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DRESDEN/ Frauenkirche: FESTKONZERT MIT DER „MISSA DEI FILII“ VON JAN DISMAS ZELENKA

Dresden/Frauenkirche: FESTKONZERT MIT DER „MISSA DEI FILII“ VON JAN DISMAS ZELENKA – 26.10.2014

 Vor 9 Jahren, d. h. nach 60 Jahren völliger Zerstörung infolge eines Luftangriffs im 2. Weltkrieg (13.2.1945) und anschließender jahrzehntelanger Verwitterung der Ruine konnte die Dresdner Frauenkirche nach 11jähriger Bauzeit und großem Engagement der Menschen in aller Welt als ein Ort der Hoffnung wieder feierlich eingeweiht werden und strahlt seitdem in ihrer barocken Schönheit wieder in die Welt aus. Zur Erinnerung an diesen denkwürdigen Tag wurde die „Missa Dei Filii“ (ZWV 20) von Jan Dismas Zelenka (1679 – 1745) aufgeführt.

 Die Wahl dieses Werkes entsprach ganz dem Grenzen überspannenden Gedanken der Nutzung der Frauenkirche. Zelenka, ein böhmischer Musiker und Komponist, der, wenn auch streng genommen, nicht ganz zutreffend, als „tschechischer Vivaldi“ bezeichnet wird, lebte und wirkte 35 Jahre lang in Dresden, auch zu der Zeit, als die evangelische Frauenkirche als Gegenstück zur Katholischen Hofkirche gerade gebaut wurde, zunächst als Violinist bzw. Kontrabassist am Sächsischen Hof, später, da bei der Wahl eines neuen Kapellmeisters Johann Adolf Hasse der Vorzug gegeben wurde, als Hofkomponist und „Kirchen-Compositeur“ an der Katholische Hofkirche.

 Obwohl Zelenkas Orchester- und Vokalwerke höchst originelle, ausdrucksstarke und unkonventionelle Tonschöpfungen der Barockzeit darstellen und durch ihre geistige Frische, Dynamik und musikalische „Urkraft“, die u. a. auf seine Experimentierfreude, bei der er sich, ähnlich wie J. S. Bach, einige Freiheiten nahm, die Verbindung archaischer Satztechniken mit den modernsten Ausdrucksmitteln der damaligen Zeit, häufige Einfügung tonartfremder Akkorde und den mitunter anklingenden böhmischen Volkston zurückzuführen sind, auch heute noch den Zuhörer unmittelbar ansprechen, erlebten sie erst gegen Ende des 20. Jh. eine Renaissance, zu der Milan Munclinger, Musikwissenschaftler und weltbekannter Flötist, 1959 den Anstoß gab. Sie werden zwar hier und da aufgeführt, gelten aber immer noch fast als Geheimtipp, auch wenn sie bei jeder Aufführung viel Begeisterung und Zustimmung erfahren.

Mit dem ensemble Frauenkirche stand Matthias Grünert ein sehr leistungsfähiges Kammerorchester mit ausgesprochen schönem, ausgewogenem Klang und einigen Erfahrungen mit der Musik Zelenkas zur Verfügung. Die Musiker verbanden klanglichen Schmelz mit Frische des Musizierens und bildeten die wohlausgewogene Basis, auf der auch der Chor und die durchweg jungen Solisten aufbauen konnten. Vom ersten Takt an wurde ein zügiges, der Vitalität der Komposition entsprechendes Tempo angeschlagen, das der Musik in ihrer Vitalität und Klangwirkung sehr gut gerecht wurde.

 Die 12 Mitglieder des Kammerchores der Frauenkirche vollbrachten eine beeindruckende Leistung. In doppelchöriger Aufstellung zu je 6 Sängerinnen und Sängern gaben sie ihr Möglichstes, und erreichten oft trotz kleiner Besetzung eine ansprechende Klangfülle.

 Unter den Solisten fiel vor allem Bettina Ranch auf, die mit dunkeltimbrierter, warmer Altstimme und großartiger Ausdruckskraft im „Quoniam tu solus Sanctus“ große, ausdrucksstarke Bögen zu spannen vermochte und zum eigentlichen Höhepunkt der Aufführung führte.

 Gut bewältigte auch die Sopranistin Bianca Reim ihre Partie, wenn auch mancher Ton und ihre liebevoll eingefügten Verzierungen in der Größe des Kirchenraumes mitunter fast verschwanden. Um ihrer Stimme mehr Volumen zu verleihen, wurde eine leichte Schärfe hörbar, was sich im Laufe ihrer sängerischen Entwicklung aber noch ausgleichen kann.

 Stepahn Loges bewältigte die Basspartie mit allen Anforderungen, Eric Stokloßa, Tenor seine Partie auch. Er sang mit sehr klarer Stimme und entsprechender Gestaltung, nur dass sich das Timbre seiner Stimme im Duett mit dem des Bassisten nur bedingt zu entsprechender Harmonie verbinden wollte, obwohl beide, mit Ensemblegesang durchaus vertraut, sehr darauf orientierten.

 Matthias Grünert gelang es, Zelenkas Messe sehr eindrucksvoll und in sich geschlossen zur Aufführung zu bringen. Unter seiner Leitung hatten die Ausführenden Wesen und Sinn dieser Musik erfasst, um sie in sehr ansprechender Weise wiederzugeben. Es war eine sehr festliche, dem Anlass entsprechende Aufführung.

 Ingrid Gerk

 

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