Baden/ Bühne: DER VOGELHÄNDLER. Premiere

Ricardo Frenzel-Baudisch, Verena Tranker. Copyright: Christian Husar
Am Währinger Gürtel hat sich eine Gutmensch*Innende das Ziel gesetzt, unter den Augen der politisch Verantwortlichen, aber fachlich Ahnungslosen die Kunstform Operette auszurotten. In Baden verhindert der Bannstrahl des seligen Robert Herzl — Gott sei Dank! — Schlimmeres. (Noch.)
Anläßlich der 120 Jahr-Feier der Sommerarena spielt die Bühne Baden Der Vogelhändler: die erfolgreichste Operette des k. u. k. Sektionsrates im Finanzministerium, Dr. Carl Zeller.
Auf Basis einer Konzeptionsidee des nachmaligen Intendanten Michael Lakner bearbeiteten Barbara Spitzer und Francesc Abós Text, Ort und Zeit der Handlung: Baden bei Wien im Jahr 1906 statt der Pfalz im 18. Jahrhundert. Wie gut, daß Natalia Ushakova als Kurfürstin Marie ihr Fröhlich Pfalz, Gott erhalts! weitgehend unverständlich singt: So kümmert derartige Diskrepanz niemanden.
Die Verbindung mit Baden und Österreich, so Barbara Spitzer und Francescs Abós in einem vor Gemeinplätzen strotzenden Beitrag im Programmheft, schüfe eine zusätzliche Nähe. (Ja, eh.) Gleiches gelte für die Anspielungen und Bezüge, die dem Publikum vertraut vorkommen (es aber nicht sein müssen). … Schade eigentlich, daß Carl Zeller und seine Librettisten M. West und Ludwig Held davon keine Ahnung hatten. Nie wäre es ihnen eingefallen, ihren Vogelhändler woanders als in Baden bei Wien spielen zu lassen…
…VII.
Dennoch, nehmt nur alles in allem: Mit dieser Vogelhändler-Produktion machte man sich am Stadttheater das größte Geschenk für die 120 Jahr-Feier der Sommerarena. Man bewies, daß die Wiener Operette lebt — in Baden.
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Thomas Prochazka/www.dermerker.com

