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WIEN / Volkstheater Bezirke: STATE OF THE UNION

12.03.2026 | KRITIKEN, Theater

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Foto:  Apollonia T. Bitzan

 WIEN / Volkstheater Bezirke:
STATE OF THE UNION von Nick Hornby
Premiere: 13. Februar 2026,
besucht wurde die Vorstellung am 11. März 2026  in der VHS Meidling, Längenfeldgasse

Reden bringt uns nicht recht weiter…

Szenen einer Ehe? Offene Zweierbeziehung? Zimmerschlacht? Bei Nick Hornby heißt das Problem „State of the Union“, nur dass die „Lage der Nation“ hier jene einer Ehe ist.  „Zehn Sitzungen“ gilt es zu absolvieren, wobei man das Ehepaar nicht gemeinsam mit der Psychiaterin (sie heißt drolligerweise „Canyon“) erlebt, sondern davor, gewissermaßen im Warteraum, wo sie sich ihre Vorgefechte liefern…

Seit den besten Zeiten des „Volkstheaters in den Außenbezirken“, wie es damals noch hieß, hat man die Vorstadt-Häuser nicht so ausverkauft erlebt. Man fragt sich, was das Publikum von dem Abend erwartet, denn die Theaterbesucher von Hernals bis Meidling (und in anderen Bezirken) wird es nicht so schrecklich aufregen, dass Direktor Jan Philipp Gloger diesmal selbst inszeniert hat und dass Ex-Burgtheater-Star Johanna Wokalek die weibliche Hauptrolle spielt: Sie wurde (und wird) zwar von der Kritik hoch geschätzt, aber ein typischer Publikumsliebling war sie nie. Was also? Vermutlich erwartet man sich eine Ehe-Komödie. Und das ist es, trotz ein paar Bosheits-Pointen, nicht.

Sie ist Ärztin, er war einmal Journalist im Milieu der Pop-Welt, hat aber mittlerweile keinen Job mehr. In der Ehe (die beiden Kinder werden nur marginal erwähnt) scheint es aus den üblichen Gründen zu krachen – der arbeitslose Mann, die erfolgreiche Frau, der frustrierte Gatte, der keine Lust mehr auf Sex hat, die Gattin, die sich eine kurze Affäre leistet, was das Gefüge offenbar so ins Wanken bringt, dass man professionelle Hilfe sucht.

Zehn Gespräche bis zum Ende, dazwischen zieht er von zuhause aus, kommt wieder, sie schlafen wieder miteinander, und am Ende saufen sie sich gemeinsam einen an: Das mag als Resümee eines Abends genommen werden, der zeigt, dass man mit Reden nicht wirklich weiter kommt.

Denn abgesehen davon, dass hier jede Menge heißer Luft verblasen wird, ist der Erkenntniswert des Abends gering. Nick Hornby war schon „popiger“ als in der Fernsehserie „State of the Union“, die 2019 von Stephen Frears verfilmt wurde. Die Konzentration auf zwei Personen im Theater ist sicher ein Vorteil, wenn auch wenig gegen das belanglose Plätschern des Abends getan wurde.

Denn Regisseur Jan Philipp Gloger tat auch wenig, um die Geschichte zu schärfen. Johanna Wokalek ist nicht wirklich aggressiv, und Tjark Bernau könnte sich komischer winden – die übliche Konstellation starke Frau – schwacher Mann hätte etwas Pfeffer vertragen. Die Pointen werden geradezu diskret fallen gelassen – das Publikum, voll guten Willens vollzählig erschienen, nimmt jede wahrgenommene mit lautem, dankbarem Gelächter auf.

Wollte man am Ende sagen, wie sinnvoll die Entwicklung dieser lauen Selbsterforschung gelaufen ist, es fiele einem wenig ein. Aber was soll’s – ein einst berühmter Autor und eine gute Besetzung, auch wenn sie diskret unter ihren Möglichkeiten bleibt, füllen die Häuser. Und um nichts anderes geht es letztendlich am Theater.

Renate Wagner

 

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