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WIEN/ Volksoper: „Spring Awakening“ – mit Hoffnung auf einen neuen Sommer?  Premiere

Volksoper / „Spring Awakening“ – mit Hoffnung auf einen neuen Sommer?                            (21.2.2026)

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Foto:  Marco Sommer

„Spring Awakening“ = Frühlings Erwachen = Frank Wedekinds berühmte Kindertragödie, 1891 geschrieben, in einer Off Broadway-Musicalfassung aus dem Jahr 2006. Von der Volksoper nach Wien übernommen, sensibel einstudiert. Die Pubertätskonflikte und gesellschaftliche Heuchelei früherer Jahrzehnte werden dem Publikum durchaus nervig nahe gebracht. In teils aufputschenden, nicht durchgehend fesselnden Episoden erzählt. In der Volksoper wurde die Premiere mit aller Wertschätzung angenommen.

Autor Steven Sater hielt sich in seiner Neuschöpfung recht eng an Wedekinds sozialkritische Vorlage. Ohne auf Psyche, Moral, Problematiken im Denken der heutigen Jugend einzugehen. Die Rock-Songs, manche sanft und besinnlich, einige recht herb, welche Komponist Duncan Sheik für die an ihren sexuellen Problemen scheiternden Jungen schrieb, wirken wie in die sprunghafte Handlung eingeschobene innere Monologe, können fein ansprechen, ohne aber voll mitzureißen.

Regisseur Frédéric Buhr vermag dieser so disharmonischen Gesellschaftskritik mit szenischem Ebenmaß einen einprägenden Stil zu geben. In der Mitte der von Agnes Hasun gestalteten Bühne musiziert auf einem riesigen Blumentopf eine kleine Band (musikalische Leitung: Christian Frank). Rundum wechseln auf einer Drehbühne die angedeuteten Spielplätze. Und mit aller Intensität gehen die überwiegend jüngeren Darsteller in ihren durchaus heiklen Charakterzeichnungen von Triebregungen und unbewußten Sehnsüchten mit. Die heranreifenden Suizid-Opfer: Paula Nocker als Hilfe suchende Wendla, Til Ormeloh als schwer geschädigter Moritz. In wechselnden Erwachsenenrollen, als puritanische Heuchler gezeichnet, überzeugen mit strengen Konturen Martina Dorak und Peter Lesiak. Paul Aschenwald in der zentralen Rolle des aufschreiender Melchior darf an den Gräbern seiner so jung aus dem Leben geschiedenen desillusionierten Freunde zur finalen Hymne „The song of purple summer“ einen neuen, vielleicht doch verheißungsvollen Sommer erhoffen.  

 

Meinhard Rüdenauer

 

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