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WIEN / Wien Museum. DIE DONAUINSEL

Machen wir ein Fest

29.03.2026 | Ausstellungen, KRITIKEN

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WIEN / Wien Museum. 
DIE DONAUINSEL
21 KILOMETER FREIRAUM
März 2026 bis 30.August 2026

Machen wir ein Fest

Das Wien Museum widmet sich wieder einem Thema der Stadt: Die „Donauinsel“ gehört heute geradezu als „Institution“ so sehr zu Wien, dass man die Zeiten schon vergessen hat, da es sie noch gar nicht gab. Erst in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts künstlich errichtet und damals heiß umstritten, ein „Nebenprodukt“ weiterer Donauregulierungen, ist sie längst ein Synonym für das Pop- und Musik- „Fest“, das alljährlich dort veranstaltet wird und im Lauf eines Wochenendes ein Millionenpublikum  auf ihren knapp vier Quadratkilometern versammelt.

Von Renate Wagner

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Wien und die Donau    Für die Römer war die Donau ein Grenzfluß, an dem sie ihr Militärlager „Vindobona“ errichteten. Die Stadt, die sich daraus entwickelte, nützte den Strom für den Fracht- und teilweise Personenverkehr (die großen Touristenschiffe landen allerdings erst seit der zweiten Hälfe des 20. Jahrhunderts hier). Tatsache ist jedoch, dass die Donau, die längste Zeit aus vielen kleinen Armen bestehend, ein wildes Au-Gebiet, das bis in den Prater reichte, eine permanente Bedrohung darstellte. Es kam zu schweren Überschwemmungen, die auch ihren „künstlerischen“ Niederschlag fanden, den man in der Ausstellung besichtigen kann. Früher oder später musste man sich zur Donauregulierung entschließen, und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, im Rahmen des Ringstraßen-Baus, verfügte man über die technischen und auch finanziellen Möglichkeiten, das zu unternehmen. Neben dem heutigen Flußbett, das ausgehoben wurde, gab es ein breites, von den Wienern in der Folge in  jeder Hinsicht genütztes „Überschwemmungsgebiet“ (wo sich auch die Nacktkörperkultur niederließ).

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Die Donauinsel     Doch auch im 20. Jahrhundert war der Wasserstand der Donau immer wieder ein Problem, Als das Hochwasser im Juli 1954 wieder Überschwemmungen verursachte, unternahm man die zweite Donauregulierung, Und  die  „Donauinsel“, die man im Lauf von mehr als 30 Jahren Planungs- und Bauzeit mit mehr als 21 Kilometer lang und bis zu 250 Meter breit in den Fluß hinein platzierte, war ein Teil des Projekts.

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Wär‘ net Wien…   Wäre nicht Wien, wenn alles problemlos verliefe. Zwischen 1972 und 1988 gemeinsam mit der Neuen Donau erbaut, stand von Anfang an keinesfalls fest, dass man auf der künstlichen Donauinsel auf Natur und Erholung für die Bevölkerung setzen wollte. Die Überlegungen gingen in Richtung eines Zentralbahnhofs, eines Truppenübungsplatzes oder zumindest teilweise Bebauung. Aber es waren die siebziger Jahre, das Umweltbewusstsein erfasste nicht nur junge Menschen, und die Politik musste sich beugen. Den „Kampf“ um die Donauinsel kann das Museum nicht zuletzt  mit einer Anzahl von Plakaten belegen.

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Das Modell der Donauinsel    Zentrum und Blickpunkt der Ausstellung ist das elf Meter lange Styropor-Modell der Donauinsel (Maßstab: 1:2.000), das man als Zuschauer umkreisen und genauer betrachten kann. Das Modell wurde übrigens nicht neu geschaffen, sondern aus den Archiven geholt – man hat es schon 1979 gezeigt, als man den Wienern das Projekt vorstellte, das heute unangefochtene Realität ist. Das Wien Museum hat übrigens 600 Arbeitsstunden in die Restaurierung des eindrucksvollen Stücks  gesteckt… Darüber hinaus verfügt das Wien Museum über einen Schatz von Fotos, Zeitungsartikeln, Modellen, Filmen (auf Videowänden) und nicht zuletzt haptischen Modellen zum Thema.

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Die Wiener lieben das Wasser    Die Ausstellung erzählt nicht nur von der Geschichte, sondern auch von der Gegenwart der Donauinsel, anschaulich mit Liegestühlen und Verkaufswägen für Getränke. Ob Gänsehäufel oder Lobau, ob Alte Donau oder eben die Donauinsel, die Wiener zieht es zum „echten“ Wasser der Donau, Natürlich wird hier nicht nur gebadet, sondern auch gerudert, man kann fischen, andere Freizeitaktivitäten umfassen nicht nur Yoga, sondern auch Kunstprojekte aller Art. Dass die „Donauinsel“ selbst „künstlich“ gemacht wurde, sieht man ihr nicht an…

donauinsel plaka cct img 5961~1Das Donauinselfest    Eine enorme Aufwertung auch in der internationalen Wahrnehmung erfuhr die Donauinsel, als die Wiener Stadtregierung ab 1984 das „Donauinselfest“ erfand, heute das größte Open-Air-Festival Europas mit Riesenbühnen und Themeninseln, internationalen Stars, österreichischen Künstlern, Nachwuchsprogrammen. Ohne Eintrittsgebühr strömen bis zu drei Millionen Besucher an einem Juni -Wochenende jährlich zu dem Event, das keine Eintrittsgebühr verlangt (und in den letzten Jahren rund um die Uhr von ORF III übertragen wurde).. Für die Stadt Wien werden die Kosten von der Umwegrentabilität des Ereignisses aufgefangen.

Wien Museum am Karlsplatz
DIE DONAUINSEL
21 KILOMETER FREIRAUM
20.
März 2026 bis 30.August 2026
Dienstag, Mittwoch, Freitag, 09:00–18:
Donnerstag, 09:00–21:00
Samstag und Sonntag, 10:00–18:00
Am 1. Mai geschlossen
Freier Eintritt in die Sonderausstellungen an jedem ersten Sonntag im Monat.

 

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