Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

ZÜRICH/ Opernhaus: ROBERTO DEVEREUX Abschluss der Tudor-Trilogie. 2. Vorstellung

Gaëtano Donizetti: Roberto Devereux • Opernhaus Zürich • Vorstellung: 09.02.2023

(2. Vorstellung • Premiere am 05.02.2023)

Abschluss der Tudor-Trilogie

Die zweite Vorstellung gerät meist schon deshalb besser, weil die Premieren-Nervosität verflogen ist. Hat man einen anderen Platz als in der Premiere, kann sich der Eindruck nochmals verbessern. So geschehen an diesem Abend.

su
Foto © Toni Suter

Inga Kalnas Interpretation der Elisabetta I. klingt an diesem Abend deutlich homogener und die scharfen Momente beschränken sich auf den Bereich des Forte und darüber. Die Stimme ist aber immer noch (zu) dramatisch geführt und es fehlt ihr an Farben. Der Eindruck von Belcanto will sich noch nicht einstellen. Konstantin Shushakov als Duca di Nottingham bestätigt den positiven Eindruck der Premiere. Die Stimme strömt frei, die Diktion ist ungetrübt und die diskreten Farben seines Baritons beginnen aufzuleuchten. Anna Goryachova ist als Sara ein idealer Kontrast zur Elisabetta Kalnas. Mit vollem, warmem Mezzo und ihrer szenischen Erscheinung ist sie – zumindest in Sachen Männer – eine veritable Konkurrentin der Königin. Stilistisch bleiben bei ihr keine wünsche übrig. Stephen Costello gibt den Roberto Devereux mit gut geführtem Tenor, viel Schmelz und grosser Bühnenpräsenz. Auch Andrew Owens (Lord Cecil) strömt freier. Die Diktion bleibt ab weiterhin «explosiv» (im Sinne von gepresst, herausgeschleudert). Brent Michael Smith als Sir Gualtiero Raleigh, Aksel Daveyan als Page, Gregory Feldmann als Vertrauter Nottinghams und Francesco Guglielmino als Henker ergänzen das Ensemble.

Ein Chor hat in einer Belcanto-Oper im Normalfall wenig zu tun. Die wenigen Einsätze absolviert der Chor der Oper Zürich (einstudiert von Janko Kastelic) hoch konzentriert und fokussiert auf seine Rolle als Kommentator.

Ein dickes Lob gebührt wiederrum der Philharmonia Zürich unter Enrique Mazzola. Belcanto-Spezialist Mazzola trägt einerseits die Sänger auf Händen durch den Abend, animiert andrerseits die hoch konzentrierte Philharmonia zu ungemein plastischem, hervorragend akzentuiertem Spiel. Die Streicher klingen wunderbar warm, die Bläser herrlich schlank und leicht herb.

Mehr zur Inszenierung an dieser Stelle in der nächsten Kritik.

Ein würdiger Abschluss der Tudor-Trilogie.

Weitere Aufführungen: So. 12. Feb. 2023, 19.00; Fr. 17. Feb. 2023, 19.00; Mi. 22. Feb. 2023, 20.00; So. 26. Feb. 2023, 19.30; Sa. 04. März 2023, 20.00; Di. 07. März 2023, 19.00; Fr. 17. März 2023, 19.00.

11.02.2022, Jan Krobot/Zürich

 

Diese Seite drucken