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WIEN / Staatsoper „MADAMA BUTTERFLY“

27.01.2015 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

Wiener Staatsoper
“MADAMA BUTTERFLY”
26.Jänner 2015  
367. Aufführung in dieser Inszenierung

Von Peter Skorepa

SAE KYUNG RIM

SAE KYUNG RIM „Ehrenvoll sterbe, wer nicht länger mehr leben kann in Ehren“

 

Keine Frage, über diese Inszenierung von Josef Gielen bleibt nach sechs Jahrzehnten nicht mehr viel zu sagen, da ist schon alles abgeschliffen, auch das Bühnenbild zeugt nur mehr wenig von großer theatralischer Phantasie, es hätte dem seinerzeit sehr bekannten japanischen Maler Tsugouharu Foujita mit seinem turbulenten Leben etwas mehr für den zweiten Akt einfallen können, aber wenigstens ist der erste Akt doch von fernöstlich-malerischer Klarheit geprägt. Jedenfalls, und das ist in heutiger Zeit auch ein wichtiges Kriterium, diese Inszenierung hält, was sie vom Stücktitel her verspricht und füllt hervorragend den Spielplan unseres Repertoirehauses mit geringen Fixkosten für eine allerdings mehr als betagte Ausstattung.

Als Cio-Cio-San beging die Koreanerin Sae Kyung Rim an der Wiener Staatsoper ihr Hausdebüt, anfangs wohl von den Klangmassen des Staatsopernorchesters etwas überwältigt, wurde doch der hohe Schlußton beim Auftritt erst gar nicht von ihr probiert. Aber spätestens im Verlauf des Liebesduetts und dann im zweiten Akt bis hin zum dramatisch gestalteten Suicid ließ die Sängerin mit vorwiegend Mailändischer Ausbildung einen gut tragfähigen Spintosopran hören, der die bisherig erreichten internationalen Karrierestationen erklärt. Gestalterisch als auffallend selbstbewußte junge Geisha ließ sie auch keinen Zeifel aufkommen, wie ernst sie die Angelegenheit ihrer Heirat nimmt und durch ihre darstellerische Intensität letztlich auch keinen Zweifel darüber läßt, dass sie ihre Ehre höher hält als allfällige Kompromisse, zu der man sie drängen will. 

Eine der miesesten Figuren der Operngeschichte mit den schönsten Melodien von Puccini ausgestattet, B.F.Pinkerton, den verkörperte mit glaubwürdiger Nonchalance Aquiles Machado – wie nahe doch phonetisch das Wort Macho da liegt! Ja, er belegt diese Partie mit dem nötigen Aufwand an Gestik und singt mit großem Aplomb aber nur mäßiger Technik – zu oft rutschen die Töne unbeherrscht aus dem Fokus – und sein Tenor verweigert letztlich das Hohe C am Ende des ersten Aktes. Statt gut gestimmt, viel gestemmt!

Nun ist das Puccinische Orchester nicht zu dürftig besetzt, aber nicht umsonst hat man daraus früher den Nutzen gezogen einen feineren Klang bei leiserem Spiel zu erzeugen. Heutzutage, und da scheint die Orchesterbegleitung an unserem Haus ebenfalls betroffen, werden die Sänger allzugern zugedeckt von der Masse der fiedelnden, trommelnden und blasenden Damen und Herren im Graben, angetrieben von einem ehrgeizigen Dirigenten. Auch Philippe Auguin verschonte uns zeitweise nicht davon und wer das nicht glaubt, der sollte sich zu einer persönlichen Kontrolle in den Zuschauerraum begeben. Es ist eben schwer die Balance zwischen Orchesterglanz und Sängerverständlichkeit herzustellen.

Nadia Krasteva weitet ihren Arbeitsbereich international aus, in dieser Saison ist sie, wenn sie nicht gerade einspringt, bei uns nur als Suzuki zu sehen und zu hören. Das ist auch gut so, denn der Prophet gilt bekanntlich nichts im eigenen Land. Und Gabriel Bermúdez bemüht sich rührend, allerdings mit etwas spröder Stimme, um die “neue” amerikanische Staatsbürgerin, die Butterfly eine zu sein glaubt. Auch sonst kann man sagen dass ohne Ausnahme die Besetzung der Nebenfiguren stimmig im besten Sinn war: Thomas Ebenstein als aufdringlicher Goro, Peter Jelosits als abgewiesener Yamadori, Sorin Coliban als rächender Onkel Bonze und Simina Ivan als Kate Pinkerton. Hans Peter Kammerer ergänzte noch als kaiserlicher Kommissär und Martin Müller sah man als eiligen Standesbeamten.

Keine Frage, der Chor der Wiener Staatsoper, diesmal einstudiert von Martin Schebesta, zählt mit dem Orchester zu den großen Stützen dieses Hauses.

Das Schicksal der kleinen Butterfly macht immer betroffen, hinterläßt Wirkung, ein spontan herzlicher und vehementer Applaus ist immer sicher, so auch an diesem Abend.

 

Peter Skorepa
Foto: Michael Pöhn/Wiener Staatsoper

 

 

 

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