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Wiener Staatsoper: SIMON BOCCANEGRA

15.11.2012 | KRITIKEN, Oper

Foto: Wr. Staatsoper/Michael Pöhn

  Wiener Staatsoper  “SIMON BOCCANEGRA”  14.11.2012

 ZU GUTER LETZT DER RING

 Wenn man Direktor Dominique Meyer glauben darf, dann war das wohl seine beste Inszenierung, die gestrige Ehrung für den einstigen “Tenorissimo” und jetzigen “Baritonissimo” vor diesem bis zu letzt geheim gehalten zu haben. Nach einer Vorstellung, in der PLACIDO DOMINGO wieder vorführte, welche Singularität er an stimmlichem Einsatz, an darstellerischer Persönlichkeit und an künstlerischer Ausdruckskraft besitzt, versammelten sich alle Mitwirkenden dieses Abends samt dem geigenden und blasenden Personal aus dem Graben unter Anwesenheit der Kulturministerin auf der Bühne, um dem Jahrhundertsänger (man könnte bald sagen, dem Sänger zweier Jahrhunderte) für sein jahrzehntelanges Wirken an unserem Institut mit etwas zu ehren, was er noch nicht hat: Mit dem Ehrenring der Wiener Staatsoper. Direktor Meyer hielt die Laudatio, die Frau Minister überreichte den Ring, der überraschte und sichtlich bewegte Künstler dankte auf Deutsch und das Publikum im Saal feierte ihn frenetisch.

Der Ehrung war eine Vorstellung vorausgegangen, in welcher, ganz besonders nach der Pause, alle Beteiligten ihr bestes zum Gelingen beitrugen. Placido Domingo ist oben schon erwähnt, seine Sterbeszene soll es aber ganz besonders sein, das war ganz große Oper zum mitweinen. Da war Ain Anger als harscher Gegenspieler Fiesco zu hören, dem der Hass eher in der Stimme lag als Versöhnung und Barbara Havemann als Amelia mit großer, ausladender Verdistimme, die im zweiten Teil erst die entsprechend ruhige Gesangslinie fand. Und mit Ramon Vargas stand neben seinem großen mexikanischen Kollegen die kleinere, lyrische Tenorausgabe aus diesem Land auf der Bühne, mit Legatokultur und einigem Höhenglanz.

Sorin Coliban war der großstimmige Pietro, Eijiro Kai ein überraschend intensiver Paolo, Marian Talaba und Lydia Rathkolb ergänzten hörbar engagiert als Hauptmann und Dienerin.

Philippe Auguin dirigierte dieses Verdische Frühwerk mit den späten kompositorischen Änderungen umsichtig, in den dramatischen Stellen oft übermäßig knallig den Vorzug gebend, während die athmosphärisch “schwebend” wirkenden Anteile der Musik, vor allem im zweiten und letzten Bild weniger zur Wirkung kamen.

Wie sagte Domingo zum Schluß: “Vielleicht noch fünf Jahre”. Wir wünschen ihm und uns noch diese und mehr.

 

Peter SKOREPA

 

 

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