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Fotos: Apollonia T. Bitzan
WIEN / Volkstheater:
DIE KLEINE HEXE
Familienstück für alle ab 6 Jahren
nach dem Roman von Otfried Preußler
Premiere in der Dunkelkammer: 27. September 2026 /
Die Produktion reist ab 23. November durch die Bezirke
Gut sein ist besser
Genau eine Woche, nachdem die Räubertochter Ronja in der Volksoper versichert hat, dass man als Mädchen das Böse überwinden muss, erzählt das Volkstheater in der Dunkelkammer Ähnliches. Diesmal ist es die Kleine Hexe von Otfried Preußler, die zwar 127 Jahre alt, aber im Vergleich zu den erwachsenen Hexen noch ein Kind ist. Als sie gegen die Alten aufbegehrt und diese sich rächen wollen, kann die namenlose Kleine Hexe, die aus Überzeugung eine „gute“ ist, die „Bösen“ schließlich austricksen… Merk’s: Gut sein ist besser!
Das Kinderbuch von Otfried Preußler war ein Welterfolg, vielfach übersetzt, verfilmt, als Hörspiel gesendet, auf die Bühne gebracht. So auch nun im Volkstheater, wo man die Produktion in die Bezirke schicken wird. Die Premiere fand in der so genannten Dunkelkammer statt, die bei Emmy Werner noch „Pfafond“ hieß und ein kleiner Raum unter dem Dach mit minimalen technischen Möglichkeiten ist.
Damit erinnern die Vorgaben an die Räume, in denen für die Bezirksvorstellungen gespielt wird, wo es oft nicht einmal eine Hinterbühne gibt. Regisseurin Danielle Fend-Strahm musste sich also rein technisch-logistisch viel einfallen lassen, und das ist ihr bemerkenswert gelungen.
Wer das Buch zu dem „Familienstück für alle ab 6 Jahren“ eingerichtet hat, erfährt man nicht, es wurde jedenfalls äußerst geschickt und ökonomisch gemacht, so dass man außer der Hauptfigur und einem Musiker (der rechts im Hintergrund für kompletten „Sound“ sorgt) nur drei weitere Darsteller braucht, die nicht nur in sämtliche Rollen schlüpfen (und sich coram publico fast unbemerkt immer wieder umziehen), sondern auch die Bühne „lebendig“ machen. Das ist wirklich bestens gelungen.

Als die drei bösen alten Hexen auftauchen, ist das möglicherweise für die Kleinsten ein wenig zu krass geraten (eine Mama flüchtete mit einem verängstigten Kleinkind), aber die Älteren haben es ja wohl gern ein bißchen schaurig. Und sonst ist die Handlung ja zumeist lieb, vor allem wenn der Rabe Abraxas als treuer Gefährte der Kleinen Hexe ihr Ratschläge gibt oder sie auch liebesvoll ausschimpft.
Weil die kleine Hexe auf den Blocksberg will, die großen Hexen sie aber erst dorthin lassen wollen, wenn sie eine „gute Hexe“ geworden ist, benützt die kleine Heldin ihre magischen Eigenschaften gern dazu, den Menschen zu helfen. Um später zu erfahren, dass man in die Hexenwelt nur dann eine „gute“ Hexe ist, wenn man richtig böse ist… Und da lernen die kleinen Zuschauer dann, dass es gut ist, hier Widerstand zu leisten.

Hauptdarstellerin Emilie Willner erstaunt auf den ersten Blick: übergroß (laut Internet 1.90 m), schlaksig und nicht mehr jung genug, um als Kind oder Teenager durchzugehen, wirft sie sich mit so viel Elan und trotzigem Charme in ihre Rolle, dass sie, ihren Hexenbesen schwingend, die pausenlosen 80 Minuten des Abends mühelos trägt.
Ihr zur Seite Stefan Suske, der teils unkenntlich vieles spielt, aber vor allem dann alle Herzen gewinnt, wenn er der Rabe Abraxas sein darf. Was Gloria Berghäuser und Philip Kelz an Vielseitigkeit leisten, ist bemerkenswert, desgleichen die einfallsreiche Ausstattung von Matthias Strahm. Thomas Esser sorgt für die Live-Musik, für die er auch verantwortlich zeichnet.
Großer Jubel für ein Stück, das ohne interpretatorischen Schnickschnack alles erzählt, was es erzählen will und soll.
Renate Wagner

