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HAMBURG: DER MEISTER UND MARGARITA

05.10.2013 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

Hamburg: „Der Meister und Margarita . Ein vergessenes Auftragswerk kehrte zurück. Vorstellung am 4.10.2013

Von Horst Schinzel

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Foto: Hamburgische Staatsoper

So etwas ist gewiss ungewöhnlich: Vor fünfundzwanzig Jahren erteilte die Hamburgische Staatsoper dem in Köln lebenden Komponisten York Höller den Auftrag,  den fantastischen Roman „Meister und Margarita“ des russischen Schriftstellers Michail Bulgakow (1891 – 1940) in Noten zu bringen. Die abenteuerliche Geschichte war von der russischen Zensur unterdrückt worden und dufte erst lange nachdem Tode des Autors 1966 erscheinen. Den Auftrag für die Komposition hatte der damalige Generalmusikdirektor an der Dammtorstraße Hans Zehnder erteilt. Aber der verließ 1987 das Haus, und in Hamburg wollte man von diesem stück nichts mehr wissen. Uraufgeführt wurde es schließlich in Paris.

 Erst jetzt hat Hamburgs demnächst scheidende Generalmusikdirektorin Simone Young das abenteuerliche Werk mit seinen fantastischen Szenen an ihr Haus geholt. Zur Premiere war sogar der fast erblindete Komponist gekommen und war – wie man lesen konnte – sehr beeindruckt. Wir haben die letzte Vorstellung – wohl für lange Zeit –gesehen. Denn auf dem Repertoire wird sich das Stück kaum halten. Denn das mit vielen Doubles von Jochen Biganzoli inszenierte Werk ist nicht eben einfach. Daran kann auch der als Conferencier in einer Variete-Szene mitwirkende Corny Littmann – sonst Chef der Schmidt-Theater – selbst mit vielen Anzüglichkeiten über die Hamburger (Kultur-)Verhältnisse kaum etwas ändern.

 Der Roman – und damit die Handlung der Oper – ist wohl nur  Literaturfreunden bekannt. Der Meister ist ein Schriftsteller, der von der Staatsmacht unterdrückt wird. Ein Roman über Pontius Pilatus wird konfisziert und der Autor in die Psychiatrie gesteckt. Seine Geliebte Margarita geht einen Pakt mit dem Teufel ein, um die Staatsmacht vorzuführen. Der Magier Voland, zahlreiche Hilfsteufel, ein Kater wirbeln bei einem Ball Moskau durcheinander. Seit der deutschen Erstaufführung 1991 in Köln ist das Stück auf unseren Bühnen nicht mehr gezeigt worden.

Der heute 69jährige Komponist York Höller hat in den zurückliegenden Jahrzehnten wesentlich zur Entwicklung der elektronischen Musik beigetragen. In Hamburg wird diese Musik vom Nürnberger Generalmusikdirektor Marcus Bosch umgesetzt. Der setzte dabei ebenso wie die hochkarätigen Protagonisten der Einstudierung Dietrich Henschel als Meister und Jeschua, Cristina Damian als Margarita und Derek Welton als Teufel viel Verve und Kraft ein.

Beim Publikum findet das allerdings nur höfliche Aufmerksamkeit, in der Pause lichten sich die Reihen etwas.  Denn Höller stellt an Zuhörer wie Ausführende gleich hohe Anforderungen mit einer Mischung von E- und Musik, mit Rock und Jazz, Sprechgesang und Belcanto-Abschnitten.

Künstlerisch ist die Produktion zweifellos ein großer Erfolg,  zu dem auch der Bühnenbildner Johannes Leiacker, die Kostümbildnerin Heike Neugebauer und die Choreografin Silvia Zygouris das ihre beigetragen haben..

 Horst Schinzel

 

 

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