WIEN / Volksoper: SPRING AWAKENING
Rock-Musical in zwei Akten von Duncan Sheik
Buch und Gesangstexte von Steven Sater basierend auf dem Schauspiel FRÜHLINGS ERWACHEN von Frank Wedekind
Deutsche Übersetzung der Dialoge von Nina Schneider
21.02.2026 Premiere

Ensemble – © Marco Sommer / Volksoper Wien
RAUS AUS DEM KÄFIG
Junge Menschen in der Pubertät, 14-jährige Kinder, an der Schwelle zum Erwachsenwerden, erhalten keine Antworten auf ihre Fragen „Was geht in meinem Körper vor?“, „Wie entsteht ein Kind?“ oder „Wieso träume ich von Mädchenbeinen?“
Die Mutter, der Vater, der Lehrer, der Arzt, der Priester, sie alle erwarten Gehorsam, geben keine Antworten, üben selbst (sexuelle) Gewalt aus und lassen die Kinder alleine mit ihren Ängsten und Sehnsüchten. Der Aufsatz „Der Beischlaf“ von Melchior Gabor gilt als Verbrechen, das in der Korrektionsanstalt gesühnt werden soll. Selbst Melchiors verständnisvolle Mutter kapituliert vor der Autorität des Gatten mit den Worten „Was Du für richtig hältst“, als sie erfährt, dass ihr Sohn Wendla geschwängert hat. Wendla Bergmann wird zur Abtreibung gezwungen und stirbt. Moritz Stiefel begeht Selbstmord, weil er in der Schule „versagt“. Zucht und Ordnung wird den Schülerinnen und Schülern vom Lehrer und vom Katecheten gepredigt, aber der gewalttätige und missbrauchende Vater wird geschützt und das Opfer Ilse aus dem Haus und in die Gosse getrieben.
Die begabte neugierige Jugend wird systematisch gebrochen. Frank Wedekind hat in seinem 1891 veröffentlichtem Theaterstück die Kindertragödie beschrieben, das darauf basierende Musical wurde am 15. Juni 2006 Off-Broadway uraufgeführt und erlebte bereits am 10. Dezember 2006 im Eugene O’Neill Theatre seine Broadway-Premiere.
Der Zuschauer fühlt sich unwillkürlich an den Film „Das weiße Band – eine deutsche Kindergeschichte“ von Michael Haneke erinnert, der das traumatisierende soziale und zwischenmenschliche Klima der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg 2009 in starken Bildern umgesetzt hat.
Ähnliches gelingt dem Regisseur Frédéric Buhr in der Volksoper. Das leading Team besteht aus Klevis Elmazaj (Choreografie), Agnes Hasun (Bühnenbild), Constanza Meza-Lopehandia (Kostüme), Alex Brok (Licht) und anderen.
links: Ensemble – rechts: Paul Aschenwald (Melchior), Paula Nocker (Wendla) © Marco Sommer / Volksoper Wien
Die Protagonisten agieren vor dem Orchester, das mitten im Bühnenbild oberhalb der Schauspielebene in einem Blumenmeer platziert ist. Christian Frank, der musikalische Leiter, leitet souverän die Band bestehend aus Felix Reischl, Marlene Lacherstofer, Anna Starzinger, Mario Stübler, Marie Alma Mala Schmidt, Anna Tropper und Severin Tragbacher. Stilistisch sind die Songs im Rock Indie/Alternative-Pop angesiedelt, gute Gitarren- und Klaviermusik in einer Mischung mit Streichern. Distortion trifft klassische Elemente.
Das junge Ensemble rund um die rising Stars Paul Aschenwald (Melchior), Paula Nocker (Wendla), Til Ormeloh (Moritz), Hannah Severin (Ilse) und Isabel Saris (Martha) beeindruckt und wird vom Premierenpublikum mit viel Applaus und standing Ovations am Schluss gefeiert.
Hingehen, anschauen, wie das bei der Premiere unter anderen auch die drei Intendanten Stefan Herheim (Theater an der Wien), Christian Strupek (Vereinigte Bühnen) und Andreas Gergen (Bühne Baden) getan haben.
Elisabeth Dietrich-Schulz

Ensemble – © Marco Sommer / Volksoper Wien

Paul Aschenwald (Melchior), Paula Nocker (Wendla), Til Ormeloh (Moritz), Christian Frank (Musikalische Leitung), Band © Marco Sommer / Volksoper Wien

