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Opernair Gars : „RIGOLETTO“ Premiere

14.07.2012 | CD/DVD/BUCH/Apps, KRITIKEN, Oper

Ein Bericht aus dem Kamptal

Ich denke an das Goethezitat „Kein Genuss ist vorübergehend, denn der Eindruck, den er zurückläßt, ist bleibend“ – ein Restaurant in Gars wirbt derzeit mit diesem Spruch – und ich will daher sofort meine gestrigen Eindrücke von der Rigoletto-Premiere bei den Opernair-Festspielen im Kamptal wieder vergessen, die dürfen so nicht bleiben. Ich habe diese Festspiele von Anfang an geschätzt, ob es nun das Ambiente des Waldviertels war, die oft passende Ruinenkulisse, das jahrelang unter dem  so gekonnt dirigierenden Swarowsky-Schüler Ivan Parik wunderbar aufspielende Orchester, die mehr als oft tadellosen Besetzungen mit klingendem Namen oder klingender Stimme oder beidem, die guten Einfälle des regieführenden Intendanten auf der nur sehr schmalen Bühne. Von diesen Eindrücken sind gestern einzig nur das Waldviertel und die schmale Bühne geblieben und ich frage mich, warum Karel Drgac für diese Saison alle jene Atouts, die für den künstlerischen Erfolg notwendig sind, so leichtfertig aus der Hand gegeben hat. Für den künstlerischen Erfolg, wie gesagt, denn für das Publikum genügte alles für einen wenig dosierten und nicht gerade üppigen Schlussapplaus. Wenn der Intendant damit zufrieden ist, dann trägt er seinen Lorbeer entschieden an der falschen Stelle und er wird, um darauf auszuruhen, bald noch mehr freie Sitze dafür zur Verfügung haben, als jene leeren, die gestern im Zuschauerrund zu sehen waren.

Dass für derartige Bühnenproduktionen wenig Geld vorhanden ist, das hat sich schon herumgesprochen, mit dem kämpfen alle Veranstalter, muss aber deshalb ein „Bühnenbild“ so scheußlich und grauslich aussehen wie mit diesen beiden brückenähnlichen, verbogenen Ungetümen, unter denen, verdeckt von Vorhängen, die diesen Namen nicht wert sind, die arme Gilda haust? Und die alten Steinmauern der Ruine waren früher allesamt besser als die Schiebewände, diesmal in rot und schwarz, die davor herumgeschoben wurden. Und ganz oben sitzt auf einem rosa Thron die Herzogin und dirigiert den Pagen herum – ein Ideenrelikt aus den Grazer Zeiten von Karel Drgac als damaligem Abendregisseur.

Hat sich in diesem Erdenrund kein anderer Herzog gefunden als dieser dilettierende Gondoliere, der mit fisteldünner, manchmal auch meckernder aber auch bröckeliger, nur selten anhörbarer Stimme ein Hohn auf den nächstjährigen Jahresregenten war. Kein Wunder, ein „erfolgreicher Anwalt“ wird in den „frühen Dreißigern“ als Talent entdeckt, und im Schnellsiedeverfahren zur „großen neuen Hoffnung der Opernwelt“ erklärt. Alle Zitate stammen aus dem Programmheft, welches noch unglaubliche Details aufweist und mit den Namen Bergonzi und Domingo eine Aura um den kleinen Mann zu flechten versucht. José Ortega heißt der Mann, an welchem nur eines zu bewundern ist : sein Mut und seine Dreistigkeit.

Giuseppe Altomare wiederum, der einzige, der naturgemäß die italienische Diktion beherrscht, der über einen schönen Charakterbariton mit etwas harten Höhen verfügt, dem fehlt für einen Rigoletto das Wesentliche in der Stimme: mehr Kraft und mehr Temperament. Auch in seiner Bühnenausstrahlung wirkt er eher saftlos. Kein Wunder, dass da die sympathische Linda Kazani mit ihrem dramatischen Koloratursopran schnell zum Publikumsliebling wurde, auch wenn noch viel Feinschliff in der Phrasierung fehlt und ein störendes Vibrato nicht zu überhören ist.

Aus der restlichen Besetzung ragt Oleg Korotkov mit gutem Bassmaterial als Sparafucile heraus, Yvonne Manfreda als seine Schwester, Thomas Weinhappel als Marullo und Nenad Jakovlevic als Monterone boten rollendeckende Leistungen. Eine kleine Kostprobe ihres Könnens zeigte die junge Chinesin Nan Gui als Page.

Florian Krumpöck kann man nicht absprechen, dass er für Verdi nicht das Gespür für die notwendige Dramatik mitbrächte. Mit der Chor- und der Sängerbegleitung haperte es dafür gewaltig, routiniert Kapellmeisterliches zeigte er zu wenig, gerade hier in Gars, wo er mit dem Rücken zur Bühne stehen muß und seine Einsätze über einen Monitor hinter der Zuschauertribüne erteilt.

 

Peter Skorepa / 14.7.2012

P.S.: Nächstes Jahr steht der „Freischütz“ auf dem Programm in Gars, so dass sich die drei größten Opern-Air-Festivals im Umkreis von Wien mit „Manon“, „La Boheme“ und „Der Freischütz“ bewusst von dem Trubel um die beiden Jahresregenten absetzen.

 

 

 

 

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