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XAVIER SABATA: CATHARSIS

26.03.2017 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

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XAVIER SABATA:
CATHARSIS 

apartemusic CD

Rare Barockarien hochkarätig interpretiert

Das von Titel und Cover vielleicht allzu marktschreierisch pathetische neue Album des Countertenors Xavier Sabata ist eine Fundgrube an wenig bekannten Ausschnitten aus Opere serie der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Rein thematisch klingt das in etwa so: „Ende des 16. Jahrhunderts wollte eine Gruppe von Aristokraten in Florenz, die Florentiner Camerata, das antike Drama wiederbeleben, an dem ihrer Meinung nach Gesangssolisten, Chor und Orchester beteiligt waren. Es sollte die Geburtsstunde der Oper sein. Das Wort in der Musik sollte wieder zu seinem vollen Recht kommen. Der Zuschauer sollte nach der aristotelischen Poetik die menschlichen Leidenschaften so durchleben, dass seine Seele geläutert wird. Diese Reinigung nannte Aristoteles Katharsis.“ So weit so gut. Diese Gedankenakrobatik aber nicht wirklich was mit der vorliegenden CD zu tun.

Was viel bedeutender ist, wer hat schon – Hand aufs Herz -etwas von der Oper „Adelaide“ von Giuseppe Maria Orlandini oder „Griselda“ von Pietro Torri gehört? Bekannter ist da schon – nicht zuletzt wegen der maßstabsetzenden Interpretationen durch Furio Zanasi oder Max Emanuel Cencic – die lautmalerische Arie „Gelido in ogni vena“ aus Vivaldis Oper „Il Farnace“. Neben einer Introduzzione und einem Arioso aus Händels „Admeto“ sind auf dem neuen Album noch Ausschnitte aus Johann Adolph Hasses „La conversione di Sant‘Agostino“, Attilio Ariostis „Caio Mazio Coriolano, Antonio Caldaras „Temistocle“ und Domenico Natale Sarros „Il Valdemaro“ zu hören. 

Ein ganz großes Atout der CD ist der instrumentale Part durch das Ensemble Armonia Atenea unter der hinreissend intensiven sowie energetischen Leitung durch George Petrou. Sie fetzen, was das Zeug hält, setzten markige Akzente, finden aber auch für Melancholie und gedämpftere Affekte den richtigen Klangsinn. Für mich sind sie derzeit die unangefochtenen Weltmeister in diesem Repertoire.

Xavier Sabata, ein bereits überaus Bekannter seiner Zunft, verfügt über einen runden, wohlklingenden Counter. Er bemüht sich um dramatischen Ausdruck, die Verzierungen gelingen höchst präzis und temporeich. Es fehlt ihm bisweilen an wortdeutlicher Artikulation, der an sich edel timbrierten Stimme mangelt es in dramatischeren Passagen an Kern und Biss, Fokus und echter Tiefe. Im Lyrischen bleibt hingegen kein Wunsch offen. Die raritätenreiche CD stellt insgesamt dennoch einen weiteren bereichernden Mosaikstein im zunehmend immer besser erforschten Opernrepertoire des 18. Jahrhunderts dar. Ganz exquisit, direkt unverstellt und transparent zugleich ist auch die Tonqualität des 2015 in Athen aufgenommenen Albums. 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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