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Franz Schubert: Männerchöre

28.11.2016 | Allgemein, cd, CD/DVD/BUCH/Apps

CD Schubert Männerchöre

Franz Schubert
Männerchöre 

Eric Schneider

Amarcord – Raumklang CD

Nicht zu verwechseln mit dem Instrumentalensemble Amarcord Wien (das gerne mit Elisabeth Kulman arbeitet), singen die fünf ehemaligen „Thomeraner“ Knabenchoristen aus Leipzig seit 24 Jahren vorwiegend geistliche und weltliche a capella Musik von der Renaissance bis heute. Wolfram Lattke, Robert Pholers, Tenor, Franz Ozimek Bariton, Daniel Knauft, Holger Krause Bass eint nicht nur ein vollkommen homogenes, aufeinander abgestimmtes Musizieren. Aufgrund derselben Ausbildung und Repertoireerfahrung sind die fünf auch absolut stilsicher in allen Epochen, welche Partitur auch immer sie aufschlagen.

Auf der neuesten CD haben sie 17 Vokalensembles von Franz Schubert gewählt, die Amarcord am 20.11. gemeinsam mit ihrem Pianisten Eric Schneider beim Schubert-Marathon im Berliner Konzerthaus mit großem Erfolg vorgestellt hat.

Auf dem Programm standen das Ständchen D. 920; Leise, leise lasst uns singen D. 635; Gondelfahrer D. 809; Der Geistertanz D. 494; Mondenschein D. 875; Sehnsucht D. 656; Zur guten Nacht D. 903; Gesang der Geister über den Wassern D. 538; Im Gegenwärtigen Vergangenes D. 710; Unendliche Freude durchwallet das Herz D. 51; Dessen Fahne Donnerstürme wallte D. 58; Trinklied D. 75; La Pastorella al Prato D. 513; Wehmut D. 825; Geist der Liebe D. 747; Ruhe, schönstes Glück der Erde D. 657 sowie Nachthelle D. 892.

Schon beim Ständchen wird ohrenfällig, dass die Musiker auch Meisterklassen beim Hilliard Ensemble und den King’s Singers und damit einen Lektion in britischer Stilkunde absolviert haben. Der Klang ist vorwiegend hell, die Musik wird äußerst delikat, beinahe „keusch“ nuanciert interpretiert. Dieser spezifische (artifizielle) Klang, den die Künstler entwickelt haben, ist ein Gütesiegel, das die CD prägt. Bei so viel Kultiviertheit des Miteinander, des Austarierens der Stimmgruppen und Aufeinanderhörens finden expressives Phrasieren und den jeweiligen Gefühlslagen differenziert ausschwingende Ausdrucksskalen weniger Platz. Als „Lyrik pur“ könnte man den smoothen, klug gestalteten, immer wortklaren Vortrag bezeichnen. Das Ergebnis gleicht eher zarten fein gestrichelten Pastellminiaturen als mit kräftiger Ölfarbe komponierten Gemälden. Das passt zu Schubert sehr gut, wenngleich nicht unbedingt das insgesamt mögliche Ausdrucksspektrum ausgeschöpft wird.

Wichtig ist Amarcord aber auch die Form des Auftritts. So haben die fünf in Berlin jüngst ein sog. „Dunkelkonzert“ aufgeführt, wo das Publikum (fast) ganz ohne Licht konzentriert der Musik lauschen konnte. Auf jeden Fall ist der Gesang von Amarcord, diesem vokalen Kammermusikensemble der Sonderklasse, Balsam für Ohr und Seele.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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