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ZÜRICH/ Opernhaus: LE COMTE ORY. Derniere. 6 Umbesetzungen in 5 Rollen und eine klemmende Luke

Gioacchino Rossini: Le Comte Ory • Opernhaus Zürich • Dernière: 20.01.2022

 (6. Vorstellung • Wiederaufnahme am 31.12.2021)

6 Umbesetzungen in 5 Rollen und eine klemmende Luke

Corona hat nun auch das Opernhaus Zürich erreicht und so kam es in der Dernière des Grafen Ory zu 6 Umbesetzungen in 5 Rollen. Es ist allen Beteiligten ein grosses Lob auszusprechen, dass der Abend trotzdem so lief, als sei nichts geschehen.

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Foto © Toni Suter

Intendant Andreas Homoki liess es sich nicht nehmen, die Umbesetzungen selbst anzusagen: Francesco Brito ersetzte Edgardo Rocha als Ory, Sophie Pondjiclis ersetzte Liliana Nikiteanu als Ragonde, Rosa Maria Hernandez ersetzte Chelsea Zurflüh als Alice, Luca Martin ersetzte Luis Magallanes, der Saveli Andreev als Mainfroy ersetzte, und Studienleiter Michael Richter ersetzte Alejandro Del Angel als Gérard und Coryphée.

Einen ganz wesentlichen Anteil am szenischen Ablauf des Abends hatten die Chorzuzüger und der Zusatzchor der Oper Zürich. Sie sangen, wie schon in den vorherigen Aufführungen, klangschön und spielten mit sichtbarer Freude und waren vor allem den Einspringern eine Stütze auf der Bühne. Proben könne eine so charmante, direkte und vor allem unauffällige Hilfe nicht ersetzen. Die Philharmonia Zürich unter musikalischer Leitung von Victorien Vanoosten liess die Apotheose von Rossinis komischem Talent aufs Herrlichste perlen. Besser kann man Rossini eigentlich nicht spielen.

Ziyi Dai gab La comtesse Adèle mit einem herrlichen Koloratursopran, der in der Reinheit der Spitzentöne etwas an Edita Gruberova erinnerte. Ihre Stimme hat Körper, trägt im ganzen Haus und ist reich an Schattierungen. Rebeca Olvera, schon seit der Premiere in dieser Inszenierung dabei, gab den Isolier höchst gepflegt mit grosser szenischer Präsenz. Sophie Pondjiclis konnte als Ragonde leider nur in szenischer Hinsicht überzeugen. Die Stimme trug an diesem Abend nicht, liess Körper und Tiefen vermissen und schien für das Haus zu klein. Francisco Brito, der wie Pondjiclis schon in Toulon im Ory gesungen hatte, überzeugte mit seinen hellen, bestens gepflegten und absolut höhensicheren Tenor als Le Comte Ory. Man freut sich auf ein Wiederhören mit dem Rossini-Spezialisten. Oliver Widmer gab routiniert den Raimbaud. Andrew Moore adelte mit seinem enormen szenischen Talent und wunderbaren Bass-Bariton den Gouverneur. Rosa Maria Hernandez als Alice, Michael Richter als Gérard, Luca Martin als Mainfroy und Henri Bernard als Un paysan ergänzten das Ensemble. Die Coryphées waren mit Bożena Bujnicka, Freya Apffelstaedt, Luca Martin, Benjamin Molonfalean und Ilya Altukhov besetzt.

Einmal bestätigte sich, dass gute Inszenierungen und gute Filme etwas gemeinsam haben: Man kann sie immer wieder sehen, ohne zu ermüden. Ganz besonders galt das für diese Inszenierung. Am Schluss der Oper muss sich Ory der Gräfin geschlagen geben und das Schloss, bevor die Männer aus dem Krieg heimkehren, durch einen Geheimgang verlassen. Leiser und Caurier entschieden sich in ihrer Inszenierung für einen Abgang Orys und der Seinen durch den Unterboden. Nun klemmte aber eine der beiden Luken und die erste Kriegsheimkehrer standen schon auf der Bühne: Kurzerhand entrollte Isolier eine Tricolore, bis sich der letzte durch den verbliebenen Spalt gezwängt hatte.

Ein herrlicher Abend!

Keine weiteren Aufführungen.

23.01.2021, Jan Krobot/Zürich

 

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