WIEN / Weltmuseum:
WER HAT DIE HOSEN AN?
Vom 25. März 2025 bis zum1. Februar 2026
Fast eine Modeschau
Claudia Banz, die neue Direktorin des Weltmuseums in Wien, gendert beim Sprechen bewusst und hörbar, betont alle „innen“. Die 59jährige, die an vielen deutschen Museen gearbeitet hat und zuletzt aus Berlin kommt, will sich an ihrem neuen Haus vor allem Kolonialfragen widmen, wird Performances von Künstlerinnen einladen, die – wie man früher sagte – aus der „Dritten Welt“ kommen, plant allerlei hybride und digitale Projekte unter besonderer Einbeziehung des Publikums. Bei solchen Vorgaben, die sie der Presse vorstellte, wirkt die erste Ausstellung ihrer Ära (allerdings noch unter dem Vorgänger geplant) fast „normal“. Hosen sind das Thema, Hosen bekommt man zu sehen, der Modeschaucharakter ist unverkennbar. Das wird viele Menschen ins Museum ziehen, zumal diese Ausstellung bei freiem Eintritt angeboten wird.
Von Renate Wagner
Hosen – eine Notwendigkeit Für die Römer waren „Hosen-Träger“ Barbaren, nämlich die Germanen, aber es gibt Hosen seit gut dreitausend Jahren in der Menschheitsgeschichte. Die älteste bekannte aus der Bronzezeit, aus China stammend, ist nur als Faksimile zu sehen, aber bekanntlich zählt das Weltmuseum ja zum großen Komplex des „Kunsthistorischen“, konnte also aus der Ägyptischen Sammlung eine (weit geschnittene) Hose aus der Antike holen. Hosen waren für die Männer, die in die Wälder auszogen, um zu jagen, eine Notwendigkeit, mit Röcken, wie sie die Frauen am Herd trugen, hätten sie pirschend und laufend kaum Chancen gehabt. Männerhosen variierten durch die Jahrhunderte und wurden immer gebraucht: Kein Ritter wäre ohne geschützte Beine in die Schlacht gezogen.
Durch die Kulturgeschichte Die Ausstellung, die tatsächlich vor allem Hosen bietet, wirkt in ihrer Vielfalt und Buntheit wie eine Wunderwelt-Modenschau. Alle Zeiten und alle Welten sind hier vertreten, alle Farben, Muster und auch Formen, so weit die Urbedingung erfüllt wird, dass die Hose an der Taille festsitzen muss (auch da gibt es Varianten, man denke an die tief gerutschten Jeans), und dass sie die Beine bedeckt, aber auch da gibt es von der Pluderhose bis zum Hosenrock viele Varianten. Man vergißt weder auf die letzte Uniformhose, die Kaiser Franz Joseph am Tag seines Todes trug, noch auf die Unterhosen, deren sexuelle Konnotation in allen Kulturen gegeben ist. Apropos Franz Joseph – da gibt es auch ein Beispiel für seltsame Materialien, etwa jene Reithose aus Ziegenfell, die ihm sein Bruder Maximilian sandte, als er kurzfristig Kaiser von Mexiko war.
Mit der Hose zur Emanzipation Die deutsche Phrase, die „Hosen an zu haben“, war ursprünglich durchaus nicht metaphorisch gemeint, sondern nackter Tatbestand, der die soziale Dominanz der Männer ausdrückte. So fand der Kampf der Frauen um die Gleichberechtigung auch „um die Hosen“ statt, die lange Zeit bestenfalls von Schauspielerinnen auf der Bühne getragen wurden. Tatsächlich war es die Mode des Radfahrens, die um 1900 Mitteleuropa erreichte, die es Frauen erleichterte, für diesen Sport auf Hosen zu bestehen… Heute ist der elegante Hosenanzug eiu Statussymbol und die Jeans für die Frau ein Alltagskleidungsstück.
Flankierende Fragen Die reich beschriftete (allerdings nicht immer sonderlich gut zu lesende) Ausstellung erstreckt sich über fünf Räume und befasst sich auch mit Materialien, Schnitten und Nähkunst. Und da Ausstellungen heutzutage „interaktiv“ sein müssen, bietet das Museum auch eine Selfie-Station, wo man sich plötzlich ungefragt mit einer gestreiften Hose aus Guatemala bekleidet findet – natürlich nur virtuell. Dennoch kann man nicht widerstehen, ein Foto von sich zu machen…
Weltmuseum Wien
Neue Hofburg, Heldenplatz, 1010 Wien
WER HAT DIE HOSEN AN?
25. März 2025 bis 1. Februar 2026
Täglich (außer Montag) 10 bis 18 Uhr
Dienstag 10 bis 21 Uhr
Eintritt frei