
© Vienna’s English Theatre/Armin Bardel
WIEN / Vienna’s English Theatre:
THE COMPLETE WORKS OF WILLIAM SHAKESPEARE (ABRIDGED)
von Adam Long, Daniel Singer und Jess Winfield
Premiere: 18. März 2026
Lachen mit Shakespeare
Nicht alle Stücke halten sich über fast 40 Jahre – 1987 wurde die Shakespeare-Klamotte, die angeblich seine sämtlichen Werke in knapp hundert Minuten bietet (notabene gekürzt), in Edinburgh uraufgeführt und danach neun Jahre lang in London gespielt. In Wien hat man das Stück seither viermal gesehen, einmal Englisch, dreimal Deutsch. Vienna’s English Theatre greift nun in dem sicheren Bewusstsein, dass Lachen mit Shakespeare nicht schiefgehen kann, zum zweiten Mal auf Englisch auf das knapp hundertminütige Stück zurück.
Apropos schiefgehen – vielleicht haben die in Wien tätigen Darsteller unvorsichtigerweise das Wort „Macbeth“ ausgesprochen (was man nach altem englischem Theaterglauben um keinen Preis tun darf) und sind bestraft worden. Denn Darsteller Mark Elstob zog sich bei den Proben einen Muskelriß im Bein zu. Statt umzubesetzen (was rein technisch gar nicht möglich gewesen wäre, weil man auf die Arbeitserlaubnis englischer Schauspieler monatelang warten muss – Brexit!). machte man aus der Not eine Tugend, ja, eine permanente Pointe. Elstob raste so souverän im Rollstuhl über die Bühne, als wäre es nie anders geplant gewesen, und spielte solcherart auch noch den Hamlet…
Man kennt das Konzept des Stücks, das von dem englischen Schauspieler-Trio Adam Long, Daniel Singer und Jess Winfield für sich selbst geschrieben wurde. Einerseits arbeitet man (fast) alle Shakespeare-Stücke ab), andererseits bekommen die Darsteller jede Möglichkeit,, blitzschnell von einer Rolle in die andere. zu schlüpfen – und zu blödeln, was das Zeug hält.
Dabei gibt es nicht nur Shakespeare-Text, sondern auch unterhaltende Kommentare, die sich an die Zeit anpassen. Wer hätte vor 40 Jahren an Smartphones, Soziale Medien, politische Korrektheit (Othello ist – was? Wie sag ich’s, ohne das N-Wort zu verwenden?) oder Harry Potter gedacht, die oft nur in witzigen Nebenbemerkungen in das Stück einfließen.
Im Sinn von Fernsehshows wird der Abend im zweiten Teil interaktiv, das Publikum ist dringend aufgefordert, sich nach Anweisung Arme schwenkend, Texte brüllend zu beteiligen, und jedesmal wird eine tapfere Dame aus dem Publikum gesucht, werden, die bereit ist, Ophelias Schmerzensschrei loszulassen, wenn Hamlet sie auffordert, ins Kloster zu gehen…

© Vienna’s English Theatre/Armin Bardel
Der Abend beginnt mit „Romeo und Julia“, endet nach der Pause allein mit „Hamlet“, dazwischen gibt es in Mini-Besuchen die Komödien, Tragödien, Römerdramen, Königsdramen und die Sonette auch noch… Je besser man als Zuschauer selbst über den Shakespare-Kosmos Bescheid weiß, umso größer wird der Spaß sein.
Richard Baron inszeniert in der Ausstattung von Ken Harrison schrankenlos klamottig, und Tom Clegg. Mark Elstob und Scott Hoatson halten schamlos und selbstironisch mit. Ein bißchen eleganter wäre es auch gegangen, muss aber in diesem Fall nicht sein.
Der stürmische Premierenerfolg verheißt Gutes.
Renate Wagner

