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Wilhelm Stenhammar: GILLET på SOLHAUG

25.10.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

CD Ibsen Einspielung

Wilhelm Stenhammar:
GILLET på SOLHAUG

STERLING 3 CDs

Die Romantische Oper in Schweden
Welt-Ersteinspielung

Der gerade mal 21 Jahre jung verliebte Wilhelm Stenhammar hat seine erste Oper „Das Fest auf Solhaug“ nach einem Stück von Henrik Ibsen verfasst. Seine Musiksprache war damals ganz spätromantisch gefärbt. Die Einflüsse deutscher Komponisten und insbesondere von Richard Wagner, vielleicht sogar Richard Strauss sind nicht zu überhören. Seine Tante Frederika Stenhammar war offenbar nicht folgenlos die erste namhafte Wagnersängerin in Schweden. Aber auch Einflüsse nordischer Volksweisen sowie der berühmten Komponisten Gade und Grieg sind offenkundig. Im Großen und Ganzen kann man Stenhammars Gillet als einen von vielen Versuchen sehen, Wagners Musikdrama mit nationalromantischen Traditionen zu paaren.

Eigentlich war die Partitur der Oper als „Brautgabe“ an Signe gedacht, einem jungen Mädchen, das der schwärmerische Stenhammar in der Musikschule kennengelernt hatte. Aber wie das Leben so spielt, geheiratet hat Stenhammar dann doch eine andere, was auch dazu führte, dass der Komponist sich von seiner Oper distanzierte.

Jetzt hat das Label Sterling in seiner Reihe „The Romantic Opera in Sweden“ in Kooperation mit dem schwedischen Radio eine sehr hörenswerte Einspielung dieser „Literaturoper“ vom August 2015 als Vol. 7 vorgelegt. Henrik Schaefer dirigiert das den Chor und das Symphonieorchester von Norrköping, die Hauptrollen sind mit Per-Hakan Precht, Karolina Andersson, Mathilda Paulsson, Fredrik Zetterström, Erik Lundh, Mathias Zachariassen und Anton Ljungqvist ansprechend bis sehr gut besetzt. Gesungen wird in norwegischer Sprache, Stenhammar hat Ibsens Text, so wie er war, vertont. Uraufgeführt wurde die Oper allerdings auf deutsch an der Hofoper in Stuttgart im April 1899.

Heute sind alle Konflikte um Plagiatsfragen und die nicht berauschende Rezeption dieser Oper zu Beginn des 20. Jahrhunderts vergessen, der Musikliebhaber kann vorurteilsfrei der wunderschönen Musik lauschen, die sich in ihrer Qualität nicht so sehr von vergleichbaren Werken anderer nationaler Schulen unterscheidet. Effektvoll passioniert und wohlklingend interpretiert, stellt die Einspielung eine Bereicherung des Katalogs dar, lässt sich aber auch als Vergleichsbasis zu zwei andern Kompositionen heranziehen, die ebenfalls auf diesem Drama Ibsens basieren: Hugo Wolf schrieb als Auftragswerk für das Wiener Burgtheater eine Schauspielmusik zum „Fest auf Solhaug“ und der junge Hans Pfitzner hat Vorspiele zu den drei Akten des Stückes verfasst. Eine Aufnahme beider letztgenannter Werke unter der musikalischen Leitung von Helmuth Froschauer ist auch auf CD erhältlich.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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