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LÜBECK: THAIS. Der Heilige und das Freudenmädchen

18.05.2013 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

LÜBECK: THAIS Der Heilige und das Freudenmädchen

Von Horst Schinzel


Foto: Theater Lübeck/ Oliver Fantisch

Ausgrabungen vergessener Musikwerke sind immer problematisch. Das gilt auch für die Oper „Thais“ – ihr Schöpfer spricht von Comédie-lyrique – des französischen Komponisten Jules Massenet (1842 – 1912). Massenet hat die reichlich verworrene Geschichte von dem Heiligen und dem Freudenmädchen in herrliche Musik gekleidet. Aber die Handlung im spät-antiken Nordafrika kann Heutige kaum erwärmen. Da ist der fromme Mönch Athanael (Gerard Quinn) erschüttert von den gesellschaftlichen Zuständen in seiner Geburtsstadt Alexandria. Dort feiern die Einwohner Orgien- alle voran die Chefin des bedeutendsten Freudenhauses Thais (Lea-ann Dunbar). Der Mönch, der selbst ein heiligmäßiges Leben anstrebt, fühlt sich berufen, Thais aus ihrem in seinen Augen sündhaften Leben heraus zu führen. Thais empfindet selbst ihr bisheriges Leben als schaal und leer und willigt ein, dem Mönch in ein Wüstenkloster zu folgen. Dies gegen den Widerstand der Bürger von Alexandria.

Die Wanderung ist durch die Wüste ist beschwerlich, aber schließlich findet die Kurtisane Zuflucht bei Mutter La Charmeuse (Steinunn Skenstadt)

Athanael aber hat sich in Thais verliebt und seine seelische Ruhe verloren. Nach einer Aussprache mit seinem Prior sucht er nach Thais in deren Kloster. Er findet se im Sterben liegend. Vergeblich versucht er, sie für sich zu gewinnen. Sie stirbt im Frieden mit Gott.

Das alles erzählt Lübeck früherer Intendant Marc Adam breit, aber arg unterkühlt.

Der berühmte Funke springt auf das durchaus aufnahmebereite Premierenpublikum nicht über. Dabei sind Marc Adam in der minimalistischen Ausstattung von Roy Spahn und in den Kostümen vom Pierre Albert großartige Massenszenen gelungen. Einer der Gründe, dass die Geschichte so wenig bewegt, mag sein, dass für das zur Oper gehörende Ballett in Lübeck keine Truppe zur Verfügung steht. Videoszenen müssen es ersetzen.

Dabei hat der Regisseur vor in den großartig singenden Gerard Quinn und Lea-ann Dunbar Sänger zur Verfügung, die über rund 160 Minuten hinweg Eindrucksvolles leisten. Sie spielen allerdings meist sehr statuarisch. Das gilt weitgehend auch für Goròar Thór Cortes als alexandrinischen Bürger Niclas, Anne Ellersiek und Wioletta Hebrowka als vergnügungssüchtige Bürgerinnen und Steinunn Skjenstadt als Äbtissin La Charmeuse.

Sie alle gefallen mit ihrem Singen. Joseph Feigl hat seinen verstärkten Chor gut einstudiert, und das Orchester spielt unter der Leitung des jungen Dirigenten Daniel Inbal subtil Leider erneut gelegentlich viel zu laut. Und die Bläser haben an einigen Stellen Intonisationsprobleme . Dennoch: Nach einigem sehr gemäßigten Szenenbeifall bleibt der am Schluss sehr verhalten Gefeiert – wie es ein Lübecker Kollege erlebt haben will – werden weder Inszenierung noch Mitwirkende..

 Weitere Vorstellung am 30. Mai, 19.30 Uhr

 

 

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