<
Fotos: Gergana Damyanova / Wiener Festwochen
WIENER FESTWOCHEN / Burgtheater:
БУРЯТА / THE TEMPEST von William Shakespeare
Eine Produktion des Ivan Vazov National Theater Sofia
Weltpremiere: November 2021
Premiere bei den Wiener Festwochen: 5. Juni 2026
Robert Wilsons Zauberwelten
Es war eine der letzten Produktionen des im Vorjahr 83jährig verstorbenen Robert Wilson. 2021 brachte er am Bulgarischen Nationaltheater in Sofia seine Version von Shakespeares „Sturm“ heraus, in bulgarischer Sprache und mit dort heimischen Schauspielern. Was auch beim Gastspiel überhaupt nicht stört – erstens geht es kaum um das Stück selbst, das man ohnedies kennt (hier allerdings nur rudimentär findet), und zweitens liefern die Darsteller gewissermaßen eine Essenz des Wilson-Stils, sodass man diese späte Arbeit wie ein Paradebeispiel vorzeigen könnte, wenn man stilkritische Untersuchungen zu diesem Regisseur anstellen wollte.
Man hat ja nun auch Opernaufführungen von Robert Wilson gesehen, wo nichts weiter geschah, als dass sich die Sänger in quälender Langsamkeit über die Bühne schleppten. Das ist beim „Sturm“ glücklicherweise anders, er ist lebendiger und auch vor allem von ironischer Lustigkeit geprägt – schon wenn sich das Ensemble zu Beginn quasi vorstellt, indem es (in rundem Scheinwerferkegel) einzeln über die Bühne hopst, trippelt, schreitet und dabei die verrücktesten Töne von sich gibt. Damit steht schon einmal fest – Menschen sehen wir auf der Bühne keine. Es sind die Wilson’schen Marionetten, die „wie am Schnürchen“ ihre Figuren „zucken“.

Sie tun es in einer Optik, für die auch Wilson verantwortlich war, Lichterketten oder Lichterstreben, allerlei Bühnentricks, Rauch, viele Silhouetten-Effekte, poetische Bilder, groteske Einsprengsel. Dazu sehr viel Lärm und Geräusche (der Sturm zu Beginn lässt den Burgtheater-Zuschauerraum fast beben). aber auch viel Musik, klassisch oder kuschelweiche Schlager.
Yashi Tabassomi ist für Kostüm und Maske in viele Welten gestiegen, Ariel könnte aus einem Star Wars.Film entkommen sein, andere aus dem Kindertheater, und die Gesichter wurden teils mit Schminkmasken heftig nachgezogen. Diese Optik fügt sich mit Wilsons Szene- u nd Lichtspielen zu jenen Zauberwelten, für die der Regisseur auch berühmt war. Dass man (anders etwa als bei Peter Brook) von Shakespeares Stück nicht viel erkennen konnte, steht auf einem anderen Blatt, wenn optisch-emotionale Überwältigung angepeilt wird.
Für die Wiener Festwochen des Milo Rau war dieses Gastspiel wohl eines der ganz wenigen, das nicht aus ideologischen Gründen eingeladen wurde. Immerhin mochte sich der Intendant sagen, dass Wilson für ein normales Publikum (das wissen möchte, was warum auf der Bühne geschieht) als Herausforderung ausreichte. Und es wurde am Ende auch heftig geklatscht.
Selbstverständlich ist eine Aufführung wie diese reiner formalistischer Selbstzweck. Aber wenigstens auf hohem Niveau. Thank God for small favors.
Renate Wagner

