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Wolfgang Amadeus Mozart VIOLINKONZERTE

26.11.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

CD Mozart VIOLINKONZERTE

Wolfgang Amadeus Mozart:
VIOLINKONZERTE
Isabelle Faust

harmonia mundi, 2 CDs 

Virtuos mehrstimmige Kadenzen von Andreas Staier

Mit Mozarts Violinkonzerten verbindet der Musikfreund in der Regel jene „braven“ salonhaften Kompositionen, die Mozart während seiner Zeit als Konzertmeister der Salzburger Hofkapelle (1769-1777) für Aufführungen anlässlich von Festlichkeiten am Hofe komponiert hatte. Wer Isabelle Faust und das auf Originalinstrumenten prächtig aufspielende Orchester „Il Giardino Armonico“ unter der musikalischen Leitung von Giovanni Antonini kennt, darf aber zumindest ein Antidotum gegen Langeweile erwarten.

Und tatsächlich, mit welcher Agilität und Fingerfertigkeit Isabelle Faust auf ihrer „Dornröschen Stradivariaus 1704“ aufspielt, lässt erst so recht die musikalischen Qualitäten und feinen persönlichen Noten der Konzerte ans Licht kommen. Da kann der Ton schon mal leicht angespitzt klingen, die dynamische Vielfalt samt organisch-lebendigem Auf- und Abphrasieren sowie die rasanten Läufe bar jeder Erdenschwere sind erstaunlich. So ganz ohne Zuckerguss gespielt, erlangen die Violinkonzerte eine neue Dimension. Das gilt auch für die anderen in der Box gebotenen konzertierenden Werke für Violine, wie die zwei Rondos für Violine und Orchester KV 269, 373 sowie das Adagio für Violine und Orchester KV 261.

Der größte Coup – der den Aufnahmen ihre wahre Unverwechselbarkeit und Marke verleiht  – ist aber, dass die Kadenzen mangels Eigenangaben des Komponisten selbst niemand Geringerer als Andreas Staier, der wohl weltbeste Interpret auf dem Hammerklavier, geschrieben hat. Die einzigen Streicherkadenzen von Mozart selbst stammen aus der Sinfonia Concertante für Geige und Bratsche. 

Mozart muss ein sehr guter Geiger gewesen sein, aber das Klavier lag ihm eindeutig näher. „Wenn Mozart also ein exzellent geigender Pianist war, darf man vermuten, dass er auf dem Streichinstrument größeren Wert auf harmonische Vollständigkeit und deutlich nachvollziehbare Stimmführung legte als ein Geiger von Haus aus. Dies brachte mich dazu, in manchen Kadenzen ausgiebig mit Doppelgriffen und Mehrstimmigkeit zu experimentieren, auch wenn sich dafür in Mozarts Violinwerken keine Analogien finden.“ Andreas Staier knüpft so spielerisch an Mozarts  Tonfall zur italienischen Oper im Sinne des instrumentalen Rezitativs an. Das passt ganz vorzüglich zu diesen Werken, deren vielschichtige Einflüsse sich aus mehreren Quellen speisen. Neben italienischen (Tartini, Locatelli) und französischen haben auch böhmische Meister wie Myslivecek oder Vanhal und natürlich auch Haydn Anteil an Mozarts „Stilgemisch“. In erster Linie aber steht eine enorme Sanglichkeit der Kompositionen, in den Konzerten finden sich Selbstzitate aus „Il re pastore“ genau so wie Mozart selbst noch in der 1790 entstandenen Cosi fan tutte thematisch auf seine Violinkonzerte Bezug nimmt, wie etwa für das Terzett „Soave sia il vento“ oder das Duett „Ah guarda, sorella“. 

Wer vor dem im Vergleich zum Wiener philharmonischen Mozartstil herberen Klang nicht zurückscheut, wird seine rechte Freude an diesen Aufnahmen mit den epochalen Kadenzen von Andreas Staier haben.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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