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WIEN / Volkstheater: KOMÖDIE IM DUNKELN

14.05.2018 | KRITIKEN, Theater

 
Thomas Frank, Steffi Krautz, Nadine Quittner © www.lupispuma.com / Volkstheater

WIEN / Volkstheater:
KOMÖDIE IM DUNKELN von Peter Shaffer
Premiere am 11. April 2018,
besucht wurde die Vorstellung am 14. Mai 2018

Auf welch wackligen Beinen das Volkstheater derzeit steht, hat nicht erst die „Lazarus“-Premiere (das Verzweiflungs-Musical) gezeigt, auch die Produktion davor war dramaturgisch ein glatter Griff daneben.

Dabei war die „Komödie im Dunkeln“ von Peter Shaffer (sein erster großer Erfolg) sicher eine prächtige Sache, als er sie 1965 schrieb. In Wien sah man das Stück meist dort, wo es hin gehört, in den Josefstädter Kammerspielen. Die Grundidee, „hell“ und „dunkel“ auf der Bühne umzudrehen (man sieht also den Darstellern bei vollem Licht dabei zu, wie sie scheinbar im totalen Dunkel herumtapsen), mischte sich nicht nur mit Slapstick-Komik, sondern auch mit allerlei bürgerlicher Dekonstruktion. Zu seiner Zeit war’s ein Meisterstück des Boulevards.

Heute ist es – zumal, wenn man die „Pointe“ der Idee kennt – schon ein bisschen fadenscheinig geworden, zumal wenn es vom Regisseur so falsch angepackt wird wie von Christian Brey. Denn Katastrophen-Komödien wie diese, die ihre Helden durch die Hölle des Ertapptwerdens schicken, funktionieren umso besser, ja natürlicher die Weltordnung zusammen bricht.

Wenn ein erfolgloser Künstler, der nicht nur einen reichen Käufer, sondern auch noch den künftigen Schwiegervater erwartet, die Luxusmöbel des Nachbarn plündert, wenn dann das Licht ausgeht, eine unerwünschte Nachbarin und der noch unerwünschtere Bestohlene auftauchen, desgleichen der Schwiegervater, die Möbel im Dunkeln zurückgebracht werden müssen, die Ex-Geliebte kommt, dann der Mann vom Elektrizitätswerk, den man für den erwarteten Millionär hält… da hat das Stück schon genug Wahnsinn in sich. Und man wundert sich nur, wie locker man in den sechziger Jahren sowohl mit den Schwulen wie mit den Ausländern umgegangen ist, sie werden so selbstverständlich auf die Schaufel genommen, wie es nur vor der Political Correctness möglich war…

Nun das, was ohnedies vorgegeben ist, durch einen Holzhammer-Stil der Künstlichkeit zu verstärken, heißt nun nicht, den Unsinn augenzwinkernd zu hinterfragen, sondern ihn einfach nur blödsinnig zu machen. Man konnte während der Vorstellung manche Zuschauer beobachten, die gewissermaßen mit Kopfschütteln und auch Langeweile mit ansahen, was da gewaltsam überdreht wurde – so falsch lagen die Figuren (während die Logistik des Slapsticks einigermaßen geglückt ist).

Auch hatte man den Eindruck, dass sich die Darsteller des Volkstheaters mit der Leichtigkeit nicht leicht taten, im Gegenteil. Und so funktionierten nur die „Ausgestellten“, die sich zur Schamlosigkeit der Überzeichnung bekannten – Sebastian Pass als  über weite Strecken  köstlich klischierter „Schwuli“ und Sebastian Klein als der Ost-Immigrant mit Akzent, Klempner mit künstlerischem Verständnis.

Thomas Frank als geplagter und gehetzter Held des Stücks war die Schwerfälligkeit selbst, und alle anderen (Nadine Quittner als alberne Braut, Steffi Krautz als kaum komische Nachbarin, Birgit Stöger für Ironie eklatant fehlbesetzt, Stefan Suske und Mario Schober, Letzterer mit Mini-Auftritt) waren mit keinerlei Komödienwassern gewaschen.

Dass man ein Haus mit gestrigen Komödienklassikern nicht füllt, wenn man ihnen keine Luxusbesetzung geben kann – die Repertoirevorstellung beweist es.

Renate Wagner

 

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