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ZÜRICH/ Opernhaus: GISELLE

21.04.2015 | Allgemein, Ballett/Tanz

Zürich – Opernhaus – „Giselle“  – Aufführung vom 19.04.2015

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Polina Semionova. Foto: Richard Egli

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Friedemann Vogel. Foto: Richard Egli

 Ein wunderbarer Ballettabend, den uns das Ballett Zürich, hoffnungsvoll verstärkt mit Mitgliedern des Junior Ballets mit dieser „Giselle“ beschert! In der tänzerisch äusserst anspruchsvollen, konventionell und dennoch entstaubten Choreographie von Patrice Bart ziehen Compagnie und Solisten sämtlicher Register ihres grossn Könnens. Stimmungsvoll und auf hohem tänzerischen Niveau gelingen die Gruppenszenen in beiden Akten. Auch die Solistinnen und Solisten sind mit grosser Tanz- und Spielfreude dabei.

 Im ersten Akt fällt besonders Filipe Portugal als Hilarion durch seine Leidenschaft in Tanz und Darstellung auf. Mit Schwung, Temperament und enormer Sprungkraft wirbelt der tolle Tänzer durch die beiden Akte.

 Der zweite Akt beginnt mit einer im wahrsten Sinne des Wortes absoluten „Spitzen“leistung von Viktorina Kapitona, welche als Myrtha, Königin der Wilis, ohne mit der Wimper zu zucken mit dämonischer Mine über die Bühne „schwebt“ – lautlos, wie ein Windhauch – auf den Spitzen eben! Ebenso schwebend wird die Königin von Katja Wünsche als erste und Galina Mihaylova, welche im ersten Akt mit Arman Grigoryan im Bauern-Pas-de-deux begeistert, als zweite Wili begleitet.

 Die ohnehin schon herausragenden Leistungen der Tänzerinnen und Tänzer des Ballett Zürich werden durch die beiden Gäste, welche Unvergessliches bieten, getoppt: Friedemann Vogel (Albrecht) zählt absolut zu recht zu den bedeutendsten Tänzerpersönlichkeiten unserer Zeit. Bei ihm stimmt einfach alles! Seine Sprünge sind von Höhe und Leichtigkeit geprägt, die ihresgleichen sucht. Zudem ist ein wahrer „Virtuose der Schritte“. Sein Tanz ist präzis und exakt – jeder Schritt sitzt. Polina Semionova blickt ebenfalls auf eine steile Bühnenkarriere zurück und ist zum absoluten Ballettstar avanciert – und ist DIE Giselle schlechthin! Im ersten Akt begeistert sie einerseits mit ihrer brillanten, makellosen Technik und verspielter echter Lebensfreude – eine Giselle, die man einfach lieben muss! Im zweiten Akt dann die grosse Tragik! Frau Seminova bleibt auch in dieser „Stimmung“ glaubwürdig, weil sie „echt“ bleibt und nicht mit dick aufgetragener Dramatik übertreibt – Giselle bleibt bei ihr eben Giselle. Und das macht diese Ausnahmetänzerin in dieser Rolle noch ergreifender! In Friedemann Vogel findet sie den perfekten Partner. Die beiden gehen intensiv aufeinander ein. Die Pas-de-deux und Variationen gelingen mit Leichtigkeit in Perfektion.

 Die Philharmonia Zürich unter Ermano Florio liefert zuverlässig die musikalische Grundlage für diesen wunderbaren Ballettabend. Wer da dabei war, wird diese Aufführung nicht so schnell vergessen – wenn überhaupt!

 Michael Hug

 PS: Friedemann Vogel ist am 17. Mai nochmals am Opernhaus als Albrecht zu erleben.

 

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