sein Singen frisch und gänzlich unverbraucht. Möge diese Periode anhalten! Er kann zudem den Baron gut darstellen, ohne zu derb und ordinär zu werden, d. h. er fand das rechte Maß.

Aus der Karenz zurückgekehrt ist Elina Garanča/Octavian. Sie blieb rank und schlank, die Schönheit ihrer Stimme blieb völlig erhalten. Ihre außerordentlichen Qualitäten waren immer wieder zu erkennen, so im Ausruf „Mein Schatz“ im 1. Akt; bei der Überreichung der Silbernen Rose und noch mehr im darauf folgenden Duett, im ganzen Schlussakt. Sie hat zu Recht viele begeisterte Anhänger.

Franz Grundheber/Faninal ist ein Phänomen, denn beim Singen merkt man ihm die Jahre überhaupt nicht an. Er sang wohl immer nur, was wirklich in seine Kehle passte und so bewahrte er sich sein Können durch eine so lange Zeit.

Seine Bühnentochter Sophie wurde von Miah Persson zum ersten Mal am Haus gesungen. Sie spielt kein Hascherl, sondern eine selbstbewusste junge Dame, die klar weiß, was sie will, auch ihre Stimmcharakter wirkt so ähnlich. Manchen Besuchern schien das zu „aktiv“. Sie singt sehr schön, das Timbre ist nicht mehr so ganz das eines sehr jungen Mädchens, sondern schon etwa erwachsener.

Aus der großen Schar der weiteren Mitwirkenden seinen erwähnt: Simina Ivan/Leitmetzerin, das Intrigantenpaar Michael Roider und Janina Baechel, Polizeikommissar Wolfgang Bankl. Sehr gut hörte sich, die im 2. Teil von Ochs gestörte Arie des italienischen Sängers Ho-yoon Chung an. Allen weiteren Personen sei ein pauschales Lob ausgesprochen.

Der Beifall war ganz außerordentlich stark und lang anhaltend, wie nur selten. Die große Begeisterung des Publikumszeigte sich in den zahllosen Bravorufen.

Martin Robert BOTZ

 

 

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