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WIEN / Weltmuseum: THE MAJLIS

17.09.2019 | Ausstellungen, KRITIKEN

WIEN / Weltmuseum:
THE MAJLIS – Cultures in Dialogue
Eine Ausstellung des Sheikh Faisal Bin Qassim Al Thani-Museums in Doha, Katar
Vom 17. September 2019 bis zum 7. Jänner 2020

Zusammensitzen
ist das Zauberwort

Ein „Majli“ ist das Wohnzimmer, die gute Stube eines Hauses in der arabischen Welt, dort, wo man zusammen kommt, zusammen sitzt, Tee trinkt und miteinander redet. Diese Idee der Begegnung steckt auch hinter der Wanderausstellung, die das Sheikh Faisal Bin Qassim Al-Thani Museum aus Doha  in die Welt geschickt hat und die nun nach Malta und Paris im Weltmuseum in Wien gelandet ist. Drei Räume „nur“, aber diese mit exquisiten Kunstwerken bestückt. Das ist der Islam, wie man ihn lieben und bewundern kann – in seiner Kultur.

Von Renate Wagner

Sheikh Faisal Bin Qassim Al-Thani Katar ist ein Emirat am Persischen Golf, zwischen Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten gelegen, von der Familie Al Thani als Erbmonarchie regiert. Die meisten der etwa 2,7 Millionen Einwohner konzentrierten sich in der Hauptstadt Doha, denn rundum befindet sich vordringlich Wüste. Erdgas und Erdöl haben das Land reich gemacht. Arabischer Reichtum wird gern mit dem Luxusleben der Prinzen im Westen gleich gesetzt. Ganz anders bei Sheikh Faisal Bin Qassim Al-Thani, Jahrgang 1948, mit der königlichen Familie eng verbunden, aber seines Zeichens Geschäftsmann und auf der Forbes-Liste der reichsten Männer der Welt. Schon als Junge hat er mit seinem Vater die berühmtesten Museen Europas bereist, und nach jedem Besuch fühlte er sich bereichert, als habe er „ein gutes Buch gelesen“, wie er bei der Pressekonferenz in Wien sagte. Als er begonnen hat, Kunst zu sammeln, tat er es nicht aus persönlicher Eitelkeit, sondern in dem Wunsch, Kostbarkeiten für die Menschen seines Landes zugänglich zu machen und für die Nachwelt zu bewahren. Sein Museumskomplex in Doha (gut 15.000 Objekte in 15 Hallen) genießt internationales Renommée. Wichtig ist es dem Scheich, Werke aus allen Kulturen zu sammeln – und alle Religionen sind in seinen Augen gleichwertig. „Alle predigen dasselbe“, meint der Scheich: „Liebet einander, helft einander, sorgt für die Familie.“

Plaudern mit dem Scheich   Sheikh Faisal ist in einem europäischen Anzug zur Pressekonferenz gekommen, und als man sich dann im „Majli“ niederlässt, der den zentralen Raum der Ausstellung ausmacht und benützt werden soll, darf, muss, erzählt er auf Anfrage auch von seiner Vorliebe für Autos: Gut 600 besitzt er, ein kurzer Film hat einen Blick auf die erstaunliche Anzahl von Oldtimern und Luxuskarossen erlaubt. Aber! Als er mich fragt (keine Berührungsängste mit unverschleierten Frauen), was mein erstes Auto gewesen sei und ich sage, ein VW Käfer, wundert mich gar nicht, dass er nicht ohne Stolz erzählt, sämtliche Versionen des „Käfers“ in seiner Sammlung zu haben, vom allerältesten an, dessen Heckfenster noch geteilt war… Nach seinen Rolls und Jaguars und Mercedes und BMWs muss man ihn wohl nicht fragen. Der Scheich hat, wie man im Internet nachlesen kann, sein erstes Geld mit Autos verdient, heute steht er einem Konzern vor, der Luxushotels in aller Welt besitzt, mit Pharmazeutika handelt, in Industrie und Transport, Bildung und Unterhaltung tätig ist u.a. Sein holländischer Museumsdirektor Kees Wieringa (in seiner Heimat übrigens auch als Komponist bekannt!), der stolz alle Fragen über das von ihm geleitete Museum in Doha beantwortet, weicht nur aus, als ich wissen will, wie viel Geld ihm für Ankäufe zur Verfügung steht. Das sagt er nicht. Wahrscheinlich könnte man damit ganz Österreich finanzieren…

Im Zentrum der Majli   Die Ausstellung umfasst drei Räume im Erdgeschoß des Museums, im zentralen ist der Majli (sprich: „Madschli“)  eingerichtet. Grundsätzlich laufen die Sitzbänke an der Wand entlang, damit niemand dem anderen den Rücken zukehrt. Es gibt auch keinen „Vorsitz“ (so wie es König Artus bei dem runden Tisch der Tafelrunde wichtig war – kein Oberhaupt). In der Mitte des Raumes stehen Tischchen, darauf findet man Brettspiele oder Bücher. Hier kommen alle zusammen, von den Ältesten bis zu den Jungen, hier bringt man Gäste her, denn ohne die Garantie der berühmten arabischen Gastfreundschaft könnten Wüstenvölker nicht existieren. Dieser Raum soll den Besuchern des Weltmuseums das Gefühl von Zusammengehörigkeit vermitteln – wichtig in Zeiten, wo in Feindseligkeit getrennt wird.

Kunstschätze und Kuriositäten   Klein, aber fein, was die Zahl der Objekte betrifft, was bedeutet, dass man sich Zeit nimmt, genauer hinzusehen. Groß ist ein Prunkzelt, groß sind die Teppiche, darunter auch Originelles: Man kennt die starken Interessen, die der deutsche Kaiser Wilhelm II. im Orient hatte (er war führend an dem Bau der Bagdad-Bahn beteiligt): Man dankte es ihm, indem man ihn und seine Familie auf einem Teppich abbildete… Und es gibt auch einen Teppich mit hinduistischen Göttern. Und jüdische Objekte. Und chinesische. Maurisches aus Spanien. Eine Schüssel mit der Darstellung des heiligen Georg (!) aus dem Irak. Und immer wieder den Koran – von großartigen Handschriften bis zu einer schmalen Schriftrolle des Korans aus Indien, die man beim Reisen mit sich tragen konnte… Eine starke Auswahl aus Künsten und Religionen.

Weltmuseum Wien (in der Hofburg, Heldenplatz):
The Majlis – Cultures in Dialogue
Bis zum 7. Jänner 2020
Täglich außer Mittwoch, 10 bis 18 Uhr

 

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