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WIEN / Winterpalais: REMBRANDT – TIZIAN – BELLOTTO

11.06.2015 | Ausstellungen, KRITIKEN

Rembrandt Tizien Prospekt  Dresden Plakat jp 
Alle Fotos: Belvedere

WIEN / Winterpalais des Belvedere: 
REMBRANDT – TIZIAN – BELLOTTO
Geist und Glanz der Dresdner Gemäldegalerie
Vom 11. Juni 2015 bis zum 8. November 2015 

 

Wenn eine Museumsdirektorin jubelt…

 Agnes Husslein-Arco steht nicht an, ihr Glücksgefühl zu bekennen, als sie ein Anruf aus der Dresdener Gemäldegalerie erreichte: Ob man in Wien 99 Gemälde des Hauses ausstellen wollte? Das Winterpalais des Prinzen Eugen sei wohl der ideale Ort… Und er ist es, barocker Geist trifft barocken Geist, hier fühlen sich die Werke „zu Hause“, wie Maike Hohn, Kuratorin der Dresdner Gemäldegalerie, erklärte. Und Wien hat eine Großausstellung besonderen Rangs zu bieten.

Von Heiner Wesemann

 Dresden Raum mit stillleben

Die Dresdener Gemäldegalerie      Derzeit wird in Dresden renoviert. Die Gemäldegalerie im Zwinger ist zwar nicht total geschlossen, man geht quasi flügelweise vor, aber statt den üblichen 700 Gemälden kann man derzeit (bis zur erhofften Fertigstellung 2018) nur 400 Werke in Dresden sehen. Die Idee, ein Segment von 99 Bildern – keinesfalls Alltagsware, sondern vordringlich hochkarätig – auf Reisen zu schicken, hat sich schon in München und Groningen bewährt, um hier in Wien seinen Höhepunkt zu erleben. Denn König August der Starke und sein Sohn haben als Sammler (etwa gleichzeitig mit Prinz Eugen, bei dem sie nun „wohnen“) Kostbarkeiten ihrer Epoche akkumuliert. Man scheute keine Mittel, etwa als es galt, rund hundert Werke aus dem Besitz des Herzogs von Modena zu kaufen. 1754 gelang mit dem Erwerb der so genannten „Sixtinischen Madonna“ von Raffael, die sich in Piacenza befand, die Überführung eines der berühmtesten Werke der Kunstgeschichte nach Dresden. Darüber hinaus finden sich faktisch alle großen Namen der damaligen Malkunst in Dresden – und manches davon wurde nach Wien geschickt.

Prinz Eugen     Nach dem Tod von Prinz Eugen von Savoyen konnten die Habsburger glücklicherweise dessen Immobilien erwerben (nun stolzer Besitz der Republik), aber Eugens bedeutende Gemäldesammlung ging durch seine geistlose Nichte pauschal nach Turin – was Agnes Husslein für ihr Belvedere immer noch schmerzt. Drei antike Statuen aus Eugens Besitz, als die „Herculanerinnen“ bezeichnet, wurden von Dresden gekauft, befinden sich immer noch dort, werden liebevoll in Ehren gehalten – und konnten auch für diese Ausstellung leider nicht „heimkehren“. Immerhin gibt es einen großartigen „Heiligen Hieronymus“ von Anthony van Dyck, nicht exakt das Bild, das Eugen besaß, aber es waren van Dycks auch in seiner Sammlung. Wie eng sich die Fäden zwischen Wien und Dresden spinnen, wird in der Ausstellung immer wieder klar.

