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ZÜRICH/ Opernhaus: Jeanine De Bique & Concerto Köln. Rezital

Jeanine De Bique & Concerto Köln • Opernhaus Zürich • Rezital: 22.03.2026

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Im Rahmen von Zürich Barock

 Starke Heldinnen

Das erste Wochenende des Festivals «Zürich Barock» endet mit dem begeistert akklamierten Gastspiel von Concerto Köln und Jeanine De Bique. Wie alle Liederabende am Opernhaus Zürich findet auch dieser vor dem prächtigen, original erhaltenen Eisernen Vorhang statt.

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Foto © Gaetan Bally

Die aus Trinidad und Tobago stammende Sopranistin Jeanine De Bique stellt an diesem Abend dem Zürcher Publikum ihr Debut-Album «Mirrors» vor. In ihrem Album, wie auch im leicht veränderten Programm für diesen Abend, lässt sie sich von starken Frauenfiguren inspirieren und stellt einer Arie aus dem Schaffen Georg Friedrich Händels eine Arie über dieselbe Figur, aber aus dem Schaffen eines anderen Komponisten gegenüber (daher der Albumtitel «Mirrors»: «Spiegel»). Sie spiegelt die Figuren und macht verschiedene Seiten des Charakters erfahrbar. «In diesen Arien begegnen wir Heldinnen, die für ihre Beharrlichkeit, ihre Stärke, ihre Fähigkeit zu vergeben, und ihre bedingungslose Liebe letztlich belohnt werden» äussert sich de Bique im Booklet ihres Albums.

Concerto Köln (Konzertmeisterin: Justyna Skatulnik) eröffnet den Abend mit der Ouvertüre zu Georg Friedrich Händels (1685 – 1759) Oper «Partenope» HWV 27 und überzeugt mit eher dezentem, aber charakteristisch farbigem Spiel. Der Arie «Ritorna o caro» aus Händels «Rodelinda» stellt de Bique die Arie «Risolvere non oso» aus Carl-Heinrich Grauns (1703/04 – 1759) Oper «Rodelinda, regina de‘ Langobardi» gegenüber. In «Ritorna, o caro» erfährt die lombardische Königin, dass ihr Mann, der wegen eines Zwists mit seinem eigenen Bruder fliehen musste, noch am Leben ist. De Biques Stimme ist füllt den Raum hervorragend, der Klang ist stets präsent und der Ausdruck der Affekte von bestechender Natürlichkeit. In Grauns «Risolvere non oso» muss sie sich zwischen dem Tod ihres Sohnes und dem Verrat am Gatten (durch eine erzwungene Heirat) entscheiden. In der Arie «L’empio rigor del fato» (ebenfalls aus Grauns «Rodelinda»: nach der Sinfonia aus Leonardo Vincis (um 1696–1730) Oper «Partenope») schöpft sie Mut und findet zu neuer Stärke. Nach dem wunderbar farbig, mit sattem Klan gespielten «Ballo: Entrée des songes agréables» aus Händels «Alcina» wendet sich die sympathische Sängerin ans Publikum und stellt kurz das Konzept des Abends vor. Das den ersten Teil des Rezitals beschliessende Rezitativ und Arie «Ah! Ruggiero crudel… Ombre pallide» aus Händels «Alcina» wird zu einem ersten Höhepunkt des Abends: Die Stimme besticht mit glasklaren Höhen, sauberem, reinem Klang und perfektem Messa di voce.

In der Arie «Rimembranza crudel» aus Georg Philipp Telemanns (1681 – 1767) Oper «Germanicus», einem 1704/1710 entstandenen Jugendwerk für die Oper Leipzig, beklagt sich Germanicus’ Ehefrau Agrippina die Ältere, und hier de Bique mit herrlich schwebender Stimme, zu Unrecht des Ehebruchs bezichtigt worden zu sein. Nicht minder beeindruckend gelingt ihr mit wunderbar präsentem Klang die Arie «L’alma mia fra le tempeste» Arie Händels «Agrippina». In Händels Suite aus der Oper «Rodrigo» (Matelot – Sarabande – Menuet – Passacaglia) glänzt Concerto Köln mit hervorragend akzentuiertem Spiel und wunderbar warmen Holzbläsern. Da Händels «Giulio Cesare in Egitto» in der Inszenierung von Davide Livermore zum Spielplan des Festivals gehört, bietet sich hier für viele im Publikum die Möglichkeit zwei Stimmen zu vergleichen. De Biques Interpretation des Rezitativs und der Arie «Che sento?… Se pietà di me non senti cleopatra» aus Händels «Giulio Cesare in Egitto» begeistert mit grandioser Piano-Kultur, der Klarheit des Vortrags und der wunderbaren Präsenz der Stimme, die dem Zuhörer einen natürlichen, direkten Zugang zur Figur bietet. Nach dem «Entrée des songes agréables effrayés» aus Händels «Alcina» endet das reguläre Programm mit der Arie «Tra le procelle assorto» Arie aus Grauns Oper «Cesare e Cleopatra»: In diesem Virtuosenstück triumphiert de Bique mit schnellen, flüssigen Läufen. Kurz: Mit der virtuosen Beherrschung ihrer Stimme.

Das Publikum applaudiert begeistert. De Bique bedankt sich mit zwei Zugaben, darunter Händels mit grossem Gefühl vorgetragenes «Lascia ch’io pianga» (aus «Rinaldo»).

26.03.2026, Jan Krobot/Zürich

 

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