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WIEN/ Volksoper: EIN REIGEN – Wiener Staatsballett

26.05.2014 | Ballett/Tanz, KRITIKEN

Wien/ Volksoper: Wiener Staatsballett „EIN REIGEN“ am 26.5.2014

Ein Flop für das Repertoire ist „Ein Reigen“, die neue Uraufführungsproduktion des Wiener Staatsballetts, welche nach der Premiere ziemlich heftig kritisiert wurde, denn doch nicht geworden. Dritte Aufführung in der Volksoper, ein zur Pause über das Personen-Wirrwarr auf der Bühne noch recht irritiertes und beifallsscheues Publikum. Arthur Schnitzler und Sigmund Freud und Oskar Kokoschka und Schiele und Klimt und Schönberg, einige Künstlergrößen mehr aus der Epoche des Wiener Fin de Siècle und dazu auch noch der personifizierte Tod – aber alles zusammen so gut wie ohne erkennbaren Handlungsfaden und ohne anschauliche Erzählung? Choreograph Ashley Page und Ausstatter Antony McDonald, zwei Briten auf Expedition in ein längst verklungenes Reich der Wiener Seele, haben da schon ein oberflächliches Mischmasch  zusammengebraut, ohne eine stimmige Darstellung dieser bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten erzielen zu können.

Doch einmal in diese Melange eingetunkt, ergibt sich für den Betrachter schließlich doch durch die exzellente Qualität der tänzerischen Leistungen wie einiger durchaus überzeugender choreographischer Episoden ein nachhaltiger Eindruck. Eine zweite Besetzung war ursprünglich für diesen Abend angesagt, bloß zwei neue Namen sind am Programmzettel gestanden. Und Richard Szabó hat als Schiele mit intensiver Ausdruckskraft voll überzeugen können. Soweit als historische Persönlichkeiten überhaupt nachvollziehbar: Die Damen haben es bei den Charakterisierungen ihrer Rollen um einiges leichter als Freud oder Klimt. Ungerecht, aus dem homogen Ensemble einige der TänzerInnen hervorzuheben, doch Ashley Page hat sie mit recht guten choreographischen Einfällen begünstigt: Maria Alati als Wally Neuzil, Nina Poláková und Roman Lazik (Mathilde und Arnold Schönberg), Alice Firenze (Süßes Mädel) oder Denys Cherevycko (Richard Gerstl).

Dirigent Gerrit Prießnitz geleitet das Orchester mit Anstand durch das Mahler-Schönberg-Berg-Zemlinsky-Korngold-Potpourri, und nach Maurice Ravels „La Valse“ als finalem Totentanz  hat schließlich auch das Publikum mit starkem Beifall reagiert.

Meinhard Rüdenauer  

 

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