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ZÜRICH: LIEDERABEND ELINA GARANCA /Malcolm Martineau

Zürich: Liederabend Elīna Garanča5.1.2015


Elina Garanča. Foto: Felix Broede/ DG

Erstmals präsentierte sich die First-Class-Sängerin Elīna Garanča mit einem Liederabend im Opernhaus Zürich. Und sie tat das in perfekter Weise, so wie  man das von ihr auch erwarten konnte. Eine schöne, elegante Frau tritt auf, lächelt wie Grace Kelly und hat sich ein nicht pflegeleichtes Programm vorgenommen. Der erste Teil des Konzerts war ganz dem Liedschaffen von Johannes Brahms gewidmet. Am Flügel vom umsichtigen und äusserst zurückhaltenden Malcom Martineau begleitet, wollte die Stimme sich bei der ersten Brahms-Gruppe nicht so richtig entfalten. Aber es war alles sauber gesungen, ohne jegliche Drücker, aber auch etwas neutral im Ausdruck. In der zweiten Brahms-Liedgruppe war die Garanča dann schon ganz in ihrem Element und konnte schon mit „O wüsst‘ ich doch den Weg zurück“ gefallen. Sehr schön gelang ihr auch „Alte Liebe“, wie ihr überhaupt die lyrischen Lieder ihr fast mehr liegen als die dramatisch aufbrausenden. Wenn sie ihre Stimme einfach laufen lässt – so will es scheinen – klingt sie am schönsten. Ihr Legato ist bewundernswert, die Portamenti sind zurückhaltend eingesetzt und bei ihr gibt’s auch keine Schluchzer und Drücker irgendwelcher Art. Und obwohl sie sie Opernstimme dazu hat, fallen die Fortetöne manchmal etwas gar aus dem Rahmen eines Liederabends. Aber das Publikum liebte die lauten Töne und applaudierte in die Liedgruppe hinein. Die Diva nahm das lächelnd zur Kenntnis, gefasst und kühl. Im zweiten Teil des Liederabends öffnete sich dann ihre schlackenlose Stimme bei den drei Gesängen von Henri Duparc, wobei besonders „Extase“ und Phidylé“ ihrem kühlen Stimmcharakter sehr entgegen kamen. Wie Frau Garanča mir nach dem Konzert versicherte, fühle sie sich stimmlich als echter „Falcon“ im französischen Fach sehr wohl; Fauré und andere Komponisten dieser Richtung wären sicher auch für ihre Stimme wie geschaffen. Mit der abschliessenden Liedgruppe von Rachmaninoff – natürlich russisch gesungen – entwickelte sich dann ihr Timbre ganz zum slawischen Typus hin: die Tongebung war gerundeter als zuvor und das ewige Lächeln verschwand dann auch. Als Zugaben gab‘s noch ein Brahms-Lied und „Allerseelen“ vom Richard Strauss, das Elīna Garanča ganz verhalten sang. Die Begegnung mit dieser hoch qualifizierten Sängerin war sehr interessant, perfekt in der Stimme und bis in die kleinste Geste, aber gross berührt hat sie mich nicht.

John H. Mueller 

 

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