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WIEN/ Volksoper: MY FAIR LADY

05.01.2013 | KRITIKEN, Oper

Wien/ Volksoper: „MY FAIR LADY“ -AUSGEZEICHNETE HAUS-BESETZUNG (5.Jänner 2013)

Die Musical-Version von Bernhard Shaw’s Pygmalion wird oft von Gästen aus Burg oder Josefstadt zu Erfolg geführt. Und die Volksoper hat mit Herbert Foettinger und Katharina Strasser diese Tradition ja erfolgreich aktualisert. Bis Ende Jänner alterniert jedoch eine Volksopern- „Hausbesetzug“ des Frederik Loewe-Stückes über die Macht der Sprache und der Kleidung, die mit Recht vom Publikum begeistert gefeiert wird. Diesmal ist es Kurt Schreibmayer, der den zynischen Dialekt-Forscher Higgins mit Charme, Ironie und Stimme verkörpert. Der ehemalige Freischütz- Max und König Kandaules hat damit einen Fachwechsel zustande gebracht, bei dem nach 35 Bühnenjahren nicht mehr die vokale Disposition sondern die Persönlichkeit entscheidet. Und über die verfügt er nach wie vor in großem Stil. Sein Higgins ist nicht so frauenabweisend wie einst Michael Heltau, nicht so eitel wie der Josefstadt-Chef Foettinger – aber man versteht, weshalb sich Eliza Doolittle so sehr in ihren „Lehrer“ verliebt! Die Veilchen-Verkäuferin wird übrigens von Johanna Arrouas in einer Weise realisiert, die man mit „umwerfend“ beschreiben müsste. Die in Wien geborene Sängerin hat Liebreiz und eine wunderbare lyrische Stimme, man nimmt ihr die Ordinäre ebenso ab wie die Verliebte oder später die Elegante, die in der Londoner-Seitenblicke-Gesellschaft nach entsprechender Einschulung glanzvoll reüssiert. Hier kann sich eine Sängerin entfalten, die eine Musical-Ausbildung hinter sich hat und vor der Volksoper (zu deren Ensemble sie seit 2005 gehört) ausgerechnet in der Josefstadt erste Bühnenerfahrungen sammelte.

Rund um die beiden findet sich eine ideales Ensemble. Am Pult des Volksopern-Orchesters beweist Michael Tomaschek, dass Frederik alias Fritz Loewe schon zwanzig Jahre alt war( und ausgebildeter Klassik-Komponist), als er in die USA auswanderte, wo er 20 Jahre alles war – Tellerwäscher, Goldsucher und Barpianist. Aber dann kam 1956 My fair Lady (Text Alan Jay Lerner) und der Mega-Erfolg. Und ein Stück, das so viele tolle Rollen liefert. Etwa den Oberst Pickering, der von Peter Matic als ideale Ergänzung zu Kurt Schreibmayer auf „Augenhöhe“ geführt wird. Gerhard Ernst ist ein fulminanter Alfred P. Doolittle – er kann mit dem Hausherrn Robert Meyer vielleicht nicht punkto tänzerische Agilität mithalten – aber wenn er seine Hits aus vollem Halse schmettert, nimmt man ihn den proletarischen Lebenskünstler total ab. Großartig! Auch Lotte Ledl als ewig junge Mrs. Higgins und Guggi Löwinger als super- elegante Haushälterin von Higgins und dazu noch Alexander Pinderak als Tenor-Schwarm Freddy. Dieses Produktion macht offenbar dem Ensemble auf der Bühne – inklusive dem Volksopern-Chor (Einstudierung Thomas Böttcher)- ebensolchen Spaß wie dem Publikum. Man sollte sich auch die „Hausversion“ dieses Ohrwürmer-Musicals in der unverwüstlichen aber konventionellen Regie von Robert Herzl und Rolf Langenfass ansehen und anhören.

Peter Dusek

 

 

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