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WIEN / Wien Museum: SCHIELE & PESCHKA

Quer durch alles…

29.04.2026 | Ausstellungen, KRITIKEN

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WIEN / Wien Museum:
SCHIELE & PESCHKA
EINE FAMILIENAUFSTELLUG
Vom 30. April 2026 bis 27. September 2026

 Quer durch alles…

Hardware überlebt den Menschen, das ist eine alte Erkenntnis. Nach jedem Tod bleiben unzählige Dinge, die einem Menschen etwas bedeutet  haben, aber für die Erben oft nur eine Belastung darstellen. Doch wenn ein solcher Nachlass auch Werke von Egon Schiele beinhalet … dann nimmt die Stadt Wien auch gerne alles, was man ihr bietet. Wenn es auch nicht nur kostbare und signifikante Stücke sind, nicht nur Möbel, Bücher, Kunstwerke. Als Anton Peschka (1914-1997), der Neffe von Egon Schiele, gewissermaßen den Hausrat des Familienverbands der Stadt Wien als „die Sammlung Peschka“ vermachte, an die 10.000 Objekte von buchstäblich allem („Quer durch alles“, wie es Wien Museum-Direktor Matti Bunzl ausdrückte), stand man vor einem jahrzehntelangen Projekt (verzögert auch durch Prozesse anderer Familienmitglieder, die sich benachteiligt fühlten), das nun in eine Ausstellung über Schiele und seinen Schwager Anton Peschka (und die ganze Familie) mündete. Es ist die letzte Arbeit von Ursula Storch, die 37 Jahre lang eine der wichtigsten Kuratorinnen des Wien Museums war.

Von Renate Wagner

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Die Schwäger    Egon Schiele (1890-1918). lernte  den um fünf Jahre älteren Anton Peschka (1885-1940) in der Akademie der bildenden Künste kennen, wo beide studierten. Dabei kam es auch zur Beziehung zwischen Peschka und Schieles jüngster Schwester, Gerty (1894–1981). Das erste Kind der beiden, die „kleine Gerti“, kam 1913 noch unehelich zur Welt.

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1914 heiratete das Paar und Schiele schenkte ihnen zur Hochzeit das Gemälde „Junge Mutter“, das sich im Nachlass erhalten hat und heute ein Prunkstück des Wien Museums ist. Sohn Anton jr, von Schiele als Baby oft konterfeit, kam kurz nach der Hochzeit zur Welt. Vier Jahre hindurch, als sowohl Schiele wie Peschka Wehrdienst leisteten, haben sich Gerty und Anton fast täglich geschrieben – der Peschka-Nachlass umfasst auch Tausende Briefe. Aus der Ehe gab es noch zwei weitere Kinder, Tochter Susi (1920-2011) imd Sohn Egon (1928-1994).

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Als Egon Schiele (und seine Frau Edith) 1918 an der Spanischen Grippe starben, erbten seine Mutter Marie (1853-1937) und die beiden Schwestern Melanie (1886-1974) und Gerty seinen Nachlass. In den ökonomisch so schwierigen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg bedeutete der reiche Nachlass Schieles an Gemälden und vor allem Zeichnungen eine finanzielle Absicherung der Familie (zwischen denen es, wie man hört, starke Spannungen gab). Peschka war jedenfalls als „Fachmann“ beauftragt, das Werk des Schwagers zu veräußern. Was in der Familie blieb, sind Werke, die ganz persönlichen Bezug zu den Schicksalen haben – etwa Babybilder von Klein-Anton, eine wunderbare Studie von Gerty, aber auch das Bild von Klimt auf dem Totenbett, den Peschka auch gut kannte.

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Hat er oder hat er nicht?   Wenn zwei Künstler in direktem Nebeneinander, hier auch noch verwandtschaftlich einander verbunden, leben – und der eine erkennen muss, dass der andere ein überragendes Genie ist, mag das keine einfache Situation sein. Zumal Anton Peschka ja auch seinen Weg als Maler machte, als Mitlglied des „Hagenbundes“ und anderer Künstlervereinigungen ausstellte und auch Anerkennung erhielt. Aber da war Schiele – ob dieser ihn bis zur Nachahmung beeinflusste, ist außer in einigen Nackt-Skizzen kaum festzustellen. Jene Werke Peschkas, die nun auch in der Ausstellung zu sehen sind, fügen sich ab den zwanziger Jahren in jene Tradition österreichischer Malerei, die mit kraftvollen Formen und Farben agierten, fern jeder Raffinesse oder gar Erotik.

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Aber hat Peschka, als er den Nachlass Schieles vor sich hatte, „Hand“ an des Schwagers Werke gelegt? Dass er schwarzweiße Zeichnungen kolorierte, weil sie solcherart lukrativer zu verkaufen waren, hat er in einem Brief selbst eingeräumt, Bewusste Veränderungen oder gar Fälschungen von Schieles Werken kann man ihn, so Kuratorin Ursula Storch nach langen Studien, nicht nachsagen. Jenes „kubistisch“ anmutende Großwerk Schieles „Mödling II“ ist jedenfalls ein unberührtes Original. Peschkas entfernt verwandte „Alte Mühle“ kann sich jedenfalls nicht damit messen.

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Sammeln mit Liebe, aber ohne System    Natürlich geht es in dieser Ausstellung zu allererst um Kunst, dann auch um Biographisches, das man aus den Objekten als Erkenntnisgewinn heraus ziehen kann, aber es geht auch um das Sammlen. Wenn die Ausstellung den Besucher mit einer Riesenvitrine empfängt (ein Foto beweist, dass Schiele eine ähnliche zuhause hatte), dann ist dieses darin untergebrachte Sammelsurium eine Köstlichkeit für sich. Interessant, dass Schiele, der so „modern“ war, sich für Volkskunst oder Religiöses interessierte, ein Hufeisen aufhob oder einen Becher, Spielkarten oder Bücher, ein Teeservice und Ansichtskarten… Eine alltägliche Gemengelage, die durch die Person Schieles zum Besonderen wird.

Wien Museum / Obergeschoß
SCHIELE & PESCHKA
EINE FAMILIENAUFSTELLUG
Vom 30. April 2026 bis 27. September 2026
Dienstag, Mittwoch und Freitag 9 bis18 Uhr,
Donnerstag 9 bis 21 Uhr,
Samstag und Sonntag 10-18 Uhr

 

 

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