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WIEN/ Volksoper: JUNGE TALENTE DES WIENER STAATSBALLETTS

15.03.2012 | Ballett/Tanz, KRITIKEN

 WIEN/ Staatsoper: „JUNGE TALENTE DES WIENER STAATSBALLETTS “ – mit und ohne Zukunft
Eine Leistungsschau des Wiener Staatsballetts in der Volksoper am 14.3.2012


Prisca Zeisel.

Wien ist (oder war es zumindest einmal) die Stadt der Walzertänzer. Ausgestorben sind in der Stadt die einheimischen Balletttänzer. Durchaus verdientes Heimatrecht im Wiener Staatsballett haben nun junge Menschen aus dem Osten und den EU-Ländern erhalten. Und diese fügen sich arbeitsfreudig und hingebungsvoll und anpassungsfähig in das soziale Gefüge ein. Es fällt nicht schwer, ein großer Freund des Ballettensembles der Österreichischen Bundestheater zu sein. Sympathische junge Tänzer trainieren intensivst in den Ballettsälen von Staats- und Volksoper. Artistisch, technisch bewegen sie auf diesem Niveau, welches heute auf den größeren Bühnen weltweit verlangt wird und gebracht werden muss. Sie alle geben sich ohne große Allüren, treten in jeder, aber wirklich jeder Hinsicht, bescheiden auf. Die dankbare Freude über das positive Entgegenkommen, welches sie vom (überschaubaren) Wiener Ballett- und dem fluktuierenden Touristenpublikum erhalten, ist ihnen immer wieder anzumerken. 

Und somit ist die Volksopern-Programmschiene „Junge Talente des Wiener  Staatsballetts“ ein Abend für die Zukunft,  nicht eine Präsentation heimischer österreichischer Nachwuchshoffnungen. Aber eine erfreuliche Leistungsschau, ausgerichtet ganz nach einer idealsierenden EU-Zukunftsvision. Die Talente sind da. Der Reihe nach hochbegabte strahlende Junge: der Italiener Davide Dato, die Japanerin Kiyoka Hashimoto, die Zypriotin Ioanna Avraam, der Schotte Greig Matthews, der Ungar Attila Bakó, der Russe Andrey Kaydanowsky, und einige mehr. Das soll keine Wertung sein. Aber in dem großen Aufgebot von über drei Dutzend Tänzer, welche sich jetzt an diesen beiden „Junge Talente“-Abenden in der Volksoper präsentieren durften, war eine einzige Ballerina vertreten, welche auch in Österreich geboren wurde.

Dieser Status ist vor allem als ein Scheitern anzusehen, als Armutszeugnis für die österreichische Kulturpolitik und die Bundestheater-Seilschaften. Denn seit ein, zwei Jahrzehnten gelingt es nicht, diesen heimischen Teenagern, welche sich zum klassischen Ballett hingezogen fühlen und sich in der Ballettschule der Bundestheater ausbilden lassen und diese auch erfolgreich absolvieren, die Freude zu bereiten, in der Heimat eine einigermaßen gesicherte Wirkungsstätte zu bieten. Im Rückblick: verlorene Generationen. Die Ballettschul-Pädagogen beteuern, dass es trotz allem doch einige Talente aus Österreich zu fördern gäbe ….

Die Zeiläufte lassen sich nicht ändern, die Österreicher haben in der Staatsoper jedenfalls für die nächste Periode zuhause ausgedient. Doch nicht ganz. Für Jungballerina Prisca Zeisel, in Wien geboren, hier in der Ballettschule geschult, im Vorjahr als 15jährige in das Staatsballett aufgenommen, scheint der Weg zu einer richtigen Karriere weit offen zu stehen wurde. Frisch und überzeugend wurde von ihr und ihrem Partner Alexandru Tacenco an diesem Abend ein klassischer Pas de deux zu Delibes-Musik getanzt. So schwungvoll und freudig, so dass auch jeder Betrachter seine Freude an der Darbietung haben konnte.

Meinhard Rüdenauer

 

 

 

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