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ZÜRICH / Opera Box: DON PROCOPIO

30.12.2018 | KRITIKEN, Oper


Foto: Thomas_Entzeroth

Zürich: DON PROCOPIO von Georges Bizet
Produktion der OperaBox
Premiere 28.12.2018

Witzige Operette mit köstlichem Omelette

Àuch diesmal hat sich das auf Initiative des Direktors des ZKO (Zürcher Kammerorchester) Michael Bühler gegründete Opernunternehmen OperaBox Zürich in dankenswerter Weise einer höchst selten aufgeführten Operette von Georges Bizet, nämlich „Don Procopio“ angenommen. Das reizende Früh-Werk des Carmen-Komponisten steht stilistisch zwischen einer italienischen Opera Buffa und einer französischen Opéra comique. So präsentiert sich auch die musikalische Seite des charmanten Zwei-Akters: manchmal tönt’s nach Donizetti, etwas Offenbach ist ebenso dabei, auch der sich daraus ergebende Charme aus beiden Nationen der Komischen Oper, Italien und Frankreich. Eine witzige Mischung. Allerdings hat diese Buffa noch nicht den satirischen Biss eines Offenbach, es sind aber auch unerwartete Tonartenwechsel zu vernehmen, die schon auf Bizets späteres Schaffen hindeuten. In der geschickten Orchesterreduktion von Wolfgang Drechsler spielten Mitglieder des soeben von einem erfolgreichen Gastspiel in der Elbphilharmonie zurückgekehrten Zürcher Kammerorchesters (ZKO). Andreas Joho wirkte am Dirigentenpult und am Klavier, das in Harfen-Imitation romantische Stimmung im Liebesduett vermittelte. Joho hatte die Fäden der nicht einfachen Ensemble-Nummern sicher im Griff und war dem ganzen Ensemble, den Sängerinnen und Sängern und den Musikerinnen und Musikern des ZKO, ein inspirierender, engagierter und souveräner Maestro.

Erich Bieri lieferte in der Titelrolle wiederum eine seiner köstlichen Charakterstudien ab: Als Geizhals Don Procopio, der das reiche Mündel nur um des schnöden Mammons willen heiraten will, aber dann auf eine gegen ihn klug eingefädelte Intrige hin reumütig verzichtet, sodass sich die Liebenden doch kriegen, hat es die Buffo-Partie gesanglich in sich. Die Tessitura umfasst gute zwei Oktaven und beinhaltet lyrische als auch Parlando-Stellen.

Als Mündel Bettina war die charmante Christa Fleischmann das Objekt der Begierde. Die Sängerin sang mit ihrem glockenreinen, nicht allzu grossen lyrischen Sopran immer schön auf Linie und liess sich auch nicht hinreissen, zu viel zu geben. Sehr gut war sie auch in der grossen Szene mit Erich Bieri (Don Procopio), wo das Vorbild von Donizettis „Don Pasquale“ eindeutig zu spüren ist. Und wunderbar passte ihr Sopran mit dem Tenor zusammen. Das war der junge Luca Bernhard in fescher Uniform als Odoardo, – der schon im „Vogelhändler“ in Hombrechtikon b/Zürich auf sich aufmerksam gemacht hatte – und nun auch hier einen schön timbrierten, lyrischen Tenor vernehmen liess. Auf diesen jungen Mann wird man achten müssen! – Als Eltern Adoptiveltern von Bettina wirkten die resolute Donna Eufemia von Jeanne-Pascale Künzli und der sich von Herzinfarkt zu Herzinfarkt hangelnde Martin Weidmann (Don Andronico). Als in etwa Malatesta-Manier agierender („Don Pasquale“) war Bojidar Vassilev ein darstellerisch wendiger, gesanglich klar artikulierender Ernesto, Bruder Bettinas, der die Intrige einfädelt. – Aus Bizets „Le Docteur Miracle“ hatte man das äusserst witzige „Omeletten-Quartett“ eingefügt. Ein Köche-Quartett – mit Anita Monti (Clotilde), Jürg Peter (Sébastian), Barbara Hensinger (Bernadette) und Niklaus Rüegg (Jérôme) – bereitet tatsächlich besagtes Omelette zu und verteilt Kostproben davon an einige Glückliche im Publikum. Eine hübsche Idee!  

Und nicht zu vergessen ist das Urgestein in Person des originellen Flavio Corazza, der als Don Curzio in wenigen Einsätzen seine Pointen sicher setzen konnte. In weiteren Rollen waren Yves Bühwiler (Pasquino), Nicole Zumstein (Ginevra), Sandra Nickl ((Aurora), Andreas Schiller (Umberto), Hartmut Kriszun (Emanuele) und Roland Kornus (Domenico) mit Engagement unterwegs und allesamt bestens in das Ensemble integriert und gesanglich auf bestem Niveau. Als Moderator – hier Monsieur l’Observateur genannt, aber deutsch-sprachig – wirkte souverän, witzig à la Loriot und elegant Samuel Zinsli, der die etwas arg verworrene Story auseinanderdröselte.

Bühnenbild, Licht, Kostüme – Myriam Kirschke (Bühnenbild), Markus Brunn (Licht), Nina Debrunner (Regie-Assistenz), Thomas Entzeroth (Technische Leitung), Christoph Misteli (Technische Realisierung) – alles gelang zur höchsten Befriedigung.

Also, ein höchst vergnüglicher Abend auf bestem Niveau, sehr gut gesungen und auch sehr gut gespielt. Das hat man der klugen Regie von Paul Suter zu verdanken, der die zweieinhalb Stunden Handlung immer in Spannung hielt und sich dazu noch Einiges an Situationskomik einfallen liess. Man machte sich bestens gelaunt auf den Heimweg. Bravi!

John H. Mueller

 

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