Fotos: Wiener Festwochen
WIENER FESTWOCHEN / Volkstheater:
VAMPIRE’S MOUNTAIN von Philippe Quesne
Uraufführung / Weltpremiere: 16.Oktober 2025, Deutsches SchauSpielHaus Hamburg
Premiere bei den Wiener Festwochen: 31. Mai 2026
Vampire, Fledermäuse –
ja und?
Das Gastspiel des Deutschen SchauSpielHauses Hamburg kam mit vielen guten Kritiken im Gepäck zu den Wiener Festwochen, was im Grunde nichts bedeutet. Denn man weiß ja, welche Art von Theater längst nur für ein „spezifisches“ Publikum produziert wird. Dazu allerdings zählen auch die Wiener Festwochen des Milo Rau, also sollte jeder, der sich auf „Vampire’s Mountain“ einlässt, ahnen, was ihm bevorsteht.
Konzept, Regie, Bühne und Kostüme: Philippe Quesne, der französische Theatermacher und „Meister des skurrilfantastischen Bildertheaters“, wie er beworben wird. Und so wird es auch – ein ziemlich nervtötendes, glücklicherweise nur eineinhalbstündiges Kunstfertigkeitsprodukt, das keine Inhalte, sondern Impressionen liefert. Und weil gelegentlich punktuell die Klimafrage auftaucht, ist man schon auf der richtigen Schiene.
Machen es die Bilder? Und der hohe Anteil an Musik? Kann man damit ein Publikum einschläfern und verbergen, dass man nichts zu sagen hat? Mit Vampiren beginnt es, mit Fledermäusen endet es, dazwischen ist die Darstellerschar als Skifahrer im Hochgebirge unterwegs, und was sie sonst noch machen, ist von evidenter Unklarheit.
Anzukündigen, dass der Tod unabwendbar ist und möglicherweise bald kommt, ist keine Weisheit, für die man eine Theaterkarte zahlen würde. Für gemalte Gletscher (es wird sogar der Hilfs-Hinweis „Caspar David Friedrich“ gegeben), die dann zwischenzeitlich versinken (ja, die Klimakrise) und wieder kommen, zahlt man vielleicht doch, sie sind schön und geradezu poetisch anzusehen.

Und wer es gerne schaurig hat, dem gefällt vielleicht die filmartige Anfangssequenz, wo gewaltig über das Vampir-Spielen geblödelt wird: Es kostet verschiedene Summen, wenn man sich in einen Sarg legt, je nachdem, mit Rauch oder ohne, zunageln oder nicht? Man weiß nicht was es soll, es ist auch nur in Grenzen lustig, aber ein williges Publikum lacht auch darüber – und im Lauf des Abends hie und da wieder.
In den Bergen wird Jokus gemacht, und wie sich am Ende eine Fledermaushöhle verwandelt (die Darsteller flattern mit schwarzen Schwingen, als wären sie eben aus einem Fledermaus-Ball des Prinzen Orlofsky entkommen), zeigt zumindest szenische Meisterschaft. Dazwischen immer wieder Texte, unzusammenhängend, meist angeberisch, selten mehr als billige Lebensweisheiten. Ja und?
Was war es also? Verwirrtheater, in das sich eine wohlwollende Zeitgeist-Welt interpretatorisch festbeißen kann. Zwei mutige Buh-Rufer schienen andeuten zu wollen, dass sie das Gebotene für Bullshit hielten. Aber die Wiener Festwochen haben ihr Publikum, und dieses applaudierte heftig.
Renate Wagner

