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WIENER STAATSOPER: Impressionen zur Spielzeit 2014/2015

01.08.2015 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

BuchCover Staatsoper Impressionen 14.15 x x

WIENER STAATSOPER:
Impressionen zur Spielzeit 2014/2015
Fotografiert von Michael Pöhn
Eigenverlag, 2015 

Alle Jahre wieder von den echten Freunden der Wiener Staatsoper dringlich erwartet, weil ihnen die letzte Saison detailliert vor Augen geführt wird – aber gleichzeitig ein ungemein „faires“ Buch, das jeden Künstler der Wiener Staatsoper wenn schon nicht „zu Wort“, so doch „zu Bild“ kommen lässt: Das ist der wiederum vorliegende, voluminöse, quadratische Bildband über die Impressionen zur Spielzeit 2014/2015, den die Wiener Staatsoper nach Ende der Saison herausbringt.

Wieder mit unbestechlichem Blick für das Wesentliche und auch Wirksame: So, wie Juan Diego Florez, im weißen Anzug, mit weißem Hut, im Stil eines Tänzers im Hollywood-Film hier kniet, so war er in der „Don Pasquale“-Premiere der Liebling aller. Und wenn auch nicht jeder die Inszenierung von Irina Brook goutiert haben mag – sie bleibt jedenfalls im Gedächtnis. Und auch das ist als Kriterium nicht ohne Wichtigkeit.

Das System dieser Bücher ist bereits bewährt und wird durchgehalten: Man blättert sich chronologisch durch die vorangegangene Saison, und das zuerst in den Zetteln mit den Abendbesetzungen: Jede geringfügige Abweichung in den Protagonisten wird per neuem Zettel vermerkt. Jedes Werk wird, auch wenn es im Abstand von Monaten gespielt wird, durch alle Aufführungen wahrgenommen.  Nebeneinander gestellt, sieht man dann, wie viele Toscas oder Salomes oder Adinas das Haus im Lauf von zehn Monaten aufgeboten hat. Mit vergleichenden Fotos nebeneinander – die Damen, im gleichen Outfit, möglichst sogar in derselben Stellung, geben eine eindrucksvolle Parade heutiger Besetzungen. Der Fotograf des Hauses, Michael Pöhn, scheint keinen freien Abend gehabt zu haben, so sehr war er offenbar beschäftigt, wirklich jeden Sänger in jeder Rolle festzuhalten.

Dabei sind es im allgemeinen die Porträts (und da auch eher ganze Figur als nur Kopf), die dominieren, nur die Neuinszenierungen werden weit reicher bedacht und bieten das, was man als Erinnerung so gerne hat: viele Szenenfotos, die den Eindruck auch der ganzen Bühne widerspiegeln.

Das Buch gemahnt übrigens auch daran, dass die Staatsoper aus dieser Spielzeit über ein paar Dutzend Aufzeichnungen verfügt, die nach dem einen Live-Stream-Termin nicht mehr verwendet werden. Wie man erfährt, scheitern Verhandlungen – etwa mit Ö III – an rechtlichen Fragen. Dabei wäre es doch sensationell, wenn das Fernsehen etwa den angeblich letzten Octavian der Garanca, die Leonore der Stemme und andere Glanzbesetzungen zeigen könnte. Oder, wenn sich die Staatsoper entschlösse, die Streams der vorigen Spielzeit um ein etwas geringeres Entgelt on Demand zugänglich zu machen. Dieses Buch erweckt mit den Besetzungen, an die es erinnert, jedenfalls große Lust darauf.

Renate Wagner

 

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