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ZÜRICH/ Oper: MANON von Jules Massenet

Der Flieder auf dem Vormarsch

06.05.2019 | Oper

Jules Massenet: Manon, Opernhaus Zürich, Vorstellung: 04.05.2019

 (7. Vorstellung seit der Premiere am 07.04.2019)

Der Flieder auf dem Vormarsch

  1. Akt, 2. Bild: Foto: T+T Fotografie / Toni Suter + Tanja Dorendorf

Die Inszenierung von Regisseur Floris Visser überzeugt nicht nur durch ihre „Ruhe“ und Werktreue sondern auch durch interessante Details. So zum Beispiel im zweiten Akt des dritten Bildes, im Priesterseminar von Saint-Sulpice, versucht des Grieux den Verlockungen der Welt, im Speziellen Manons zu widerstehen, was ihm aber nicht gelingt. Als er sich umdreht, um sich wieder dem Gebet zuzuwenden, trägt die Madonna auf dem Altar plötzlich die Züge Manons und lässt die Hüllen fallen.

Lebt so ein It-Girl? Manon (Elsa Dreisig) gönnt sich im Bett ein Gläschen Wein.
Elsa Dreisig. Foto: T+T Fotografie / Toni Suter + Tanja Dorendorf

Bereits vor Beginn der eigentlichen Handlung lernt der Zuschauer Manon als Kind kennen. Sie posiert vor einem grossen Spiegel, zupft sich ihr Kleid zurecht und macht dann ein paar Tanzschritte bis ihr Vater kommt und sie vom Spiegel weg und aus ihren Träumen reisst. Spiegel begleiten weiter durch die Oper: im Hotel Transsylvanie hat der grosse Spiegel der Situation entsprechend einen grossen Riss und als Manon stirbt, streckt der Chor, der die offene Szene (damit die Seele entweichen kann) beobachtet, die Scherben des Spiegels in die Luft. Ein weiterer Pluspunkt der Inszenierung ist die Führung der Kollektive, so die gaffenden Bürger im ersten Akt, die Damen des Bürgertums, die im 2. Akt des 3. Bildes die Priester anhimmeln oder eben der Chor, der bei Manons Tod dabei ist.

Elsa Dreisig als Manon überzeugt weiterhin durch ihr jugendlich-frisches Spiel und ihre sichere Stimme, die in der Höhe manchmal etwas scharf wird. Piotr Beczala geht den des Grieux weiterhin sehr heldisch mit viel Schmelz an. Yuriy Yurchuk liess sich als Lescaut ansagen: von einer Indisposition war allerdings nichts zu vernehmen. Alastair Miles als Le Comte des Grieux ist weiterhin eine Idealbesetzung.

Schwachpunkt der Aufführung ist weiterhin der Dirigent, der die Sänger weiterhin zum Forcieren zwingt. Das französische Fach scheint Marco Armiliato nicht wirklich zu liegen, denn tags darauf war zweimal zu erleben, dass die Philharmonia Zürich die Lautstärke-Skala bruchlos beherrscht.

Der Flieder ist auf dem Vormarsch (https://onlinemerker.com/zuerich-manon-von-jules-massenet/), hat aber noch eine weite Strecke vor sich.

Weitere Aufführungen: So 12. Mai, 14.00; Mi 15. Mai, 19.00.

06.05.2019, Jan Krobot/Zürich

 

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