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KARLSRUHE/ Händel-Festspiele: DER SIEG VON ZEIT UND WAHRHEIT von G.F. Händel/DER SIEG VON SCHÖNHEIT UND TÄUSCHUNG von Gerald Barry

18.02.2013 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

Karlsruhe: „DER SIEG VON ZEIT UND WAHRHEIT“ 16.02.2013

 Die Eröffnungs-Premiere der Händel-Festspiele 2013 am Badischen Staatstheater wurde leider vom ver.di-Streik überschattet und Generalintendant Peter Spuhler bat deshalb das internationale Festspielpublikum um Nachsicht, dass nun die beiden Werke konzertant aufgeführt werden. Das Oratorium „Der Sieg von Zeit und Wahrheit“ von Georg Friedrich Händel erlebte nun in der Realisation von Sam Brown eine lediglich halbszenische Aufführung. Vor einer Waschraumkulisse mit Spiegeln, Waschbecken mit Seifenspendern agierten die Sänger vor ihren Notenständern, die Damen in Seidenblusen und elegantem Midi, die Herren im Anzug bzw. Arztkittel (Annemarie Woods). Kurz zur Handlung: Die Schönheit auf dem Prüfstand, ihr sowie dem Vergnügen werden Schritt für Schritt der Spaß ausgetrieben, bis sich die Schönheit entschließt, in Zukunft tugendhaft zu leben. Verfügt die Musik des erst 22-jährigen Händels noch nicht über die gehaltvolle, bildhafte Meisterschaft der späteren Werke, enthält sie dennoch effektvolle Instrumentierungen und besonders reizvolle, melodiöse Arienfolgen.

Bedingt durch die entspannt-leichte Stabführung von Richard Baker kam die transparente Farbpalette des jungen Komponisten besonders schön zutage, die stark reduzierte Badische Staatskapelle musizierte im typisch pittoresken Orchesterklang, in vortrefflicher Begleitung der Vokalisten. Sehr agil führte Anna Pantalong (Schönheit) ihren schlackenlosen Sopran zu kunstvollen Verzierungen und erstaunlichen Phrasierungen. Hell im Timbre schenkte Stefanie Schaefer der Täuschung klangvolle Mezzokultur, trocken in der Tongebung und unflexibel erschien mir der Counter William Purefoy (Wahrheit), tenoralen Schönklang verlieh dagegen Sebastian Kohlhepp dem ironisierenden Vergnügen. Mächtig auftrumpfend sprengt Joshua Bloom (Zeit) mit seinem voluminösen Bassbariton den leichten Händelton.

Viel Szenenapplaus und finale Beifallsstürme des animierten Publikums.

 

DER SIEG VON SCHÖNHEIT UND TÄUSCHUNG“

 

Sehr mutig, konträr setzte man die Oper „Der Sieg von Schönheit und Täuschung“ des zeitgenössischen Komponisten Gerald Barry dagegen und das Regieteam konfrontierte mit einer modernen Fortsetzung, die im Barockzeitalter siegreichen Figuren Zeit, Wahrheit begegnen der Jugend von heute und dabei gewinnen Schönheit und Täuschung. Allerdings geriet dieser Versuch mit nur männlichen Darstellern, als Verschmelzung der Geschlechter im Unisex mehr zur Persiflage.

Die vertrackten Tonintervalle, die Geräusche dieser Komposition als Musik zu bezeichnen erachte ich als Blasphemie! Meine uneingeschränkte Hochachtung gilt den bewundernswerten Musikern welche ihre Instrumente malträtierten und insbesondere den mutigen Sängern Joshua Bloom, William Purefoy, Peter Tantsits, Gabriel Urrutia Benet, Iestyn Morris wieder unter der Leitung von Richard Baker. Somit galten wohl auch die Beifallsstürme diesen Akteuren!

Im Anschluss an die Doppelpremiere wurde dem Badischen Staatstheater der Preis der Deutschen Theaterverlage für ihre mutige, unkonventionelle Spielplanoptik und bestes Opernprogramm 2012/13 verliehen.

Gerhard Hoffmann

 

 

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