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WIEN / Wien Museum: FARBENSPIEL

Du ziehst mir nicht das Grüne an!

05.10.2026 | Ausstellungen, KRITIKEN

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WIEN / Wien Museum:
FARBENSPIEL
MODE AUS VIER JAHRHUNDERTEN
Vom 1. Oktober 2026 bis zum 28. März 2027 


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Du ziehst mir nicht das Grüne an!

„Du ziehst mir nicht das Grüne an, Weil ich’s nun mal nicht leiden kann“, heißt es in der „Frommen Helene“ von Wilhelm Busch, und tatsächlich hat Grün (mit einer kurzen Ausnahme als „Giftgrün“) es nie zur Modefarbe gebracht, ebenso wenig wie Gelb. Hingegen ist Rot immer gefragt, Schwarz allgegenwärtig, und angeblich ist derzeit Blau die Modefarbe Europas. All das erfährt man in einer Modeausstellung im Wien Museum, die sich erstmals nach Farben orientiert. Man erlebt ein Fest fürs Auge – und begegnet via Kleidung der Kulturgeschichte.

Von Renate Wagner

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Das Konzept    Das Wien Museum hütet mit rund 25.000 Objekten eine der größten Modesammlungen  der Welt. Hier findet man nicht nur Damen- und Herren-Oberbekleidung, sondern auch Unterwäsche und Hüte, Schuhe und Schirme, wohl auch einmal ein Beauty-Case, Handtaschen und Schals, selbst Spazierstöcke und was an Accessoires noch zur „Mode“ im weitesten Sinn zählt.

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Regina Karner und  Michaela Lindinger, ehemalige und gegenwärtige Hüterin dieser Wiener Modesammlung, deren Bestände bis ins 18. Jahrhundert zurück reichen, wissen, wie man Mode gemeiniglich ausstellt – nach Epochen, nach Schwerpunkten, nach Designern, nach Persönlichkeiten, In den Schränken des Museums hängt die Mode allerdings nach Farben geordnet – und das wurde zum Ausgangspunkt ihrer derzeitigen Modeausstellung, die Konventionelles ebenso zeigt wie Progressives.

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Durch die Geschichte    350 Objekte wurden aus der Masse des Vorhandenen ausgewählt. Quasi in „Inseln“ stehen die Kleidungsstücke (vorwiegend weiblich, aber auch Männer und Kinder) nach Farben geordnet, was ein faszinierendes Zusammenspiel ergibt, da sich viele Epochen hier treffen und man Entwicklungen sieht, vor allem bei der  Damenmode, die die Frauen die längste Zeit „einschloß“, während sie heute eher auf größtmögliche Freiheit ausgerichtet ist. Manche Besucherin wird Stücke sehen, wie sie sie selbst einst getragen hat und die man heute nicht mehr tragen würde (das „kleine Schwarze“ ist allerdings ewig)  – die Mode schreitet schnell. Es ist ein Nostalgie-Trip, abgesehen davon, dass es nicht nur Alltag zu sehen gibt, sondern auch atemberaubend schöne Stücke, die die Ausstellung schlechtweg zum ästhetischen Vergnügen machen. Und immer wieder haben die Kuratorinnen – etwa mit origineller Kinder- oder Sportkleidung – auch Pointen gesetzt.

Weiß und Schwarz, Rot und Blau, Gelb und Grün und schließlich „bunt“ …  Den Gestalterinnen  ging es diesmal in erster Linie darum, etwas von der Bedeutung der Farben zu erzählen. Ein gelbes Kleid begrüßt die Besucher konzeptionell – Gelb war stets eine belastete Farbe, seit man sie nicht mehr mit königlichem Gold assoziierte, sie vielmehr den Außenseitern zuschob (der Judenstern war gelb), Heute strahlt Gelb in der Variation Orange wieder positiver – ein Beispiel dafür, wie sehr Farben erstens Aussagen tätigten und zweitens ihre Bedeutung ändern konnten.

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Was Farben zur Geschichte erzählen – etwa, wie die bunte, üppige Herrenmode des Barocks und des Ancien Regimes sich nach der Französischen Revolution und nach Napoleon wandelte und etwa die Herren im 19. Jahrhundert in seriöses Schwarz verbannten, aus dem sich heute junge Männer lösen – um dann, wenn sie Chefs werden, in den schwarzen Anzug zurück zu fallen. Blau war die Farbe der Jungfrau Maria (man wird sie selten mit einem andersfarbigen Schleier gemalt finden) und der antiken Göttinnen, „Preußisch-blau“ waren die Soldaten Friedrichs des Großen gekleidet, und die blauen Jeans, ursprünglich Arbeitshosen, galten bald als Befreiung aus starren Formen. Und Rot ist wohl die Königin der Farben, die älteste bekannte in der Geschichte auch, gleicherweise Königspurpur und Sex-Signal, Blut und Prunk. Das „kleine Rot“, das Rosa, wurde dann wieder zur Symbolfarbe – ein rosa Kostüm vom Life Ball steht dafür.

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Wer auf der Jagd auf Promis ist, wird auch hier fündig, von einem Festkleid mit Schleppe der Kaiserin Elisabeth bis zu dem teuren Helmut-Lang-Anzug von Falco, der in die Nässe geriet und in den Hosen einging…

 

WIEN MUSEUM
FARBENSPIEL
MODE AUS VIER JAHRHUNDERTEN
Vom 1. Oktober 2026 bis zum 28. März 2027 
Dienstag, Mittwoch, Freitag, 09:00–18:00
Donnerstag, 09:00–21:00
Samstag und Sonntag, 10:00–18:00
Geschlossen: 25.12.2026, 1.1.2027,
Freier Eintritt für alle unter 19 Jahren
und jeden ersten Sonntag im Monat. 

 

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