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WIEN/ Volksoper/ Staatsballett: ROMÉO ET JULIETTE. Wiederaufnahme

Ein Markenartikel von Shakespeares Gnaden

18.03.2019 | Allgemein, Ballett/Tanz

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Foto: Ashley Taylor/ Wiener Staatsballett

Volksoper, 17.3.2019: Wiederaufnahme des Balletts „Roméo et Juliette“ – ein Markenartikel von Shakespeares Gnaden

Es ist eine eigenartige dramaturgische Kombination, keineswegs eine künstlerisch geglückte:

Nr. 1.: „The Tragedy of Romeo und Juliet“ von William Shakespeare, 1595 in London geschaffen und seitdem ein weltweit bestens verkaufbarer Markenartikel für alle Schauspielhäuser.

Nr.2.: „Roméo et Juliette“, von Hector Berlioz als ‚Symphonie dramatique“ mit Chor, drei Gesangssolisten und großem Orchester frei nach Shakespeares literarischer Vorlage als ein originäres Monstrum komponiert und erfolgreich 1839 im Pariser Conservatoire zur Uraufführung gebracht.

Nr.3.: „Berlioz ist wunderschön“, äußerte sich der Mailänder Choreograph Davide Bombana zu dem Auftrag, für das Wiener Staatsballett diese Mixtur aus Liebesdrama und Chorsymphonie als vertanzte Nacherzählung zu gestalten. Vorige Saison wurde dieser Ballettabend – mit Chor und Gesangssolisten neben den Tänzern auf der Bühne – erstmals präsentiert, und bei der Wiederaufnahme sind nun alternierende Besetzungen zu sehen.

Diese überdimensionierte ‚Symphonie dramatique‘ in der Volksoper: Anständig musiziert vom Orchester unter Gerrit Prießnitz, bemüht gesungen von Chor und den Solisten, sehr feinfühlig getanzt von Maria Yakovleva und Arne Vandervelde (Rollendebüt) und den Tänzern dieser Abteilung des Wiener Staatsballetts, welche in der Volksoper ihre Probestätte haben. Die modernistische Ausstattung von rosalie kann so gut wie zu allem oder zu nichts passen. Folgt man der Choreographie, so bietet Bombana ein wendiges, sehr geschmeidiges tänzerisches Allerlei in einer schon länger anhaltenden aktuellen Tanzmode mit all deren zu Manier gewordenen Ingredienzien. Wohl den vorgegebenen Stimmungsbildern angepasst und um Poesie bemüht, doch der ganze choreographisch Ablauf hat sein Eigenleben, ohne auf die noblen, wiederholt sehr originellen Details dieser hochromantischen Musik einzugehen. Der ganze motorische Bewegungsfluss wirkt über die Musik gestülpt. Und, ebenfalls ein großes Problem: Berlioz gibt stets ausschweifende musikalische Perioden vor, lässt die Solisten lange, überlange Sequenzen singen – und dann versagt die Einfallskraft des Choreographen.

Ketevan Papava als sich windende spinnenartige Königin Mab, Zsolt Török als pathetischer Pater Lorenzo, Alexander Kaden (Mercutio), Martin Winter (Tybalt), Gleb Shilov (Benvolio) sowie die Gesangssolisten Martina Mikelic, Mehrzad Montazeri und Andreas Daum haben das Publikum jedenfalls ansprechen können. Shakespeares Vorlage ist nun einmal ein merkantil wertvoller Markenartikel.

 

Meinhard Rüdenauer  

 

 

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