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WIEN / Leopold Mueum: GUSTAV KLIMT

WIEN / Leopold Mueum:
GUSTAV KLIMT
JAHRHUNDERTKÜNSTLER
Von 22. Juni 2018 bis zum 4. November 2018

Klimt, Leben und Tod

 

Das Leopold Museum ist nicht nur Wiens Schiele-Hochburg, sondern auch ein Haus für Klimt. Die Ausstellung, die man dem „Jahrhundertkünstler“ nun ein Jahrhundert nach seinem Tod widmet, zeigt auch jenes schmiedeeiserne Grabkreuz, das im Original am Hietzinger Friedhof steht, wo man Klimt begraben hat. Die Ausstellung, die von Leopold-Direktor Hans-Peter Wipplinger und von Sandra Tretter als Vertreterin der Klimt Foundation gestaltet wurde, legt daher besonderes Augenmerk auf die Spätzeit und kann hier tatsächlich neue Schwerpunkte setzen. Im Vergleich zur Schiele-Präsentation des Hauses mag diese Ausstellung vom Umfang her „klein“ sein – aber sie hat ihre bemerkenswerten Aspekte.

Von Heiner Wesemann

Zu Beginn: Porträts, Landschaften     Die ersten Räume im Erdgeschoß des Leopold Museums zeigen Klimt scheinbar, wie man ihn kennt – und doch nicht ganz. Die schönen Frauenbildnisse (hier die namenlose Dame im schwarzen Kleid von 1893) sind für sein „Image“ charakteristisch geworden (da ist das Leopold Museum allerdings nicht annähernd so reich wie das Belvedere), weit eher als die frühen, gewissermaßen noch nicht „typischen“ Porträts, die man hier sieht. Bei den Landschaften begegnet man Neuem, Leihgaben der Klimt-Nachkommen. Bemerkenswert eine späte „Schönbrunner Landschaft“ von 1916, denn er hat Wien sonst nicht gemalt. Anregend auch ein Bild wie „Der schwarze Stier“ (1900), wo er tatsächlich so in der Farbe Schwarz zu ertrinken scheint, dass man scharf hinsehen muss, um die Umrisse des Tieres zu erkennen.

Der Klimt der Erregungen   Ein halber Raum, der Klimt als dem „Secessionisten“ schlechthin gewidmet ist, mündet in einen anderen, der die bekanntlich nicht erhaltenen (verbrannt, verschollen) „Fakultätsbilder“ für die Universität dokumentiert. Dass Klimt damit so nachdrücklichen Skandal auslöste – das war Theodor Zasche auch eine Karikatur wert, wie die Ausstellung überhaupt reich mit „flankierendem“ Material versehen ist, Briefe, Karten, Fotos, Bücher, Dokumente. Sie stellen gut die Hälfte der im Ganzen etwa 300 gezeigten Objekte.

Klimt biographisch   Nicht zum ersten Mal sieht man eine Nachbildung von Klimts Studio in der Josefstädter Straße, sieht man das berühmte Foto, das ihn in seinem langen Maler-Kittel, eine Katze im Arm zeigt. Aber auch Emilie Flöge als der wichtigsten Frau seines Lebens ist ein eigener Raum-Abschnitt gewidmet, und eine Wand gilt seinem Tod – Schieles Zeichnung des toten Klimt, die Partezettel, das Grabkreuz. Ein Schlaganfall hatte ihn hingestreckt, fast einen Monat litt er noch, bevor der Tod ihn erlöste.

Leben und Tod, die letzten Themen     Schiele sagte einmal, er sei durch Klimt hindurch gegangen. Klimt bewegte sich in seinen letzten Jahren auf Schiele zu. Gibt es immer wieder Zeichnungen, zumal erotische, die zwischen den beiden Künstlern verwechselbar sind, so ist Klimt Schiele wohl nie näher gewesen als mit seinem Gemälde „Tod und Leben“: Hier finden sich die Mutter mit dem Kind im Blick des bedrohlichen Totenkopfes, der nur auf sie zu warten scheint. Eine Besonderheit ist es, dass man dieses Werk mit jenem konfrontieren kann, an dem Klimt zuletzt gearbeitet und das er nicht vollendet hat: „Die Braut“, auch hier ein großes, allegorisches Gemälde, wo nicht mehr Ornamentik und Ästhetik im Vordergrund stehen, sondern ein in einander verschlungenes Menschengewühl, eine Klimt-Collage aus Secession und Expressionismus. Dazu gibt es noch das Skizzenbuch von 1917, wo man stufenweise den Entstehungsprozeß des Bildes nachvollziehen kann. „Kapelle“ nennt Wipplinger den überdachten „Raum im Raum“, wo er dies ausstellt.

Die Maler der Frauen   Die Klimt-Foundation hat die Ausstellung damit ebenso bereichert wie mit dem Doppel-Frauen-Porträt „Freundinnen“ (auch unter dem Titel „Die Schwestern“ bekannt – sollten es die Schwestern Wiesenthal gewesen sein?), wo sich der Künstler 1907 noch auf seinem Höhepunkt als „Maler der Frauen“ befand. Sicher wird er als solcher im Bewusstsein bleiben, aber gerade eine Ausstellung zum Todesjahr verdient es, auch andere Schwerpunkte zu setzen.

Leopold Museum:
GUSTAV KLIMT
JAHRHUNDERTKÜNSTLER
Bis zum 4. November 2018.
Täglich 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr
Ab September am Dienstag geschlossen

 

 

 

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