Dresden – Wien    Heute ist die Entfernung Dresden-Wien mit 500 Kilometern eine Autofahrt, die man locker in einem Tag hinter sich bringen kann. Einst lagen Welten zwischen dem Kurfürstentum Sachsen und dem Habsburger-Reich, wo sich die Krone des Heiligen Römischen Reichs befand, aber die familiären Beziehungen zwischen diesen Herrscherhäusern waren häufig: Von jener Habsburgerin Maria Josepha, die auf einem Armband so elegant ein Bildnis ihres Gatten August III. trägt, über ihren Sohn, Albert von Sachsen-Teschen, der eine Tochter Maria Theresias heiratete und dem wir die Albertina verdanken, bis zu jener Maria Josefa von Sachsen, die die Mutter des letzten Kaisers, Karl I., wurde. Ebenso reich waren die künstlerischen Beziehungen – so hat der Wiener Maler Josef Roos in Dresden als Hofmaler große Karriere gemacht und war später in Wien als Direktor der kaiserlichen Galerie damit beschäftigt, die Werke aus deren Besitz aus der Stallburg ins Belvedere zu bringen… so greift eines ins andere. Auch gibt es heute noch in Schloß Schönbrunn drei von Rosa ausgemalte Zimmer.

Dresden Bellotto jp

Bernardo Bellotto       Eines der wichtigsten Verbindungsglieder zwischen Dresden und Warschau einerseits (man darf nie vergessen, dass die sächsischen Wettiner in ihrer barocken Glanzzeit auch Könige von Polen waren), Wien andererseits, war jener Bernardo Bellotto (1722-1780), der sich wie sein Onkel auch „Canaletto“ nannte. Denkt man an Venedig und italienische Malerei, ist dieser Antonio Canal „der“ Canaletto. In Wien und Dresden wie Warschau kann es nur einen geben – jenen Bellotto, der die Städte und ihre Gebäude mit jener wunderbaren Akribie und historischen Genauigkeit malte, die später sogar zum Aufbau nach Kriegszerstörungen als Referenz herangezogen wurden. Fast vergessen hat man angesichts dieser seiner spezifischen Kunst, dass er auch anderes malte, wie eine antikisierende Allegorie zeigt, die man auf den ersten Blick nicht mit ihm in Verbindung gebracht hätte. Vier Bellotto-Canalettos kamen mit der Ausstellung nach Wien, aber auch zwei Canal-Canalettos, weil dessen legendäre Venedig-Ansichten in jenen Sektor der Ausstellung fielen, die sich mit dem barocken „Sehnsuchtsort“ Italien auseinander setzen.  

Dresden Rembrandt jp  Dresden Tizian jp

Große Themen, große Namen    Der Tizian („Bildnis einer Dame in Weiß“ mit wahrlich hintergründigem Blick), den die Ausstellung verheißt, zählt zu den vielen großartigen Menschenbildern, die hier vereinigt sind: Gesichter von Velasquez oder der „Rembrandt-Schule“, wie man vorsichtig sagt, obwohl der „Mann mit Perlen am Hut“ aussieht, wie vom Meister selbst geschaffen. Unbestritten ist jedenfalls dessen durch und durch ungewöhnlicher „Ganymed in den Fängen des Adlers“, der Göttermundschenk hier als greinender kleiner Junge, findet er sich schließlich im Schnabel des bedrohlichen Adlers hoch in den Lüften zappelnd… Besonders bemerkenswert ist auch eine Sammlung von „Charakterköpfen“ von Pietro Antonio Rotari, der (auch von Italien über Wien kommend) einige Zeit hoch geschätzt in Dresden arbeitete: August III besaß 62 von seinen eindrucksvollen Charakterköpfen, die nicht Berühmtheiten darstellten, sondern Stimmungen der menschlichen Seele… Eine Auswahl davon kam nach Wien.

Quer durch die Genres   Die Ausstellung bietet an Themen, was üblich war, Historisierendes, Religiöses, Landschaften, Stillleben, Porträts, und sie vergisst nicht auszuführen (jedenfalls in den Saaltexten), wie wichtig diese Sammlung etwa für Johann Joachim Winckelmann war, der während seines Dresden-Aufenthalts viele seiner wissenschafltichen Erkenntnisse über Kunst aus stetem Besuch der Dresdener Galerie und Antikensammlung bezog. Nicht, dass der heutige Besucher beim Schreiten durch Prinz Eugens kostbare Räume angesichts der „Besucher“, der Gemälde aus Dresden, nicht auch viel lernen könnte…

Dresden Reni im Raum jp

Bis 8. November 2015,  täglich 10 bis 18 Uhr,
Katalog im Hirmer Verlag, 25 €
 

 

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