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ULM: DIE SACHE MAKROPULOS

07.07.2012 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

Großer Opernabend in Ulm: „Die Sache Makropulos“ von Leoš Janáček (Vorstellung: 6. 7. 2012)


Als Emilia Marty brillierte die ukrainische Sopranistin Oxana Arkaeva (Foto: Martin Kaufhold)

Das Theater Ulm, das in den letzten Jahren immer wieder mit großen Opernabenden aufwartete, erzielte mit der Oper „Die Sache Makropulos“ von Leoš Janáček neuerlich einen großen Publikumserfolg. Das Werk, uraufgeführt im Jahr 1926 in Brünn, das in Ulm in deutscher Sprache gebracht wird, gilt als die surrealste Oper des tschechischen Komponisten.

Der Inhalt der Oper, deren Libretto der Komponist nach der gleichnamigen Komödie von Karel Čapek selbst verfasste, in Kurzfassung: Die Unsterblichkeit dauert nicht ewig und ihr lebender Beweis trägt viele Namen, immer mit den Initialen E. M.: Elian McGregor, Eugenia Montez, Emilia Marty oder Elina Makropulos. Die Tochter des kaiserlichen Leibarztes Hieronymos Makropulos sucht verzweifelt nach der geheimnisvollen Formel ihres Vaters, um ihre 350 Lebensjahre um weitere 300 zu verlängern. Doch als sie die Formel in Händen hält, kommen ihr Zweifel am Wert ewiger Jugend und deren Preis.

Mathias Kaiser inszenierte dieses makaber-surreale Werk um den fast einhundert Jahre dauernden Erbschaftsprozess zwischen den Familien Gregor und Prus ausgesprochen düster – mehr als Tragödie denn als Komödie, erreichte aber eine dichte Atmosphäre, die das Publikum von Szene zu Szene mehr in seinen Bann zog. Die karge Bühne, die von einer bunten Rückwand mit abstrakter Malerei geprägt war und auf der imaginäre Türen auf Seilen herabhingen, passte ebenso gut dazu wie die schmucklosen, vor allem in Grau gehaltenen Gewänder (Bühne & Kostüme: Marianne Hollenstein). Für die kreativen Lichteffekte zeichnete Marcus Denk verantwortlich. Leider verfiel er in der letzten Szene in die leidliche Unsitte, das Publikum mit voll eingeschalteten Scheinwerfern sosehr zu blenden, dass die Übertitel nicht mehr zu lesen waren.

In der Hauptrolle der berühmten Sängerin Emilia Marty, der alle Männer zu Füßen liegen, brillierte die ukrainische Sopranistin Oxana Arkaeva, die es blendend verstand, ihre obskure Rolle darstellerisch mit vielen Facetten auszustatten, wobei sie auch den expressiven Sprechgesang stimmlich gut bewältigte. Der Tenor Hans-Günther Dotzauer, einer der Stützen des Ulmer Theaters, spielte eindrucksvoll den von der Sängerin faszinierten Albert Gregor. Jaroslav Prus, der nach der mit Emilia verbrachten Nacht wegen ihrer eisigen Kälte enttäuscht und angewidert ist, wird vom koreanischen Bariton Kwang-Keun Lee recht überzeugend dargestellt. Seinen Sohn Janek, der gleichfalls von Emilia fasziniert ist, sang der Tenor Alexander Schröder, dessen Geliebte Christa die polnische Sopranistin Katarzyna Jagiello und deren Vater Vitek der amerikanische Tenor Girard Rhoden. Der Advokat Dr.Kolenaty wurde vom polnischen Bariton Tomasz Kaluzny gegeben.

Da Leoš Janáček bei allen seinen Opern sehr auf den Sprachrhythmus achtete, war es schade, dass in Ulm in deutscher Sprache gesungen wurde und dadurch beim Gesang einiges an Sprechmelodie verlorenging. Kurz vor der Vorstellung wurde bekanntgegeben, dass der Darsteller des Hauk-Šendorf erkrankt ist und als Ersatz der amerikanische Tenor Richard Kindley einspringen würde, der die Rolle bereits in Nürnberg gesungen hat – allerdings in Tschechisch. So kam das Publikum doch noch in den Genuss, zumindest eine Rolle in der Originalsprache zu hören.

Für den musikalischen Genuss des Abends war im Besonderen das Philharmonische Orchester der Stadt Ulm verantwortlich, die unter der Leitung von Michael Weiger die expressive Partitur des Komponisten, die neben den dramatischen auch viele romantische Passagen beinhaltet, exzellent wiedergab. Das Publikum honorierte diese Leistung am Schluss mit lang anhaltendem Applaus, wobei sich die Phonstärke des Beifalls für die Hauptdarstellerin Oxana Arkaeva, für den Gastsänger Richard Kindley und für das Orchester besonders steigerte.

Udo Pacolt, Wien – München

 

 

 

 

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