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WIEN / Kammerspiele: DIE WUNDERÜBUNG

22.01.2015 | Allgemein, KRITIKEN, Theater

Kammerspiele Glattauer Plakat x~1

WIEN / Kammerspiele der Josefstadt: 
DIE WUNDERÜBUNG von Daniel Glattauer
Uraufführung
Premiere: 22. Jänner 2015,
besucht wurde die Generalprobe 

Vielleicht ist Daniel Glattauer deshalb so populär, weil er es seinem Publikum so leicht macht? Schon seine e-mail-Romane und –Stücke („Gut gegen Nordwind“, 2009, und  „Alle sieben Wellen“, 2010 in den Kammerspielen)  waren an Schlichtheit schwer zu unterbieten und Riesenerfolge. Seiner jüngsten Uraufführung, „Die Wunderübung“, wird es ähnlich gehen.

Betrachtet man das zugrunde liegende Konstrukt, könnte es einfacher nicht sein: Ein Ehepaar, 17 Jahre verheiratet, er hat die Nase so was von voll, sie platzt vor Aggression. Die beiden finden sich beim Eheberater ein, der sich eher ratlos gibt, aber dann doch seine Tricks drauf hat (was man als Zuschauer geradezu schmählich leicht durchschaut). Am Ende sogar – Happyend. Wie geht das, daraus einen echten Erfolg zu machen?

Es liegt an der Besetzung, es liegt am Regisseur, wobei Michael Kreihsl schon die vorigen Glattauers mühelos gestemmt hat, standen ihm doch Ruth Brauer und Alexander Pschill zur Verfügung. Nun ist es eine hochgradige „Fernseh“-Besetzung, was keine abwertende Bezeichnung mehr ist: in der A-Liga der Fernsehspiele, wo unsere drei Protagonisten herstammen, sind schon erstklassige Leute unterwegs (wobei man natürlich nicht vergessen will, dass Bernhard Schir eine durchaus glanzvolle Josefstädter Theatervergangenheit hinter sich ließ, als er fast permanent auf den Bildschirm wechselte – mehr Geld, mehr Popularität, man kann es den Schauspielern ja auch nicht verübeln).

Geben wir es zu, nicht nur das Stück, das die Klischees des Ehealltags aufwischt, ist vordergründig, die Inszenierung ist es auch, die Darsteller müssen es sein, müssen jede Regung, jeden Seitenblick körperlichersprachlich kenntlich machen, aber nur so können sie ihre Pointen setzen und das Verständnis des Publikums aufsammeln. Alle Drei machen etwas grundsätzlich richtig: Sie sind ihre Figuren, sie stellen sie nicht aus, sie machen sich nicht über sie lustig – lachen darf das Publikum.

Josefstadt Theater / Kammerspiele • Die Wunderübung 
Foto: Josefstadt / Rita Newman

Wenn Joana und Valentin Dorek zum Eheberater kommen, sind sie so ziemlich am Rande des Nervenzusammenbruchs und balancieren an ihrer letzten Möglichkeit entlang. Die Interaktion, die sich Joana, herrlich scharfzüngig, und Valentin, herrlich resigniert, liefern, ist schon ein Meisterstück der Darsteller für sich – da reagieren zwei auf einander, Aglaia Szyszkowitz als Wirbelwind, der nicht nachgeben kann, Bernhard Schir als „typischer“ Mann, der in vielen Fällen einfach nicht weiß, was seine Frau schon wieder will (das geht angeblich vielen Männern so). Aber weil sie imstande sind, im Lauf des Stücks ihre anfängliche Liebe zu beschwören, gelingen dann auch Szenen der Annäherung richtig berührend. Am Text liegt’s nicht, aber diese beiden Schauspieler machen’s auf allerhöchstem Niveau.

Und dann ist noch Jürgen Tarrach, der im Fernsehen mal heiter, mal hintergründig sein kann. Er zieht die Skurrilitäts-Masche ab, wirkt aber trotzdem echt als der Mann, der seines Jobs und der ewigen schlechten Vibrationen, denen er ausgesetzt ist, müde ist. Wenn er dann seinen Trick, seine „Wunderübung“ durchzieht, macht er es so vordergründig, dass man sich nur wundert, dass das Pärchen – das ja absolut nicht dumm ist – so ohne weiteres darauf reinfällt. Egal, es soll ja gut ausgehen. Und der Eheberater, erst „der Herr Magister“, dann „Harald“, wenn man sich näher kennenlernt, hat dann seine Schlussszene. Die liegt auch auf der Hand – wirkt aber doch.

Es schadet nichts, wenn Boulevard auch auf guten Texten basiert. Aber wie man sieht: Es geht auch ohne und ist ein Riesenerfolg. Bei solchen Schauspielern!

Renate Wagner

 

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